{"id":295,"date":"2012-03-26T21:08:29","date_gmt":"2012-03-26T19:08:29","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/?p=295"},"modified":"2012-03-27T12:50:26","modified_gmt":"2012-03-27T10:50:26","slug":"markt-in-meru-oder-wie-man-hier-taxi-fahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/meru\/2012\/03\/26\/markt-in-meru-oder-wie-man-hier-taxi-fahrt\/","title":{"rendered":"Markt in Meru oder wie man hier Taxi f\u00e4hrt"},"content":{"rendered":"<p>So, es ist mal wieder an der Zeit etwas zu schreiben. Bilder sprechen lassen ist auch sch\u00f6n (vor allem einfacher als einen Text zu schreiben), aber mit Bildern l\u00e4sst sich eben nicht alles zeigen. Zum Beispiel der Markt hier, er l\u00e4sst sich nicht fotografieren, da ich viel zu viel Angst um meinen Foto habe.<\/p>\n<p>Aber nun von Anfang an. Ich wusste von Serah und Cyrus, dass es hier in Meru einen Wochenmarkt gibt, der immer Montag und Freitag stattfindet. Diesen wollte ich das erste Mal nicht alleine besuchen, also habe ich Serah gefragt, ob wir nicht gemeinsam gehen k\u00f6nnen, das war gar kein Problem. Vorher hat sie mich mehrmals vor den Taschendieben gewarnt und mir gesagt, dass ich nichts, aber auch gar nichts au\u00dfer ein wenig Geld und eine T\u00fcte mitnehmen soll. Diesen Tipp habe ich auch brav befolgt, blo\u00df kein Risiko eingehen.<\/p>\n<p>Zum Markt ging es nicht zu Fu\u00df, sondern mit dem Pickup, der die Schule mit meinem Lieblingsgem\u00fcse Nr. 1 (Kohl) beliefert. Da sa\u00dfen wir dann zu dritt dort, wo eigentlich nur zwei Menschen Platz finden und auf der Ladefl\u00e4che fanden sich noch zwei Kenianer ein, die wohl bei dem Gem\u00fcseh\u00e4ndler arbeiten. Es ging aber nicht direkt zum Markt, sondern erst noch zum Samen- und D\u00fcngerh\u00e4ndler, weil Serah am n\u00e4chsten Tag Bohnen und Mais anpflanzen wollte. Vor der Ladent\u00fcre waren einige Stra\u00dfenjungen unterwegs, mit komischer Fl\u00fcssigkeit in Flaschen und das wollte ich ja schon die ganze Zeit wissen was die in ihren Flaschen haben, laut Serah ist es Klebstoff. H\u00e4tte ich mir ja denken k\u00f6nnen. Es wird wohl geschn\u00fcffelt und gelutscht, ich wei\u00df es nicht so genau, aber der Gedanke daran f\u00fchrte dazu, dass mir ein Schauer \u00fcber den R\u00fccken lief. Naja gut, wieder etwas gelernt. Also auf, weiter zum Markt, ich will ja schlie\u00dflich noch dort ankommen \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Und dann standen wir an der Anh\u00f6he und schauten auf den Markt hinab, der sich vor unseren F\u00fc\u00dfen erstreckte. Es war voll, so viele Menschen auf einem Haufen, es war bunt, so viele verschiedene Dinge, es war staubig, wie es hier so oft ist, es war laut, weil viel gesprochen und gearbeitet wurde, es roch gut, nach Ananas und Mango, es stank, weil es auch \u00f6ffentliche Toiletten hier gab, es war einfach unbeschreiblich, schwer in Worte zu fassen. Das hier war mein Versuch. Ich werde mit meiner Schwester und Simon den Markt besuchen, vielleicht k\u00f6nnen sie es besser in Worte fassen, dann d\u00fcrfen sie sich auch hier verewigen.<\/p>\n<p>Es gibt wenige Marktst\u00e4nde, meistens sitzen die H\u00e4ndler\/innen auf dem Boden, haben ihre Waren vor sich auf einer Unterlage ausgebreitet, zu H\u00e4ufchen geschichtet und dann verhandelt man \u00fcber den Preis. Da ich ja wei\u00df bin und einfach auffalle und Serah von allen gefragt wurde wer ich bin, hat sie denen einfach kurzerhand erz\u00e4hlt, dass ich Sch\u00fclerin in Kaaga bin, 16 Jahre alt und meine Eltern haben mich hier her geschickt, dass ich mein Englisch verbessern kann. Und wenn dann die Frage kam, weshalb ich keine Schuluniform trage, war die einfache Erkl\u00e4rung: Ihr wurde aufgetragen diese auszuziehen und Stra\u00dfenkleidung anzuziehen, weil sie mit Serah auf den Markt geht. Die Idee hinter meiner Verj\u00fcngung ist folgende: Sch\u00fclerinnen haben nicht so viel Geld, also wird mir hier nicht mein Geld aus der Tasche gezogen (Sch\u00fcler haben bekanntlich nicht so viel Geld wie eine Wei\u00dfe reisende Frau) und au\u00dferdem wurde ich so nicht angebettelt.<\/p>\n<p>Meine Ausbeute auf dem Markt war eine Ananas (die habe ich mir am Sonntag geg\u00f6nnt und sie schmeckte fantastisch), eine Avocado (auch die hab ich gegessen, aber wird jetzt nicht mein Liebling) und dann viel wichtiger: ganz viele Maracujas, f\u00fcr die w\u00fcrd ich durch den gr\u00f6\u00dften Staubhaufen laufen \ud83d\ude42 und die sind hier so billig.<\/p>\n<p>Serah hat dann noch f\u00fcr sich ca. 10 K\u00fcrbisse gekauft, keine Ahnung was sie damit vorhat, aber wir waren auf jeden Fall so bepackt, dass wir nicht zur\u00fccklaufen wollten und daher haben wir ein Taxi genommen. Taxifahren hier ist g\u00fcnstig und einfach. Man sucht das Taxi, dass in die gew\u00fcnschte Richtung f\u00e4hrt, einfach die Richtung nennen und dann sagen die schon: Steig ein, oder ne ist nicht meine Richtung. Ein Taxi am Markt f\u00e4hrt allerdings erst los, wenn es voll besetzt ist und voll besetzt hei\u00dft bei einem F\u00fcnfsitzer nicht f\u00fcnf Insassen, sondern sieben Insassen. Funktioniert wie folgt, der Fahrer hat seinen Platz, den muss er sich nicht teilen, aber der Beifahrersitz wird doppelt belegt und auf der R\u00fcckbank sa\u00dfen wir dann zu viert. Ja, da sa\u00df ich nun, wir warteten darauf, dass vorne sich noch ein Passagier findet und als der dann endlich gefunden war ging es los. Und auf einmal musste ich lachen, ich lachte einfach los. Situationskomik, es ist einfach Kenia, oder Meru, ich wei\u00df es nicht, aber Taxi fahren hier ist echt das Beste. Und weil es so viel Spa\u00df macht, hab ich es gleich am Samstag wieder getestet, als ich auf dem Weg zur Post war, diesmal waren wir auch zu viert auf der R\u00fcckbank, vorne war es aber nicht doppelt belegt. Manchmal f\u00e4hrt man aber auch alleine, eben dann, wenn sich keine Mitfahrer mehr finden, da muss man dann aber nicht mehr bezahlen.<\/p>\n<p>Und jeder der jetzt denkt, oh Julia hast du keine Angst? Dem kann ich sagen: Am Anfang war ich skeptisch, aber es funktioniert wirklich so und wenn man sich an den Stra\u00dfenrand stellt, h\u00e4lt auch nicht jedes Auto, die Autos die Taxis sind hupen um auf sich aufmerksam zu machen. Und ich frage euch: \u201eIst es sicherer sich alleine durch die Stra\u00dfen zu bewegen, oder in einem Taxi zu sitzen, in dem weitere Passagiere sind und dessen T\u00fcren w\u00e4hrend der Fahrt verriegelt sind?\u201c<\/p>\n<p>Also dann auf bald. Ab Freitag werde ich Besuch haben und dann ein wenig in Meru und Umgebung unterwegs sein. Die allerbesten Gr\u00fc\u00dfe in die Heimat, eure Julia.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, es ist mal wieder an der Zeit etwas zu schreiben. Bilder sprechen lassen ist auch sch\u00f6n (vor allem einfacher als einen Text zu schreiben), aber mit Bildern l\u00e4sst sich eben nicht alles zeigen. 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