{"id":279,"date":"2021-04-01T20:40:24","date_gmt":"2021-04-01T18:40:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/?p=279"},"modified":"2021-04-01T20:40:24","modified_gmt":"2021-04-01T18:40:24","slug":"meer-und-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/2021\/04\/01\/meer-und-mehr\/","title":{"rendered":"Meer und mehr"},"content":{"rendered":"<p>Kr\u00e4ftiger Wind kitzelt z\u00e4rtlich meine kleine Nase. Ich stehe alleine auf einer Lichtung. Verlassen, verloren, versagt. Das Leben zieht an mir vorbei. Und ich frage mich: Wohin? Vier Wege f\u00fchren in den Wald, in den Sand, in das Dorf oder in die Ewigkeit. Der Geruch nach frischen Kiefern saugt sich in mir auf. Auf der nahe gelegenen Dorfstra\u00dfe d\u00fcsen bunte Blechboxen vorbei.<\/p>\n<p>Wie gehen wir mit Niederlagen um? In sich hineinfressen, aus sich hinausschreien oder damit leben lernen. Meine Finger werden feucht, wenn ich an letzten Freitag denke. Eigentlich lief doch alles so gut. Aber dann: Die Unaufmerksamkeit, der Fehler, das Scheitern. Ich \u00e4rgere mich und w\u00fcrde am liebsten den ganzen Wald mit meiner Wut beschallen. Wieviel \u00c4rger passt in so einen durchschnittlichen M\u00e4nnerk\u00f6rper? Ist mein Scheitern so tragisch? Es gibt zweite Chancen. Und in anderen Teilen der Welt verhungern die Menschen.<\/p>\n<p>Ob ich keine anderen Probleme habe, frage ich mich. Gerade ist alles im Umbruch, die Welt ist im wilden Wandel. Wie kann man angesichts der Verr\u00fccktheit der Welt bestehen? Wie kann ich diesem Planeten noch mit Haltung begegnen?<\/p>\n<p>Schreiben ist erl\u00f6send. Ich freue mich auf den Abend. Lebe ich im Augenblick? Ist das mein Problem? Dass ich mich nicht konzentrieren kann?<\/p>\n<p>Der Mensch strebt nach Gewinn, Erfolg, Rendite. In der kapitalistischen Leistungsgesellschaft ist kein Platz f\u00fcr das Scheitern vorgesehen, auch wenn es sich um pers\u00f6nliche Misserfolge handelt, von denen niemand betroffen ist. Ich wundere mich, ob ich mir auch solche klugen Fragen stellen w\u00fcrde, wenn vor zwei Tagen alles anders gelaufen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Bin ich bereit f\u00fcr das Leben? Neben mir eine gl\u00fcckliche Familie auf Inline-Skates.<\/p>\n<p>Ich werfe einen Blick in das innere Fotoalbum und rekonstruiere das Geschehen. Mein Fehler erschlie\u00dft sich mir, aber ich kann ihn mir nicht erkl\u00e4ren. Ich sp\u00fcre die Nervosit\u00e4t, die Anspannung, die Realisierung, dass es vorbei ist. Warum bin ich so gottverdammt unentspannt? Kann ich nicht einfach die Augen schlie\u00dfen und das Leben genie\u00dfen?<\/p>\n<p>Die Sonne l\u00e4chelt mich an. Ich l\u00e4chle brav zur\u00fcck. Es ist der Kopf, der mich mit negativen Gedanken qu\u00e4lt, mein K\u00f6rper bleibt ruhig, der Puls ist normal.<\/p>\n<p>Warum messe ich kleinen Dingen eine viel zu gro\u00dfe Bedeutung bei? Ich wei\u00df doch um meine Erfolge, um meine Siege. Was war hier also los?<\/p>\n<p>Es sollte einfach nicht sein. Manchmal sendet das Leben, Gott, das Universum klitzekleine Pr\u00fcfungen, an denen wir unseren Charakter anzapfen und reifen lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>RUHE jetzt. Es z\u00e4hlen im Leben nicht nur die Errungenschaften, sondern auch, was man aus den Niederlagen macht. Auch wenn es sich hart anf\u00fchlt und sich qu\u00e4lend lange zieht. Klingt nach Poesie-Album-Blabla.<\/p>\n<p>Vielleicht war es der falsche Zeitpunkt? Vielleicht sollte ich dadurch vor etwas Gr\u00f6\u00dferem besch\u00fctzt werden. \u00a0Ich wei\u00df es nicht, ich kenne Gottes Pl\u00e4ne f\u00fcr mich nicht.<\/p>\n<p>Beim n\u00e4chsten Mal wird es klappen. Ich wei\u00df, dass ich es kann. Trotzdem h\u00f6rt mein Kopf nicht auf, zu jammern, mir Druck zu machen. Und was ist, wenn es wieder nichts wird? STOPP.<\/p>\n<p>Hauptsache, mir geht es gut. Ich atme frische Luft ein. Ich bin frohen Mutes. Zumindest f\u00fcr eine Sekunde. Geh aus meinem Kopf, negative Gedanken, geh aus meinem Kopf! Sonst kann ich bald gar nichts mehr&#8230;.<\/p>\n<p>Ich muss damit abschlie\u00dfen. Klar geh\u00f6rt es dazu, dass man bl\u00f6de Ereignisse erst sp\u00e4ter verarbeitet, aber so langsam sollte es wirklich aus meinem Kopf gelegt und in eine andere Schublade transferiert werden.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re wenn, wie wo was warum weshalb-Gedankenspiele haben von nun an keinen Platz mehr. Ich bin doch noch so jung. Ich habe Platz, um mich weiterzuentwickeln. H\u00f6rt sich an wie jeder x-beliebige Motivationscoach, wtf.<\/p>\n<p>Woher dieses mehr? Immer mehr mehr mehr.<\/p>\n<p>Vor mir baut sich ein Meer auf. Ein Meer aus Weizenfeldern, grimmigen Kiefernw\u00e4ldern und hellem m\u00e4rkischen Sand. Wo ist das Meer aus M\u00f6glichkeiten, an Chancen<\/p>\n<p>Warum lassen wir denjenigen in der Gesellschaft so wenig Platz, die auch einmal scheitern? Auf die Schnauze fallen? Dabei sind, wieder aufzustehen? Warum muss immer alles besser, schneller, teurer, erfolgreicher, effizienter, schneller, r\u00fccksichtsloser sein? Das Grundversprechen des Kapitalismus.<\/p>\n<p>Wir fahren so schnell &#8211; und lassen alles hinter im Blitztempo uns. Ohne mal in den R\u00fcckspiegel zu gucken, wen es vielleicht erwischt hat.<\/p>\n<p>Ich habe genug Raum zum Nachdenken, zur Reflexion, zum R\u00fcckzug. Der Wind durchbl\u00e4st mich wie ein leeres Orgelspiel. Der Natur, dem Vogel, dem Wald ist es egal, ob ich scheitere. Sie sind einfach da und h\u00f6ren mir zu, geben auch keine Gegenantwort. Komisch, dass ich mich in der Natur geborgener f\u00fchle als von Menschen. Ich bin ja auch ein Teil von ihr. Ich bin ein Baum, meine Wurzeln greifen tief. Ohhhmmm&#8230;.<\/p>\n<p>Ich bin mir sicher, es gab einen Grund, warum das nicht geklappt hat. Auch wenn es perfekt gewesen w\u00e4re. Andere Menschen hatten auch schon Pech. Ich will keine Angst mehr haben. sondern die Angst beim Haarschopf packen.<\/p>\n<p>Und mit diesen Worten muss ich damit abschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>DANKE GOTT.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kr\u00e4ftiger Wind kitzelt z\u00e4rtlich meine kleine Nase. Ich stehe alleine auf einer Lichtung. Verlassen, verloren, versagt. Das Leben zieht an mir vorbei. Und ich frage mich: Wohin? Vier Wege f\u00fchren in den Wald, in den Sand, in das Dorf oder in die Ewigkeit. Der Geruch nach frischen Kiefern saugt sich in mir auf. 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