{"id":51,"date":"2009-11-11T11:09:01","date_gmt":"2009-11-11T05:09:01","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/?p=51"},"modified":"2009-11-11T11:09:01","modified_gmt":"2009-11-11T05:09:01","slug":"mein-dach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/2009\/11\/11\/mein-dach\/","title":{"rendered":"Mein Dach"},"content":{"rendered":"<p>Eben noch von einem Geschirrtuchverk\u00e4ufer verfolgt (habe im vorbeilaufen wohl etwas zu interessiert auf seinen riesigen Stapel bunter Handt\u00fccher geschaut) der den halben Weg zum Goethe Institut hinter mir herlief und ununterbrochen &#8218;hey bhay&#8217;=&#8217;hey Bruder&#8216; rief, bin ich jetzt in meinem sch\u00f6nen, klimatisierten B\u00fcro und trinke Wasser aus einer Wodkaflasche.<br \/>\nFalls ihr zuf\u00e4llig in letzer Zeit mit mir telefoniert habt, ist euch sicher aufgefallen, dass der Empfang endlich mal halbwegs in Ordnung war. Das ist purer Zufall. Aber nicht so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Der Zufall bei der Sache, begann letzten Freitag.<\/p>\n<p>Ich verlie\u00df die Wohnung, es war schon Mittag, doch ich war gerade erst aufgestanden und hatte mir f\u00fcr diesen glorreichen ersten Tag des Wochenendes vorgenommen, ein LAN-Kabel zu kaufen. Da hier jedes &#8218;Elektro&#8217;gesch\u00e4ft eigentlich nur Handys und Zubeh\u00f6r verkauft, (spottbillig) wollte ich in ein nahegelegenes Einkaufszentrum gehen, (Metro) um mal nachzuschauen ob die dortigen &#8218;Computer Stores&#8216; halten, was ihr Name verspricht.<\/p>\n<p> &#8211; Spoileralarm: unter Computer Store, verstanden die Ladenbesitzer wohl eher Computer Game and Movie Store, immerhin hab ich jetzt noch ein T-Shirt f\u00fcr 1,50\u20ac mehr &#8211;<\/p>\n<p>Als ich in den Aufzug stieg, fuhr dieser aber erstmal in den obersten, den f\u00fcnften Stock. Die T\u00fcren gingen auf und nat\u00fcrlich stand dort, genau: niemand. Noch im Halbschlaf musterte ich den Flur und schon hatten sich die Aufzugt\u00fcren wieder geschlossen.<br \/>\nIch lief die Hauptstra\u00dfe entlang und dachte dar\u00fcber nach, was mich am Anblick des f\u00fcnften Stockwerks so irritiert hatte. Vor lauter Nachdenken fiel ich fast in einen der zahlreichen nur provisorisch abgedeckten Kan\u00e4le. Gottseidank war ein Stadtangestellter jedoch gerade damit besch\u00e4ftigt diesen chemisch zu verseuchen (wegen den gef\u00e4hrlichen, unglaublich heimt\u00fcckischen, sich heimlich an dich heranpirschenden und t\u00f6dlichen<br \/>\nM\u00fccken) und der bet\u00e4ubende Duft seiner Spritzd\u00fcse lie\u00df mich unwillk\u00fcrlich zur\u00fcckweichen &#8211; gerade noch rechtzeitig. Wer wei\u00df, was genau f\u00fcr Chemikalien gerade in meinen Blutkreislauf gelangt waren, jedenfalls f\u00fchlte ich mich noch benommener als zuvor, aber mir fiel pl\u00f6tzlich ein, warum der f\u00fcnfte Stock so interessant gewesen war: es gab noch eine Treppe nach oben!<br \/>\nSobald ich zur\u00fcck war, warf ich meine Eink\u00e4ufe in die Ecke, benutzte einen Vorwand um die Wohnung zu verlassen, ging die Treppe hoch in den f\u00fcnften Stock, noch einmal Treppen nach oben, \u00f6ffnete eine T\u00fcre und stolperte in eine gespannte W\u00e4scheleine. Obwohl diese W\u00e4scheleinen ein ungehindertes Umherlaufen \u00e4u\u00dfert schwierig gestalteten, wusste ich sofort, auf diesem Dach gl\u00fccklich zu werden&#8230;<br \/>\nWo sonst in Dhaka, hat man eine Sicht weiter als 20 Meter?<br \/>\nWo sonst sieht man auch mal die Flugzeuge, anstatt sie nur zu h\u00f6ren?<br \/>\nWo sonst hat man richtig guten Handyempfang?<br \/>\nWo sonst sieht man nachts auch ab und zu einen Fetzen Mond?<\/p>\n<p>Also &#8211; ab sofort werde ich mich mit Sprite und Laptop aufs Dach setzen und E-Mails schreiben&#8230;<br \/>\n&#8230; und nachts den Mond anheulen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eben noch von einem Geschirrtuchverk\u00e4ufer verfolgt (habe im vorbeilaufen wohl etwas zu interessiert auf seinen riesigen Stapel bunter Handt\u00fccher geschaut) der den halben Weg zum Goethe Institut hinter mir herlief und ununterbrochen &#8218;hey bhay&#8217;=&#8217;hey Bruder&#8216; rief, bin ich jetzt in meinem sch\u00f6nen, klimatisierten B\u00fcro und trinke Wasser aus einer Wodkaflasche. 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