Was bleibt #1 „Wetter“

Eigentlich wird ja den Deutschen nachgesagt, dass sie gerne über das Wetter reden, aber wie mir aufgefallen ist, reden auch die Chilenen gerne über das Geschehen am Himmel.


Fast immer, wenn ich auf Reisen mit Chilenen ins Gespräch komme und zugebe, dass ich in Chillán wohne, bekomme ich die gleichen Reaktionen:

„En Chillán hace mucho frío en invierno!“ (In Chillán ist es sehr kalt im Winter!)

oder

„Chillán está súper caluroso en verano!“ (In Chillán ist es super heiß im Sommer!)

Beiden Aussagen kann ich nur zustimmen. Von Mitte November bis Mitte März hatten wir jeden Tag mindestens schwüle 30 Grad und ich bin gerade so dahin geschmolzen. Vor allem Weihnachten war für mich ein nahezu tropisches Ereignis. Während ich momentan in den Wintermonaten meine Antarktis-Momente habe. Das Thermometer bleibt täglich bei maximal 5 Grad hängen und wird von einer unangenehmen Mischung von Nebel und Kaminrauch begleitet. Anders als man annehmen würde, sind die Gebäude und Häuser nicht für die niedrigen Temperaturen ausgelegt und dass, obwohl die Kälte jedes Jahr wieder kommt. Es ist so kalt, dass unser Heizboiler das Wasser nur lauwarm ausspuckt und an besonders frischen Tagen kommt es sogar dazu, dass ich meine eigenen Atemschwaden in meinem Zimmer sehen kann. Abhilfe schafft meine kleine Wunderheizung, die mit ein bisschen Vorlauf die Zimmertemperatur ein bisschen steigern kann. Aber besonders hat es mir mein Calientacama angetan – eine Art Heizdecke, die man unter das Laken legt und kurz anmacht bevor man schlafen geht. Für mich gibt es nichts Schöneres als völlig durchgefroren in mein Bett zu steigen und schließlich mit einem warmen Popo einzuschlafen.

Aber nicht nur die extremen Temperaturunterschiede machen das chillánesische Wetter kurios, sondern der Regen.

Während der Sommermonate regnet es wochenlang keinen Tropfen. Im Winter hingegen regnet es manchmal tagelang durch und es kommt kein einziges Mal die Sonne heraus.

Aber noch viel kurioser als das Wetter selber, ist das Verhalten der Menschen sobald für die kommenden Tage Regen prognostiziert wird. Schon zwei Tage vorher wird rege über die sich annähernden „Wassermassen“ diskutiert und gefachsimpelt. Es werden im Lehrerkollegium quasi Wetten abgeschlossen um wie viel Uhr der erste Regentropfen fallen wird. Außer mir erscheinen immer alle den Wettervorhersagen angepasst, bewaffnet mit Regenschirmen, Windjacken und festen Schuhen. Sobald sich dann das erste Wasser ergießt, sind die Straßen wie leergefegt und die Chilenen wissen auch wieso. Da die Kanalisation eher bescheiden ausgebaut ist, entwickeln sich die im Hang liegenden Straßen zu reißenden Flüssen, die, trotz Regenschutz von oben, zumindest nasse Füße garantieren. Wenn man dann auch noch verzweifelt dem Bus hinterher rennt, kann man nicht nur die Socken auswringen, sondern auch die restlichen Kleidungsstücke wirken wie gerade aus der Waschmaschine. Ja – ich spreche aus Erfahrung.

Besonders amüsiere ich mich immer wieder über die zahlreichen Straßenverkäufer, die nach dem ersten Regentropfen auf einmal, statt mit Schals und Mützen, mit Regnschirmen durch die Luft wirbeln und allen Vorbeieilenden verdeutlichen wollen, wie sinnvoll die Investition wäre. Mit dem Ende des Regens verschwinden auch die Regenschirme und werden in Minuten durch andere Produkte „a mil“ ( für 1000 Pesos) ersetzt.

Grundsätzlich ist der Regen aber nicht schlecht. Es kühlt sich nicht so stark ab und nach dem Ende ist ein Ausblick auf die puderzucker-weiße Kordillera garantiert, denn Regen in Chillán bedeutet Schnee in den Nevados (Skigebiet in den angrenzenden Anden).

 

 

Von der Schule werden sogar Busse gestellt um trocken vom Schulgebäude zur Außenstelle zu gelangen.

Einer der reißenden Flüsse. Ein relativ Harmloser im Gegensatz zu anderen Wasserfall- und Seegebilden.

 

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