{"id":843,"date":"2020-01-02T09:41:36","date_gmt":"2020-01-02T03:41:36","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/lottengloeckchen\/?p=843"},"modified":"2020-01-02T09:41:36","modified_gmt":"2020-01-02T03:41:36","slug":"stand-der-dinge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/lottengloeckchen\/2020\/01\/02\/stand-der-dinge\/","title":{"rendered":"Stand der Dinge"},"content":{"rendered":"<p><b>07.11.2019<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">7.53 Uhr: Auch wenn ich heute davon getr\u00e4umt habe, auf einer Insel gegen \u00dcberflutung und Sturmwellen antreten zu m\u00fcssen, war das wie und wo wunderbar. Seit Tagen schlafen wir nun schon im *Swag*, einem \u00dcberschlafsack oder auch Mini-Einpersonenzelt, und das mitten in der Natur, bei Wind und Wetter, soll hei\u00dfen K\u00e4lte. Letzte Nacht konnten wir das ausnahmsweise unter einem Dach, neben einem alten eisernen Holzofen, doch diese Nacht, noch besser, direkt neben einer Feuerschale mitten im Wald. Es ist schon etwas besonderes am Morgen bei den Resten eines Feuers aufzuwachen und V\u00f6gel (und Fliegen) um sich herum schwirren zu h\u00f6ren. Und dazu konnten wir heute richtig lange ausschlafen! Ich liege immer noch im Swag und es ist schon 5.11 Uhr! Die Tage davor sind wir meist noch vor 5 Uhr aus den Schlafsackfedern, wobei wir in der Regel gegen 4 Uhr mit dem Tageslicht von allein wach wurden. Das ist inzwischen in Blut und Muskeln \u00fcbergegangen: Aufwachen, Aufstehen, Swag zusammenrollen, Z\u00e4hneputzen und Fr\u00fchst\u00fcck und losfahren &#8211; am besten Punkt 6 Uhr. Fast schon wie Maschinen. Die letzten zwei Tage sind wir sofort in der Fr\u00fch Berge hoch gekraxelt, um dieses traumhaft weite Land und das Wasser das es umgibt zu bewundern. Man schafft so viel, wenn der Tag um 5 Uhr startet!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Jetzt ist es nur noch eine Nacht bevor wir in Perth ankommen und es f\u00fchlt sich merkw\u00fcrdig an. Unser kleines Zehnerteam, bzw. elf mit Guide Janner, ist zusammen ger\u00fcckt. Bei so viel N\u00e4he bleibt einem auch kaum etwas anderes \u00fcbrig. Und der Bus, ist uns als fahrendes Wohnzimmer, mit Kleiderschrank und K\u00fcchenkammer ans Herz gewachsen. Als wir den Nullarbor \u00fcberquerten, ein kilometerlange Gegend ohne B\u00e4ume und Menschensiedlungen und damit ohne L\u00e4den und Wasservorr\u00e4te, sa\u00dfen wir fast den ganzen Tag im Bus um Kilometer zu schrubben. Belohnt wurden wir einen Tag sp\u00e4ter mit dem Cape Le Grand Nationalpark und seinen wei\u00dfen Str\u00e4nden und blauen Wassern. Einen Tag lang blieben wir im Park und wanderten Berge hoch und runter, \u00fcber Stock und \u00fcber Stein, durch Busch und am Strand. Trotz des Busfahrens schaffen wir es auch fast jeden Tag 10-20 km zu Fu\u00df zur\u00fcck zu legen, dank der vielen Stopps und kleinen Spazierg\u00e4nge.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">So konnten wir gestern Elefantenr\u00fccken (Bild auf Nachfrage) bewundern, mussten aufpassen, dass unsere geliebten Foto-Telefone nicht in die st\u00fcrmische See fallen und hatten die M\u00f6glichkeit zwischen Baumkronen die Energie der dritth\u00f6chsten B\u00e4ume der Welt zu sp\u00fcren. Und ganz nebenbei sehen wir Kangaroos, Dromedare, bunte und schwarz-wei\u00dfe V\u00f6gel, Kaninchen, Emus und erfreuen uns eher weniger als mehr an unseren st\u00e4ndigen Begleitern, den Fliegen. Koalas gibt es in diesen Teilen des Landes nicht, daf\u00fcr m\u00fcsste ich wieder nach New South Wales. Von den Hunderten von Eukalyptus B\u00e4umen die in Australien wachsen m\u00f6gen diese nur ca. 12 und dann hat jeder einzelne Koalas auch noch seine drei bis vier Favoriten &#8211; ganz sch\u00f6n w\u00e4hlerisch, nicht?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Mich der Bus Tour anzuschlie\u00dfen war ein Volltreffer. Ich glaube kaum, dass ich sonst so viel in so kurzer Zeit, mit so viel Wissenszuwachs, mit solch bunter Gesellschaft und vergleichsweise g\u00fcnstig h\u00e4tte sehen k\u00f6nnen. Manchmal denke ich mir: okey &#8211; sch\u00f6n hier, aber das gibt auch woanders auf der Welt &#8211; und doch ist es traumhaft, diese Unber\u00fchrtheit zu erleben und sie als Zuhause anzusehen. Nat\u00fcrlich halten wir auch immer wieder und mehrmals am Tag in kleinen Orten und St\u00e4dten. So sahen wir den gr\u00f6\u00dften allein stehenden Lolli &#8211; ein festgehaltener Weltrekord, tranken Kaffee bzw. ChaiLatte im \u00e4ltesten Caf\u00e9 von Western Australia und spazieren immer und immer wieder durch die lokalen Superm\u00e4rkte. In den Ruinen einer von Sandwehen geplagten Telegraphenstationen suchten wir unsere Namen. Wir schauten nicht nur hoch zu bemalten Silos, sondern auch runter in geheimnisvolle Schluchten und L\u00f6cher in der Erde. Nach dem Surfen auf Wellen rutschten wir ebenfalls Sandd\u00fcnen herunter und erfuhren, dass die 12 Hasen die im fr\u00fchen 19. Jahrhundert im Osten Australiens ausgesetzt wurden, sich unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig schnell vermehrten, es innerhalb von 40 Jahren bis in den Westen des Landes schafften, dort das ganze Gras auffra\u00dfen und somit die Sandst\u00fcrme aus l\u00f6sten, die ganze St\u00e4dte verwehten &#8211; siehe Telegraphenstation. Dank Janner lernen wir viel \u00fcber B\u00e4ume und sprachen auch \u00fcber die Aboriginal People und Kerry, mit 75 Jahren unser Gruppen \u00c4ltester, erl\u00e4uterte mir auf Nachfrage seine Sicht auf den Australia Day. Der Tag, an dem ein Teil der australischen Bev\u00f6lkerung die Besiedlung des Landes feiert und die anderen daran erinnern, dass ihre Kultur \u00fcberrannt wurde. Morgen steht eine Grotten Tour mit Aboriginal Guide an, auf die ich schon sehr gespannt bin.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wenn ich in den Spiegel schaue, bin ich etwas gezeichnet von den letzten Tagen. Ein Sonnenbrand im Gesicht &#8211; wahrscheinlich entstanden durch das sitzen an der Sonnenseite des Buses &#8211; verpixelte Haut, Schrammen und Schr\u00e4mmchen vom Wander, Rutschen und Auffangen. Und so viel Farbe, wie ich sie wahrscheinlich vorher noch nie hatte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Es f\u00e4llt mir schwer, alles erlebte der letzten Tage zusammen zu fassen. Fotos auf unseren Handys helfen, die Bilder in unserer Seele bewusst hervorzuholen, aber die Eindr\u00fccke und die guten Momente aus Gespr\u00e4chen bleiben sicher auch so. Und wenn es nicht die Natur ist, dann die Stunden im Bus, singend, lesend, lachend, erz\u00e4hlend und diskutierend. Leben halt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Heute sieht der Tag anders aus. Wir sind tats\u00e4chlich erst um 7 Uhr los und w\u00e4hrend einige noch Vogel fotografieren, machen wir jungen M\u00e4dels uns \u201cschick\u201d. Seit Monaten habe ich das erste mal Mascara an den Wimpern und sie f\u00fchlen sich in der Folge eher wie Fremdk\u00f6rper an. Heute sind wir in dem Gebiet am Margaret River unterwegs, soll hei\u00dfen Schokolade, K\u00e4se, Wein und Whisky testen. Also voll mein Ding &#8211; es wird sicher lustig!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.11.2019 7.53 Uhr: Auch wenn ich heute davon getr\u00e4umt habe, auf einer Insel gegen \u00dcberflutung und Sturmwellen antreten zu m\u00fcssen, war das wie und wo wunderbar. 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