{"id":138,"date":"2020-04-13T15:04:45","date_gmt":"2020-04-13T13:04:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/?p=138"},"modified":"2020-04-19T14:36:49","modified_gmt":"2020-04-19T12:36:49","slug":"geplatzter-traum-im-tropischsten-paradies-aller-paradiese-tag-2-in-belem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/2020\/04\/13\/geplatzter-traum-im-tropischsten-paradies-aller-paradiese-tag-2-in-belem\/","title":{"rendered":"Geplatzter Traum im tropischsten Paradies aller Paradiese (Tag 2 in Bel\u00e9m)"},"content":{"rendered":"<p>Ich wache schwei\u00dfgebadet auf. Trotz Ventilator-K\u00fchlung ist es bollehei\u00df in meinem Zimmerchen und die Feuchtigkeit taucht das Zimmer in eine leicht tropische Atmosph\u00e4re. Ein mittelgro\u00dfer schwarzer K\u00e4fer krabbelt sich mutig mein Bein hoch, ich verscheuche ihn sanft, was aber nicht viel bringt, da er sich sofort wieder an meinen Zeh klammert.<\/p>\n<p>Ich habe hervorragend geschlafen. Ich blicke auf die Uhr. Kurz nach 10.<\/p>\n<p>Ich mache mein Handy an und sehe neue Mails und neue Nachrichten. Es ist der 16. M\u00e4rz: <strong>&#8222;<\/strong>Liebe Freiwillige, [&#8230;] <strong>bitte buchen Sie sofort\u00a0Ihre R\u00fcckreise nach Deutschland.&#8220;\u00a0<\/strong>Die Situation mit Covid-19 hat sich anscheinend weltweit so dramatisch entwickelt, dass kulturweit nun alle ausgereisten Freiwilligen zur\u00fcck nach Deutschland holt. Dass auch die zur\u00fcckm\u00fcssen, die sich bereits seit 7 Monaten im Ausland aufhalten, unterstreicht die Dramatik der aktuelle Weltlage.<\/p>\n<p>Ich atme leicht auf. Da war sie also, die Nachricht, die meinem FSJ und Brasilien nun endg\u00fcltig ein Ende bereiten sollte. Irgendwie f\u00fchle ich mich erleichtert. Gestern hatte ich noch alle Gedanken des Abbruchs geleugnet und f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt, aber ein mikroskopisch kleiner Teil meines Inneren, wusste irgendwie, dass <em>kulturweit<\/em> uns fr\u00fchzeitig ausgereiste Freiwillige nicht einfach im Ausland behalten w\u00fcrde. Die Frage <em>&#8222;Should I stay or should I go now?&#8220;<\/em> schwebte wie ein unsichtbares Mantra \u00fcber die gesamten letzten Tage und N\u00e4chte. Irgendwie wussten wir auch wir drei Brasilien-Freiwillige, dass nicht einfach zur Tagesordnung \u00fcbergangen werden kann.<\/p>\n<p>Trotzdem verliere ich f\u00fcr Sekunden die Kontrolle. Eine kleine Tr\u00e4ne kullert mir \u00fcber die Wange und sp\u00fcre eine gewisse Wut in mir aufkeimen &#8211; gegen wen oder was genau sie sich richtet, wei\u00df ich allerdings nicht. Immernoch ist Corona f\u00fcr mich das ferne Virus aus Asien, hier in <em>Bel\u00e9m<\/em> gibt es noch keinen einzigen registrierten Fall und man hatte mir gesagt, dass das Virus in w\u00e4rmeren Gebieten schwerer \u00fcberlebt. Ob diese Info stimmt, wusste ich damals noch nicht.<\/p>\n<p>Auch vom Goethe-Institut habe ich inzwischen die Nachricht, dass sie es sehr bedauern, aber wir wir ja alle weisungsgebunden an die UNESCO sind und deshalb wieder zur\u00fcck nach Hause m\u00fcssen. Anerkennen muss ich jedoch, dass die Menschen vor Ort alles M\u00f6gliche versucht haben, damit wir hier bleiben k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich haben wir sogar unser Einf\u00fchrungsseminar in Sao Paulo ohne mit der Wimper zu zucken durchgezogen. Es hie\u00df zwar, dass die Letztverantwortung bei der UNESCO liegt, die Zeichen am Freitag standen jedoch eher auf dem Verbleib im Ausland.<\/p>\n<p>Ein paar Minuten sp\u00e4ter h\u00e4nge ich schon in der Leitung mit a) meinen Eltern b) meinen Brasilien-Mitfreiwilligen und c) dem Goethe-Institut. Es ist ein Hin- und Her, das sich \u00fcber zwei Tage lang zieht.<\/p>\n<p>Meine Eltern fragen mich, wie es mir in Bel\u00e9m so geht und wie ich angekommen bin und sagen mir, dass ich mich so ruhig und anh\u00f6re &#8211; ehe die frohe Kunde font\u00e4nenartig aus mir herausplatzt. Sekunden Stille am anderen Ende des H\u00f6rers. Meine Eltern haben mich monatelang bei allem, was mit Brasilien auch nur im Entferntesten zusammenhing, unterst\u00fctzt, daher danke ich ihnen f\u00fcr Ihre Trauer und ihre Ver\u00e4rgerung, dass ich wieder zur\u00fcckmuss (so doof sich das anh\u00f6ren mag.).<\/p>\n<p>Ich spreche mit dem Goethe. Nach erfolgreicher Pr\u00fcfung, ob wir \u00fcberhaupt noch nach Deutschland kommen, wird in Sekundenschnelle f\u00fcr uns ein Lufthansa-Flug am Donnerstag gebucht &#8211; den das Goethe direkt \u00fcbernimmt. Auch ein Flug von Bel\u00e9m nach Sao Paulo wird mit wenigen Mausklicken f\u00fcr mich bestellt. F\u00fcr diese schnelle Reaktion und das \u00dcbernehmen der Buchung bin ich sehr dankbar.<\/p>\n<p>Ich verstehe ja alle rationalen und gut durchdachten Argumente, warum ich in dieser schwierigen Zeit zur\u00fcck in die Heimat sollte &#8211; Emotional habe ich dieses Land, diese Gegend, diese Menschen in mein Herz geschlossen, obwohl ich erst seit wenigen Tagen hier bin.\u00a0Der Kopf sagt ja, das Herz sagt nein. Und ich bin eigentlich jemand, der lieber auf sein Herz h\u00f6rt &#8230;<\/p>\n<p>Die \u00fcberzeugendste Stellungnahme, wieso es besser ist, zur\u00fcckzukehren, kommt \u00fcber Umwege an mich heran. Ein Verantwortlicher am Goethe-Institut in Salvador hat \u00fcber das DAAD-B\u00fcro in <em>Bel\u00e9m<\/em> mitteilen lassen, dass es das Sinnvollste sei, so schnell wie m\u00f6glich zu gehen. Ich sei ja schlie\u00dflich in einem fremden Land, in dem ich mich nicht auskenne und dessen Gesundheitssystem bei weitem nicht so gut sei wie das deutsche. Also wenn selbst Menschen, die mich gar nicht kennen und die vor Ort sind, mir raten, das Land zu verlassen, dann ist da schon was dran. Au\u00dferdem stimmt es ja schon, dass &#8211; sollte sich das Virus hier ausbrechen &#8211; mir auch eine schicke kulturweit-Versicherung nichts bringt, wenn die Krankenhauspl\u00e4tze weg sind.<\/p>\n<p>Mir w\u00fcrde es das Herz zerrei\u00dfen, wenn das Virus nach Bel\u00e9m kommt. Viele Menschen hier leben in bitterster Armut und besitzen keine bzw. keine gute Krankenversicherung. Das Virus macht keinen Unterschied, ob arm oder reich, wei\u00df oder dunkelh\u00e4utig, netter Mensch oder Ar*chloch. Und wieso sollte ich, als privilegierter Deutscher, den Menschen auch noch ein Bett im Krankenhaus wegnehmen?<\/p>\n<p>Ich reflektiere eine ganze Weile \u00fcber meine Privilegien und die Inhalte, die wir auf dem Seminar dazu besprochen haben. Ich merke, dass ich mich unfassbar gl\u00fccklich sch\u00e4tzen kann, \u00fcberhaupt zur\u00fcckgeholt zu werden &#8211; von einer Organisation, die sich um uns und um die Weltlage sorgt. Sie k\u00f6nnten ja auch sagen &#8222;Schei\u00df drauf, sollen&#8217;se halt ihr FSJ machen, ist ja schlie\u00dflich ihr Traum&#8220; &#8211; die Zukunft w\u00fcrde sie eines Besseren belehren. Ich merke auch, dass ich so dankbar sein kann &#8211; f\u00fcr meine momentane Gesundheit, meine Heimat, meine Familie und dass ich in ein sicheres Umfeld mit einer guten medizinischen Versorgung zur\u00fcckkehren kann.<\/p>\n<p>Ich realisiere, dass angesichts der Pandemie, pers\u00f6nliche Interessen, und ja auch ein verdammt geiles Jahr in Brasilien, dem Allgemeinwohl hintenangestellt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Diese Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag. War ich zu egoistisch? Zu sehr auf mich bezogen? Habe ich das <em>bigger picture<\/em> nicht gesehen? Normalerweise versuche ich, Dinge im gr\u00f6\u00dferen globalen Sachzusammenhang zu betrachten. Dieses Mal nicht, da es um ein Jahr meines Lebens ging. Vermutlich.<\/p>\n<p>Ich habe immernoch nicht gefr\u00fchst\u00fcckt.<\/p>\n<p>Ich stehe auf und verlasse mein Zimmer, das nach dem Gehadere mit mir selber und der Au\u00dfenwelt vor innerer Selbstzerfressenheit noch mehr qualmt.<\/p>\n<p>Auf dem Holztisch in der K\u00fcche steht mein Fr\u00fchst\u00fcck, das mir Nicolau zubereitet hat:<\/p>\n<div id=\"attachment_139\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/files\/2020\/04\/meine-k\u00fcche.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-139\" class=\"size-medium wp-image-139\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/files\/2020\/04\/meine-k\u00fcche-300x400.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/files\/2020\/04\/meine-k\u00fcche-300x400.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/files\/2020\/04\/meine-k\u00fcche.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-139\" class=\"wp-caption-text\"><em>Die K\u00fcche &#8211; klein aber fein!<\/em><\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_140\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/files\/2020\/04\/IMG_9587.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-140\" class=\"wp-image-140 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/files\/2020\/04\/IMG_9587-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/files\/2020\/04\/IMG_9587-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/marknobrasil\/files\/2020\/04\/IMG_9587.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-140\" class=\"wp-caption-text\"><em>Tapioca &#8211; typisches Fladenbrot aus dem Norden\/Amazonas, dazu Maniokwurzel und farofa, ger\u00f6stetes Maniokmehl<\/em><\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin sehr ger\u00fchrt, dass sich Nicolau die Zeit genommen hat, mir ein Fr\u00fchst\u00fcck zuzubereiten. Er hatte es doch gestern noch angek\u00fcndigt! Die Tapioca ist eine Art Fladenbrot aus Maniokmehl (man kennt&#8217;s) und schmeckt sehr gut. Auch wenn ich diesen Text aus dem deutschen Exil schreibe, habe ich den Geschmack noch im Kopf.<\/p>\n<p>Nicolau ist mir ein R\u00e4tsel: Er steht jeden Tag um 4 Uhr auf und geht erstmal arbeiten. Ob am Laptop zuhause, eine Predigt vorbereiten oder raus auf die Stra\u00dfe zu einem sozialen Projekt &#8211; egal, hauptsache: Arbeit. Da f\u00fchle ich mich schon fast schlecht, es ist fast 12 Uhr und ich fr\u00fchst\u00fccke gerade das, was er mir sicherlich schon um halb sieben auf den Tisch gestellt hat. Ist aber k\u00f6stlich!<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich poppen einige Nachrichten auf meinem Handy auf. Sie sind von Tiago, meinem Ansprechpartner an der Schule. Er hat schon durch das Goethe erfahren, dass ich leider nicht bleiben darf. &#8222;Ich nehme mir den ganzen Nachmittag frei und wir machen was zusammen&#8220; l\u00e4sst er mich sinngem\u00e4\u00df wissen. Ich kann es nicht fassen. Immernoch \u00fcberw\u00e4ltigt von der Freundlichkeit der Menschen hier.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, nach dem Fr\u00fchst\u00fcck, erreicht ein Video, das mir Tiago mit der 10. Klasse im Deutschunterricht aufgenommen habt. Ich schaue es mir mehrere Male an: &#8222;Haaaaaaaaaaaaalllllllllllllllllllloooooooooooooo Maaaaaaaaaaaaark&#8220; singen sie alle im Chor.<\/p>\n<p>Kleine Zwischenbemerkung: Mein Name wird hier in Brasilien oft &#8222;Marki&#8220; <em>[Marqui]<\/em> ausgesprochen: Konsonanten am Ende werden gerne mit einem &#8222;i&#8220; langgezogen, so auch laptop = <em>lapitopi<\/em> oder fake news = <em>faki newsi<\/em>. Irgendwie knuffig.<\/p>\n<p>Das w\u00e4ren also die Sch\u00fcler*Innen gewesen, mit denen ich zusammengearbeitet h\u00e4tte. Ich breche fast in Tr\u00e4nen aus. Ich bin von der Schule ca. 20 Minuten entfernt, ich k\u00f6nnte einfach hingehen und diese Kinder in den Arm nehmen, darauf h\u00e4tte ich gro\u00dfe Lust. Mache ich nat\u00fcrlich aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht.<\/p>\n<p>Es ist kurz nach eins. Nicolau hat Mittagessen von der Sprache mitgebracht: Fleisch, Reis und Bohnen, mit Spaghetti gemischt. Kauend bringe ich ihm die Nachricht bei, dass ich leider nur bis Donnerstag bleiben kann. Er versteht und spricht ein kurzes Gebet. Wir beten f\u00fcr die Kranken und Armen. Irgendwie sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Am Nachmittag beschlie\u00dfe ich, alleine auszugehen und die Gegend etwas besser kennenzulernen. Auf <em>google maps<\/em> schaue ich mir das Viertel, in dem ich wohne, genauer an. Eigentlich ist alles ganz einfach: Laufe ich meine Stra\u00dfe immer gerade aus, komme ich zur Ecke mit dem Supermarkt, in dem Tiago und ich gestern waren.<\/p>\n<p>Pustekuchen! Nachdem ich ein paar Minuten gelaufen bin, verlaufe ich mich. Ich f\u00fchle mich etwas unwohl. Mehrere Blicken von M\u00e4nnern aus brummenden Autowerkst\u00e4tten und von Fahrradkurieren mustern mich. Ich falle anscheinend auf. Ich habe aber auch wirklich einen fatalen Orientierungssinn.\u00a0 Nach dem Weg fragen traue ich mich irgendwie nicht. F\u00fcr eine Sekunde f\u00fchle ich mich nicht mehr sicher. Ich laufe um den Block und versuche, das Pfarrhaus ausfindig zu machen: Fehlanzeige. Langsam werde ich ungeduldig. Pl\u00f6tzlich vernehme ich eine Stimme aus einem Auto. Ich laufe etwas schneller. Ein Mann um die vierzig spricht mich an, ich verstehe gar nichts, wovon er redet, also winke ich h\u00f6flich ab und laufe entschlossenen Schrittes weiter. Er f\u00e4hrt mir noch ein ganzes St\u00fcck hinterher. &#8222;Was will der denn von mir?&#8220; Mark, cool bleiben. Nachdem ich immernoch nicht reagiere, macht er einen U-Turn und brettert laut davon. &#8222;Nochmal Gl\u00fcck gehabt&#8220;.<\/p>\n<p>Nach weiteren endlosen Runden vorbei an kleinen Restaurants, Tante-Emma-L\u00e4den und Sch\u00f6nheitssalon bin ich endlich auf der Hauptstra\u00dfe <em>Duque de Caxias\u00a0<\/em>(aber auch nur, weil ich einen freundlichen Herr in einer gro\u00dfen Autowerkstatt eines deutschen Herstellers gefragt habe).<\/p>\n<p>Hier finde ich auch schnell den Supermarkt wieder. Da ich verschwitzt bin, gehe ich hinein und bade im kalten Meer der Klimaanlage. Als Alibi kaufe ich drei Sachen und gehe wieder heraus. Von hier finde ich den Weg zur\u00fcck zu Nicolau.<\/p>\n<p>Abends, gegen 17 Uhr, holt mich Tiago in seinem Auto ab. Er kommt gerade von der Uni. Zusammen fahren wir die ca. 25 Minuten von meinem Viertel ins Zentrum von <em>Bel\u00e9m<\/em>. Wie ein neugieriger Hund blicke ich aus dem Fenster. Einkaufsmeilen, viele Menschen auf den Stra\u00dfen. Wir fahren in die etwas noblere Gegend von Bel\u00e9m, die man an den schicken Hochh\u00e4usern und Appartments sowie einer riesigen Shopping-Mall erkennt. Eine feuchte Meeresbrise weht zu uns in Auto. Das Meer kommt bald!<\/p>\n<p>Heute war in der ersten Schule und Tiago erz\u00e4hlt mir, was sie in der ersten Deutschstunde gemacht haben: Tiago hat ihnen Kekse und Kuchen mitgebracht und sie haben ein deutsches Lied geh\u00f6rt. Ich h\u00e4tte dabei sein k\u00f6nnen. Als mir nochmals vor Augen gef\u00fchrt wird, dass ich die Schule nicht kennenlernen werde, wechsle ich das Thema.<\/p>\n<p>Wir parken das Auto am Hafen. Einmal ausgestiegen, sind es wenige Schritte bis zu den <em>Docas<\/em>, der Hafenpromenade Bel\u00e9ms. Neben den <em>Docas<\/em> befinden sich zahlreiche Hafengeb\u00e4ude und der weltbekannte Markt &#8222;<em>Ver-O-Peso<\/em>&#8220; (zu deutsch: Schau auf das Gewicht) &#8211; zu diesem Markt komme ich noch.<\/p>\n<p>Wir spazieren eine Weile an der Hafenpromenade entlang. Das Wasser im Amazonas ist braun, Tiago erkl\u00e4rt mir, dass dies mit der Dichte des Wassers im Fluss zusammenh\u00e4nge. Eine gef\u00fchlte Ewigkeit entfernt von mir ersp\u00e4he ich Festland. Es ist eine S\u00fc\u00dfwasserinsel, die mich weit entfernt \u00fcber die <em>Ba\u00eda do Guajar\u00e1<\/em>, die Guajar\u00e1-Bucht, gr\u00fc\u00dft. Von den <em>Docas<\/em> aus kann man mit einer F\u00e4hre zu den gegen\u00fcberliegenden Insel fahren. Die Spritztour kostet umgerechnet R$15, knapp 4 Euro. Was viele gar nicht wissen, ist, dass ein Teil von Bel\u00e9m auf einer Insel liegt, Die Anwohner sind also auf die F\u00e4hre zum Erledigen des t\u00e4glichen Bedarfs angewiesen&#8230;<\/p>\n<p>Der Anblick ist traumhaft. Die Sonne geht gerade unter und sofort wird der Hafen in ein dunkelblau-violett-rotes Licht getaucht, das mit dem Schein der Stra\u00dfenlampen harmoniert. Ich blicke in das Wasser. Diesen Anblick h\u00e4tte ich \u00f6fter genie\u00dfen k\u00f6nnen &#8211; wenn, ach, ihr wisst ja.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wache schwei\u00dfgebadet auf. Trotz Ventilator-K\u00fchlung ist es bollehei\u00df in meinem Zimmerchen und die Feuchtigkeit taucht das Zimmer in eine leicht tropische Atmosph\u00e4re. Ein mittelgro\u00dfer schwarzer K\u00e4fer krabbelt sich mutig mein Bein hoch, ich verscheuche ihn sanft, was aber nicht viel bringt, da er sich sofort wieder an meinen Zeh klammert. 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