{"id":77,"date":"2009-11-28T23:55:52","date_gmt":"2009-11-28T17:55:52","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/?p=77"},"modified":"2009-11-30T13:53:41","modified_gmt":"2009-11-30T07:53:41","slug":"eid-mubarrak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/2009\/11\/28\/eid-mubarrak\/","title":{"rendered":"Eid Mubarrak!"},"content":{"rendered":"<p>Dhaka ist still. Kein Hupen, kein Klingeln. Da, eine Ziege. Leise meckert sie mich in den Schlaf.<\/p>\n<p>10 Uhr morgens. Niemand meckert mehr. Stattdessen nun ein monotoner Schallpegel aus dem Gewirr menschlicher Stimmen. Schritt aus der Einfahrt, wei\u00dfer Panjab, schaue ich mich um. &#8222;Eid Mobarak!&#8220; gr\u00fc\u00dft mich ein fr\u00f6hlich Blutverschmierter. Ich gr\u00fc\u00dfe zur\u00fcck und begutachte die Stra\u00dfe. Dhaka hat sich \u00fcber Nacht von einem Bauernhof in einen Schlachthof verwandelt. Zs Fahrer kommt und wir fahren zu seinem Haus. Die Ochsen aus Bhutan und Australien leben noch &#8211; sie sind die letzten ihrer Art in dieser Tiefgarage. Nur zwei Ziegen betrachtet noch interessiert das Ausbluten, Zerteilen und Waschen der noch warmen Rinderk\u00f6rper. Wir gehen nach oben, warten bis das &#8222;Schlachtfeld&#8220; ger\u00e4umt ist. Es gibt Tee und w\u00e4hrend die M\u00e4dels sich mit Henna Arme und H\u00e4nde bemalen lassen, schaue ich interessiert eine bengalische Werbepause an. Da gibt es Werbung f\u00fcr Tee (Botschaft: macht dich fit) Haarlotion Kokos (dein Haar riecht dadurch gut) Tee, Haarlotion Kokos, Tee, Selbstaufhellungscreme (Hallo? Braungebrannte Frau l\u00e4uft am Bahnsteig entlang und verpasst den Zug, weil sie niemand hereinziehen will, nach dem sie &#8222;Fair and Lovely&#8220; benutzt hat ist sie unglaublich bleich und auf einmal will sie jeder in seinem Abteil haben&#8230;) Zahnpasta, Haarlotion Kokos, Tee&#8230; Jedenfalls dauert die Werbepause eine gef\u00fchlte Stunde und der darauffolgende Film ist auch nicht viel spannender.<\/p>\n<p>Es ist Zeit. Die &#8222;pagola&#8220; goru wird gefesselt und auf den Boden gelegt. Letztes Messerschleifen, ein Metzger mit zwei Gehilfen steht bereit. &#8222;Allahu akbar&#8220;. Z schneidet, Blut spritzt, Messer stumpf, Metzger schneidet, mehr Blut. Ein letztes Muhen. Blut.<\/p>\n<p>Ein paar Minuten und sachgerechte Schnitte sp\u00e4ter sieht der Ochse schon gar nicht mehr aus wie einer. F\u00fc\u00dfe stapeln sich neben Eingeweiden, die Haut wir auf eine Rikhsha geladen, der Kopf liegt unbeachtet daneben.<\/p>\n<p>Das Schlachten des bhutanischen Ochsen geht um einiges schneller. Drau\u00dfen vor den Toren dr\u00e4ngen sich die Armen. Die Armen aus den Slums, denen nach islamischer Tradition ein Drittel des Fleisches zusteht. Das Fernsehen ist da und filmt, wie gro\u00dfz\u00fcgige Bengalen rohes Fleisch in der Menge wie S\u00fc\u00dfigkeiten verteilen. Sp\u00e4ter werden die Fahrer der reichen Familien noch in die Slums fahren, um dort Fleisch zu verteilen.<\/p>\n<p>Wir gehen nach oben um zu warten, bis die Rinder zerlegt sind. Fr\u00f6hliches Gedudel aus dem Fernseher. Mittagessen. Anschlie\u00dfend fahren wir mit Z Fleisch zu seinen Verwandten nach purano Dhaka bringen. An den Stra\u00dfenr\u00e4ndern stapeln sich Kuhh\u00e4ute, vereinzelt sieht man lebendige Ochsen. In Alt-Dhaka gibt es wieder Essen. Ananasreis, Woodapple-Chutney und Kokosnudeln als Dank f\u00fcr die Rinderkeule.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg laufen wir auf meinen Wunsch hin \u00fcber den &#8222;Kuhhautmarkt&#8220;, wo sich das wahre Ausma\u00df des Schlachtfestes fassen l\u00e4sst. Meterhoch stapeln sich Felle auf \u00fcberf\u00fcllten Lastw\u00e4gen und in Lagerh\u00e4usern. Das gibt viel Arbeit f\u00fcr die Gerber.<\/p>\n<p>Zum Abendessen gibt es Rindfleisch aus Bhutan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dhaka ist still. Kein Hupen, kein Klingeln. Da, eine Ziege. Leise meckert sie mich in den Schlaf. 10 Uhr morgens. Niemand meckert mehr. Stattdessen nun ein monotoner Schallpegel aus dem Gewirr menschlicher Stimmen. Schritt aus der Einfahrt, wei\u00dfer Panjab, schaue ich mich um. &#8222;Eid Mobarak!&#8220; gr\u00fc\u00dft mich ein fr\u00f6hlich Blutverschmierter. 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