{"id":66,"date":"2009-10-14T00:08:45","date_gmt":"2009-10-14T03:08:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/?p=66"},"modified":"2009-10-14T00:08:45","modified_gmt":"2009-10-14T03:08:45","slug":"eine-minute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/2009\/10\/14\/eine-minute\/","title":{"rendered":"Eine Minute"},"content":{"rendered":"<p>Eine Minute.<\/p>\n<p>Eine Minute, die ich brauchte, um mich zu vergewissern, dass mein \u00fcberf\u00fcllter Rucksack tats\u00e4chlich auch meine Kamera enthielt.<\/p>\n<p>Eine Minute, dir mir fehlte, um in den richtigen Zug einzusteigen, der mich zur geplanten Zeit in die Innenstadt bringen sollte.<\/p>\n<p>Eine Minute, eine b\u00f6se Denunzantin, die die Zeit gegen mich aufbringen sollte.<\/p>\n<p>Eine Minute, die mich zwang auf den n\u00e4chsten Zug zu warten.<\/p>\n<p>Eine Minute, die mir in der Innenstadt den Eindruck vermittelte nur noch mit dem Taxi rechtzeitig zum Busbahnhof zu kommen und mich nicht in die Metro einsteigen lie\u00df.<\/p>\n<p>Eine Minute f\u00fcr zehn Meter in einer durch den Feierabendverkehr und eine dumme Demonstration vollkommen verstopften Stadt.<\/p>\n<p>Eine Minute vom Taxi in die Metro.<\/p>\n<p>Eine verdammte Minute, die mich pl\u00f6tzlich in Panik versetzte, mich dazu brachte mit dem Denken aufzuh\u00f6ren und andere Leute nach dem Weg zu fragen. Eine schlechte Idee.<\/p>\n<p>Eine Minute, eine b\u00f6se Verschw\u00f6rerin, die mich auf dem Bahnsteig genau die Person fragen lie\u00df, die selbst keine Ahnung hatte und mich in die falsche Richtung schickte.<\/p>\n<p>Eine Minute, um eine sechsspurige Hauptstra\u00dfe zu \u00fcberqueren, um auf den anderen Bahnsteig zu kommen.<\/p>\n<p>Eine Minute, bis ich feststellte, dass ich in die falsche Richtung fuhr.<\/p>\n<p>Eine Minute, um erneut die Sta\u00dfe zu wechseln.<\/p>\n<p>Eine Minute, die mir noch blieb um zum Busbahnhof zu kommen. Ich hatte den Weg von f\u00fcnf Minuten vor mir.<\/p>\n<p>Eine Minute, in der ich den Weg von zehn Minuten rannte.<\/p>\n<p>Zwei Minuten, die mir letztendlich fehlten. Es war alles schief gegangen, was schief h\u00e4tte gehen k\u00f6nnen und ich stand allein an Bussteig 42. Mein Bus, der mich zur Pen\u00ednsula Vald\u00e9s, zu vier Tagen atemberaubender Natur gefahren h\u00e4tte, war ohne mich losgefahren.<\/p>\n<p>Dies ist keine lustige Geschichte, keine dieser &#8222;Toll, ich bin im Ausland und erlebe jeden Tag spannende Abenteuer&#8220;-Geschichten. Es ist eine Erz\u00e4hlung von Anstrengung, Ausdauer und Entt\u00e4uschung. Sie handelt von einer Erfahrung der negativen, harten und bitteren Art. Ein Erleben einer Gigastadt, einer t\u00f6dliche Rush-Hour und tausender Menschen im Verkehr. Nicht jeder w\u00fcrde diese Erfahrung aufschreiben, auch ich habe lange \u00fcberlegt. Doch sie geh\u00f6rt dazu, geanauso wie die positiven Erlebnisse. Es w\u00fcrde etwas fehlen. Das Ganze w\u00e4re nicht komplett.<\/p>\n<p>Es ist die Geschichte von Bussteig 42.<\/p>\n<p>Mein Bus war abgefahren. Ohne mich. Meine Mitreisenden Boris und Sylvia hatten ehrenhafter Weise bis zum Schluss versucht den Busfahrer am Losfahren zu hindern. Vergeblich. Hier stand ich nun alleine. Der letzte Funken Hoffnung, der mir geblieben war, erlosch. Und wenn die Hoffnung geflohen ist, dann bleibt nur noch<\/p>\n<p>Vezweiflung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Minute. Eine Minute, die ich brauchte, um mich zu vergewissern, dass mein \u00fcberf\u00fcllter Rucksack tats\u00e4chlich auch meine Kamera enthielt. Eine Minute, dir mir fehlte, um in den richtigen Zug einzusteigen, der mich zur geplanten Zeit in die Innenstadt bringen sollte. Eine Minute, eine b\u00f6se Denunzantin, die die Zeit gegen mich aufbringen sollte. 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