{"id":95,"date":"2016-01-21T16:50:18","date_gmt":"2016-01-21T15:50:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/?p=95"},"modified":"2016-01-21T16:50:18","modified_gmt":"2016-01-21T15:50:18","slug":"will-not-die-look-guy-hes-prayin-much-plane-wont-crash","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/2016\/01\/21\/will-not-die-look-guy-hes-prayin-much-plane-wont-crash\/","title":{"rendered":"&#8222;We will not die, look at this guy, he&#8217;s prayin&#8216; so much, the plane won&#8217;t crash&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Fluges Istanbul &#8211; Duschanbe.<\/p>\n<p>Meine Eltern waren gestern aus Istanbul abgereist. Um 1835 sollte mein Flieger gehen. Zur\u00fcck nach Dushanbe. Von dort mit dem Taxi nach Chudschand. Der Tag war herrlich ereignislos, ich kam relaxt am Terminal an. Ne mega kurze Schlange bei Check-In, bis ich bemerkte, dass ich bei der BusinessClass stehe, also schnell abhauen, dahin, wo ich hingeh\u00f6re, zum P\u00f6bel, aka economy. Der Flug war nicht sehr voll, ich konnte meinen Sitzplatz w\u00e4hlen: &#8222;letzte Reihe bitte, wenn m\u00f6glich allle drei Sitze, ich will schlafen&#8220;, denn der Flug w\u00fcrde um 4 Uhr morgens in Duschanbe landen. Kurz fragte ich mich, ob mich das Karma f\u00fcr meine Extravaganzen bestrafen w\u00fcrde..<\/p>\n<p>Irgendwann dann das Gate gefunden, mit zwei lustigen Leuten geredet, dann ins Flugzeug, als einer der ersten. Ich stratz nach hinten, sitzen da schon sieben\u00a0Leute in den letzten zwei Reihen. Die waren schon im Flugzeug. Komisch. Ich sehe, dass ich auch nur vorletzte Reihe war, fl\u00e4z mich hin, gef\u00fchlte zehn Reihen niemand vor mir. Ein Ehepaar kommt zu mir, schaut verwirrt auf die Nummern, fragt den Flugbegleiter, wo sie sitzen sollen. Sie werden gebeten, n bisschen zu warten, weil wir &#8222;Special Passengers&#8220; h\u00e4tten. Er meint die drei Strafgefangenen, die von den vier Polizisten eskortiert werden. Die drei tragen Handschellen, sehen eher uninteressant aus.. Der Polizist in der Reihe neben mir l\u00e4chelt mich an, ich versuche zu smalltalken, es scheitert an seinem Englisch. Naja, auf jeden hab ich jetzt sp\u00e4ter was in meiner Gastfamilie zu erz\u00e4hlen, das da Gefangene hinter mir sa\u00dfen.<\/p>\n<p>Ich versuche w\u00e4hrend des Fluges angestrengt, zu schlafen, nehme mein Essen in so ner r\u00f6mischen Liegepose ein&#8230; Irgendwie halbwach realisiere ich, dass n Besoffener die ganze Zeit hier rumh\u00e4ngt und mit den Cops schnacken will. Die aber halt nicht mit ihm. Und sie verstehen ihn halt auch nicht. Schade. Mit meiner Schl\u00e4frigkeit verschwindet auch meine Ignoranz, und als der Besoffene versucht, den Cops Dosenbier anzudrehen, setze ich mich aufrecht hin und sagt ihm, er soll sich neben mich setzen. Wenn er mit jemandem reden m\u00f6chte, dann muss&#8217;s wohl ich sein.. Sofort wird Gin Tonic geordert. Ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, kein Alkohol zu trinken, da ich nicht zu ersch\u00f6pft nach dem Flug sein wollte.. Aber wenn man sich mit Betrunkenen besch\u00e4ftigt kann n Tropfen auch nicht schaden. Wir smalltalken, er ist Schwede und J\u00e4ger.\u00a0Und dann f\u00e4llt das Flugzeug.<\/p>\n<p>Eine Szene so wunderbar und intensiv, dass man sie nur im R\u00fcckblick erfassen kann. Das Flugzeug ist leicht angestiegen, man konnte die erh\u00f6hte Schwerkraft sp\u00fcren. Dann: Gleichzeitig heulen die Turbinen auf und dass Flugzeug sackt einfach Weg. Die meisten Passagiere, Herr Gin Tonic und ich ebenfalls, sind nicht angeschnallt. Ich sehe vor mir wie die meisten aus ihren Sitzen gehoben werden. Dann knallt es, die Schwerkraft funktioniert wieder. Die Gin Tonics sind weg, meine Hose ist alkoholhaltig und ich muss das Dosenbier schnell von meinem Nachbarssitz aufheben. Ich konnte zum Gl\u00fcck meine H\u00e4nde nach oben rei\u00dfen, damit mein Kopf nicht von der Decke gehaun wird. Mr. Gin Tonic hatte leider seine Reflexe bereits gegen n guten Schwips eingetauscht und daher sehr gro\u00dfe Kopfschmerzen, da er voll gegen die Decke, also diese Gep\u00e4ckf\u00e4cher geknallt ist. Ich find&#8217;s in der Situation ziemlich witzig. Behalts aber f\u00fcr mich. Hinter mir f\u00e4ngt der Gefangene laut an zu beten, was er auch f\u00fcr die n\u00e4chsten zwanzig Minuten nicht f\u00fcr eine Sekunde unterbricht. Daher der Titel. Ich erinnere mich an die Pfadfinderpflicht, die seit ungef\u00e4hr 100 Jahren nicht mehr aktuell\u00a0ist: &#8222;Unterst\u00fctze die Polizei, wo du nur kannst&#8220;. Also erstmal die Officers anl\u00e4cheln. Die L\u00e4cheln zur\u00fcck. Yay, Partystimmung. Mir f\u00e4llt ein, dass in einem Actionfilm jetzt der kr\u00e4ftige, gutaussehende der drei Gefangenen ausgebrochen w\u00e4re, weil er entweder insgeheim der Gute ist, oder weil der Held, der auch an Bord des Flugzeugs ist, n Gegner braucht. Aber es ist kein Film. Alles ist normal. Au\u00dfer das halt inzwischen Stimmung im Flugzeug ist. Um mich zu beruhigen, scherze ich zu Mister Gin Tonic, dass wir definitiv nicht sterben k\u00f6nnen, so wie der Beter hinter mir sich ins Zeug legt. \u00dcber die n\u00e4chsten drei\u00dfig Minuten gibt es nat\u00fcrlich weiter Turbulenzen, wobei diese auf der Matthis-G\u00f6rdel-Turbulenskala ein &#8222;sie waren stets bem\u00fcht&#8220; erreichen. Spannend wirds nur, wenn das Flugzeug kurz hochzieht, und ich wieder ein wegsacken erwarte. Apropos: hat jemand n Plan, wie das funktioniert? Hab von diesem wegsacken der Flugzeuge vorher noch nie geh\u00f6rt. Ist das n Luftloch? Naja, alle m\u00fcssen auf jeden Fall sitzen, nur n paar wollen auf die Toilette und werden von den Flugbegleitern von der Mittelm\u00e4\u00dfigkeit ihrer Idee \u00fcberzeugt. Den Flug \u00fcber rede ich mit Mr. Gin Tonic \u00fcber Gott und die Welt, durch Alkohol und vermeintliche Todesgefahr befl\u00fcgelt sto\u00dfen wir bis zu unseren pers\u00f6nlichen Abgr\u00fcnden vor.<\/p>\n<p>Und hier ist das Problem. Spannung aufm H\u00f6hepunkt, aber Story noch nicht vorbei. Sorry, werter Leser..<\/p>\n<p>Wir landen, Business as usual, man kennt die Formulare, nette Einreisebeamtin, aufs Gep\u00e4ck warten. Ich bin todesm\u00fcde. Das Gep\u00e4ck kommt. Aber nicht mein Gep\u00e4ck. Panik, Verzweiflung und Wut bauen sich in mir auf. Ich hab in Istanbul unter gro\u00dfer Anstrengung Iod-Trinkwassergewinnungspillen und Hexamin aka Campingkocher Fest-Brennstoff gefunden und erworben habe. Und leider wird Hexamin halt von den meisten Airlines nicht mitgenommen. Des Typ am Schalter hat gemeint, ich soll&#8217;s mitnehmen, die Security wei\u00df, was zu tun ist..<br \/>\nVerliere ich jetzt meine Tasche mit all den Sachen, die mir lieb und teuer sind [heillose \u00dcbertreibung, ich hatte leichtes Gep\u00e4ck und deutsches Naschi mit]? F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter hab ich meine Tasche. Raus ausm Airport. Ich kann leider den nervigen Taxifahrer nicht loswerden, der mich \u00fcberteuert irgendwo hinfahren will. Es ist 5 Uhr morgens. Ich geh einfach weiter, ignoriere ihn. Sehe links von mir noch einen dieser &#8222;Touristen-Taxifahrer&#8220;, der mich auf meiner Hinreise \u00fcbers Ohr hauen wollte, mir das aber erst klar wurde als ich in seiner Karre sa\u00df. Aussteigen, Sachen nehmen und abhauen ging klar, war trotzdem damals ne nervige Diskussion. Sch\u00f6n, dass es ihm gut geht, schade, dass ich ihn nun, morgens um 5 wieder sehen muss. Ich geh zur Hauptstra\u00dfe und warte auf Marshrutkas. Aber es fahren halt keine. N cooler Taxifahrer (schrottiges Auto und am cruisen -&gt; billig) sammelt mich auf, es wird geredet und gelacht, nur leider sprech ich halt immer noch sehr sehr schlecht russisch. Irgendwann nach f\u00fcnf bin ich dann am Autobahnhof, wo ein einziger Fahrer nach Chudschand schon auf mich wartet. Yay, hoffentlich gehts bald los. Er f\u00e4hrt n Opel Astra und keinen Gel\u00e4ndewagen, aber ich werde die Fahrt \u00fcber den Pass schon \u00fcberleben, denke ich, sind ja alles asphaltierte Stra\u00dfen. Leider hat irgendwie niemand anders Bock, morgens um 5 Auto zu fahren, deshalb muss ich noch vier Stunden in einem arschkalten Auto warten, in einem Horror aus Halbschlaff..<\/p>\n<p>Irgendwann gehts dann doch los, ich bin zwischendurch ausgestiegen und rumgelaufen, weil andere Fahrer schon aufgebrochen sind, nur mein Fahrer konnte niemanden an Land ziehen. Mein Fahrer bemerkt meine Unzufriedenheit, steckt mich in ein anderes Auto, wo schon einer wartet. F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter kommt er wieder und holt uns ab, wir sind drei Mitfahrer in seinem Auto, es kann losgehen. Leider habe ich meinen Premium-Platz vorne an einen Tadschiken verloren und leider hatte ich zum Schlafen den Sitz GANZ NACH HINTEN gestellt, also: Null Beinfreiheit. Nada. Aber irgendwie mussten nochmal die anderen aussteigen, ich nutze meine Chance und stell den vorderen Sitz nach vorne. Ganz fair auf die H\u00f6he des Fahrersitzes. Als mein Vordermann wieder Platz nimmt, bemerkt er leider sofort, was ich angestellt habe und versucht, neuen Lebensraum nach &#8222;hinten&#8220; zu gewinnen. Mein dagegenhalten mit den Oberschenkeln f\u00fchrt zu seiner Kapitulation. Er r\u00e4cht sich sp\u00e4ter, in dem er mir auf der &#8222;Autobahnrastst\u00e4tte&#8220;, die genau wie in Deutschland, teures und schlechtes Essen anbietet, eine Portion bestellt, obwohl ich vorher gesagt hatte, dass ich nichts wollte. Dieser Miese.. So muss ich kaltes Fleisch mit Fett essen..<\/p>\n<p>Die Fahrt ansonsten war eher normal, wir sind angekommen, irgendwann war ich zuhause. Genug geheult, sorry f\u00fcr den Clickbait-Titel, als Dankesch\u00f6n f\u00fcrs durchhalten:<\/p>\n<p>Bilder von Steinen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0872.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-96\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0872.jpg\" alt=\"DSCN0872\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0872.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0872-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0868.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-97\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0868.jpg\" alt=\"DSCN0868\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0868.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0868-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0849.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-101\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0849.jpg\" alt=\"DSCN0849\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0849.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0849-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0882.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-100\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0882.jpg\" alt=\"DSCN0882\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0882.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0882-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0937.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-99\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0937.jpg\" alt=\"DSCN0937\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0937.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0937-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_98\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0934.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98\" class=\"size-full wp-image-98\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0934.jpg\" alt=\"Die Grenze des Ferghana-Tals, der Tiefebene, in der auch Chudschand liegt.\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0934.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0934-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-98\" class=\"wp-caption-text\">Die Grenze des Ferghana-Tals, der Tiefebene, in der auch Chudschand liegt.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Fluges Istanbul &#8211; Duschanbe. 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