{"id":620,"date":"2019-06-09T07:00:36","date_gmt":"2019-06-09T05:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/?p=620"},"modified":"2019-06-04T22:01:14","modified_gmt":"2019-06-04T20:01:14","slug":"eine-kleine-angstgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/2019\/06\/09\/eine-kleine-angstgeschichte\/","title":{"rendered":"Eine kleine Angstgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>[Beitrag ist bereits ver\u00f6ffentlicht auf:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.junge-selbsthilfe-blog.de\/eine-kleine-angstgeschichte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lebensmutig. Junge Selbsthilfe Blog<\/a>]<\/p>\n<p><strong>Ende Februar:<\/strong>\u00a0Heute steht die Jurorenschulung f\u00fcr einen Debattierwettbewerb bevor. Ich \u00fcberlege schon die ganze Zeit, ob ich \u00fcberhaupt dorthin gehen oder besser absagen soll. Als Juror hat man n\u00e4mlich auch die Aufgabe einem der Debattierenden eine kurze R\u00fcckmeldung zu geben. Es sind zwar nur wenige S\u00e4tze, die man sagen muss \u2013 f\u00fcr meine \u00c4ngste ist das aber schon eine scheinbar niemals \u00fcberwindbare Herausforderung. Ich entschlie\u00dfe mich dann doch dazu, hinzugehen und dem ganzen eine Chance zu geben. Am Ende der Schulung stellen vier Teilnehmende eine Debatte nach und wir m\u00fcssen das Bewerten und die R\u00fcckmeldung \u00fcben. Das bedeutet: vor der ganzen Gruppe sprechen. Als meine Gruppe dran ist schaffe ich es irgendwie schnell meinen Text zu sagen, um mich m\u00f6glichst schnell wieder zur\u00fcck auf meinen Platz setzen zu k\u00f6nnen. Mein Gedanke am Ende: \u00bbIch w\u00fcrde es gerne schaffen, bei einer Debatte als Jurorin t\u00e4tig zu sein. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich es schaffen werde. Bis zum Sommer ist ja noch ein bisschen Zeit. Bis dahin haben die \u00c4ngste hoffentlich ein bisschen abgenommen\u2026\u00ab<\/p>\n<p><strong>Mitte April:<\/strong>\u00a0Vor ein paar Tagen habe ich eine E-Mail in meinem Postfach gelesen \u2013 es wird noch ein Jurymitglied f\u00fcr ein Verbundfinale gesucht. Nach viel hin und her \u00fcberlegen sage ich zu und nun stehe ich hier mit wackligen Knien vor dem Deutschraum und warte darauf, dass die Veranstaltung beginnt. Ich muss zugeben, es ist eine sehr spannende Erfahrung so eine Debatte zu jurieren und ich bin froh, diese Erfahrung machen zu d\u00fcrfen. Wenn da nur blo\u00df nicht diese R\u00fcckmeldungen w\u00e4ren\u2026 Da es zwei Debatten gibt, muss ich auch zwei R\u00fcckmeldungen geben. Zum Gl\u00fcck stehen wir am Rand und nicht vorne und ich habe die Wand hinter mir, die mir ein bisschen Sicherheit gibt. Mit zitternder Stimme gebe ich meine R\u00fcckmeldung und komme mir ziemlich bl\u00f6d vor, als ich sagen muss: \u00bbUnser Tipp an dich w\u00e4re, dass du dich beim n\u00e4chsten mal noch selbstbewusster in die Debatte einbringst\u00ab, w\u00e4hrend ich mit jedem Wort k\u00e4mpfe. Mein Gedanke am Ende: \u00bbNoch einmal werde ich das nicht machen. Das schaffe ich nicht.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Vor zwei Wochen:<\/strong>\u00a0Ich sehe eine E-Mail in meinem Postfach. Die Besetzung f\u00fcr das Landesfinale. Und meinen Namen unter den Juroren. Ein gro\u00dfer Kampf bricht in mir aus: Ich m\u00f6chte es so gerne schaffen. Ich habe Angst es nicht zu schaffen. Ich m\u00f6chte die \u00c4ngste nicht gewinnen lassen. Alle anderen schaffen es auch \u2013 schon wieder eine Aufgabe, der ich durch die \u00c4ngste nicht gerecht werden kann. Gleichzeitig ist mein Wille, es doch zu schaffen, aber auch so gro\u00df. Doch mit meinem Gewissen kann ich es nicht vereinbaren \u2013 es ist besser eine selbstbewusstere und kompetentere Person zu nehmen. Das schreibe ich auch der zust\u00e4ndigen Kollegin und habe gro\u00dfe Angst vor ihrer Reaktion.<\/p>\n<p><strong>Ein paar Tage sp\u00e4ter:<\/strong>\u00a0Meine Angst in Bezug auf die Reaktion der Kollegin waren v\u00f6llig umsonst. Sie ist sehr lieb und verst\u00e4ndnisvoll und ermutigt mich sehr, mich f\u00fcr meinen Willen und gegen die \u00c4ngste zu entscheiden. Sie nimmt sich sogar die Zeit, um die Situation einmal mit mir zu \u00fcben, damit ich ein bisschen mehr Sicherheit habe.<\/p>\n<p><strong>Gestern:<\/strong>\u00a0Das Landeshalbfinale findet heute statt und meine Aufgabe ist es zum Gl\u00fcck nur ein paar Fotos zu machen. W\u00e4hrend ich in dem Veranstaltungsraum mit den vielen Menschen stehe, merke ich, wie sich allein dadurch schon starke Angstgef\u00fchle in mir ausbreiten. Mein Gedanke am Ende: \u00bbOh je, wie soll ich das morgen blo\u00df \u00fcberleben?! Wie konnte ich blo\u00df denken, dass mein Wille st\u00e4rker sein kann als die Angst?!\u00ab<\/p>\n<p><strong>Heute:<\/strong>\u00a0Ein so starkes Gef\u00fchl von Aufregung gemischt mit Angst habe ich schon lange nicht mehr gesp\u00fcrt. Meine Beine sind wacklig, ich habe Bauchweh, mir ist mal hei\u00df, mal kalt, ich schwitze, vergesse regelm\u00e4\u00dfig zu atmen und habe das Gef\u00fchl, dass ich den Tag nicht \u00fcberleben werde, weil mein Herz sicherlich vor Angst irgendwann einfach aufh\u00f6rt zu schlagen. Vor Ort wird es ein wenig besser. Der Smalltalk mit einem anderen Juror lenkt mich etwas ab und mein K\u00f6rper entspannt sich wieder ein bisschen. Erst w\u00e4hrend der Juryberatung werde ich nach und nach wieder nerv\u00f6ser. Die Zeit rennt und die Zeit, um die R\u00fcckmeldungen vorzubereiten wird immer weniger. Als wir uns vorne an die Mikrofone stellen, ist die Angst mit all ihren Kr\u00e4ften wieder da. Ich habe das Gef\u00fchl, jeden Moment umzukippen, was meine \u00c4ngste noch mehr verst\u00e4rkt. Als viertes bekomme ich das Mikrofon in die Hand. Meine Beine zittern, meine Stimme zittert und ich bin froh, als ich das Mikrofon weitergeben kann. (Und noch mehr, als wir von dort vorne wieder verschwinden d\u00fcrfen.)<\/p>\n<p>Meine Gedanken jetzt am Ende: Ich h\u00e4tte niemals gedacht, dass ich das schaffen werde. Ich versuche, nicht auf die Gedanken zu h\u00f6ren, die mir sagen \u201eJeder konnte mir die Angst ansehen. Jeder denkt jetzt schlecht \u00fcber mich\u201c, sondern mich zu freuen, dass ich auf beiden Beinen stehen geblieben bin, meine S\u00e4tze gesagt habe und mich meiner riesig gro\u00dfen Angst gestellt habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Beitrag ist bereits ver\u00f6ffentlicht auf:\u00a0Lebensmutig. Junge Selbsthilfe Blog] Ende Februar:\u00a0Heute steht die Jurorenschulung f\u00fcr einen Debattierwettbewerb bevor. Ich \u00fcberlege schon die ganze Zeit, ob ich \u00fcberhaupt dorthin gehen oder besser absagen soll. Als Juror hat man n\u00e4mlich auch die Aufgabe einem der Debattierenden eine kurze R\u00fcckmeldung zu geben. Es sind zwar nur wenige S\u00e4tze, die &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/2019\/06\/09\/eine-kleine-angstgeschichte\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Eine kleine Angstgeschichte<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2474,"featured_media":624,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[164],"tags":[],"class_list":["post-620","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-freiwilligenarbeit"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/620"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2474"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=620"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/620\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":626,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/620\/revisions\/626"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/media\/624"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=620"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=620"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=620"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}