{"id":566,"date":"2010-04-12T20:41:32","date_gmt":"2010-04-12T23:41:32","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/?p=566"},"modified":"2010-04-12T23:28:27","modified_gmt":"2010-04-13T02:28:27","slug":"der-24-marz-gedenken-an-eine-dunkle-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/2010\/04\/12\/der-24-marz-gedenken-an-eine-dunkle-zeit\/","title":{"rendered":"Der 24. M\u00e4rz &#8211; Gedenken an eine dunkle Zeit"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_567\" style=\"width: 255px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/zeitung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-567\" class=\"size-medium wp-image-567\" title=\"zeitung\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/zeitung-245x300.jpg\" alt=\"\" width=\"245\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/zeitung-245x300.jpg 245w, https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/zeitung.jpg 628w\" sizes=\"(max-width: 245px) 100vw, 245px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-567\" class=\"wp-caption-text\">Eine alte Zeitung<\/p><\/div>\n<p>Der 24. M\u00e4rz ist in Argentinien ein Feiertag. Erst wusste ich gar nicht warum: Das ganze nennt sich\u00a0 &#8222;D\u00eda de la Memoria, por la Verdad y la Justicia&#8220;. Anf\u00fcrsich klingt das nach einem netten Feiertag. Wahrheit und Gerechtigkeit sind ja nicht gerade unbedeutende Werte.<\/p>\n<p>Nach etwas Recherche fand ich dann aber heraus, dass es sich hierbei um einen Gedenktag handelt. Es gibt ihn wohlgemerkt erst seit dem Jahr 2006. In diesem j\u00e4hrte sich n\u00e4mlich zum 30. Mal ein Ereignis, welches das dunkelste Kapitel der argentinischen Geschichte einleiten sollte.<\/p>\n<p>Am 24. M\u00e4rz 1976 putschte das Milit\u00e4r unter der F\u00fchrung des Generals Jorge Videla die damals amtierende Pr\u00e4sidentin Isabel Per\u00f3n aus der Casa Rosada.<\/p>\n<p>Schon einmal hatten die Milit\u00e4rs geputscht. 1955 setzten sie Juan Per\u00f3n von den Regierungsgesch\u00e4ften ab. Seit dem trugen sie verschieden Pr\u00e4sidenten nach ihrem Gusto an die Staatsspitze. Anfang der 70er Jahre bekamen dann verschiedene Guerilla-Gruppen regen Zulauf. Besonders aktiv waren die peronistisch gepr\u00e4gten Monteneros, die in dieser Zeit durch Bombenattentate und Entf\u00fchrungen auf sich aufmerksam machten. Es herrschte Unsicherheit und B\u00fcrgerkriesstimmung in Argentinien. 1973 gewannen die Peronisten die Wahlen. Und Per\u00f3n kam aus dem Exil in Spanien zur\u00fcck nach Argentinien. Ein Jahr sp\u00e4ter starb er. Es folgte ihm seine dritte Ehefrau Isabel an die Spitze des Staates. Doch sie konnte die wirtschaftlichen und innenpoltischen Probleme des Landes nicht in den Griff bekommen.<\/p>\n<p>Ab 1976 begannen unter dem Begriff\u00a0 &#8222;Prozess der Nationalen Reorganisation&#8220; dunkle Jahre des Terrors und der Brutalit\u00e4t. Eine Zeit der Anarchie und Gesetzlosigkeit, in der die Milit\u00e4rs schalteten und walteteten wie sie wollten. Alles was nur leicht entfernt Links roch wurde verhaftet. Es herrschte absolute Nulltoleranz gegen\u00fcber Andersdenkenden. Ob die nun linkspolitsch aktiv waren oder nur die Gewalttaten der Milit\u00e4rs ablehnten spielte keine Rolle. Es reichte allein im Adressbuch eines &#8222;Verd\u00e4chtigen&#8220; eingetragen zu sein, um selbst verhaftet zu werden. \u00dcberall witterte die Junta den Feind.<\/p>\n<p>Im &#8222;Guerra Sucia&#8220; (schmutziger Krieg) verschwanden sch\u00e4tzungsweise bis zu 30 000 Personen. Sie wurden in Konzentrationslagern auf brutalste Weise gefoltert und umgebracht. Die Leichen wurden \u00fcber dem Meer aus Flugzeugen geworden oder in Massengr\u00e4bern verscharrt. In den Lagern zur Welt gekommene Kinder wurden von Mitgliedern der Junta adoptiert, die M\u00fctter get\u00f6tet. Noch heute suchen Zahlreiche M\u00e4nner und Frauen nach ihrer wahren Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>In den Bev\u00f6lkerung bekam niemand richtig etwas mit. Man wusste, dass Leute verschwanden. Die sogenannten &#8222;Desapericidos&#8220; (die Verschwundenen). Aber niemand ahnte etwas von den grausamen Ausma\u00dfen, die die Verhaftungsaktion der Milit\u00e4rs angenommen hatte.<\/p>\n<p>Als erstes protestierten die M\u00fctter der Verschwundenen. Sie wollten wissen, was mit ihren Kinder geschehen ist.\u00a0 Jeden Donnerstag umrundeten und umrunden (stehende Proteste waren damals untersagt) sie die Plaza de Mayo, den Platz vor dem Pr\u00e4sidentenpalast. Daher kommt ihr Name: &#8222;Las madres de Plaza de Mayo.&#8220; Sie forderten erst Aufkl\u00e4rung und sp\u00e4ter, als mehr und mehr bekannt wurde, was wirklich mit den &#8222;Desapericidos&#8220; passierte, Gerechtigkeit und Bestrafung f\u00fcr die Verantwortlichen der Verbrechen.<\/p>\n<p>Ein spannendes Kapitel der j\u00fcngeren Geschichte Lateinamerikas. Die Diktaturen in Zeiten des Kalten Kriegs. Im Zeichen des &#8222;Roll-Backs&#8220;, des amerikanischen Programms der Eind\u00e4mmung des Kommunismus, bekamen Diktatoren teils aktive Unterst\u00fctzung aus Washington. Lieber einen blutr\u00fcnstigen Dikator, als eine Infizierung\u00a0 anderer s\u00fcdamerikanischer L\u00e4nder\u00a0 mit dem kommunistischen Bazillus aus Kuba.<\/p>\n<p>Auch die Junta konnte die wirtschaftlichen Probleme Argentiniens nicht l\u00f6sen. Das Land ging mehr und mehr den Bach runter. Das Volk wurde immer unmutiger. In ihrem Versuch die Macht zu erhalten und das Volk an sich zu binden, hatten die Milit\u00e4rs leider keine bessere Idee als einen Krieg anzuzetteln. Der Falklandkrieg wurde zum Disaster f\u00fcr die argentinischen Streitkr\u00e4fte. Nach 47 Tagen mussten sich die Soldaten gegen England geschlagen geben und der Versuch die Malvinen (Falklandinseln) zur\u00fcckzuerobern, wurde zum Flop.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter wurde die Milit\u00e4rregierung abgesetzt. Davor erlie\u00dfen sie sich selbst aber noch eine Generalamnestie. Auch so ein Lateinamerikaph\u00e4nomen: Die Probleme der Aufarbeitung der Verbrechen der Diktatoren. Erst im Jahr 2005!!! unter der Pr\u00e4sidentschaft von Nestor Kirchner wurden die Amnestiegesetz als nichtig erkl\u00e4rt. Seit dem werden die Verbrecher nach und nach zur Rechenschaft gezogen.<\/p>\n<div id=\"attachment_571\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/demo2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-571\" class=\"size-medium wp-image-571\" title=\"demo2\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/demo2-300x225.jpg\" alt=\"Kundegebungen auf der Plaza de Mayo\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/demo2-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/demo2.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-571\" class=\"wp-caption-text\">Kundgebungen auf der Plaza de Mayo<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_570\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/demo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-570\" class=\"size-medium wp-image-570\" title=\"demo\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/demo-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/demo-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/files\/2010\/04\/demo.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-570\" class=\"wp-caption-text\">Demonstranten auf der Avenida de Mayo<\/p><\/div>\n<p>J\u00e4hrlich wird nun also dem 24. M\u00e4rz 1976 gedacht. Dieses Jahr war ich mitten auf der Avenida de Mayo, auf der verschiedene Demonstrantenz\u00fcge langsam zur Plaza de Mayo pilgerten. Dort sprach unter anderen die Pr\u00e4sidentin. Selbstvers\u00e4tndlich kamen auch die Madres de Plaza de Mayo zu Wort.<\/p>\n<p>Der Tag steht \u00fcbrigens unter dem Motto &#8222;Nunca m\u00e1s&#8220;. Nie mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 24. M\u00e4rz ist in Argentinien ein Feiertag. Erst wusste ich gar nicht warum: Das ganze nennt sich\u00a0 &#8222;D\u00eda de la Memoria, por la Verdad y la Justicia&#8220;. Anf\u00fcrsich klingt das nach einem netten Feiertag. Wahrheit und Gerechtigkeit sind ja nicht gerade unbedeutende Werte. Nach etwas Recherche fand ich dann aber heraus, dass es sich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":73,"featured_media":571,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[598],"tags":[],"class_list":["post-566","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-iguazu"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/566"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/73"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=566"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/566\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/media\/571"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=566"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=566"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/lukasarenz\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=566"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}