{"id":150,"date":"2015-01-12T23:03:13","date_gmt":"2015-01-12T15:03:13","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/?p=150"},"modified":"2015-01-12T23:05:55","modified_gmt":"2015-01-12T15:05:55","slug":"grenzerfahrungen-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/2015\/01\/12\/grenzerfahrungen-1\/","title":{"rendered":"Grenzerfahrungen, Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe mich also dann doch mal wieder bequemt einen Bericht zu schreiben. Die Vernachl\u00e4ssigung der letzten Wochen liegt vor Allem daran, dass ich Besuch hatte und Ich das Kuscheln den Schreiben vorziehe. Auf absehbare Zeit habe ich daf\u00fcr aber neimanden mehr, ergo: mehr Zeit f\u00fcr den Blog.<br \/>\nDie folgende Geschichte schon eine Weile her, es w\u00e4re aber ein Unding sie nicht zu erz\u00e4hlen:<\/p>\n<p>Ich stand am Bahnhof und fror. Es war Ende November, 7:00 Uhr morgens. Ich musste zwecks Zwischenseminar nach Shanghai und hatte mir die Woche davor zum Reisen freigenommen.<br \/>\nZugverbindung, Ulaanbaatar &#8211; Peking.<br \/>\nAbfahrt, 7:15 Uhr.Fahrtdauer, etwa 30 Stunden.<\/p>\n<p>Die Beantragung meines Visums war nicht ganz problemlos verlaufen: Als ich es abholen wollte, hatte man mir nur eine Woche ausgestellt.<br \/>\nIch hatte mich beschwert, ein bisschen zu laut vieleicht, die Frau am Schalter musste lachen.<br \/>\nDann ihre Frage, warum ich mich denn so aufrege?<br \/>\nEigentlich eine gute Frage: Ich hatte nicht viel zu verlieren, ausser einem weiteren Antrag und 30 Dollar, aber irgendetwas scheinen Beh\u00f6rden an sich zu haben, das einen bei der kleinsten Unregelm\u00e4\u00dfigkeit sofort zur Wei\u00dfglut treibt.<br \/>\nIch hatte mein Visum also erneut beantragt und eine Woche sp\u00e4ter erhalten.<\/p>\n<p>Mit Get\u00f6se fuhr der Zug ein. Er sah aus, wie man sich einen Zug vorstellt. Alt, rustikal und dunkelgr\u00fcn. Keine Sitzheizung, kein W-Lan, daf\u00fcr offene Kohle\u00f6fen und simple Betten.<br \/>\nDie Kontrolleure trugen schwarze Lederm\u00e4ntel und Pelzm\u00fctzen und ihr Blick machte deutlich, dass ratsam war ein Ticket zu besitzen.<br \/>\nIch war begeistert. Das ganze Bild wirkte schon fast zu Klischeebeladen um wahr zu sein. Ich stieg ein und verstaute mein Gep\u00e4ck unter meinem Bett. Man sah viele Menschen eifrig Waren aus- und einladen. Anscheinend wird die Transmongolische Eisenbahn auch verst\u00e4rkt als Handelsweg benutzt.<br \/>\nNach einer halben Stunde fuhren wir los.<\/p>\n<div id=\"attachment_151\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-76.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-151\" class=\"wp-image-151\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-76-300x225.jpg\" alt=\"Q (76)\" width=\"350\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-76-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-76.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-76-750x563.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-76-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-151\" class=\"wp-caption-text\">Mein Bett: unten links<\/p><\/div>\n<p>Ich teilte meine Kabine mit einer Frau und ihren Kindern. Da die Tochter Englisch verstand, unterhielt man sich ein wenig. Es gab hei\u00dfes Wasser, mit dem man sich Instantsuppen und Tee machen konnte, die meiste Zeit las ich oder lief durch den Zug und machte Fotos.<\/p>\n<div id=\"attachment_152\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-75.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-152\" class=\"wp-image-152\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-75-300x225.jpg\" alt=\"Wagon von innen\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-75-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-75.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-75-750x563.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-75-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-152\" class=\"wp-caption-text\">Wagon von innen<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_154\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-79.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-154\" class=\"wp-image-154\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-79-300x225.jpg\" alt=\"Das Fenster am Ende des Zuges\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-79-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-79.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-79-750x563.jpg 750w, https:\/\/kulturweit.blog\/mongofaber\/files\/2015\/01\/Q-79-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-154\" class=\"wp-caption-text\">Das Fenster am Ende des Zuges<\/p><\/div>\n<p>Dann meine Grenz-Geschichte: Es war schon sp\u00e4t am Abend und ich ertrug es nicht l\u00e4nger, nicht schlafen zu k\u00f6nnen bis man nicht die Grenze passiert hat. Endlich hielten wir an, die letzte Stadt vor China, eine Frau lief durch die Abteile,sammelt die P\u00e4sse ein und verschwindet. Ich versuche zu lesen, nach einer halben Stunde kommt sie wieder.<br \/>\n\u00bbCome with me!\u00ab, sagt sie freundlich und bedeutet mir eine Jacke anzuziehen.Ich folge ihr, drau\u00dfen ist es eisig, solange die Sonne da ist ist es angenehm, aber es ist Nacht und nachts ist es kalt, ganz gleich wie viele Klamotten. Es sind nur wenige Schritte, aber ich trage nur einen Pulli und so sp\u00fcre ich die warme Luft des B\u00fcros mit Erleichterung.<\/p>\n<p>Eine Frau sitzt dort und zeigt auf meinen Pass.<br \/>\n\u00bbRe-entry visa!\u00ab, sagt sie.<br \/>\n\u00bbYes, It is\u00ab, sage ich und zeige ebenfalls auf meinen Pass.<br \/>\nSie betrachtet mich, als sei ich der letzte Idiot. Ihr Englisch ist br\u00fcchig, und um diese Uhrzeit, scheint kaum jemand anderes im B\u00fcro zu sein, wir versuchen uns zu verst\u00e4ndigen, was mislingt.<br \/>\nSie tippt eine Weile auf ihr Handy und reicht es mir, pl\u00f6tzlich h\u00f6re ich eine weitere Frauenstimme, diesmal jedoch in einwandfreiem Deutsch.<br \/>\nGott, was ich dieser Stimme zu verdanken habe, vermutlich h\u00e4tte ich nirgendwann diese Stadt verlassen. Wie sich sp\u00e4ter herausstellte, geh\u00f6rte sie einer Mitarbeiterin der deutschen Botschaft, die einmal ein Formular mit meinem Namen ausgef\u00fcllt hatte, sie war nicht f\u00fcr mich verantwortlich, kannte mich nicht und hatte keine Ahnung woher die Grenzbeh\u00f6rde ihre Nummer hatte, aber sie half mir.<br \/>\nSie \u00fcbersetzt f\u00fcr mich, anscheinend ben\u00f6tige ich ein Schreiben der Schule, ich renne wieder zu meinem Gep\u00e4ck um meinen Laptop zu holen, auf dem ich den Wisch vermute. Diesmal friere ich nicht, weil aufgeregt.<br \/>\n&#8211; Schwachsinnig eigentlich, was hatte ich denn Angst zu verpassen, was sollte ich denn in China mehr erleben, als an dieser Grenze?<\/p>\n<p>Jedenfalls hole ich mein Gep\u00e4ck und suche die Datei, nat\u00fcrlich ist es die falsche.<br \/>\nDie Stimme sagt mir, die Beh\u00f6rde schlie\u00dfe bald und k\u00f6nne ohne das Schreiben nichts tun, ich protestiere, verstehe nicht was das Problem ist. Ich habe in Deutschland ein multiple-entry Visum erhalten und was hat meine Schule mit dem Ganzen zu tun?<br \/>\nIch speichere die Nummer der Stimme als &#8222;the dark knight&#8220; in mein Handy ein &#8211; der unbekannte Retter aus der Dunkelheit erschien mir passend.<br \/>\nSchlie\u00dflich gebe ich nach, was h\u00e4tte ich auch anderes tun sollen? Ich raffe mein Gep\u00e4ck und suche mir das n\u00e4chste Hotel.<br \/>\nKeine zehn Meter werde ich f\u00fcndig, w\u00fctend beziehe ich mein Zimmer und frage an der Rezeption nach einem Restaurant in der N\u00e4he.<br \/>\nAls ich die T\u00fcr \u00f6ffne, ist das Bahngleis leer.<\/p>\n<p>Der Zug f\u00e4hrt weiter, ohne mich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mich also dann doch mal wieder bequemt einen Bericht zu schreiben. Die Vernachl\u00e4ssigung der letzten Wochen liegt vor Allem daran, dass ich Besuch hatte und Ich das Kuscheln den Schreiben vorziehe. 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