{"id":762,"date":"2012-03-01T15:53:36","date_gmt":"2012-03-01T07:53:36","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/?p=762"},"modified":"2012-03-01T15:53:36","modified_gmt":"2012-03-01T07:53:36","slug":"im-jahr-des-wasserdrachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/2012\/03\/01\/im-jahr-des-wasserdrachen\/","title":{"rendered":"Im Jahr des Wasserdrachen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0494.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-769\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0494-300x200.jpg\" alt=\"Gruppenfoto mit der ganzen Familie beim mongolischen Neujahrsfest Zagaan Sar\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0494-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0494-449x300.jpg 449w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0494.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Was die Chinesen k\u00f6nnen, das k\u00f6nnen die Mongolen schon lange. Auch wir feiern hier ein spezielles Neujahr, genannt wird es Zagaan Sar. \u00dcbersetzen kann man dies entweder mit \u201eWei\u00dfer Mond\u201c oder \u201eWei\u00dfer Monat\u201c. Zagaan Sar ist sozusagen das mongolische Weihnachten. Es ist das wichtigste Fest in diesem Land und das habe ich letzte Woche drei Tage am St\u00fcck hautnah erfahren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Mongolei gibt es eine besondere Nationaltracht. Diese Tracht wird Deel genannt und vor allem zu Zagaan Sar getragen. Ich hatte bereits letztes Jahr im Dezember eine Schneiderin bei mir zu Hause, die mich vermessen hat und p\u00fcnktlich zu Zagaan Sar habe ich mein pers\u00f6nliches Deel in braun mit orangenem G\u00fcrtel, eine orangene Weste und Stiefel bekommen. Insgesamt war es eine nicht ganz billige Anschaffung, aber auf jeden Fall eine n\u00fctzliche Anschaffung. Denn dadurch habe ich mein Leben lang Erinnerung an die Mongolei und mein Freiwilliges Soziales Jahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0455.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-764\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0455-300x200.jpg\" alt=\"Der K\u00fcchentisch bei uns zu Hause: Links der Milchtee, in der Mitte wei\u00dfe S\u00fc\u00dfigkeiten und rechts der Turm, auch Idee genannt\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0455-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0455-449x300.jpg 449w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0455.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der Dienstagabend wurde hier als \u201eHeiliger Abend\u201c bezeichnet. Der Abend also vor dem eigentlichen Neujahr. An diesem Tag wurde die ganze Wohnung geputzt und zwar richtig geputzt. Am Abend gab es dann das erste gemeinsame Essen und zwar Buuz \u2013 das Traditionsgericht zu Zagaan Sar. Wirklich jede Familie a\u00df die Zagaan-Sar-Tage \u00fcber nur Buuz. Jetzt h\u00e4ngen sie mir pers\u00f6nlich zu den Ohren raus und ich freue mich, dass ich jetzt wieder selbst an den Herd gehen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am Mittwochmorgen wurde mit Sonnenaufgang aufgestanden. Die erste Sonne des neuen Jahres musste schlie\u00dflich begr\u00fc\u00dft werden und zwar nach einem ganz bestimmten Ritual. Frische Milch wird in drei Richtungen geworfen \u2013 der Sonne entgegen. Gleich danach hie\u00df es: Fertig machen und anziehen. Wir mussten nach Darkhan fahren, der zweiten richtigen Stadt neben Ulaanbaatar hier in der Mongolei. Vor der Fahrt wurden auch die Reifen mit frischer Milch begossen, sodass eine gute Fahrt garantiert wurde. Auf dem Weg sah ich viele Menschen auf den Stra\u00dfen, die den Sonnengru\u00df mit der frischen Milch durchf\u00fchrten. Ein bisschen verr\u00fcckt \u2013 um ehrlich zu sein \u2013 wenn alle Leute mit Sch\u00fcsseln auf den Stra\u00dfen stehen und diese in verschiedene Richtungen werfen, aber ich sage es immer wieder: Andere L\u00e4nder, andere Sitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0470.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-768\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0470-300x200.jpg\" alt=\"Die Tafel bei der Gro\u00dfmutter mit: Milchtee, Fleisch, Idee und (wer findet ihn? ...) Wodka\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0470-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0470-449x300.jpg 449w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0470.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>So waren wir dann also im Auto und die dreist\u00fcndige Autofahrt begann, fast! Denn kurz nach Ulaanbaatar mussten wir an einem Steinhaufen noch mal anhalten. Auch das ist der mongolische Brauch: dreimal um den Steinhaufen laufen, dreimal Steine werfen und dann hat man eine gute Fahrt. Gesagt, getan. Und tats\u00e4chlich hatten wir eine gute Fahrt und sind am Mittag endlich in Darkhan bei der Gro\u00dfmutter meiner Kollegin angekommen. Die ganze Familie versammelte sich dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0464.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-767\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0464-300x200.jpg\" alt=\"Hier waren wir am ersten Tag eingeladen: Bei Khosoos Gro\u00dfmutter. Zum Begr\u00fc\u00dfen tr\u00e4gt man immer einen Hut\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0464-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0464-449x300.jpg 449w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0464.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Dann kann man eigentlich auch nichts mehr falsch machen, wenn man das ganze Ritual und alle Sitten kennt. Man kommt also in die Wohnung und dann muss man die Hausherrin bzw. den Hausherrn begr\u00fc\u00dfen. Dabei legt der jeweils J\u00fcngere, also meist der Gast, seine Unterarme unter die des Gastgebers. Man bekommt auf jede Backe einen Kuss und fragt dabei \u2013 auf Deutsch \u00fcbersetzt \u2013 \u201eWie geht es Ihnen? Alles Gute f\u00fcr das neue Jahr\u201c. Danach wird der zweit\u00e4lteste genau nach demselben Schema begr\u00fc\u00dft usw., bis man eben alle Anwesenden begr\u00fc\u00dft hat. Nach dem Begr\u00fc\u00dfen wird Schnupftabak gereicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0457.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-766\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0457-300x200.jpg\" alt=\"Das Fleisch steht w\u00e4hrend der Neujahrsfeiertage auf dem Tisch\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0457-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0457-449x300.jpg 449w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0457.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Auch was das Essen angeht, gibt es spezielle Reihenfolgen. Man nimmt zuerst vom s\u00fc\u00dfen Reis (weil es das wei\u00dfe Gericht ist), greift dann zur Idee \u2013 einem Turm aus s\u00fc\u00dfem Geb\u00e4ck. Danach bekommt man ein St\u00fcck von gekochtem Fleisch abgeschnitten, das \u00fcber die Feiertage auf dem Tisch liegt. Abschneiden muss es der \u00e4lteste Herr, der anwesend ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0502.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-770\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0502-300x200.jpg\" alt=\"Im Deel gekleidet besuchten wir viele Verwandte und Freunde\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0502-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0502-449x300.jpg 449w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0502.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ja, und dann ist erstmal Warten angesagt. Die Buuz m\u00fcssen n\u00e4mlich gekocht werden. Bei wirklich jeder Familie, die wir w\u00e4hrend den Feiertagen besuchten (und das waren viele!), gab es Buuz. Wir besuchten Verwandte und auch Freunde von Khosoo, meiner Mitbewohnerin. Auf Nachfrage wurde mir dann auch gesagt, dass es keine Familie gibt, die \u00fcber Zagaan Sar keine Buuz kocht. Nach den Buuz wird zur Verdauung Wodka getrunken \u2013 allerdings nicht nur einmal, sondern insgesamt dreimal \u2013 nur das bringt Gl\u00fcck, alles andere f\u00fchrt zu Leiden. Ich habe eine gef\u00fchlte Flasche w\u00e4hrend der Tage getrunken und gef\u00fchlte 60 Buuz gegessen. Bevor man eine Familie wieder verl\u00e4sst, bekommt man ein Geschenk der Hausherrin bzw. des Hausherren. Ich habe erstaunlicherweise sehr viel Pflegeartikel f\u00fcr meine Haare bekommen, angefangen von einer Kur bis zum Haargel und Shampoo. Die Mongolen dachten wahrscheinlich, dass ich jeden Morgen zwei Stunden vor dem Spiegel stehe und meine Haare pflege. Naja, ganz so Unrecht haben sie ja nicht \ud83d\ude09<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0456.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-765\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0456-300x200.jpg\" alt=\"Je nach Alter des Hausherren ist die Idee unterschiedlich gro\u00df\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0456-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0456-449x300.jpg 449w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/files\/2012\/03\/DSC_0456.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Zagaan Sar war wirklich ein sehr beeindruckendes Fest. Nun sind wir also vom Hahn-Jahr zum Wasserdrachen-Jahr gewechselt. Der Wasserdrachen steht f\u00fcr viel St\u00e4rke und vor allem Gl\u00fcck. Ich w\u00fcnsche allen ein gl\u00fcckliches neues mongolisches Jahr \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00dcbrigens: In jetzt schon weniger als sechs Monaten werde ich wieder deutschen Boden betreten. Am 27. August um 17:45 Uhr in Frankfurt am Main \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was die Chinesen k\u00f6nnen, das k\u00f6nnen die Mongolen schon lange. Auch wir feiern hier ein spezielles Neujahr, genannt wird es Zagaan Sar. \u00dcbersetzen kann man dies entweder mit \u201eWei\u00dfer Mond\u201c oder \u201eWei\u00dfer Monat\u201c. Zagaan Sar ist sozusagen das mongolische Weihnachten. Es ist das wichtigste Fest in diesem Land und das habe ich letzte Woche drei [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":619,"featured_media":769,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[563,588,565,591,577,307],"tags":[35687,52253,888,651,35769,35766],"class_list":["post-762","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erlebnis","category-familie","category-gastland","category-lebensgeschichte","category-menschen","category-mentalitat","tag-buuz","tag-familie","tag-fest","tag-neujahr","tag-neujahrsfest","tag-zagaan-sar"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/762"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/users\/619"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=762"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/762\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/media\/769"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=762"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=762"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongolei\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=762"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}