{"id":217,"date":"2017-11-24T13:31:45","date_gmt":"2017-11-24T12:31:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/?p=217"},"modified":"2017-12-16T15:22:32","modified_gmt":"2017-12-16T14:22:32","slug":"von-odessa-sowie-einem-kranken-trip","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/2017\/11\/24\/von-odessa-sowie-einem-kranken-trip\/","title":{"rendered":"Von Odessa sowie einem &#8222;kranken&#8220; Trip"},"content":{"rendered":"<p>Hallo Freunde,<\/p>\n<p>ich bin wieder zur\u00fcck in Pinsk und habe euch, wie versprochen, einiges zu erz\u00e4hlen:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Am Freitag, dem 10. November, stieg ich mittags mit einem vollgepackten Trekkingrucksack in die Marschrutka nach Minsk &#8211; das Zwischenseminar rief. Ich war ziemlich aufgew\u00fchlt und hatte mit durchaus gemischten Gef\u00fchlen zu k\u00e4mpfen&#8230;einerseits war da nat\u00fcrlich die freudige Erwartung, ich w\u00fcrde endlich wieder andere Freiwillige treffen, und da sich als Trainer unser verehrter Homezone21-Mika angek\u00fcndigt hatte, konnte es nur eine vielf\u00e4ltige und spannende Woche werden&#8230;andererseits waren mir meine Leute an der Einsatzstelle mittlerweile so ans Herz gewachsen, dass mich bei dem Gedanken, sie f\u00fcr eine Woche zur\u00fcckzulassen, auch ein Anflug von Traurigkeit \u00fcberkam. Aber jetzt ging es los, und es galt, einfach das Beste aus der geschenkten Zeit zu machen!<\/p>\n<p>In Minsk traf ich auf meine Mitreisenden Zoe und Orscha (sorrey, Anna \ud83d\ude09 ), zusammen ging es erst zu Megges und dann zum Busbahnhof. Der Bus erwies sich dann als wahres Komfortwunder &#8211; extra viel Platz, superweiche Sitze, Internet und Bildschirme mit vielen Filmen, einer riesigen Musikplaylist und einigen Spielen. Ich entdeckte Inception sowie 3 Lieder in denen es um einen Roman geht; die Fahrt verging also trotz langem Stehen an der Grenze fast wie im Flug.<\/p>\n<p>Morgens um 6:30 wurden wir in Kiew aus dem Bus geschmissen. Auf einmal ohne Mobilverbindung und Internet, irrten wir etwas orientierungslos herum und versuchten vergeblich, einen Eingang zur UBahn zu finden. Am Ende organisierte ich uns einen Mann mit Auto, der zwar garantiert \u00fcber keine Taxilizenz verf\u00fcgte, mir jedoch relativ vertrauenserweckend schien. Im Wagen wechselte der Herr uns noch schnell unsere Rubel in ukrainische Hrywnja (ich sag ja, kein echter Taxifahrer), dann ging es quer durch die Stadt zum Hostel, wo ich uns 3 einquartiert hatte. Dieses zu finden gestaltete sich nicht sehr leicht; im Endeffekt lie\u00dfen der Fahrer und ich die M\u00e4dchen im Auto und machten uns zu Fu\u00df auf die Suche. Nach 10 weiteren geschlagenen Minuten erblickten wir dann im hintersten Winkel einer verzweigten Wohnhauszufahrt ein kleines &#8222;Hostel&#8220;-Schild. Jetzt hie\u00df es noch, der Reihe nach an allein Wohnungst\u00fcren zu klingeln, um herauszufinden, wo wir jetzt eigentlich die Rezeption anstelle von verschlafenen Einwohnern finden; anschlie\u00dfend wurden die M\u00e4dchen aus dem Auto geholt, dem hilfsbereiten Fahrer ein Trinkgeld in die Hand gedr\u00fcckt und dann in aller Ruhe ein Tee in der Hostelk\u00fcche geschl\u00fcrft \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Nach einem kurzen planlosen Spaziergang in der n\u00e4heren Umgebung sahen wir schnell von unserem Plan ab, auf eigene Faust zu versuchen, irgendetwas sightseeingm\u00e4\u00dfig zu entdecken. Stattdessen kontaktierten wir, in einem Cafe mit Internet sitzend, die Kulturweitfreiwillige Anja, die immerhin schon ihre letzten 2 Monate in Kiew verbringen durfte. Dies stellte sich als eine sehr gute Entscheidung heraus! Anja stimmte sofort begeistert zu und holte uns auf dem zentralen Majdan-Platz ab. Hier findet sich das 63 Meter hohe Unabh\u00e4ngigkeitsmerkmal, in dessen Schatten im Jahr 2004 die massiven Proteste im Zuge der orangenen Revolution ausgetragen wurden, auch der Euromajdan 2013 nahm hier seinen Ursprung. Heute ist der Platz eine beliebte Anlaufstelle f\u00fcr Touristen, die\u00a0an einem der zahlreichen St\u00e4nde ukrainische Souvenirs sowie verschiedene Sticker und Stempel mit teilweise sehr antirussischen Parolen erwerben k\u00f6nnen; zwischendurch wird man bedr\u00e4ngt von jungen M\u00e4nnern die einem liebend gerne eine Taube oder einen Falken (!) auf den Arm setzen m\u00f6chten, um anschlie\u00dfend eine Geb\u00fchr zu kassieren :D. Mit Anja ging es dann quer durch die Stadt, hoch auf die H\u00fcgel mit den besten Aussichtspunkten und wieder hinab durch die Stra\u00dfenschluchten der Stadt. Kiew hat einige sehr sch\u00f6ne Geb\u00e4ude zu bieten, jedoch musste ich feststellen, dass verglichen zu Minsk die Stadt einen wilderen und ungeordneteren Eindruck macht: W\u00e4hrend Minsk das zentralverwaltete Wirtschaftssystem in seinem Stadtbild sehr sch\u00f6n wiederspiegelt und sich durch viele breite Alleen, lange, einheitliche Prunkfassaden und ein symmetrisches Stra\u00dfennetz auszeichnet; treffen in in Kiew alte H\u00fctten auf moderne Pal\u00e4ste, pulsierende Lebensadern finden sich im Zentrum gleich neben nackten H\u00fcgeln wieder; die Stra\u00dfen sind verwinkelt und man verliert schnell die Orientierung. Mir pers\u00f6nlich sagt Minsk vom Stadtbild mehr zu; dies kann jedoch ein rein subjektiver Eindruck sein. Gegen Abend verabschiedeten wir uns von Anja und fielen ersch\u00f6pft in unsere Betten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171111-WA0040-Andere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-211\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171111-WA0040-Andere-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171111-WA0040-Andere-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171111-WA0040-Andere.jpg 533w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171111_103955-Andere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-218\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171111_103955-Andere-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171111_103955-Andere-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171111_103955-Andere.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171111_114233-Andere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-213\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171111_114233-Andere-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171111_114233-Andere-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171111_114233-Andere.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Den Sonntag traten wir ziemlich demotiviert an. Irgendwie hatte man das Gef\u00fchl, alles schon gesehen zu haben; au\u00dferdem sch\u00fcttete es drau\u00dfen wie aus K\u00fcbeln. Nach einem langen Fr\u00fchst\u00fcck fuhren wir mit der Metro zu einem Kaufhaus am Rande der Stadt &#8211; hier sollte es laut Google eine Fl\u00e4che zum Eislaufen geben. Als wir das riesige Geb\u00e4ude betraten, verschlug es uns einfach die Sprache &#8211; an keinem Ort im Osten ist\u00a0 der amerikanische Konsumgedanke so allgegenw\u00e4rtig wie hier: Die obere Etage zieht sich gef\u00fchlt einen Kilometer und ist vollstopft mit den verschiedensten Freizeitattrationen &#8211; neben der Eislaufbahn gibt es hier auch Bowling, einen InlinerSkates-Park, ein Kino, einen Aquapark, einen Kletterpark, eine LAN Party-Arena, einen Zoo (!) und noch vieles mehr! Wer das n\u00f6tige Geld aufbringen kann, hat hier absolut alles, was sein Herz begehrt &#8211; und zwar auf engstem Raum! Wir entschieden uns, hier den immernoch anhaltenden Regen zu \u00fcberstehen und verbrachten die n\u00e4chsten 4-5 Stunden beim Pizzaessen, Eislaufen, rumschlendern und im 9D-Kino (fragt mich nicht woher die 9 kommt, zusammen mit zwei kreischenden M\u00e4dchen aber eine lustige Erfahrung). Gegen Abend hie\u00df es dann langsam aufbrechen, wir spazierten zur\u00fcck zum Hostel, holten unsere Sachen und liefen zum Bahnhof, wo Anja zusammen mit der Freiwilligen Lea auf uns wartete und unser Zug nach Odessa schon bereitstand \ud83d\ude42<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171112_160521-Andere-e1511253110456.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-214\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171112_160521-Andere-e1511253110456-300x533.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171112_160521-Andere-e1511253110456-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171112_160521-Andere-e1511253110456.jpg 360w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nachtzugfahren ist eine\u00a0Erfahrung f\u00fcr sich, die f\u00fcr einen Westeurop\u00e4er g\u00e4nzlich unbekannt ist. Man wird mit 3 fremden Menschen in ein winziges Abteil gesteckt, wo zwischen den Betten grade Platz f\u00fcr eine stehende Person ist. Die unteren Betten werden kurz hochgeklappt, damit man seine Sachen darunter platzieren kann, dann macht man sie wieder runter und wer im Voraus nicht alles wichtige aus seiner Tasche rausgeholt hat, hat jetzt leider Pech \ud83d\ude42 Dann kraxelt jeder irgendwie auf sein Bett und f\u00e4ngt an, es zu beziehen, wobei bei die ge\u00fcbten Ukrainer in 2 Minuten fertig sind, w\u00e4hrend der unerfahrene Deutsche erstmal 15 Minuten braucht, um zu verstehen, dass es sich bei dem gerollten rechteckigen Sack nicht um die Decke sondern um die Matratze handelt&#8230; Dann kann man nochmal das Bad aufsuchen (welches \u00fcbrigens sauberer ist als bei der Deutschen Bahn), und schlie\u00dflich bleibt mir aufgrund des enormen Platzmangels bzw. fehlender Fl\u00e4che f\u00fcr weitere Aufenthalte nichts anderes \u00fcbrig, als mich im Bett zusammenzurollen und so schnell es geht einzuschlafen, bevor der Mann unter mir nicht angefangen hat zu schnarchen \ud83d\ude42 Morgens dann wird man vom Schaffner geweckt und befindet sich schon am Zielreiseort. Von der Fahrt an sich bekommt man nichts mit, stattdessen ist man ausgeschlafen und energiegeladen &#8211; ziemlich praktisch. Und da die Fahrten ausschlie\u00dflich nachts stattfinden brauche ich ehrlich gesagt auch nix weiteres au\u00dfer ein halbwegs bequemes Bett, in dem ich in einer gesunden und entspannten Haltung schlafen kann!<\/p>\n<p>Dann standen wir am fr\u00fchen Morgen endlich am Bahnhof in Odessa und atmeten die reine Schwarzmeerluft ein, die sich zwar null von der regul\u00e4ren Luft unterscheidet, jedoch um 5 Grad w\u00e4rmer ausf\u00e4llt als in Kiew. Nachdem wir die Sachen im Hotel gelassen hatten, ging es ersteinmal auf einen Spaziergang zum Meer, wo wir die ber\u00fcchtigte Arcadia-Strandpromenade hinunterschlenderten. Das Meer in seiner nat\u00fcrlichen Form war wundersch\u00f6n, der Strand jedoch leider komplett verdreckt vom Touri-M\u00fcll aus der Sommersaison und die Promenade vollgebaut mit altsowjetischen Betonkl\u00f6tzen&#8230; Das raubte dem Ort leider die strahlende Erhabenheit, die ihm eigentlich zustehen w\u00fcrde. Wir machten wieder kehrt und vertr\u00f6delten die folgenden Stunden in menschenleeren HighSociety-Einkaufsh\u00e4usern, die vergeblich auf kaufstarke Kunden warteten. Wir kauften nix.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171113-WA0029-Andere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-212\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171113-WA0029-Andere-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171113-WA0029-Andere-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171113-WA0029-Andere.jpg 533w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u00a0<\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171113_073519-Andere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-210\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171113_073519-Andere-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171113_073519-Andere-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/20171113_073519-Andere.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gegen Mittag zur\u00fcck im Hotel, checkten wir ein und schlossen die eintreffenden Freiwilligen sowie unsere legend\u00e4ren Kulturweit-Trainer Mika und Matze in die Arme. Nach Odessa waren alle Freiwilligen aus den L\u00e4ndern Belarus (wir), Estland, Lettland, Litauen und nat\u00fcrlich der Ukraine gekommen. Ich war \u00fcbrigens wiedereinmal der Hahn im Korb, aber das sind wir ja schon gewohnt und die M\u00e4dchen sind echt alle voll lieb und symphatisch. In chilliger Runde ging es die n\u00e4chsten Tage also darum, die anderen Freiwilligen besser kennenzulernen, mehr \u00fcber deren Einsatzstellen und T\u00e4tigkeiten in Erfahrung zu bringen sowie gemeinsam an eventuellen Problemen und Baustellen zu feilen. Im Vergleich kann ich sagen, dass es mir an meiner Einsatzstelle \u00fcberdurchschnittlich gut geht, durch meine nahezu perfekten Sprachkenntnisse habe ich mit viel weniger Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen. An meiner Schule werde ich t\u00e4glich in den verschiedensten T\u00e4tigkeitsbereichen eingesetzt, bekomme ein hohes Ma\u00df an Verantwortung zugesprochen und habe einfach das Gef\u00fchl, dass ich mich zu einem unersetzbaren Teil der Einsatzstelle entwickelt habe &#8211; das alles spornt mich zus\u00e4tzlich an und sorgt daf\u00fcr, dass meine Motivation und Ehrgeiz nie ausgehen. Auch um meine Freizeit steht es gut, da mein Russisch den Schl\u00fcssel zu den Jugendlichen hier darstellt und ich ein hervorragendes Verh\u00e4ltnis zu vielen von Ihnen pflege! Besonders sch\u00f6n fand ich es, als mir Mika in einer Pause den Brief \u00fcbergab, den ich am letzten Tag des Vorbereitungsseminares in Berlin an mein zuk\u00fcnftiges Ich geschrieben hatte. In ihm fand sich neben meinen Sorgen und \u00c4ngsten eine Liste mit Hoffnungen, die ich an die ersten Monate des Freiwilligenjahres gestellt hatte. Von meinem jetzigen Standpunkt aus konnte ich zu meiner gro\u00dfen Freude nahezu alle Punkte abhaken, und bei dem letzten, unerf\u00fcllten besteht vielleicht noch berechtigte Hoffnung f\u00fcr die kommende Zeit ;). Jedenfalls war das Zwischenseminar f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ein Erfolg, denn auch wenn ich nichts Neues mehr f\u00fcr mich mitnehmen konnte, so hat es mir in Sachen Selbstreflexion au\u00dferordentlich geholfen!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171114-WA0026-Andere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-215\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171114-WA0026-Andere.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171117-WA0016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-258\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171117-WA0016.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171117-WA0016.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171117-WA0016-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/files\/2017\/11\/IMG-20171117-WA0016-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben unseren pers\u00f6nlichen Erfahrungen beinhaltete das Zwischenseminar auch viele tolle politische Diskussionen (h\u00e4tte noch mehr sein k\u00f6nnen, gelle Mika?) und interessantes psychologisches Impro-Theater (danke Matze!). Der Mittwoch war au\u00dferdem der Stadt Odessa gewidmet, die sich nach einer abwechslungsreichen Stadtf\u00fchrung als ziemlich interessant und vielf\u00e4ltig entpuppte. Am letzten Abend ging es dann in geschlossener Gruppe in die City zum Feiern, was sich an einem Donnerstagabend als schwierig herausstellte. Irgendwann fanden wir dann einen Club, in dem zwar ein Live-DJ furchtbare Technomusik spielte, aber besser als gar nix. Ziemlich angeheitert und mit vollgedr\u00f6hnten Ohren verlie\u00dfen wir die Bude dann gegen 3 Uhr und machten uns auf Richtung Hotel &#8211; an mir war es, unterwegs zwei schmierigen Typen auf russisch zu erkl\u00e4ren, dass ich nicht vorhabe, ein paar der M\u00e4dchen &#8222;abzugeben&#8220;, sowie am Bahnhof drei Taxis aufzutreiben, die unsere gesamten Gruppe zur\u00fcck zu unseren Betten bugsieren w\u00fcrden. Gegen 4 Uhr schloss ich dann endlich die Augen&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;um sie 4 Stunden sp\u00e4ter beim lauten Rufen meines Weckers wieder aufzurei\u00dfen &#8211; die Abreise stand bevor, vor Seminarbeginn musste noch ordentlich gepackt und das Zimmer ger\u00e4umt werden. Mit dr\u00f6hnendem Kopf torkelte ich ins Badezimmer und drehte die Dusche auf &#8211; das eiskalte Wasser war\u00a0 jetzt nur willkommen. Anschlie\u00dfend bekam ich irgendwie meine 7 Sachen zusammen, fr\u00fchst\u00fcckte eine Gurke und gesellte mich zu dem Rest in den Seminarraum.\u00a0 Was ich als leichten Kater von gestern Nacht abstempelte, entpuppte sich in den n\u00e4chsten Stunden als waschechtes Fieber &#8211; ich war krank. Aber was sollte ich machen? Nach der emotionalen Verbaschiedung sowie einem letzten Mittagessen durfte ich nicht mehr zur\u00fcck ins Zimmer &#8211; einzig unsere Sachen durften wir im Hotelkeller parken. Zu Hause w\u00e4re ich erst am Sonntagnachmittag &#8211; davor galt es, 8 Stunden in Odessa auf den Nachtzug nach Kiew zu warten und dort dann nochmal 12 Stunden zu verbringen bevor dann Samstag abend der Bus ins heimatliche Belarus abfuhr. Ich musste also starkbleiben! Fix 5 St\u00fchle im Seminarraum zusammengestellt, und schon hatte ich einen provisorischen Schlafplatz f\u00fcr die n\u00e4chste Stunde. Etwas gest\u00e4rkt, lie\u00df ich mich von den M\u00e4dchen bereitwillig mit Ibuprofen abf\u00fcllen und folgte ihnen auf einen letzten Spaziergang in die Innenstadt. &#8222;Nur keine Panik, alles wird gut, genie\u00df einfach deine Zeit&#8220; &#8211; das war ungef\u00e4hr die mentale Dauerschleife, die ich die n\u00e4chsten Stunden gedanklich durchlief. Doch die Panik \u00fcberkam mich dennoch, als wir die letzten beiden Stunden vor Abfahrt in einem Cafe nahe des Bahnhofs fristeten und ich trotz Winterjacke und Handschuhen von Frostattacken gesch\u00fcttelt wurde. Mit zittrigen Fingern verband ich mich mit dem 1 Balken-starken Internethotspot und schrieb voller Verzweiflung meiner Mutter &#8211; vielleicht, um ein paar Abschiedsworte an sie zu richten, denn den morgigen Tag w\u00fcrde ich nicht \u00fcberleben&#8230;<\/p>\n<p>Was soll ich sagen-meine Mutter ist einfach die Beste! Das Einatzheadset aufgesetzt, leitete sie die Operation &#8222;Rettet meinen armen kranken Sohn vor dem Sterben&#8220; ein. W\u00e4hrend ich also die letzten 30 Minuten vor meiner Fahrt ins internetlose Verderben mit letzter Anstrengung an meinem schwarzen Tee nippte, setzte sie alle Hebel in Bewegung, um die vermeintliche Katastrophe doch noch abzuwenden. Und siehe da &#8211; nach einer schrecklich &#8211; schwitzigen und stickigen Nacht im Zug wurde ich am Kiewer Bahnsteig von einer Freundin von der Freundin meiner Mutter in Empfang genommen. Es stellte sich raus, dass sie so ganz nebenbei Kiews f\u00fchrende Innendesignerin ist; in einem SUV fuhr sie mich zu ihrem Haus, wo ich duschen, fr\u00fchst\u00fccken und dann in v\u00f6lliger Ersch\u00f6pfung auf dem Sofa einschlafen konnte. Den restlichen Tag verbrachte ich mit d\u00f6sen, rumliegen und essen. Meine Retterin pflegte mich erfolgreich, sodass ich mich abends wieder etwas fitter f\u00fchlte und zum Busbahnhof gefahren wurde, wo ich ihr \u00fcberschw\u00e4nglich dankte und mich dann zu den anderen Freiwilligen begab. Zusammen fristeten wir die Nacht im Bus samt dreist\u00fcndigem Aufenthalt an der Grenze; in Minsk angekommen, wurde sich schnell verabschiedet bevor jeder Freiwillige seinen eigenen Weg zum Einsatzort einschlug. Ich selbst war \u00fcbergl\u00fccklich \u00fcber meine erneute Ankunft in Belarus, hier f\u00fchlt sich alles schon so vertraut und gewohnt an (man ey, was hab ich die Rubelw\u00e4hrung vermisst, mit ukrainischen Hrywnja hat man echt nur Stress). Als dann die Marschrutka 4 Stunden sp\u00e4ter in Pinsk einfuhr und mich an der Haltestelle rausschmiss, hatte ich das Gef\u00fchl, wieder zu Hause zu sein&#8230;<\/p>\n<p>Jetzt bin ich mittlerweile auch wieder vollkommen gesund und einsatzf\u00e4hig; und ich habe das Gl\u00fcck, sagen zu k\u00f6nnen, dass meine Schule mich braucht und ich mich auf die Arbeit freue!<\/p>\n<p>Machts gut und habt euch lieb, Leute!<\/p>\n<p>Euer Mr. Romantic<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo Freunde, ich bin wieder zur\u00fcck in Pinsk und habe euch, wie versprochen, einiges zu erz\u00e4hlen:<\/p>\n","protected":false},"author":2228,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-217","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/217"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2228"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=217"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/217\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":259,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/217\/revisions\/259"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mrromanticisreadyforbelarus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}