{"id":845,"date":"2020-01-02T09:50:55","date_gmt":"2020-01-02T03:50:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/lottengloeckchen\/?p=845"},"modified":"2020-01-02T09:50:55","modified_gmt":"2020-01-02T03:50:55","slug":"perth-notizen-einer-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/lottengloeckchen\/2020\/01\/02\/perth-notizen-einer-woche\/","title":{"rendered":"Perth &#8211; Notizen einer Woche"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400\">Finalisiert am 16. November<\/span><\/p>\n<p><b><i>09\/11\/2019<\/i><\/b><span style=\"font-weight: 400\"> Angekommen. Zehn Tage und 4517 km und ich bin in Perth. Nach einem kurzen emotionalen Abschied verstauten die Tour Leute, die nicht gleich zum Flughafen mussten ihre Sachen im n\u00e4chsten Hostel und zu acht machten wir uns auf zu einem letzten gemeinsamen Mahl.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Nach dem n\u00e4chsten Abschied, wartete ich darauf, dass Nina mich abholt. Nina kenne ich vom Yoga Teacher Training in Indien. Damals hatten wir im Scherz ausgemacht, dass ich sie besuchen komme, wenn ich schon in Australien bin &#8211; sind ja nur rund 4.000 km von Sydney. Nina ist eine wunderbarer herzensgute, kreative Person, mit so ziemlich dem gleichen Energielevel wie ich, nur neun Jahre \u00e4lter. Nachdem im Fr\u00fchjahr ihr Hund starb, wurde sie von verschiedensten Freunden als Pet-Sitterin angefragt. Daher kamen wir die ersten drei N\u00e4chte in einem sehr modernen, mit jeglichem Schnickschnack ausgestatteten Haus unter &#8211; wo Siri auf Zuruf das Licht ausknipst!<\/span><\/p>\n<p><b><i>10\/11\/2019<\/i><\/b><span style=\"font-weight: 400\"> Immer noch im Roadtrip-Modus standen wir gegen 5 Uhr auf und gingen mit der H\u00fcndin Jesse raus. Auf dem Weg zur Uferpromenade stoppten wir an einem kleinen Caf\u00e9, welches von einem Freund von Nina betrieben wird und sie spendierte mir einen ChaiLatte und einen fancy Zopfgummi &#8211; Yeahh! Wieder Zuhause versteckten wir uns vor der Sonne und den anstehenden 38*Grad. Irgendwann schlief ich auf dem Sofa ein &#8211; was ein Luxus. Am Nachmittag ging es trubeliger weiter, als Nina mich mit der Aussage: \u201cDu f\u00e4hrst\u201d \u00fcberrumpelte. So kutschierte ich uns SEHR lange 20 Minuten zu ihren Eltern, zum gro\u00dfen Am\u00fcsement von Nina. Zu meiner Verteidigung &#8211; es war das erste Mal seit fast einem halben Jahr, dass ich selber Auto fuhr und das erste Mal \u00fcberhaupt im Linksverkehr und sooo bl\u00f6d habe ich mich dann auch nicht angestellt. Nichtsdestotrotz kamen wir zu dem Schluss, dass das Auto und ich zun\u00e4chst nicht allein auf den Verkehr losgelassen werden sollten. Von Ninas Eltern ging es weiter Lebensmittel einkaufen, dann zum Strand und kurz ins Meer, danach zu einer Hausbesichtigung und im Anschluss sa\u00dfen wir mit dem jetzigen Mieter, einem Freundesfreund von Nina in einer Bar, von wo aus wir den Sonnenuntergang bestaunten. Der sprach-freudige Ire erz\u00e4hlte uns wie er aus Versehen einer sehr giftigen Schlange das Leben rettete &#8211; es hei\u00dft jeder Bewohner Australiens k\u00f6nne eine Schlangengeschichte erz\u00e4hlen und auch wir hatten es auf der Tour geschafft, mehrere Minuten lang eine friedlich in der Sonne schlafende schwarze Schlange zu bestaunen und entspannt an ihr vorbei zu gehen, ohne zu wissen, dass diese tats\u00e4chlich auch ein giftiges Exemplar war. Noch am\u00fcsanter jedoch war die Geschichte, wie der schon lange in Australien lebende Ire der Polizei am Nullabur vorgaukelte, dass er ganz unabsichtlich viel viel zu schnell auf der Stra\u00dfe gefahren war und daf\u00fcr seinen sch\u00f6nsten Akzent vorspielte, so dass selbst die beiden Polizisten ihren Spa\u00df hatten und ihn mit einer Mahnung davonkommen lie\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die meisten Bekanntschaften und Gespr\u00e4che der letzten Monate vermitteln mir das Gef\u00fchl, dass so gut wie jede in Australien lebende Person einen nicht australischen Hintergrund hat, abgesehen von den Aboriginal People &#8211; was ja bei der Geschichte des Landes auch ziemlich viel Sinn ergibt. W\u00e4hrend es in Sydney vor allem chinesische Wurzeln sind, scheint es in Perth eher Irisch und Schottisch zu sein, wobei dieses Bild auch durch Ninas Freundeskreis gemalt wird.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>11\/11\/2019<\/i><\/b><span style=\"font-weight: 400\"> Die Tage bzw. die Abende in Perth mit Nina und ihrer Familie zu verbringen, gibt der Zeit hier etwas sehr heimeliges. Und auch ihre Freunde zu treffen macht die Stadt f\u00fcr mich lebendiger. So war ich am Samstag endlich wieder beim Yoga und danach mit ein paar Tour Leuten auf einem Markt im Perther Stadtteil Freemantle &#8211; wo es Essen und viele schicke Dinge gab, die man eigentlich nicht braucht, um dann am Abend mit Nina zu einem Amy Winehouse Cover Konzert zu gehen. Zusammen mit einem bunten Haufen irischer Frauen, die alle sehr viel Spa\u00df hatten.<\/span><\/p>\n<p><b><i>12-13\/11\/2019<\/i><\/b><span style=\"font-weight: 400\"> W\u00e4hrend Nina am Montag unsere Sachen bei ihren Eltern abwarf, wo wir die n\u00e4chsten Tage bis Freitag schliefen, spazierte ich in Richtung Stadtzentrum. Dabei kam ich zu einer \u201cShoppingmeile\u201d, die man nur mit dem Auto bestreiten kann. Ein gro\u00dfer Laden neben dem anderen und tausende Parkpl\u00e4tze davor. Das ging sicher 3km so. 9.30 Uhr war ich mit Lara von der Tour verabredet, weil wir uns der Perth Free Walking Tour anschlie\u00dfen wollten. Diese fand jedoch \u201causnahmsweise\u201d nicht statt und erstaunlicher Weise passierte das gleiche einen Tag sp\u00e4ter nochmal. Statt die Stadt gleich auf eigene Faust zu erkunden machten wir es uns erst einmal ein paar Stunden in einem Caf\u00e9 bequem und lie\u00dfen die Reisetage Revue passieren. Endlich konnte hatte ich die Zeit meinen geliebten Planer mit Worten zu f\u00fcllen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Dabei bekam ich auch zum ersten Mal etwas von den Buschfeuern in New South Wales bzw. in der Gegend um Sydney mit. Es scheinen die schlimmsten Feuer seit Jahren zu sein, bedingt durch Trockenheit und starke Winde. Die M\u00e4dels in Sydney schrieben mir, dass in der Stadt soweit alles gut ist, aber im Umland ist Notstand. Menschen starben, weil sie nicht schnell genug dem Rauch entkamen, oder ihre Haustiere retten wollten. \u00dcberhaupt wird versucht, auch Wildtiere wie beispielsweise Koalas zu retten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">W\u00e4hrend der Tour erfuhren wir, dass sich viele Pflanzen hier sehr gut an die immer wieder ausbrechenden Feuer angepasst haben. Manche B\u00e4ume \u201cverstecken\u201d ihren Stamm unter der Erde, sodass das Feuer nur die Krone \u00fcber dem Boden abrennt. Andere brennen von innen aus, wachsen aber trotzdem nach oben weiter. Wieder andere lassen Bl\u00e4tter rum ihren Stamm wachsen, die sie vor den Flammen sch\u00fctzen. Busche nutzen das Feuer um sich zu regenerieren. Und manche Pflanzen \u201dlove the fire \u201d (Zitat Janner). So gibt es eine Blume, die nur bl\u00fcht, wenn genug Rauch in der Luft ist. Die Aboriginal People haben schon immer gesteuerte Feuer gez\u00fcndet, u.a. um gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den zu verhindern. Doch die europ\u00e4ischen Siedler hatten Angst vor Feuer und verboten die Praxis. So kommt es, dass jedes Jahr wieder und wieder Br\u00e4nde losbrechen und durch Winde angefeuert werden.<\/span><\/p>\n<p><b><i>13\/11\/2019 <\/i><\/b><span style=\"font-weight: 400\">Gerade ist Mittwoch und ich sitze auf der F\u00e4hre nach Rottnest Island. In 30 Minuten bin ich dort, wo die viel zu niedlichen Quokkas wohnen. Gerade wurde uns demontierter, wie wir im Fall der F\u00e4lle die Rettungswesen anlegen &#8211; safety first !<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Nach meinem Ausflug kann ich sagen, dass die Quokkas tags\u00fcber gar nicht so leicht zu finden sind &#8211; sie kommen eher am k\u00fchleren sp\u00e4ten Nachmittag raus und dann auch mit Vorliebe in der N\u00e4he von Menschen, wobei nat\u00fcrlich jeder darauf aufmerksam gemacht wird, dass die Tiere nicht abgefasst und gef\u00fcttert werden d\u00fcrfen. Ansonsten scheint Rottnest vom Tourismus zu leben, von Menschen, die \u00fcber die Insel radeln, einmal rund herum sind ca. 25km, und versuchen an den idyllischen Str\u00e4nden nicht in der Sonne zu verbrutzeln &#8211; den B\u00e4ume und Schatten gibt es eher selten. Daf\u00fcr ist das Wasser bzw. der Ozean so nat\u00fcrlich blau\/ t\u00fcrkis, klar und kalt, dass es schon unreal erscheint. Da konnte ich sogar einen sicher 20 Zentimeter langen Fisch um meine Beine herum schwimmen sehen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Am Abend des gleichen Tages besuchten Nina und ich mit den drei anderen \u00fcbrig gebliebenen RoadTrip Menschen das alte Gef\u00e4ngnis von Fremantle, einem Stadtteil von Perth. Dort h\u00f6rten wir bei Taschenlampenlicht unter anderem Folter und Gruselgeschichte aus den aktiven Tagen des Gef\u00e4ngnisses, aber auch von \u00fcbernat\u00fcrlichen Gruppenerfahrungen w\u00e4hrend gef\u00fchrter Touren. Von pl\u00f6tzlich in R\u00e4umen auftauchenden Menschen, sich von selbst bewegenden M\u00fclltonnen, \u00fcber kuriose Selbstmorde und Fluchtgeschichten war alles dabei. Eine dieser Geschichten endete damit, dass der \u201cFl\u00fcchtling\u201d sich f\u00fcr eine Packung Zigaretten wieder freiwillig in seine Zelle begab, nachdem er zuvor zwei Wachen in die Beine geschossen hatte. Die Wachen sprachen vor Gericht nichtsdestotrotz sehr wohlwollend \u00fcber den Insassen und von welchem \u201cFreund\u201d dieser damals die Waffe bekommen hatte, ist noch heute ein R\u00e4tsel.<\/span><\/p>\n<p><b><i>14-15\/11\/2019<\/i><\/b><span style=\"font-weight: 400\"> Ansonsten verbrachte ich viel Zeit damit, mit Lara die gro\u00dfe und kleine Graffiti Kunst der Stadt zu bestaunen. Am Donnerstag konnten wir zu viert Ninas Auto ausleihen und durch das Umland cruisen &#8211; da wurden Bus Erinnerungen wach. Nachdem wir uns tags\u00fcber noch einmal die Seele aus dem Leib gesungen hatten, verabschiedeten wir uns schmerzlos voneinander. Und nun sind wir alle weiter unterwegs und auf Entdeckungstour. Zumindest Lara werde ich h\u00f6chstwahrscheinlich nochmal in Tasmanien und definitiv in Sydney sehen!\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">P.s. wir waren auch nackig in einem nat\u00fcrlichen Pool baden!<\/span><\/p>\n<p><b><i>16\/11\/2019<\/i><\/b><span style=\"font-weight: 400\"> Zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit machten Nina und ich am Samstag Vormittag einen Ausflug &#8211; soll hei\u00dfen 2h Autofahrt, 1h rum spazieren und wieder 2h zur\u00fcck &#8211; zu einer W\u00fcste mit wunderbar aus dem Boden gewachsenen Steinwesen. Voller Freude suchten und fanden wir Eulen, Krokodile, Wale, Geister und Monster, Zauberer und Schl\u00f6sser, das Kr\u00fcmelmonster, aber vor allem Penisse aus Stein.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Auf der Fahrt begleitete uns ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Wolkengebirge. Erst dachten wir die Wolken seien aus Rauch geformt.Doch anscheinend war es einfach nur Nebel, der sich wie ein Fluss neben uns durch die Landschaft zog und dem Himmel die Farbe nahm.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Nun sitze ich wieder im Flugzeug, wobei wieder hei\u00dft, dass ich das letzte Mal geflogen bin, um nach Australien zu kommen. Das ist inzwischen 4 Monate her. Wenn ich nachsp\u00fcre, wie schnell die letzte Woche in Perth vorbei gegangen ist, scheint es kein Wunder zu sein, dass es mir vorkommt, als w\u00e4re ich schon seit Ewigkeiten in diesem riesigen Land. Und mit riesig meine ich RIESIG &#8211; gr\u00f6\u00dfer als Europa! Deshalb dauert es auch gute vier Stunden, um von Perth zur\u00fcck nach Melbourne zu fliegen. Melbourne, wo ich vor gut 3 Wochen f\u00fcr 13 Stunden rum spazierte und wo ich heute gegen Mitternacht Ryan wiedersehe. Die Aufregung und Vorfreude steigt mit jeder Minute. W\u00e4hrend ich mich inzwischen an die 38 Grad am Tag gewohnt habe, erwarten mich in Melbourne k\u00fchle 20 Grad. Ein gro\u00dfes Land &#8211; ein Land, das mich in seinen Dimensionen und Unterschieden an Russland erinnert. Und wie in Russland haben die meisten Touristen mehr Teile und St\u00e4dte gesehen, als ein Gro\u00dfteil der australischen Bev\u00f6lkerung. Die fliegen lieber nach Asien oder Europa oder Amerika.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Finalisiert am 16. November 09\/11\/2019 Angekommen. Zehn Tage und 4517 km und ich bin in Perth. 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