{"id":366,"date":"2025-09-16T02:53:57","date_gmt":"2025-09-16T00:53:57","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/?p=366"},"modified":"2025-09-16T02:53:57","modified_gmt":"2025-09-16T00:53:57","slug":"angekommen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/2025\/09\/16\/angekommen-2\/","title":{"rendered":"Angekommen 2"},"content":{"rendered":"<p>Schlie\u00dfe die Augen, es ist alles ein langersehnter Traum. Ich tr\u00e4ume nicht mein Leben, ich lebe einen Traum. Hei\u00dft es in so vielen dummen Insta-Reels.<\/p>\n<p>Ich schlie\u00dfe tats\u00e4chlich die Augen. Sehe vor mir Momente am Strand, nasser Sand an den F\u00fc\u00dfen, um die Wellen ein laues L\u00fcftchen. Momente des Jubelschreis im Maracan\u00e3-Stadion bei einem Tor von Flamengo, Momente des Fluchens, als die B\u00fcrokratie mir wieder ein Bein stellen wollte, Momente des Alleinseins, aber auch des Erstickens auf Samba-Parties und Funk-T\u00e4nzen. Brasilianer sind nie allein, es sind immer Menschen, die dir ein h\u00f6fliches &#8222;Tudo bem?&#8220; entgegen bringen? Oh Gott, das liest sich alles schon wie ein Abschied. Wie oft ich bis jetzt meine Herkunft erkl\u00e4rt habe, wie oft ich die Sprachen, die ich spreche, aufgez\u00e4hlt habe, wie oft ich ein Kompliment f\u00fcr mein Portugiesisch bekam. Nie aufdringlich, immer herzlich, respektvoll. Wandern durch gr\u00fcne Paradiese, Baden in hohen Wellen, Diskussionen \u00fcber Herzensthemen. Heimweh &#8211; bisher Fehlanzeige. Es f\u00fchlt sich an, als l\u00e4ge ein goldener Filter auf allem,w as ich mache.<\/p>\n<p>Das liest sich nat\u00fcrlich jetzt alles super positiv und toll, ich will auch nicht ganz auf &#8222;heile Welt&#8220; machen. Nat\u00fcrlich gab es auch schon difficulties, Momente, in denen ich frustriert, beispielsweise angesichts eines unn\u00f6tigen Beh\u00f6rdengangs oder b\u00fcrokratischen Prozesses war, aber dieses Land schafft es auf wundersame Weise, durch ein L\u00e4cheln, ein &#8222;Tudo bem&#8220; und einen unverwechselbaren Charme wieder alles wettzumachen. Ich war noch nie l\u00e4nger als 3 Wochen au\u00dferhalb von Europa, jetzt sind es \u00fcber 5 Wochen. Und wenn das Taxi mich sanft durch die dunklen und tropischen Stra\u00dfen von Rio tr\u00e4gt, wenn der Beat im Club dr\u00f6hnt und die Stra\u00dfenmusik durch die Gassen ert\u00f6nt, wenn das Sonnenlicht durch die Berge scheint und meine Nase kitzelt, wenn eine Umarmung, ein weiteres herzliches Gespr\u00e4ch mein Gem\u00fct erheitert, dann wei\u00df ich &#8211; kurz gesagt &#8211; dass ich am richtigen Ort bin. &#8222;Der Tourist reist an die bekannten Orte und geht wieder &#8211; der Reise nicht, er bleibt stehen und fragt: &#8222;Was ist, wenn ich nicht da bin&#8220;? (Zitat Roger Willemsen)<\/p>\n<p>Diese Frage stelle ich mir auch oft: Wie ist das Leben in dieser Stadt, wenn keine Sonne scheint (metaphorisch gesehen!)? Wie ist es, hier krank zu sein? Zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen zu m\u00fcssen? Wird man irgendwann vom Blick auf das Meer m\u00fcde?<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger ich bin und Dinge sehe, erlebe und schmecke, desto dankbarer bin ich. Es ist sch\u00f6n, bei echten Carioca-Freunden eingeladen zu sein zum Churrasco (brasilianische Grill-Party). Diese Erfahrung macht nicht jeder Touri. Und irgendwie bin ich ja kein Tourist &#8211; als Austauschstudent ist man immer im &#8222;Dazwischen&#8220; &#8211; zwischen Tourist\/Reisender und Local. Aber ich liebe dieses Dazwischen, es geh\u00f6rt zu meinem Leben irgendwie dazu: Man lebt hier, hat einen Wohnsitz, wenn auch begrenzt. Durch die H\u00fcrden der B\u00fcrokratie, die Anmeldungen, brasilianisches Bankkonto, Handynummer etc., bekommt man trotz der Schwei\u00dfausbr\u00fcche auch das leise Gef\u00fchl, dazuzugeh\u00f6ren, Teil dieser neuen Welt zu leben.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher gab es doch diese &#8222;Conni &#8230;&#8220; -Kinderheftchen (nicht das Pferdemagazin), in denen Conny immer irgendwie etwas Neues und Spannendes machte oder erlernte. Conni sucht Kater Mau. Conni kocht. Conni findet einen Freund,<\/p>\n<p>Bezogen auf mein Brasilienabenteuer k\u00f6nnten die Titel von kleinen Mark(i)-Heftchen wie folgt lauten:<\/p>\n<p>1.) Mark geht zum ersten Mal an den Strand in Rio (und merkt, dass er viel zu viel dabei hat).<\/p>\n<p>2.) Mark f\u00e4hrt zum ersten Mal Fahrrad abseits von deutschen Verkehrsnormen.<\/p>\n<p>3.) Mark trinkt die beste und billigste Caipirinha seines Lebens<\/p>\n<p>4.) Mark lernt, warum das Nationaltrikot abseits von Spielen ein gef\u00e4hrliches Zeichen ist<\/p>\n<p>5.) Mark erf\u00e4hrt, warum der Nationalfeiertag hier nicht gro\u00df zelebriert wird.<\/p>\n<p>6.) Mark erlebt, wie nah sich Professor und Student hier kommen<\/p>\n<p>7.) Mark entdeckt, dass es in Rio auch Jungfernstr\u00e4nde gibt.<\/p>\n<p>8.) Mark f\u00fchlt mehrmals die Funk-Begeisterung.<\/p>\n<p>9.) Mark wird von Verk\u00e4ufern abgezogen und lernt ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Preise in Brasilien.<\/p>\n<p data-start=\"320\" data-end=\"580\">10.) Mark wartet eine Stunde auf den den Bus \u2013 und merkt, dass Warten in Brasilien ganz anders funktioniert.<br data-start=\"414\" data-end=\"417\" \/>11.) Mark geht zum Grillrestaurant und rollt danach aus dem Restaurant.<br data-start=\"500\" data-end=\"503\" \/>12.) Mark erkennt, dass \u201egleich\u201c in Rio ein sehr dehnbarer Begriff ist.<\/p>\n<p>13.) Markt lernt, warum man nicht cria zu den cariocas sagt und lernt viele Ausdr\u00fccke<\/p>\n<p>14.) Mark versucht, Samba zu tanzen \u2013 und tritt dabei dreimal auf denselben Fu\u00df.<br data-start=\"475\" data-end=\"478\" \/>15.) Mark diskutiert mit einem Uberfahrer \u00fcber Fu\u00dfball und merkt, dass das gef\u00e4hrlich werden kann.<br data-start=\"580\" data-end=\"583\" \/>16.) Mark erkennt, warum Brasilianer Mangos und Europ\u00e4er Kokosn\u00fcsse sind.<\/p>\n<p>17.) Mark versteht endlich, warum Flip-Flops hier ein offizielles Alltags-Outfit sind.<\/p>\n<p data-start=\"1693\" data-end=\"1760\">18.) Mark entdeckt die St\u00e4nde mit A\u00e7a\u00ed \u2013 und kann nicht mehr aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&#8230; und viele weitere w\u00e4ren schon in Druck gegangen bzw. folgen noch.<\/p>\n<p data-start=\"687\" data-end=\"945\">Denn genau das ist ja der Punkt: Das Leben hier schreibt die Geschichten, nicht ich. Ich kann sie nur sammeln, wie Muscheln am Copacabana-Strand. Manche gl\u00e4nzen sofort, andere wirken unscheinbar, bis man sie in der Hand dreht und sieht, wie sch\u00f6n sie eigentlich sind.<\/p>\n<p data-start=\"947\" data-end=\"1193\">Vielleicht werde ich am Ende meiner Zeit hier ein ganzes \u201eMark in Brasilien\u201c-Heft in der Hand haben \u2013 voller kleiner Alltagsabenteuer, voller Missverst\u00e4ndnisse, voller gro\u00dfer und kleiner Gl\u00fccksmomente. F\u00fcr euch zum Lesen, f\u00fcr mich zum Erinnern.<\/p>\n<p>In den kommenden Wochen m\u00f6chte ich hier Kurioses und Allt\u00e4gliches erkl\u00e4ren und das Leben in der &#8222;Cidade meravilhosa&#8220; in schriftlicher Form erkl\u00e4ren. Gar nicht, um irgendwie zu prahlen und wie eine Monstranz vor mir herzutragen, sondern auch, um Eindr\u00fccke f\u00fcr mich zu verarbeiten. Ihr werdet also bald Antworten auf die angeteaserten Fragen in den Conni-Titeln finden. Viel Spa\u00df dabei!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlie\u00dfe die Augen, es ist alles ein langersehnter Traum. Ich tr\u00e4ume nicht mein Leben, ich lebe einen Traum. Hei\u00dft es in so vielen dummen Insta-Reels. Ich schlie\u00dfe tats\u00e4chlich die Augen. Sehe vor mir Momente am Strand, nasser Sand an den F\u00fc\u00dfen, um die Wellen ein laues L\u00fcftchen. 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