Die Zeit rast

Hallo liebe Leser,

der letzte Blogeintrag ist nun schon wieder vier Wochen her und ich bin in der Zwischenzeit  überhaupt nicht mehr zum Schreiben gekommen, da sich ein Event an das nächste reihte. Ich fange deshalb hier mal genau an dem Tag an zu berichten, an dem mein letzter Blogeintrag online ging.

 

Mitte Oktober hatte ich dank zweier Feiertage ein langes Wochenende, das ich genutzt habe, um mich auf die Reise in Richtung Süden zu machen, genauer gesagt nach Pucón, wo ich mich mit Luzie getroffen habe, einer Freiwilligen, die ich auf dem Vorbereitungsseminar in Berlin kennengelernt habe und die auch für ein Jahr in Chile ist. Den Samstag nutzten wir dann, um uns mit Torte an den Strand zu setzen und mal über alles zu erzählen, was in den Wochen so Aufregendes passiert ist und da kam natürlich einiges zusammen. Abends trafen wir dann im Restaurant auch noch Britta, eine weitere Freiwillige und so wurde der Samstag zu einem großen Wiedersehen.

 

Sonntag ging es dann früh raus, wir wollten den Vulkan Villarica besteigen. Um 6 Uhr trafen wir uns bei dem Tour Veranstalter und wurden mit sämtlicher Ausrüstung für den Aufstieg durch den Schnee ausgestattet. Danach wurden wir mit einem Bus bis auf etwa 1.500m hochgefahren, von wo aus es dann zu Fuß durch den Schnee stapfend weiterging. Begleitet von strahlendem Sonnenschein und einem wunderschönen Panoramaausblick, der einem Bilderbuch glich, gingen wir vorerst bis auf 2.200m hoch. Von da an liefen wir dann durch Nebel, Wolken und starken Wind und aufgrund des Wetters war die Tour kurz davor abgebrochen zu werden. Wir haben es allerdings trotzdem geschafft und sind bis zum Krater hochgestiegen, wo wir zwar leider keine Lava sehen konnten, aber da man nur noch mit Gasmaske atmen konnte, konnte man sich gut vorstellen, was innerhalb des Kraters passiert. Als Belohnung für den anstrengenden Aufstieg konnten wir den Weg nach unten auf dem Po rutschend bewältigen – ein Riesenspaß und genau das richtige nach fünf Stunden bergauf! Mit nassem Hintern kamen wir dann wieder in Pucón an, wo wir uns dann erstmal in ein gemütliches chilenisches Restaurant gesetzt haben und den Tag ausklingen ließen. Der Ausflug wird mir auf jeden Fall ewig in Erinnerung bleiben, zum einen wegen der wunderbaren Aussicht und wahrscheinlich noch viel mehr wegen der Erfahrung durch den Schnee auf einen noch aktiven Vulkan hochzusteigen, in einer Gaswolke zu stehen und auf dem Po einen ganzen Berg runterzurutschen…

 

Tags drauf begannen wir den Tag ganz entspannt in einem Café, bevor wir später eine Tour zu den Wasserfällen „Ojos del Caburgua“, zum „Lago de Caburgua“, zur „Laguna Azúl“ und zu den Naturthermen gemacht haben. Bei der Tour habe ich in Chile erstmalig das erlebt, was für die Leute im Süden komplett normal ist – strömender Regen. Davon ließen wir uns die Tour aber nicht verderben und in den Thermen war es noch umso schöner draußen im Regen in einer warmen Therme zu entspannen.

Dienstag wollten wir uns dann noch die Stadt Villarica angucken, was sich jedoch als großer Reinfall erwies. Während wir in Pucón von den schönen Häusern und dem vielen Holz begeistert waren, schien Villarica (eventuell auch dem andauernden Regen geschuldet) wie ein tristes Örtchen, komplett ohne Leben. Die erste Reise in den Süden hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und ich freue mich schon, weitere Teile des Südens in meinem Jahr zu entdecken!

 

Danach verlief es erstmal ein bisschen ruhiger, sowohl in der Schule, als auch privat war für eineinhalb Wochen mal Alltag angesagt, was auch ganz gut war, um mal ein bisschen zu entspannen. Vorletztes Wochenende hatte ich dann endlich mein erstes Wasserball Ligaspiel. Im Freibad neben dem „Estadio Nacional“ ging es am 27. Oktober gegen eine andere Mannschaft aus Santiago und wir haben erfolgreich mit 18 zu 9 gewonnen. Es war schön, endlich mal wieder ein Spiel zu haben und hat mich auch ein wenig an zuhause erinnert. Nach dem Spiel hatte ich noch umso mehr Lust darauf, mit der Mannschaft hier weiterzukommen und etwas zu erreichen und die nächsten Highlights sind schon in Sicht: Im Dezember werde ich auf einem Turnier im Hafenort Valparaíso spielen, ab Januar beginnt wieder der Ligabetrieb und im April spiele ich vermutlich mit der Mannschaft weit im Norden an der Grenze zu Peru in Arica, um die chilenische Meisterschaft. Den Samstag nutzten wir außerdem noch für einen Ausflug ins Barrio Italia, ein Viertel im Zentrum Santiagos mit zahlreichen Kaffees und Restaurants und vielen schönen kleinen Lädchen.

Am Sonntag sind wir dann morgens mit dem Bus nach Valparaíso gefahren. Dort waren wir zuerst auf einem Markt, auf dem es von Handwerkszeug bis zu Kräutern alles gab und danach sind wir zu Fuß in das malerische Zentrum gegangen. Das Highlight an dem Tag war definitiv die Free Walking Tour durch Valparaíso. Angefangen beim Hafen ging es vorbei am Rathaus und am Uhrenturm hinauf auf die sogenannten Cerros, kleine Hügel inmitten der Stadt. Auf diesen Cerros reiht sich ein schönes Haus an das nächste. Das Besondere sind dabei die Graffitis. Malereinen von der Stadt, Erinnerungen an geschichtliche Aufstände, Musiker und, und, und… Der Kunst sind da keine Grenzen gesetzt.

In der letzten Oktoberwoche war dann in der Schule Ausnahmezustand, da der Schulgeburtstag gefeiert wurde, das bedeutet in Chile einen Wettkampf zweier Allianzen, die sich darauf bereits lange vorbereiten. Montagmorgen begannen die Aktivitäten der Allianzen mit einem kleinen Autokorso der Eltern und der Präsentation der Allianzen. Das Thema der Allianzen war dieses Jahr Science-Fiction und Schrecken und so setzten die Allianzen rot und schwarz die Themen auch in ihren Verkleidungen um. Über den Tag verteilt gab es Aktivitäten wie eine Schnitzeljagd, einen Wettbewerb, bei dem die Allianzen zu den Melodien von Liedern den passenden Text singen mussten, ein Fußballspiel und noch einiges mehr. Am liebsten hätte ich natürlich selber mitgemacht, aber so hatte ich auf jeden Fall auch Spaß, den Lehrern und Schülern bei den Wettkämpfen zuzuschauen. Dienstag wurden dann die Wettkämpfe für einen Tag ausgesetzt und ich bin mit den Schülern zu der Theateraufführung „Der Schatz des Waldes“ gegangen. Den Abschluss des Schulgeburtstages bildete der Mittwoch, erneut mit zahlreichen Wettkämpfen zwischen den Allianzen. Besonders schön anzuschauen waren die Zumba Sessions, die Choreographien der Allianzen, die natürlich auch auf das Motto mit abgestimmt waren und abschließend das Paartanz-Battle. Alle haben sich wirklich viel Mühe gegeben etwas Besonderes auf die Beine zu stellen und so war es fast ein bisschen schade, am Ende eine Siegerallianz auswählen zu müssen. So ein Großevent zum Schulgeburtstag könnte man auf jeden Fall auch in Deutschland einführen. Ich glaube, dass ein Wettbewerb, bei dem Schüler aller Jahrgänge gemischt werden und in verschiedenen Aktivitäten gegeneinander antreten, käme bestimmt auch dort gut an!

Am letzten Donnerstag startete mein erstes PASCH Camp. Bei dem Camp „Wasserwelten“ sind wir mit einer Gruppe von 27 Schülern aus Chile, Argentinien, Paraguay, Brasilien und Kolumbien an den Strand nach Punta de Tralca gefahren, wo wir insgesamt vier Nächte waren. Das ganze Camp lief ausschließlich auf Deutsch ab und es kamen buntgemischte Schülerinnen und Schüler aus den vier Ländern zusammen, die alle motiviert waren, in dem Camp ihr Deutsch zu verbessern und neue Leute kennenzulernen. Für uns Freiwillige bestand die Aufgabe in erster Linie darin, bei dem reibungslosen Ablauf des Camps zu helfen: Das heißt Teilnehmer zu wecken, mit ihnen die Freizeit zu verbringen, auf die Nachtruhe zu achten und generell vor Ort zu sein, falls mal irgendwas passiert. Die Teilnehmer nahmen an einem Planspiel teil, in dem sie eine Stadt retten mussten, da dafür jedoch professionelle Planspielentwickler aus Berlin und Passau eingeflogen wurden, hatten wir mit der Durchführung des Spiels wenig zu tun. Das bedeutete natürlich für uns, dass wir uns unsere freie Zeit gut selbstgestalten konnten, sodass wir einmal einen Strandspaziergang nach El Quisco gemacht haben und Sonntag an einem Surfkurs teilnahmen. Das Surfen hat extrem viel Spaß gemacht und auch wenn wir natürlich nur zwei Stunden bei niedrigen Wellen auf dem Wasser waren, konnte ich schon meine ersten grünen Wellen stehen. In den nächsten Wochen werde ich auf jeden Fall wenn sich die Möglichkeit bietet so schnell wie möglich wieder ans Wasser fahren und noch weitere Kurse mitmachen!! Sonntagabend haben wir noch einen bunten Abend organisiert, bei dem die Teilnehmer im Rahmen einer Talentshow und anschließendem Karaoke ihre Tanz- und Gesangskünste unter Beweis stellten und so hatten alle Beteiligten einen schönen Abschluss des Camps.

Für mich geht es heute direkt weiter, ich fahre mit einer Schülerin meiner Schule zu einem Deutschwettbewerb in Osorno und bin gespannt darauf, die Deutschkenntnisse von den Schülern anderer Schulen kennenzulernen und hoffe natürlich, dass meine Schülerin eine gute Platzierung einfährt. Morgen machen wir auch noch einen Ausflug nach Frutillar, eine Seenstadt und für Freitag habe ich mir noch vorgenommen, nach dem Wettbewerb Osorno noch ein wenig kennenzulernen.

 

Zum alltäglichen Leben gibt es dieses Mal dadurch, dass ich so viel unterwegs war, gar nicht viel zu berichten. Aber die Arbeit an der Schule macht mir nach wie vor viel Spaß und ich genieße hier das immer besser werdende Wetter. Wir sind zwar hier gerade noch im Frühling, die Temperaturen stiegen aber schon bis auf 33° und in der Sonne ist es dann für mich längere Zeit nur schwer auszuhalten…

 

Liebe Grüße,

Mattes

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