{"id":10,"date":"2014-09-16T06:55:22","date_gmt":"2014-09-16T04:55:22","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/luisinargentinien\/?p=10"},"modified":"2014-09-16T06:55:22","modified_gmt":"2014-09-16T04:55:22","slug":"endlich-wieder-erster-schultag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/luisinargentinien\/2014\/09\/16\/endlich-wieder-erster-schultag\/","title":{"rendered":"Endlich wieder erster Schultag!"},"content":{"rendered":"<p>Es klingt unglaublich, aber ich bin tats\u00e4chlich schon seit \u00fcber 2 Wochen in Buenos Aires. Die Zeit verging wie im Flug und ich habe mir wirklich M\u00fche gegeben, einen m\u00f6glichst komprimierten und am St\u00fcck lesbaren \u00dcberblick zu geben. Herausgekommen ist dabei folgendes:<\/p>\n<p>Die ersten Tage verbrachte ich beim Einf\u00fchrungsseminar des Goethe Instituts mit den Freiwilligen aus Chile, Uruguay und Argentinien, verschiedenen Lehrern von PASCH-Schulen (vom Ausw\u00e4rtigen Amt unterst\u00fctzte Schulen, an denen Deutsch unterrichtet wird <a href=\"http:\/\/www.pasch-net.de\/\">http:\/\/www.pasch-net.de\/<\/a>), meinen ersten argentinischen Empanadas und einer Menge Projekt-, Unterrichts- und Reiseideen, untergebracht in einem Hotel im Stadtviertel San Telmo. An alle bald-Abiturienten die das hier lesen: Macht einen Freiwilligendienst, allein das Begleitprogramm ist b\u00e1rbaro (in etwa: \u00fcberragend).<\/p>\n<p>Danach ging es etwa 20km nach Temperley, einen Teil des Stadtgebiets von Buenos Aires, in dem sich meine Schule befindet und eine supernette Gastfamilie lebt, bei der ich bisher untergebracht bin. Meine Gastmutter Angelika ist vor 40 Jahren aus Deutschland nach Argentinien ausgewandert, sie arbeitet an einer Sprachakademie, die im Geb\u00e4ude der Deutschen Schule stattfindet. Ihr Sohn Martin hat mir in den ersten Tagen den Schulweg, das Viertel und alle Busse Z\u00fcge etc. gezeigt. Eine Gastfamilie ist, um am Anfang klarzukommen, auf jeden Fall eine riesige Hilfe. Ich habe ein Zimmer, Bad, meinen eigenen Ausgang und trotzdem stets Leute, die mir helfen und mich mit den argentinischen Gepflogenheiten bekannt machen. So konnte ich auch schon einige junge Leute kennen lernen und war auf Tangokonzerten, Asados (in etwa das argentinische \u00c4quivalent zum Grillfest) und in der Probe eines wirklich \u00fcberragenden Posaunenchors mit Profis aus der Orquesta Colon. Grunds\u00e4tzlich findet was Freizeit angeht hier alles etwas sp\u00e4ter statt, ein Konzert um 19:30 beginnt nicht vor 8, abend gegessen wird bis 12, gem\u00fctlich in eine Bar geht man gegen 1. Etwas verwundert habe ich schon Entschuldigungen f\u00fcr p\u00fcnktliches Erscheinen entgegen genommen. In der Praxis trennen mich offenbar mehr als nur 5 Zeitzonen von Deutschland. Um zwei weitere Single-Storys zu best\u00e4tigen: Tango Orchester sind super und Fleisch schmeckt hier wirklich (ganz doll viel) besser als zu Hause!<\/p>\n<p>In der Schule wurde ich ebenso herzlich willkommen gehei\u00dfen, die ersten zwei Wochen stellten meine \u201eEingew\u00f6hnungszeit\u201c dar, in der ich an der Primaria (1. bis 6. Klasse) hospitierte und erst einmal nur wenige eigenst\u00e4ndige Aufgaben \u00fcbernahm, um mich hier einzuleben. Von au\u00dfen sieht das Geb\u00e4ude ein wenig nach Bunker mit vielen Gittern aus, von innen hingegen ist die Schule bunt y muy acojedora (das W\u00f6rterbuch meint gem\u00fctlich\/einladend\/lauschig). Meinen deutschen Gewohnheiten nach geht es in der Grundschule wirklich laut zu, vor allem was Mittagessen und Pausen angeht, daf\u00fcr haben die Kinder aber auch tausende von Fragen zu Deutschland, die bei den Standards Fu\u00dfballvereine, Wetter, Haarfarbe, WM-Meinung und Haltung zu One Direction beginnen und so ziemlich \u00fcberall enden k\u00f6nnen. Seit dem 4:2 gegen Deutschland werde ich nicht mehr mit \u201echoca las cinco\u201c (etwa: high-five) sondern eben \u201echoca las cuatro\u201c begr\u00fc\u00dft. An der Primaria sind zudem zwei Lehramt-Praktikanten aus Berlin und Dresden, mit denen ich bisher schon einiges an Erfahrungen austauschen konnte. Etwa, wie ich einem Zehnj\u00e4hrigen erkl\u00e4re, dass \u201edie Acht\u201c\u00a0 und \u201edie Liebe\u201c Substantive und gro\u00df zu schreiben sind (mit \u201ees l\u00e4sst sich anfassen\u201c st\u00f6\u00dft man schnell an Grenzen). \u00dcber meine Arbeit an der Schule werde ich in einer Weile wohl nochmal ausf\u00fchrlicher berichten. Die Eingew\u00f6nungsphase lie\u00df mir zu Beginn recht viel Freizeit (was sich ab dieser Woche mit festem Stundenplan und Secundaria-Besuchen wohl \u00e4ndern wird), wodurch ich, vor allem mit anderen Freiwilligen, schon viel in Buenos Aires unterwegs sein konnte.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen kleinst\u00e4dtischen Deutschen war der erste Blick aus dem Flugzeugfenster auf einen bis zum Horizont nicht enden wollenden H\u00e4userteppich herab recht beeindruckend. Im Stadtgebiet von Buenos Aires wohnen \u00fcber 13 Millionen Menschen, die Stadt war f\u00fcr mich zun\u00e4chst ein \u201eChaos in Karos\u201c. Nach Vorschriften der spanischen Kolonialverwaltung wurde Buenos Aires schachbrettartig angelegt, was sich bis heute gehalten hat. Zum einen kann man sich an den Cuadras (H\u00e4userblocks) ganz gut orientieren, zum anderen sehen sich all die unz\u00e4hligen Kreuzungen f\u00fcr Neuank\u00f6mmlinge recht \u00e4hnlich. Im Vergleich zu Deutschland baut jedes Haus seinen eigenen B\u00fcrgersteig, was (vor allem beim Fahrrad fahren) durchaus f\u00fcr Abwechslung sorgt. Die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel hier sind bisher wirklich erste Sahne, einen der oft erw\u00e4hnten Streiks habe ich noch nicht miterlebt. Mit Tren (Zug), Subte (U-Bahn) und Colectivo (Bus) kommt man praktisch \u00fcberall hin. Dass ich bei 200 Linien mit insgesamt \u00fcber 145.000 Bussen, die so ziemlich an jeder Stra\u00dfenecke halten, nicht vom ersten Tag an den totalen Durchblick hatte, er\u00fcbrigt sich wohl zu erw\u00e4hnen. Transportkosten sind hier vergleichsweise wirklich g\u00fcnstig, Strafen f\u00fcr Schwarzafhren im Zug immer noch ein Bruchteil der deutschen Ticketpreise, die hohen Subventionen der Regierung machen sich bemerkbar. Andere Dinge wie Kosmetikartikel, Gem\u00fcse oder Mieten sind wiederum recht teuer, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Menschen in Argentinien zur Zeit verdienen. Zudem habe ich durch den guten Euro-Wechselkurs einen ziemlichen finanziellen Vorteil.<\/p>\n<p>Mittlerweile dauert es bei Gespr\u00e4chen auf der Stra\u00dfe auch schon merklich l\u00e4nger, bis ich mich durch ein verr\u00e4terisches \u201edinero\u201c (statt \u201eplata\u201c), \u201emetro\u201c (statt \u201esubte\u201c) oder am besten gleich die Frage nach dem Weg zum Geb\u00e4ude, vor dem wir grade stehen zum \u201eGringo\u201c (Ausl\u00e4nder) disqualifiziere. \u201eY de donde sos vos?\u201c, bekomme ich dann h\u00e4ufig zu h\u00f6ren. Doch kleine Erfolgserlebnisse wie einer Frau sagen zu k\u00f6nnen, wo es zum n\u00e4chsten Kiosk geht, geben mir doch wieder das Gef\u00fchl, mich zumindest schon ein wenig in Buenos Aires eingelebt zu haben.<\/p>\n<p>Durch die gro\u00dfen Distanzen und da zun\u00e4chst einmal alles neu und ungewohnt ist, kommt es nicht selten vor, dass wir von zehn uns \u00a0vorgenommenen Dingen in der Stadt letztlich mit Gl\u00fcck drei schaffen. Die Zeit scheint hier tats\u00e4chlich ein wenig schneller als zu Hause zu vergehen. Bisher habe ich noch kein mal l\u00e4nger als 10 Minuten zum Einschlafen gebraucht, obwohl ich alles andere als Schlafmangel habe. Buenos Aires \u00fcberflutet einen zu Beginn jeden Tag aufs neue mit einer Welle von Eindr\u00fccken, Ger\u00e4uschen, Bildern, Ger\u00fcchen, Gedanken, gestern auch mal Regentropfen.<\/p>\n<p>Seit einer weile ist es dunkel hier in Temperley. Vor der T\u00fcr \u00e4chzt Angelikas uralt-Waschmaschine, die kalt und schleuderfrei meine Klamotten vom Schmutz der Stadt befreit. Alle paar Minuten beginnt der K\u00fchlschrank zu brummen, begleitet von einem leichten Flackern der Nachttischlampe. Die 5 Hunde des Nachbarn schweigen gerade, was manchmal gegen vier in der Nacht leider weniger der Fall ist, und von der Avenida Alsina weht hin und wieder das Rattern, Hupen und Heulen von weit entfernten Z\u00fcgen, Autos und vereinzelten Polizeisirenen her\u00fcber. Hoch \u00fcber dem Hausdach rauscht der Wind in der Palme, die Angelika vor 40 Jahren pflanzte, als sie hier einzog. \u2013 Ein wenig Kitsch zum Ende.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber Studentenorchester, WG, Reisen und neues aus der Secundaria berichte ich &#8211; wenn alles glatt l\u00e4uft &#8211; n\u00e4chstes mal. Hoffentlich bald auch mit Bildern, sobald ich mir eine Kamera zugelegt habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Gr\u00fc\u00dfe aus dem sommerlichen Winter von Buenos Aires!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es klingt unglaublich, aber ich bin tats\u00e4chlich schon seit \u00fcber 2 Wochen in Buenos Aires. Die Zeit verging wie im Flug und ich habe mir wirklich M\u00fche gegeben, einen m\u00f6glichst komprimierten und am St\u00fcck lesbaren \u00dcberblick zu geben. 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