{"id":89,"date":"2016-01-21T11:26:45","date_gmt":"2016-01-21T10:26:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/?p=89"},"modified":"2016-01-21T11:26:45","modified_gmt":"2016-01-21T10:26:45","slug":"gedanken-ueber-staedte-und-doerfer-oder-tokio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/2016\/01\/21\/gedanken-ueber-staedte-und-doerfer-oder-tokio\/","title":{"rendered":"Gedanken \u00fcber St\u00e4dte und D\u00f6rfer. Oder: Tokio"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorwort<\/strong><\/p>\n<p>Ist ne weile her, dass ich das letzte mal gebloggt habe, und ich wollte nach meinem letzten Beitrag weiter \u00fcber die &#8222;gro\u00dfe Reise&#8220; und Tokio berichten. Keine Ahnung was ich damals im Sinn hatte, vergessen ist&#8217;s. Deshalb ein neuer Gedanke. Tokio, aber kontrastiert mit der Sicht von Chudschand.<\/p>\n<p><strong>Lebensr\u00e4ume<\/strong><\/p>\n<p>Die Woche in Tokio hat auf mich einen gro\u00dfen Eindruck gemacht. W\u00e4hrend die Tage und Wochen davor in Chudschand ein verworrenes und bewegtes Durcheinander in meiner Gef\u00fchlserinnerung sind, war Tokio ein sehr klares, k\u00fchles Erlebnis. Im Nachhinein wirkt es auf mich so, als ob es kaum unterschiedlichere Lebensr\u00e4ume als Tokio und Chudschand geben kann. Zu beiden St\u00e4dten hatten wir, Adrian und ich, haupts\u00e4chlich einen Zugang durch einen Freund oder eine kleine Zahl von Freunden, die unsere &#8222;Guides&#8220; waren, wenn man das so nennen m\u00f6chte. Denn beide St\u00e4dte haben f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Gemeinsamkeit: eine sehr hohe &#8222;Einstiegsh\u00fcrde&#8220;. Durch die fremde Sprache und die f\u00fcr mich als DorfundKleinstadt-Jungen unbekannten und anfangs befremdlichen Systeme und Sitten war\u00a0es schwer einen Zugang in diese St\u00e4dte zu erhalten. Hinter der &#8222;H\u00fcrde&#8220;, \u00fcber die wir dankenswerterweise getragen wurden, sehe ich jedoch zwei stark verschiedene Lebensr\u00e4ume. Beschreiben kann ich dies vielleicht, in dem ich einzelne Dinge oder Systeme betrachte:<\/p>\n<p><em>Wie man f\u00e4hrt<\/em><\/p>\n<p>In beiden St\u00e4dten gibt es ein Verkehrssystem, dass die meisten Menschen von a nach b Transportiert. In Tokio: die Metro. Ein gigantisches Schienennetz, in dem alleine der Bahnhof <a href=\"http:\/\/www.wikiwand.com\/de\/Bahnhof_Shinjuku#\/overview\" target=\"_blank\">Shinjuku<\/a>\u00a0t\u00e4glich von mehreren Millionen genutzt wird. Mehr als zehn mal so viele Menschen, als \u00fcberhaupt in Chudschand leben. Man bezahlt normalerweise mit PrePaid-Karten, die man auf die Durchgangskontrollen am Eingang und Ausgang legt. Durch Nahfunk wird der Eingang in den Bahnhof registriert, beim Verlassen des Bahnhofs wird dann das Geld abgebucht. Die Kartensysteme sind in jedem System und sogar in manchen Schnellrestaurants einsetzbar.<br \/>\nIn Chudschand: die Marshrutkas. Mercedes Sprinter und <a href=\"https:\/\/www.wikiwand.com\/de\/GAZelle\" target=\"_blank\">GAZelle&#8217;s<\/a>\u00a0(sprich: Gasels), wie diese hier.<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/Marshrutka.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-91\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/Marshrutka.jpg\" alt=\"Marshrutka\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/Marshrutka.jpg 800w, https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/Marshrutka-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Bild ist von Wikipedia, k\u00f6nnte aber definitiv aus Chudschand stammen. Die Marshurkas haben eine Nummer, die die Linie kennzeichnen. Au\u00dferdem stehen wichtige Punkte der Linie ebenfalls auf dem Schild. Wenn man in eine Marshrutka einsteigen will, winkt man. Wenn man aussteigen will, sagt man in Chudshand &#8222;dorit&#8220; und der Wagen h\u00e4lt. Es gibt neben dem Fahrer oft einen zweiter &#8222;Mitarbeiter&#8220;, der die T\u00fcr bedient und kassiert. Alternativ haben einige Marshutkas automatisierte T\u00fcren. Beim bezahlen\u00a0gibt man das Geld w\u00e4hrend der Fahrt durch die Sitzreihen, bis es entweder beim &#8222;Kassierer&#8220; oder Fahrer angelangt. Falls die Marshrutka keinen &#8222;Kassierer&#8220; hat, und ein zu gro\u00dfer Schein beim Fahrer angelangt, ruft dieser durch den Bus, wo denn der Zehn-Somoni-Schein hinfahren m\u00f6chte.<br \/>\nHier, bei den Transportsystemen, hat man auf der einen Seite ein vollautomatisiertes und auf der anderen Seite eins, dass auf menschlicher, pers\u00f6nlicher Interaktion basiert. Dies sieht man auch in den &#8222;Fahrzeugen&#8220;, Waggons und Bussen respektive, selbst: Die Waggons in Tokio unterscheiden sich nur in der Farbe des Liniebetreibers. In Chudschand haben die Busse alle ihre pers\u00f6nliche Note. Die meisten Busse haben einen aufwendig gestalteten Innenraum. Die urspr\u00fcnglichen Innenr\u00e4ume der Busse sind stark ver\u00e4ndert. An der Decke ist eine Haltestange und die gesamte Decke ist bei vielen Marshrutkas verziert. Ich hab leider noch keine Bilder davon gemacht. Die Verziehrungen sind schlicht, manchmal werden LED-B\u00e4nder zur Beleuchtung eingesetzt. Doch jede Marshrutka hat ihren eigenen Charakter.<\/p>\n<p><em>Wie man isst<\/em><\/p>\n<p>In den meisten Tokioter Restaurants findet man irgendwo am Eingang das hier:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0448.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-92\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0448.jpg\" alt=\"DSCN0448\" width=\"576\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0448.jpg 576w, https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/DSCN0448-300x400.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Automat ist in gewisser Weise das Zentrum des Restaurants. Man W\u00e4hlt sein Essen, bezahlt, dr\u00fcckt die passende Taste. Dann ein kleiner Zettel, den die Maschine freigibt. Den an die Bedienung reichen, die kurz nickt. Man nimmt platz und wartet aufs Essen. Wieder ein automatisierter, unpers\u00f6nlicher Vorgang.<br \/>\nIn Chudschand dagegen: Man geht ins Restaurant. Falls man nicht in einem der teuren Restaurants ist, nimmt man Platz und sieht meist, wie sich an einem der anderen Tische jemand erhebt. Die Bedienung. Dies ist bereits ein gro\u00dfes Unterschied zu Tokio: Dort\u00a0sind die R\u00e4ume klar getrennt. Wenn die Bedienung keine Arbeit hat, steht oder sitzt sie hinter der Theke. In Chudschand ist ein &#8222;Mischen der Rollen&#8220;; Ein Bediensteter, der an Tisch, also dem Platz der zu Bedienenden, sitzt, ist keine Seltenheit, im Gegenteil. Oft sitzen Bedienstete mit Kunden zusammen, manchmal wird gemeinsam\u00a0ein Vodka getrunken. Die Bedienung hat oft ein freundschaftliches Verh\u00e4ltnis zu den Kunden.<\/p>\n<p><em>Wie<\/em>\u00a0<em>man einkauft<\/em><\/p>\n<p>In Tokio: Malls. Kaufh\u00e4user. Stilvolle, gro\u00dfe Geb\u00e4ude, die f\u00fcr jeden Wunsch eines oder mehrere Gesch\u00e4fte haben. Schaufenster, Auslagen, Werbeposter, Preisschilder, Kartenzahlung.<br \/>\nIn Chudschand: Die Basare. Pandschanbe:<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/basar.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-93\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/basar.jpg\" alt=\"basar\" width=\"600\" height=\"410\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/basar.jpg 600w, https:\/\/kulturweit.blog\/marg\/files\/2016\/01\/basar-300x205.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>De gr\u00f6\u00dfte Basar der Stadt, hier die Haupthalle. Der Basar streckt sich au\u00dferdem \u00fcber zwei Stra\u00dfen und ein weiteren teilweise \u00fcberdachten Bereich. Au\u00dferdem liegt am Pandshanbe eine der gr\u00f6\u00dften Haltestellen der Stadt. Wenn man etwas kaufen m\u00f6chte, fragt man nach dem Preis, verhandeln kommt vor, aber eher selten im Vergleich zu Basaren in der T\u00fcrkei oder Israel.<\/p>\n<p><em>wie ich f\u00fchle<\/em><\/p>\n<p>Tokio und Chudschand sind f\u00fcr mich zwei gro\u00dfe Gegens\u00e4tze. Auf der einen Seite eines der gr\u00f6\u00dften bewohnten Gebiete der Welt, wobei die meisten allt\u00e4glichen Interaktionen absolut entpersonifiziert sind. Auf der anderen Seite Chudschand, wo pers\u00f6nlicher Umgang allgegenw\u00e4rtig ist.<br \/>\nIn der Tokioter Metro sieht man die Menschen; es wird auf ein Smartphone gestarrt oder geschlafen. Wenn man in Tadschikistan beim Friseur oder im Fitnessstudio ist, und ein fremder den Raum betritt, sch\u00fcttelt er erst jedem die Hand.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die automatisierte allt\u00e4gliche Interaktion in Tokio wahrscheinlich &#8222;die Zukunft&#8220; ist, hat das Leben in Chudschand durchaus seinen Charme. Die pers\u00f6nlich gestalteten Marshrutkas, das H\u00e4ndesch\u00fctteln mit absolut Fremden und noch so vieles mehr\u00a0waren am Anfang f\u00fcr mich sehr befremdlich, aber inzwischen bin ich daran gew\u00f6hnt und finde diese lebendige Art des \u00f6ffentlichen Lebens deutlich angenehmer als die Blasiertheit, die oft in Gro\u00dfst\u00e4dten zu sp\u00fcren ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort Ist ne weile her, dass ich das letzte mal gebloggt habe, und ich wollte nach meinem letzten Beitrag weiter \u00fcber die &#8222;gro\u00dfe Reise&#8220; und Tokio berichten. Keine Ahnung was ich damals im Sinn hatte, vergessen ist&#8217;s. 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