{"id":115,"date":"2010-01-12T22:29:19","date_gmt":"2010-01-12T16:29:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/?p=115"},"modified":"2010-02-03T00:01:51","modified_gmt":"2010-02-02T18:01:51","slug":"einmal-star-und-zuruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/2010\/01\/12\/einmal-star-und-zuruck\/","title":{"rendered":"Einmal Star und zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Unaufh\u00f6rlich tickte der Zeiger meiner Armbanduhr gegen den B\u00fccherstapel auf dem Tisch an. Letzterer wurde jedoch immer gr\u00f6\u00dfer und drau\u00dfen wurde es immer dunkler. Wir hatten am Mittag eine Lieferung B\u00fccher bekommen, nat\u00fcrlich vollkommen unsortiert, die sich nun langsam aber sicher gen Decke aufh\u00e4uften. Und immer noch stand eine Kiste unge\u00f6ffnet in der Ecke. Immer l\u00e4nger wurde ihr Schatten, damit wir es ja nicht wagen w\u00fcrden sie \u00fcber Nacht dort liegen zu lassen. Schlie\u00dflich fiel die Entscheidung jedoch zu Gunsten des inneren Schweinehundes: zu gro\u00df die Ersch\u00f6pfung, zu sp\u00e4t der Abend. Droh uns nur Kiste, du und welche Armee!<\/p>\n<p>Ich lief die Treppen hinunter zur Bibliothek. Einmal schnell &#8222;Hallo&#8220; sagen und dann ab nach Hause &#8211; dachte ich. Doch wie so oft kam es anders. Diesmal in Form eines golden glitzernden Etwas auf dem Schreibtisch des Bibliothekars. Schwarze Punkte und bengalische Schriftzeichen formten sich zu einem Mikrofon, aus Pappe war eine rundliche Karte ausgestanzt. &#8222;Eine Einladung&#8220;, erkl\u00e4rte I &#8211; und was f\u00fcr eine! Ein paar befreundete Musiker und ein Designer hatten keine Lust zur Verleihung der &#8222;5th Citycell Channel-I Bangladesh Music Awards&#8220; zu fahren und so lag diese schwere Pflicht nun auf den Schultern zweier unbedarfter deutscher Praktikanten. Um diese B\u00fcrde leichter tragen zu k\u00f6nnen, warfen wir uns nat\u00fcrlich in Schale und fuhren in Begleitung von Z und dessen Freund T ins Sheraton Hotel.<\/p>\n<p>Der Saal war schon halb gef\u00fcllt, Fernsehkameras und Platzanweiserinnen rannten herum, auf der B\u00fchne wurden letzte Elemente der Dekoration befestigt. Unauff\u00e4llig setzten wir und zur anonymen Masse in die Mitte. An der linken und rechten Ecke des Raumes wurde mit der Beleuchtung experimentiert; befrackte Geiger schienen abwechselnd blau und rot. Staunend verfolgte ich die Bewegung des Kamerakrans und merkte kaum wie meine Begleiter aufstanden und von einer netten jungen Dame ans linke Ende der Stuhlreihen gef\u00fchrt wurden. Nat\u00fcrlich lief ich hinterher und fand mich auf einmal inmitten des Who-is-Who in Bangladesh wieder.<br \/>\nDa wir mit dem Gedanken gespielt hatten, f\u00fcr die Feier zu &#8222;1 Jahr PASCH in Bangladesh&#8220; einen bekannten Musiker einzuladen, hatte ich mir die Tage zu vor gef\u00fchlte 100 bengalische Musikvideos angeschaut und diese Leute sa\u00dfen nun neben mir. Oder hinter mir. Oder zwei Reihen vor mir. Egal wo ich hinsah, \u00fcberall Promis. Rapper, Rocker, Schlagers\u00e4nger, Gitarristen, Schlagzeuger, Playbacks\u00e4nger, Sch\u00f6nlinge und alte M\u00e4nner mit Sonnenbrille. So ist das also, wenn man auf den Eintrittskarten von Bangladeshs (je nach Quelle) ber\u00fchmtester Band auf die Verleihung des wichtigsten Musikpreises geht. Und eines Bookletdesigners.<\/p>\n<p>Nach einer halben Stunde wurde es langsam ruhiger, die Lichter gingen aus und durch Lautsprecher wurde die Live\u00fcbertragung angez\u00e4hlt. Mit triumphaler Musikbegleitung kam eine glitzernde junge Frau auf die B\u00fchne, die uns nun die n\u00e4chsten zweieinhalb Stunden zuquasseln sollte. Nach und nach wurden nun in einer Kategorie nach der anderen Preise vergeben, auf der Leinwand wurden die Leute, die um uns herumsa\u00dfen nocheinmal gezeigt und jeweils einer von vier bekam dann den Preis, ein goldenes Mikrofon &#8211; wie einfallsreich. Die Show war langweilig. Die meiste Zeit war die Moderatorin am Reden, das Publikum redete auch und wenn nicht zwei M\u00e4nner, zwei Reihen hinter mir und eine Reihe vor mir, nicht auf die Sieger gewettet h\u00e4tten und sich nach jeder Verleihung lauthals angeschrien h\u00e4tten, w\u00e4re ich vermutlich eingeschlafen. Stattdessen war auf einmal das beste Albumcover an der Reihe und Diana gewann. Also nicht sie sondern der, welcher eigentlich an ihrer statt h\u00e4tte kommen sollen. So stand jedoch auf einmal die Kamera neben uns und sie war gro\u00df im Bild und ehe wir es uns versahen stand sie auf der B\u00fchne, grinste etwas sch\u00fcchtern in die Runde und bekam einen Preis zu- aber nicht das Wort erteilt. Gl\u00fcck f\u00fcr sie, schade f\u00fcr uns. Gro\u00dfer Applaus im Raum, tausend Gratulationen, f\u00fcnfhundert Visitenkarten und nur ab und zu die Erkl\u00e4rung &#8222;Ich bin eigentlich gar nicht Plan B, ich vertrete ihn nur&#8220;.<\/p>\n<p>Ja, da hat man also nun nen Musikpreis, ruft dann den eigentlichen Gewinner an und der meint dann &#8222;Ne Diana, also auf son schei\u00df Messingmikrofon hab ich echt kein Bock, nimm du mal mit nach Deutschland&#8220;. Dann f\u00e4hrt man eben mal mit dem Auto und lauter Musik in ein Restaurant und stellt erstmal den Preis auf den Tisch. (Zum Vergleich, ihr seid in irgendeinem Lokal in eurer Stadt und auf einmal kommt jemand rein, stellt nen Grammy auf den Tisch und bestellt). Das goldene Ding wirkte jedenfalls auf die anderen G\u00e4ste wie auch die Kellner wie ein Magnet, hinter jedem von uns standen w\u00e4hrend des ganzen Essens mindestens 2 Kellner, die uns jeden Wunsch von den Augen ab lasen.<\/p>\n<p>Da das Ganze ein All-You-Can-Eat Restaurant war &#8211; und Efes hie\u00df, das entsprechende Bier aber nat\u00fcrlich niemand kannte &#8211; fuhren wir zwei Stunden sp\u00e4ter ziemlich satt an die Tanke, machten dumme Spr\u00fcche, uns \u00fcber alles und jeden lustig und f\u00fchlten uns wirklich wie eine stadtbekannte Band.<br \/>\nNaja, f\u00fchlt sich toll an, aber man kann dieses Gef\u00fchl &#8211; warum finden mich jetzt eigentlich alle toll? &#8211; schon ganz gut nachvollziehen &#8211; gab bei uns ja wirklich keinen richtigen Grund.<\/p>\n<p>Ich bin wieder heil nach Hause zur\u00fcckgekommen, auf dem Boden geblieben und zur\u00fcck in Deutschland hoffentlich immer noch der Alte \ud83d\ude09<\/p>\n<p>&#8222;Hey, hey, hey, I was a Dhaka Rockstar!&#8220;<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-115 gallery-columns-2 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/files\/2010\/02\/1Diana-auf-der-B\u00fchne.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/files\/2010\/02\/1Diana-auf-der-B\u00fchne-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-117\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-117'>\n\t\t\t\tD empf\u00e4ngt den Albumcoverpreis f\u00fcr Plan B\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/files\/2010\/02\/1Wir-ham-nen-Preis.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/files\/2010\/02\/1Wir-ham-nen-Preis-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-120\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-120'>\n\t\t\t\tZ und Ich d\u00fcrfen den Preis auch mal halten\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/files\/2010\/02\/1Plan-B-hat-nen-Preis.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/files\/2010\/02\/1Plan-B-hat-nen-Preis-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-118\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-118'>\n\t\t\t\tDie Crew vor dem obligatorischen Promipaparazzipapphintergrund\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/files\/2010\/02\/1Rockstars-in-a-Dhaka-car.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/maax\/files\/2010\/02\/1Rockstars-in-a-Dhaka-car-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-119\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-119'>\n\t\t\t\tRockstars in a Dhaka Car\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unaufh\u00f6rlich tickte der Zeiger meiner Armbanduhr gegen den B\u00fccherstapel auf dem Tisch an. 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