{"id":241,"date":"2020-05-24T16:15:14","date_gmt":"2020-05-24T14:15:14","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/?p=241"},"modified":"2020-09-13T18:16:30","modified_gmt":"2020-09-13T16:16:30","slug":"wer-haette-das-gedacht-der-alltaegliche-normale-wahnsinn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/2020\/05\/24\/wer-haette-das-gedacht-der-alltaegliche-normale-wahnsinn\/","title":{"rendered":"Wer h\u00e4tte das gedacht? Der allt\u00e4gliche normale Wahnsinn"},"content":{"rendered":"<p>Hello allerseits!<\/p>\n<p>Ich dachte, ich melde mich mal, um ein paar aktuelle Gedanken zum aktuellen Zeitgeschehen mit Euch zu teilen.<\/p>\n<p>Bitte nicht auf Struktur und Koh\u00e4renz achten \ud83d\ude09 &#8211; ich habe einfach mal das niedergeschrieben, was mir so durch den Kopf geht.<\/p>\n<p>Die Zeit verstreicht so langsam wie die Rahmbutter auf meinem Fr\u00fchst\u00fccksbr\u00f6tchen. Und das meine ich positiv. Vor vier Wochen hatte ich auf dieser Plattform ein paar Post-Brasilien-Covid-19-Gedanken hier ver\u00f6ffentlicht. Daraufhin lasen viele in meinen Zeilen sehr gro\u00dfe Selbstzweifel und dass ich wohl mit der Entt\u00e4uschung eines Lebenstraumes nicht klarkommen w\u00fcrde. Also nochmal, f\u00fcr alle, zum Mitschreiben: Mir geht es gut. Wirklich. Sehr gut sogar.<\/p>\n<p>Ich glaube, ich bin langsam in einer neuen Wirklichkeit angekommen, der Corona-Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Ein inneres Feuer der Begeisterung auf das Ausland lodert zwar immer noch in mir, aber beim t\u00e4glichen Newsblick und Nachrichtenklick auf Tagesschau und Co, habe ich Grund genug, mich dankbar in Sicherheit zu w\u00e4hnen. Wer eine kleine Kostprobe w\u00fcnscht, was gerade in Brasilien abgeht, der folge diesem <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/coronavirus-brasilien-meldet-die-zweitmeisten-infektionen-weltweit-a-b90d3dd3-21fd-4da3-84bf-25efad72f19a\">Pfad<\/a><\/p>\n<p>Unglaublich, oder? Vor zwei Monaten bewegte ich mich noch relativ selbstsicher durch die Stra\u00dfen Sao Paulos und Bel\u00e9m, die Gefahr des Virus klein haltend. &#8222;Brasilien wird schon nichts passieren&#8220;, war mein Gedanke. &#8222;Das Virus wird hier nicht ankommen.&#8220; &#8211; sagte ich auch aus der tiefen \u00dcberzeugung heraus, doch noch im Land meiner Tr\u00e4ume bleiben zu k\u00f6nnen. Und weil ich mir nat\u00fcrlich w\u00fcnschte, dass vor allem die arme Bev\u00f6lkerung, die ich Bel\u00e9m sah, verschont bliebe.<\/p>\n<p>Es waren ja zum damaligen Zeitpunkt einige 100 F\u00e4lle in Sao Paulo und keinen best\u00e4tigten in Bel\u00e9m. Und heute ist Brasilien das Land mit den zweith\u00f6chsten Infektionszahl weltweit. Allein im Bundestaat Sao Paulo starben mehr Menschen als in ganz China. Und das alles liegt an einer Regierung unter einem rechtsextremen Pr\u00e4sidenten, der die Existenz des Virus anzweifelt, es als ein &#8222;Grippchen&#8220; abstempelt und Selfies mit Corona-Leugnern macht, weiter brav H\u00e4ndchen sch\u00fcttelt und gegen die sinnvollen Ma\u00dfnahmen seiner Gouverneure ank\u00e4mpft. Sein Gesundheitsminister und sein Justizminister traten beide zur\u00fcck &#8211; aus Protest. Der Nachfolger im Gesundheitsministerium, ein Onkologe, hielt nur 28 Tage (!) im Amt durch, ehe auch dieser verzweifelt hinschmiss.<\/p>\n<p>Dabei ist nicht zu vergessen, dass durch die Blockade in den \u00f6ffentlichen Beh\u00f6rden illegale Holzf\u00e4ller die Gunst der Stunde nutzen und in Sekundentakt fu\u00dfballfeldergro\u00dfe Fl\u00e4chen im Regenwald abholzen. Ein Zuwachs um 55% der Rodungen gegen\u00fcber des letzten Quartals ist zu verzeichnen. Und, als w\u00e4re das alles nicht genug, will der Pr\u00e4sident ein umstrittenes Gesetz durch den Kongress peitschen, das Land\u00fcbernahme im Amazonas noch einfacher machen soll und damit die Zerst\u00f6rung des Regenwaldes noch st\u00e4rker befeuert.<\/p>\n<p>Gott, bitte steh diesem Land bei.<\/p>\n<p>Wie es wohl den Menschen geht, denen ich im M\u00e4rz in Brasilien, wenn auch nur kurz, begegnete? Dem allerersten Brasilianer, den ich sah? Den Polizisten in der Gangway am Flugzeug? Den Uber-Fahrern Andersson, Rafhael, Cristiano, mit denen ich mich so angeregt unterhielt? Der Frau am Flughafen von Bel\u00e9m, die mich versehentlich f\u00fcr einen Italier hielt? All den Marktfrauen und M\u00e4nner am Ver-O-Peso, die ihre Wocheneink\u00e4ufe erledigten? Den pfiffigen Gastronomen im Stadtteil <em>Liberdade<\/em>, die Touristen so herzlich empfangen?<\/p>\n<p>Wie geht es ihnen wohl? Wie geht es ihren Familien? Wie \u00fcberstehen sie diese schwierige Zeit?<\/p>\n<p>Ich hoffe wirklich nur das Beste f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte das alles gedacht?<\/p>\n<p>In Mexiko, meinem Heimatland ist es auch nicht besser. \u00c4hnliche Probleme: Eine unf\u00e4hige und inkompetente Regierung, die das Virus verharmlost. \u00c4hnliche Zust\u00e4nde in \u00f6ffentlichen Krankenh\u00e4usern. \u00c4hnliche Entwicklung der Infektions- und Todeszahlen.<\/p>\n<p>Nun bin ich ja zur\u00fcck in Esslingen &#8211; und nochmals &#8211; wirklich dankbar daf\u00fcr. Im Anbetracht der dramatischen Situation sind meine anf\u00e4nglichen Sorgen wie weggeblasen. Meine Reise nach Brasilien kommt mir so weit weg vor. Wie in Trance.<\/p>\n<p>An allen Ecken h\u00f6re ich &#8222;Glauben Sie mir, in Brasilien w\u00e4ren Sie jetzt nicht gerne&#8220;.<\/p>\n<p>Mittlerweile habe ich mich, wie man im Leben halt muss, mit der Situation abgefunden.<\/p>\n<p>Und es gibt ja auch einige positive Aspekte in meinem &#8222;Post-Covid-19-Leben&#8220;:<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte gedacht, dass ich angesichts der Situation endlich mal mehr Sport treibe und meiner Gesundheit etwas Gute tue? Mit l\u00e4ngst verschollenen Freunden kommuniziere, die in meinem Adressbuch als Karteileichen abgespeichert waren?<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte gedacht, dass wir mal realisieren, dass wir nicht f\u00fcr ein Meeting um die halbe Welt tingeln m\u00fcssen, sondern dass alles auch digital funktioniert?<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte gedacht, wie kreativ wir sein k\u00f6nnen? Masken mit Superman-Motiv n\u00e4hen (nat\u00fcrlich f\u00fcr unsere wahren Held*Innen im Gesundheitsdienst), Panda-Pl\u00fcschtiere als Abstandhalter in L\u00e4den stellen oder auf diversen Instrumenten ein abendliches Nachbarschaftskonzert tr\u00e4llern?<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte gedacht, dass wir den Wert eines ruhigen und besonnenen Krisenmanagements sch\u00e4tzen lernen? Daf\u00fcr wird Deutschland international ja sehr geachtet. Meine Verwandten im fernen Mexiko w\u00fcnschen sich Angela Merkel als Regierungschefin &#8230;<\/p>\n<p>Um ein komplettes, differenziertes Bild zu zeichnen, muss nat\u00fcrlich auch die Gegenseite von &#8222;Wer h\u00e4tte gedacht &#8230;&#8220; ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte gedacht, dass einige unserer Artgenossen auf urmenschliche Instinkte der Angst zur\u00fcckgreifen und schlecht recherchierten, unsauber erz\u00e4hlten Verschw\u00f6rungstheorien Glauben schenken, die nichts Anderes sind als haneb\u00fcchener Unsinn?<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte gedacht, dass dieses Virus die sch\u00f6nsten und die unangenehmsten Seiten unserer menschlichen Natur offenbart? Panische Hamster-K\u00e4ufer und solidarische Nachbar*Innen sowie\u00a0#unsereHeldenDesAlltags\u00a0(falls es diesen Hashtag \u00fcberhaupt gibt).\u00a0Und ja, die Klopapier-Metapher\u00a0 hat mittlerweile ausgedient. Oder man sollte eher sagen auscovidiert.<\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte gedacht, dass Corona das digital marode Schulsystem zur Schau stellt?<\/p>\n<p>Das Virus zeigt doch: Wir sind machtlos. Wir sind machtlos gegen die Naturgewalt. Und wir haben gelernt, was wichtiger ist als schwarze Zahlen, Umsatz, Rendite und S\u00fcdseeurlaube: Unser aller Gesundheit.<\/p>\n<p>Zum Teil hat das Virus die kreativsten Seiten aus uns herausgekitzelt. Digitale Tanzstunden per Zoom? Ein Oster-Podcast f\u00fcr Oma und Opa? (und ja, l\u00e4nger als nur &#8222;Oma, schick mal mehr Geld&#8220;!) Der Versuch eines Online-Jugendhauses? Alles nun m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit und Nutzung der digitalen Kan\u00e4le zeigen doch, wozu unsere Zivilisation alles f\u00e4hig ist &#8211; wenn sie will. Kleine Randbemerkung: Solange das Internet nicht ausf\u00e4llt \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Ich hab vor Corona eigentlich nie oder nur gaaanz selten an einer Telefonkonferenz oder an einem Online-Meeting teilgenommen. Nein &#8211; man musste sp\u00e4tabends um 19 Uhr noch zur Vereins- oder Vorstandssitzung an das Ges\u00e4\u00dfteil der Welt d\u00fcsen. Um dann nach langer Diskussion und Abschweifungen zu einem Ergebnis zu kommen. Die Online-Formate haben den Vorteil, unn\u00f6tiges Geplapper zwischendurch zumindest bedingt einzuschr\u00e4nken. Meetings werden knackiger und produktiver, die Anfahrtswege k\u00fcrzer und k\u00f6nnen neuerdings auch\u00a0in Unterhosen zur\u00fcckgelegt werden (aber Achtung, dass ja nicht die Kamera runterf\u00e4llt &#8230;)<\/p>\n<p>Stundenlanges Sitzen im HomeOffice kann aber auch ganz sch\u00f6n m\u00fcde machen. Deswegen kann man drau\u00dfen Sport machen. Oder, wem dies nicht m\u00f6glich sein sollte, kann an besagten digitalen Sportkursen teilnehmen. Ist mal ungewohnt, aber macht Spa\u00df.<\/p>\n<p>Wenn ich drau\u00dfen spazieren gehe oder an Wochenende auf dem Fahrrad unterwegs, sehe ich \u00fcberwiegend gl\u00fcckliche Menschen. Keine Bad-News oder traurig bedeckten Gesichter weit und breit. Paare halten H\u00e4ndchen, schlecken an bunten Eissorten, Radsportler mit bl\u00fchend-bunten Trikots zischen an mir vorbei. Alles wie vorher, k\u00f6nnte man meinen.<\/p>\n<p>Erst beim Betreten eines Busses oder eines Supermarktes, wird man unsanft auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcckgef\u00fchrt. Das Virus ist da. Menschen laufen mit unterschiedlich gestalteten Schutzmasken oder gar Schutzvisieren herum.<\/p>\n<p>Ich habe seit drei Monaten niemandem mehr die Hand gesch\u00fcttelt. Fr\u00fcher eine Geste der Unh\u00f6flichkeit, heute eine reine Schutzma\u00dfnahme. Krank durch Nett sein! Das wollen wir ja alle tunlichst vermeiden.<\/p>\n<p>Was allerdings positiv ist: Man lernt, Freundlichkeit auf andere Weise auszudr\u00fccken. Mit einem strahlenden L\u00e4cheln zum Beispiel. Jemandem in die Augen schauen. Jemandem einmal mehr ein herzliches &#8222;Danke&#8220; sagen. Fr\u00fcher hat man ja weniger hinterfragt. Das Reichen des T\u00e4tzchens schien eine unterbewusste Selbstverst\u00e4ndlichkeit, keiner dachte dar\u00fcber nach. Ich denke, unsere Welt wird durch Corona etwas bewusster.<\/p>\n<p>Sorge bereitet mir jedoch das Zur\u00fcckfallen in alte Strukturen der Angst, so zum Beispiel Nationalismen, Abschottung, Protektionismus, und die &#8222;Wir-zuerst-und-\u00fcber-alles&#8220;-Attit\u00fcde.<\/p>\n<p>Hier gie\u00dfen die Populisten der Welt (oder solche, die es sein m\u00f6chten) eine geh\u00f6rige Menge \u00d6l ins Feuer, um die fiesen menschlichen Urinstinkte aufzur\u00fctteln.<\/p>\n<p>Aber Achtung, ich rede hier nicht nur von der nationalen und globalen Ebene der Staatenlenker, sondern auch im ganz einfachen Alltag: Jeder, der gerade unn\u00f6tigerweise hamstert, auf Mitmenschen mit Ignoranz und Arroganz herabschaut, verk\u00f6rpert ein St\u00fcck weit die Einstellung: &#8222;Nach mir die Sintflut&#8220;. Sowas ist wahrlich nicht sch\u00f6n und nicht zu akzeptieren.<\/p>\n<p>Auf europ\u00e4ischer Ebene sehen wir es auf \u00e4hnliche Weise: Verweigerte Hilfe und Unterst\u00fctzung f\u00fcr besonders stark betroffene L\u00e4nder wie Italien oder Spanien, das permanente Wegschalten aller Themen, die nichts mit Corona zu tun haben, so zum Beispiel die Situation der Fl\u00fcchtlinge in Moria. Europa steht vor der Zerrei\u00dfprobe. Ich hoffe, die EU \u00fcberlebt diese Krise. Damit sie beweist, dass das B\u00fcndnis den Namen &#8222;Union&#8220; noch verdient &#8230;<\/p>\n<p><strong>Was will Corona eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df es nicht. Mit Corona direkt Kontakt aufzunehmen, gestaltet sich als etwas schwierig. In ihrem B\u00fcro erreiche ich niemanden.<\/p>\n<p>Randbemerkung: Die heilige Corona ist auch Schutzpatronin des Geldes und der Fischerei. Corona bedeutet auf Latein &#8222;Krone&#8220;. Daher haben einige L\u00e4nder, wie zum Beispiel Schweden, die &#8222;Krone&#8220; als W\u00e4hrend.<\/p>\n<p>Ist es nicht erheiternd und geradezu paradox, dass es Corona ist, die uns zeigt, dass Geld eben nicht alles ist? Oder das Fischen nach starken Dividenden, Kostenmaximierung und Beschleunigung anderen Dingen untergeordnet werden kann?<\/p>\n<p>Wo wir gerade bei Beschleunigung sind: Ich empfinde das Virus und den dadurch angesto\u00dfenen Gesellschaftszustand als entschleunigend. Man hat das Gef\u00fchl, nichts mehr zu verpassen. Der soziale Druck nimmt ab, bei allem dabei sein zu m\u00fcssen.\u00a0F\u00fcr Menschen, die beispielsweise unter einer Sozialphobie leiden, ist das also auch eine gewisse Entlastung.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher, vor der Abreise nach Brasilien und vor der Pandemie, hatte ich auch immer den Drang, \u00fcberall pr\u00e4sent zu sein. Eine Woche mit vier Abendterminen, Sitzungen und Meetings war nicht un\u00fcblich. In der Krise habe ich gelernt, was mir <strong>jetzt<\/strong> wichtig ist und was nicht. Heute wei\u00df ich einen gemeinsamen Filmeabend mit der Familie st\u00e4rker zu sch\u00e4tzen als davor. Oder ein Sonntagsspaziergang. Mein altes Leben vermisse ich in der Form also nicht allzu sehr.<\/p>\n<p>Im Moment leben. Sich auf sich besinnen. Zeit haben, Lernzuprozesse zu starten und \u00fcber den vergangenen, den gegenw\u00e4rtigen und zuk\u00fcnftigen Augenblick des eigenen Daseins zu reflektieren. Was will ich mit meinem Leben anfangen? Was sind meine Ziele? Welchen Stellenwert hat Familie, Liebe, XY f\u00fcr mich? Auf diese Fragen versuche ich noch Antworten zu finden.<\/p>\n<p>Bei allem Positiven &#8211; der <em>crazy shit<\/em> f\u00fcr mich dabei ist: Das Virus ist ja eigentlich nicht gut. Es ist ein B\u00f6sewicht, das unschuldige Menschen t\u00f6tet. Meine obigen Zeilen lassen sich sehr euphorisch lesen &#8211; wie jemand, der das Virus untersch\u00e4tzt und dem noch nichts passiert ist. M\u00f6chte ich nicht machen. Ja, es ist gef\u00e4hrlich. Deswegen versuche ich, mich und andere zu sch\u00fctzen, mein klitzekleines Sandkorn zur Bek\u00e4mpfung des Virus beizutragen.<\/p>\n<p>Auch wenn ich im erweiterten Bekanntenkreis bereits einen covid-19-bedingten Todesfall erlebt habe, der mich zutiefst in Trauer versetzt hat, ist Corona f\u00fcr mich inzwischen wieder so weit entfernt. Das W\u00f6rtchen hat f\u00fcr mich eine abstrakte Erscheinung angenommen. Covid-19 hier, Corona da, Virus, Pandemie, Epidemie, Krise, schwere Zeit! Es trifft jeden. Ob direkt, gesundheitlich, oder indirekt, strukturell. Durch Umgestaltung des Lebens, des Arbeitsplatzes, der Volkswirtschaft, der eigenen Planungen.<\/p>\n<p>Niemand h\u00e4tte sich vorstellen k\u00f6nnen, dass ein kleinster, auf lebendem Gewebe gedeihender Krankheitserreger so einen gro\u00dfen Schaden anrichten kann. Jeden, der im Mitte 2019 vor dieser globalen Katastrophe gewarnt h\u00e4tte, h\u00e4tte jeder, ich glaube sogar Frau Merkel und Herrn Wieler selbst, f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt. Jetzt haben wir den Salat. Now we have the salad.<\/p>\n<p>Diese Pandemie beherrscht alles und jeden. In tausenden von Unternehmen und Institutionen werden Ordner angelegt mit dem Namen &#8222;Corona-Alternativen&#8220;,\u00a0 Online-Veranstaltungen mit Titeln wie &#8222;Corona &#8211; wie geht es nun weiter?&#8220; organisiert, Telefonate und Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, Mails geschrieben, die es sonst wahrscheinlich nie gegeben h\u00e4tte!<\/p>\n<p>Wahrscheinlich werden meine potenziellen Kinder und Enkelkinder eines Tages das Kapitel &#8222;Covid-19&#8220; im Geschichtsunterricht durchnehmen und mich dann fragen: &#8222;Was hast du in dieser Zeit eigentlich gemacht? Wie war das so?&#8220;<\/p>\n<p>Auch in zuk\u00fcnftigen Bewerbungsgespr\u00e4chen k\u00f6nnte eine m\u00f6gliche Frage lauten: &#8222;Wie haben Sie die Zeit der Pandemie f\u00fcr sich genutzt?&#8220;\u00a0 &#8211; das wird vielleicht der entscheidende Punkt sein, ob jemand eingestellt wird oder nicht, je nachdem oder der oder die Kandidatin in seiner oder ihrer Antwort unter Beweis stellt, wie er oder sie an neue Gegebenheiten flexibel und kreativ anpasst und die Krise bew\u00e4tigt. Boah, wieder dieser Karriereged\u00f6ns.<\/p>\n<p>Sollen wir Corona zum &#8222;Wort des Jahres 2020&#8220; kr\u00f6nen?<\/p>\n<p>Ob wir es wollen oder nicht, das Virus sich inzwischen in unsere Sprache eingenistet. Ob Anglizismen wie &#8222;Home-Office&#8220;, &#8222;Home-Schooling&#8220; , &#8222;Lockdown&#8220; oder gar seltsame Wortneusch\u00f6pfungen wie &#8222;\u00d6ffnungsdiskussionsorgien&#8220; &#8211; diese W\u00f6rter sind fester Bestandteil der politischen und medialen Debatte und sind aus dem Alltagssprache-Duden 2020 nicht mehr wegzudenken.<\/p>\n<p>Diese neuen Beitr\u00e4ge zur deutschen Sprache bieten aber auch Anlass f\u00fcr kontroverse Diskussionen. Wer oder was ist denn jetzt &#8222;systemrelevant&#8220;? Wie soll &#8222;Home-Schooling&#8220; denn genau aussehen?<\/p>\n<p>Naja. Egal wer wir sind, was wir gerade beitragen k\u00f6nnen oder wie die Zukunft aussieht, eines k\u00f6nnen wir: Gemeinsam zusammenstehen und geduldig sein. Diese Situation wird sicherlich noch ein bisschen l\u00e4nger andauern. Und wenn die Krise dann endlich vorbei ist, m\u00fcssen wir umsichtig sein, um nicht eine zweite Welle oder ein Corona 2.0 zu erleben. Denn wir wollen ja alle gest\u00e4rkt aus der Krise hervorgehen. Einiges wird sich hoffentlich (!) \u00e4ndern: Ich hoffe, dass wir alle &#8211; achtsamer, bewusster, flexibler, digitaler, sensibler werden, den vielf\u00e4ltigen Stimmen unserer Gesellschaft gleichsam zuh\u00f6ren, handfeste Wahrheiten von billigem Quatsch trennen, uns respektvoller begegnen &#8211; in allen Lebenslagen.<\/p>\n<p>Jetzt werde ich erstmal mein Zimmer umgestalten &#8211; wer h\u00e4tte das gedacht?<\/p>\n<p>Bis dahin verabschiede ich mich mit einer gro\u00dfen digitalen Umarmung!<\/p>\n<p>Mark<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hello allerseits! Ich dachte, ich melde mich mal, um ein paar aktuelle Gedanken zum aktuellen Zeitgeschehen mit Euch zu teilen. Bitte nicht auf Struktur und Koh\u00e4renz achten \ud83d\ude09 &#8211; ich habe einfach mal das niedergeschrieben, was mir so durch den Kopf geht. 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