{"id":420,"date":"2012-05-01T12:28:54","date_gmt":"2012-05-01T10:28:54","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/?p=420"},"modified":"2012-05-04T13:54:09","modified_gmt":"2012-05-04T11:54:09","slug":"hochzeit-auf-kenianisch-oder-leben-im-sudsudan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/2012\/05\/01\/hochzeit-auf-kenianisch-oder-leben-im-sudsudan\/","title":{"rendered":"Hochzeit auf kenianisch oder Leben im S\u00fcdsudan"},"content":{"rendered":"<p>Mein Plan f\u00fcrs Wochenende: Serah etwas Gutes tun, weil sie so gut f\u00fcr mich sorgt<\/p>\n<p>Da Serah ja Kenianerin ist, aber noch nie in<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/nanyuki\/\"> Nanyuki<\/a> war, habe ich ihr angeboten sie einmal mitzunehmen, wenn wieder nach Nanyuki fahre um Pater Winfried zu besuchen. Am Samstag war es dann soweit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Serah.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-425\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Serah.jpg\" alt=\"\" width=\"519\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Serah.jpg 519w, https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Serah-300x224.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir sind zusammen um neun Uhr aufgebrochen, weil ich bis 11 Uhr im Benediktiner Kloster in Nanyuki sein wollte, da uns Pater Winfried eingeladen hat eine kenianische Hochzeit mitzufeiern. Leider kamen wir erst um halb elf in Nanyuki an und da Serah zu Fu\u00df nicht die Schnellste ist hatte ich schon bald die Hoffnung aufgegeben p\u00fcnktlich zum Gottesdienst zu erscheinen, zumal der Fu\u00dfweg zum Kloster eine Stunde betr\u00e4gt, wenn man z\u00fcgig l\u00e4uft. Aber gut, auch egal, in Kenia f\u00e4ngt eh nichts wirklich p\u00fcnktlich an.<\/p>\n<p>Auf unserem Weg fuhr ein Auto nach dem anderen vorbei, aber kein Fahrer erbarmte sich unser und fragte ob er uns nicht mitnehmen soll. Schlie\u00dflich kam ein Autokonvoi, der verd\u00e4chtig nach Hochzeitsgesellschaft aussah, weil jedes Auto mit bunten B\u00e4ndern dekoriert war. Mir wurde es zu doof, weil wir nach einer halben Stunde noch nicht einmal die H\u00e4lfte des Weges zur\u00fcckgelegt hatten rief ich kurzentschlossen einem Fahrer ein verzweifeltes: \u201eExcuse me!\u201c zu. Und wir hatten Gl\u00fcck, der Fahrer hielt und ich fragte, ob sie auf dem zum Kloster zur Hochzeit seien. Ja, waren sie. Welch ein Segen und es war auch noch Platz f\u00fcr uns im Auto (ich bin vor Freude in den Kofferraum gekrochen, weil die R\u00fcckbank sonst zu voll gewesen w\u00e4re, war ein Kombi, also hatte ich mehr als genug Platz). So legten wir die restliche Strecke innerhalb von 10 Minuten zur\u00fcck und kamen p\u00fcnktlich zur Hochzeit.<\/p>\n<p>Eine kenianische Hochzeit ist ein Gro\u00dfereignis, ich sollte allerdings besser schreiben: Diese kenianische Hochzeit war ein gro\u00dfes Ereignis, denn ob jede Hochzeit so abl\u00e4uft kann ich so nicht sagen und es ist mit Sicherheit auch immer von den finanziellen Verh\u00e4ltnissen abh\u00e4ngig. Diese Hochzeit war also ein Gro\u00dfereignis und es ist wohl auch \u00fcblich, dass sich unter die unz\u00e4hligen geladenen G\u00e4ste auch ungeladene G\u00e4ste mischen (wobei irgendwie waren wir ja auch eingeladen :)). Vom Ablauf der Hochzeitszeremonie unterscheidet es sich zu dem was ich aus Deutschland kenne nicht viel, sollte auch nicht, denn es war eine katholische Hochzeit. Einzig bei der Gabenbereitung wurden neben Wein und Wasser und den Hostien auch noch Gaben wie Eier, Kohl, Kartoffeln, Klopapier usw. gebracht (ich glaube das sind Geschenke f\u00fcr das Kloster gewesen). Ach ja und der Gottesdienst hat nicht in der Kirche stattgefunden, sondern drau\u00dfen unter Zelten, da die Kirche f\u00fcr die Zahl der G\u00e4ste nicht ausreichend gewesen w\u00e4re. Nach dem Gottesdienst ging es dann zum Feiern in eine Hotelanlage und da es schlie\u00dflich bei der Menge an G\u00e4sten nicht auffiel wenn noch zwei mehr dabei sind, sind wir einfach wieder in unser Taxi gestiegen und mitgefahren\u2026<\/p>\n<p>Nebenbei noch ein kleiner Wetterbericht. Bei unserem Start in Meru sah es so aus, also ob es ein wirklich sch\u00f6ner Tag wird. Bei unserer Ankunft in Nanyuki zeigten sich schon die ersten gro\u00dfen Wolken und w\u00e4hrend der Hochzeitszeremonie fing es dann auch leider an zu regnen und es h\u00f6rte f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Stunden nicht auf. Das f\u00fchrte dazu, dass einfach alles matschig war, aber vom Wetter soll man sich ja schlie\u00dflich nicht die Laune verderben lassen.<\/p>\n<p>Auf der Hotelanlage waren auch Zelte aufgebaut, unter den Zeltd\u00e4chern Tische und St\u00fchle f\u00fcr die G\u00e4ste und zwei Essenszelte, hier stellte man sich an und bekam seinen Teller vollgeladen mit Reis, Fleisch, Chapati, Salat, Bohnen und einer nicht wirklich definierbaren Pampe. Platzkarten gab es keine, also haben Pater Winfied, Serah und ich uns einfach einen freien Tisch gesucht und unser versp\u00e4tetes Mittagessen, es war bereits 14:30 Uhr, zu uns genommen. Da das Wetter immer noch nicht besser war, und es nicht so angenehm ist drau\u00dfen zu sitzen, wenn es feucht und nass ist und da die Hochzeitsgesellschaft immer noch nicht eingetroffen war, suchte Pater Winfried nach einer Ausrede, wie wir uns von dieser Veranstaltung entfernen konnten. Ich glaube er hat Serah und mich als Ausrede gebraucht um einen Fahrer zu bekommen, der uns erst nach Nanyuki und dann wieder ins Kloster gefahren hat.<\/p>\n<p>In Nanyuki verabschiedete ich mich von Serah, die wieder nach Meru fuhr. Ich blieb ja \u00fcber Nacht im Kloster (war von Vorteil, denn in Meru hatte ich mal wieder kein Wasser im Bad). Zur\u00fcck im Kloster hab ich mich dann ins Bett verkrochen, zwei Stunden geschlafen, zu Abend gegessen und w\u00e4hrend des Abendessens wurde mir Pater Gregor ein Comboni-Missionar aus Deutschland vorgestellt, der f\u00fcr Exerzitien in Nanyuki im Kloster ist und sonst im S\u00fcdsudan arbeitet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Pater-Gregor-und-ich.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-422\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Pater-Gregor-und-ich.jpg\" alt=\"\" width=\"519\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Pater-Gregor-und-ich.jpg 519w, https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Pater-Gregor-und-ich-300x224.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mit Pater Gregor sa\u00df ich dann am Abend noch zusammen und er hat mir von seinem Leben im S\u00fcdsudan erz\u00e4hlt, er ist dort als Priester t\u00e4tig. Am Sonntag hat er mir noch ein paar Bilder gezeigt und ich kann euch sagen, dass ich sehr froh bin in Kenia zu sein. Kenia ist im Vergleich zum S\u00fcdsudan ein sehr entwickeltes Land, in dem Frauen Rechte haben und Kinder ein Anrecht auf Bildung haben.<\/p>\n<p>Im S\u00fcdsudan suchen die Eltern, bzw. vermutlich wohl eher der Vater, den Mann f\u00fcr die Frau aus. Ein Mann darf dort durchaus mehrere Frauen haben, wenn er es sich leisten kann. Denn um eine Frau heiraten zu d\u00fcrfen, muss er an den Vater der Braut zwischen 30 und 50 K\u00fche zahlen. Gesprochen wird zwischen den Eheleuten wohl eher kaum. Die Frauen sprechen mit den Frauen, die M\u00e4nner mit den M\u00e4nnern. Auf dem Marktplatz gib es einen Baum unter dem die Frauen sitzen und einen Baum unter dem die M\u00e4nner sitzen. Selbst im Gottesdienst sitzen M\u00e4nner und Frauen getrennt. Ehepaare sitzen auch nicht zusammen und Zweck der Ehe ist die Fortpflanzung. Je mehr Kinder desto besser. Schulbildung wird nicht als wichtig angesehen und die M\u00e4dchen werden meist mit 14\/15 Jahren verheiratet. Gehen die Kinder doch zur Schule und wird Schulgeld ben\u00f6tigt, so wird in den seltensten F\u00e4llen eine Kuh verkauft, eher wird das Kind von der Schule genommen. Traurig aber wahr.<\/p>\n<p>Die Comboni-Missionare versuchen so vielen Kindern wie m\u00f6glich wenigstens die grundlegende F\u00e4higkeiten wie lesen, schreiben und rechnen beizubringen. Aber daf\u00fcr, dass sie f\u00fcr 100 000 Menschen verantwortlich sind und davon 50 000 unter 15 Jahre alt sind und nur ca. 700 eine Schule besuchen, ist das wie ein Tropfen Wasser auf dem hei\u00dfen Stein. Aber andererseits denke ich mir, wenn man es nicht versucht, wird sich erst recht nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Am Sonntag war ich dann noch im Gottesdienst und wollte dann eigentlich zu Fu\u00df nach Nanyuki laufen, aber der Regen hat mich davon abgehalten und so blieb ich im Kloster bis halb f\u00fcnf, schaute auf den Mt. Kenia,<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Mt.-Kenia-mit-Wolken.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-423\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Mt.-Kenia-mit-Wolken.jpg\" alt=\"\" width=\"519\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Mt.-Kenia-mit-Wolken.jpg 519w, https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Mt.-Kenia-mit-Wolken-300x224.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/a><\/p>\n<p>beobachtete das Wolkenspiel um den Gipfel, h\u00f6rte den Sch\u00fclerinnen zu, die eine Chorprobe hatten und lies mich dann von Pater Winfried nach Nanyuki fahren. Um halb sechs ist dann auch mein Matatu Richtung Meru losgefahren, das war h\u00f6chste Zeit, weil es um sieben dunkel ist und ich vor Beginn der Nacht doch gerne ankommen wollte. Deshalb konnte auch nicht die sch\u00f6ne Landschaft und das eigenartige Licht, das die Landschaft verzauberte, meine Unruhe vertreiben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Heimfahrt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-427\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Heimfahrt.jpg\" alt=\"\" width=\"519\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Heimfahrt.jpg 519w, https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/files\/2012\/05\/Heimfahrt-300x224.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Um halb sieben bin ich dann in Meru ankgekommen, schnell zum Taxistand gelaufen und kurz vor sieben, mit dem letzten Licht des Tages, erreichte ich das Schulgel\u00e4nde.<\/p>\n<p>Schoen wars!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Plan f\u00fcrs Wochenende: Serah etwas Gutes tun, weil sie so gut f\u00fcr mich sorgt Da Serah ja Kenianerin ist, aber noch nie in Nanyuki war, habe ich ihr angeboten sie einmal mitzunehmen, wenn wieder nach Nanyuki fahre um Pater &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/2012\/05\/01\/hochzeit-auf-kenianisch-oder-leben-im-sudsudan\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":700,"featured_media":428,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[341,563,577,307],"tags":[],"class_list":["post-420","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ausflug","category-erlebnis","category-menschen","category-mentalitat"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/420"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/700"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=420"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":426,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/420\/revisions\/426"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/media\/428"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}