{"id":26,"date":"2009-11-03T15:41:21","date_gmt":"2009-11-03T09:41:21","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/?p=26"},"modified":"2009-11-03T15:41:21","modified_gmt":"2009-11-03T09:41:21","slug":"dunkel-wars-der-mond-schien-helle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/2009\/11\/03\/dunkel-wars-der-mond-schien-helle\/","title":{"rendered":"Dunkel war&#8217;s, der Mond schien helle&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Es wehte ein warmer Abendwind \u00fcber Dhaka. Die Sonne hatte ihre Reise hinter den Horizont bereits angetreten, war jedoch bisher nicht weiter als hinter die Baustelle in Stra\u00dfe 9 (neu) gekommen. Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich gerade im ersten Stock, im Verwaltungstrakt unseres Instituts, mit dem H\u00f6rer des organenen Telefons am Ohr fieberhaft auf der Suche nach dem klingelnden Mobiltelefon in meiner Hosentasche. Mit einem sanften, aber bestimmten Druck auf eine Taste beendete ich das w\u00fctende summen und widmete mich wieder meinem Auslandsgespr\u00e4ch nach Indien. &#8222;Der Michael springt im Dreieck, im Dreieck..&#8220; der so r\u00fcde abgewiesene Anrufer hatte sich anscheinend nicht davon abbringen lassen mich zu erreichen und so erhielt ich eine SMS: &#8222;Hast du heut abend Zeit? Wir m\u00fcssen f\u00fcr ein Freund Alkohol kaufen&#8220;<br \/>\nAlkohol. In einem muslimischen Land eine ganz spezielle Angelegenheit. In Bangladesch nur in speziellen L\u00e4den und Bars erh\u00e4ltlich und dort auch nur f\u00fcr Ausl\u00e4nder.<br \/>\nSo machte ich mich, nachdem das Auslandstelefonat zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen war, auf den Weg nach Hause, meinen Pass zu holen.<br \/>\nAm Fu\u00dfe unseres Wohnhauses, warteten auch schon ein Lehrer des Goethe-Institutes und besagter Freund auf mich. Die Fahrt im CNG dauerte wie gewohnt eine halbe Ewigkeit, wenn ich bisher auch noch nie einen &#8222;Duty Paid Shop&#8220; besucht oder sonst irgendwie je mit dem Viertel zu tun hatte, in das uns unser eifrig schepperndes Gef\u00e4hrt nun fuhr. Mittlerweile war es dunkel geworden und die unbefestigten Stra\u00dfen Mohakalis wirkten d\u00fcster. Um unseren Chauffeur nicht unn\u00f6tiger Gefahren auszusetzen, lie\u00dfen wir ihn an einer vielbefahrenen Stra\u00dfe zur\u00fcck, nat\u00fcrlich mitsamt seinem gr\u00fcnen Fahrzeug. In einem Hinterhof sahen wir schlie\u00dflich unser Ziel hinter hohen Zaun verborgen. Doch leider erwies sich ebendieser als un\u00fcberwindbar, schlie\u00dflich war er mit Metallspitzen gekr\u00f6nt und das st\u00e4hlerne Tor wies uns drei einsame Wanderer mit stummem Hinweis auf die l\u00e4ngst verstrichene \u00d6ffnungszeit (es war 18 Uhr) den Weg zur\u00fcck zur Hauptstra\u00dfe. Dort angekommen verbrachten wir eine geraume Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Fortbewegungsmittel. Seltsamerweise wollte uns kein Taxi- oder CNG-Fahrer haben. Einer nach dem anderen meinte entweder er habe gerade Pause, er m\u00fcsse noch mindestens einen Tee trinken, er habe keine Lust oder die Premierministerin sei gerade durch einen anderen Teil der Stadt gefahren, deswegen die Stra\u00dfen abgesperrt und Durchkommen sowieso unm\u00f6glich. Nach langem flehen erbarmte sich schlie\u00dflich der Fahrer eines CNG, so klein, wie wir es nie zuvor gesehen hatten. Es war aber gro\u00df genug f\u00fcr uns drei, nur qu\u00e4lte sich der Rasenm\u00e4hermotor schrecklich ob der ihm aufgeb\u00fcrdeten Last.<br \/>\nNun fuhren wir die Stra\u00dfe entlang, vorbei an mehreren geschlossenen L\u00e4den f\u00fcr Alkohol und fanden schlie\u00dflich ein &#8222;Restaurant&#8220;. Vom Sicherheitspersonal am Eingang kritisch gepr\u00fcft umfing uns nach dem Eintreten nicht nur die gewohnte Eisesk\u00e4lte, sondern dazu noch totale Finsternis. Nur ein Fernseher und eine halbge\u00f6ffnete T\u00fcr an zwei verschiedenen Enden des Raumes beleuchteten, wie wir nach einiger Gew\u00f6hnungszeit erkannten, Menschen, die in Gr\u00fcppchen zusammen sa\u00dfen und Wasser tranken.<br \/>\nMax: &#8222;Hey warum ist es hier drin denn so dunkel?&#8220; &#8211; &#8222;Das ist eine Bar, die ist doch dunkel!&#8220;<br \/>\nWenigstens bekam der vor lauter Liebeskummer unbedingt Alkohol ben\u00f6tigende Freund hier nach Vorzeigen meines Gesichts eine Flasche Whiskey und ich als Dank zwei Dosen Bier.<br \/>\nUnheil angerichtet, konnten wir uns endlich auf den Heimweg begeben. Aus der angek\u00fcndigten halben Stunde waren l\u00e4ngst zweieinhalb geworden und wieder lie\u00dfen frei verf\u00fcgbare fahrbare Unters\u00e4tze auf sich warten. Um uns die Zeit zu vertreiben a\u00dfen wir Erdn\u00fcsse, leckere S\u00fc\u00dfigkeiten (Honig-Sesam-knusprig-klebrig-seltsam?), z\u00e4hlten vorbeifahrende BMWs (zwei) und bewarfen diese dann mit Erdnussschalen.<\/p>\n<p>Das ist also der Grund daf\u00fcr, warum jetzt zwei Bierdosen in unserem K\u00fchlschrank stehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wehte ein warmer Abendwind \u00fcber Dhaka. Die Sonne hatte ihre Reise hinter den Horizont bereits angetreten, war jedoch bisher nicht weiter als hinter die Baustelle in Stra\u00dfe 9 (neu) gekommen. 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