{"id":769,"date":"2017-12-26T13:11:28","date_gmt":"2017-12-26T07:11:28","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/lottengloeckchen\/?p=769"},"modified":"2017-12-26T13:24:45","modified_gmt":"2017-12-26T07:24:45","slug":"letzte-meldung-aus-irkutsk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/lottengloeckchen\/2017\/12\/26\/letzte-meldung-aus-irkutsk\/","title":{"rendered":"Letzte Meldung aus Irkutsk"},"content":{"rendered":"<p>Schon wieder am Flughafen und noch eine Stunde Zeit bis zum Boarding. Ich strotze vor Energie. Seit gestern war ich mir nicht sicher, ob ich meinen Rucksack problemlos an Board bekomme, doch siehe da, mit 23,4 kg lief in Irkutsk alles einwandfrei. Nun bleibt zu hoffen, dass das in drei Tagen in Moskau genauso l\u00e4uft. Meine vier Handgep\u00e4cksst\u00fccke durfte ich bis jetzt auch behalten. Es lebe Aeroflot! Noch entspannter war jedoch die Fahrt zum Flughafen, doch dazu sp\u00e4ter. Jetzt erst einmal der Reihe nach.<\/p>\n<p>Fangen wir mit Pole Dance an. Das Examen ist bestanden! Trotz meiner m\u00fcden Arme und zeitweise sehr angespannter Nerven konnte ich 88\/90 Punkten erzielen. Das lag auch daran, dass wir ungef\u00e4hr 12 M\u00e4dels waren, die alle gemeinsam gepr\u00fcft wurden. Soll hei\u00dfen, wir standen alle in einer Reihe und eine nach der anderen \u201eturnte\u201c jeweils eine Figur vor. Somit blieb genug Zeit, um sich zu erholen und zu sammeln. Die Pole Dance Stunden nach der Pr\u00fcfung, also die letzten 2 Wochen tanzen wir! Das brachte viel Freude, zusammen mit neuen blauen Flecken und vielen Sch\u00fcrfwunden. Am Samstag, also vorgestern sollte die letzte Doppelstunde sein. Diese fiel aus, was wir erfuhren, als wir vor der Tanzstudiot\u00fcr standen. Unsere Lehrerin hatte verpeilt, dass Samstag Samstag war und somit bei ihr zwei Auftritte auf dem Programm standen. So machte ich mich stattdessen auf den Weg zum dem Shopping-Center, wo der erste Auftritt stattfinden sollte. Nat\u00fcrlich war Katja noch nicht vor Ort. Ich wollte ihr aber unbedingt meine vorletzte Rittersport-Schokolade und eine kleine Karte \u00fcberreichen, die ich dann an einem \u041f\u043e\u043d\u0447\u0438\u043a\u0438-Stand im Center f\u00fcr sie abgab. Spontan verabredeten wir uns f\u00fcr Sonntagvormittag. Und wer h\u00e4tte es gedacht, anstatt uns kurz f\u00fcr 30 Minuten zu sehen, wovon ich ausgegangen war, sa\u00dfen wir zweieinhalb Stunden in einem Caf\u00e9 und lachten und plapperten ohne Punkt und Komma. Katja, die zwei Jahre j\u00fcnger ist als ich, studiert ebenfalls an der \u0411\u0413\u0423 und wird auch im Sommer fertig. Danach m\u00f6chte sie reisen und losgehen soll es in Deutschland. Dass sie nach Berlin kommt ist ausgemacht. Noch am Samstag meinte ich zu Heather, dass ich an diesem Tag so viel Russisch gesprochen h\u00e4tte wir in den letzten drei Tagen nicht. Das kam durch das Interview, welches ich f\u00fcr den studentischen Uni-Kanal gab. Auch das sehr spontan. Am Montag sa\u00df ich im zehnten Stock der Uni, um zu arbeiten. Pl\u00f6tzlich kamen drei M\u00e4del und fragten mich, ob sie mit meinem Laptop Dateien auf ihre CDs brennen k\u00f6nnten. Und sie fragten, ob ich f\u00fcr sie eine Unterschrift \u201ezaubern\u201c k\u00f6nnte, entschieden sich dann aber doch daf\u00fcr, das selber zu machen. W\u00e4hrend ich also die CDs beschrieb, \u00fcbten sie die ben\u00f6tigte Unterschrift. Wir kamen ins Gespr\u00e4ch und eine der Studentinnen fragte mich, ob ich nicht ein Interview geben k\u00f6nne. Noch am selben Tag kontaktierte mich ein anderer Student und nachdem wir den Termin mehrmals nach hinten verschoben, stand am Freitag der Samstag fest. Mit ausgearbeiteten Fragen und Plan, sa\u00dfen wir erst im Studio, ebenfalls im zehnten Stock der Uni, um dann zu viert durch die Uni zu laufen. Gefilmt wurde mit zwei Handys, da deren Kamera besser sei, als die richtige Kamera. Ein kleines portables Mikrofon gab es auch! Wie dem auch sei, es schien mir am Sonntag, nach dem Treffen mit Katja so, als ob ich an diesen zwei Tagen mehr Russisch gesprochen h\u00e4tte, als in den letzten zwei \u00a0Wochen.<\/p>\n<p>Apropos letzte Wochen.<\/p>\n<p>Diese Woche am Donnerstag feierte die Russisch-Chinesische Fakult\u00e4t ihr Neujahrsfest. Es gab ein Programm, auf die Beine gestellt von einem Kurs russischer Studenten im ersten Jahr, die Chinesisch lernen. Ebenfalls Teil dieser Gruppe ist Nastja, die russische Studentin, die uns einmal im \u041e\u0431\u0449\u0435\u0436\u0438\u0442\u0438\u0435 besuchte. Nastja und Heather schafften es in der letzten Zeit nicht Zeit f\u00fcr einander zu finden. Jedoch traf ich Nastja eines Morgens auf dem Weg zu Uni, direkt vor dem \u041e\u0431\u0449\u0435\u0436\u0438\u0442\u0438\u0435 und so machten wir uns gemeinsam auf den Weg durch die Dunkelheit und durch den Schnee. \u00dcberhaupt hat es in den letzten Wochen und vor allem am Anfang dieser Woche sehr viel geschneit! Ganz Irkutsk bedeckt von wei\u00dfer Pracht und verziert mit glitzernden Eiszapfen. Schnee und Eiszapfen werden von den Bewohnern gepflegt, oder bek\u00e4mpft, ganz wie man es betrachten m\u00f6chte. Die Eiszapfen sind teilweise mehrere Meter lang und dementsprechend ziemlich gef\u00e4hrlich. Deshalb werden sie von den H\u00e4usern geschlagen und der Schnee von den D\u00e4chern geschoben. Wie in Perm kamen auch wieder LKWs, um den Schnee aus der Stadt zu transportieren, doch insgesamt liegt in Irkutsk weniger Schnee, als ich es aus Perm gewohnt bin. Nichtsdestotrotz bewundere ich die Geduld der Menschen, deren Arbeit es im Winter zu sein scheint, die Wege vom Schnee zu befreien. Jeden Morgen sah ich eine kleine \u00e4ltere Dame mit einem gro\u00dfen Besen die vielen Stufen, die vom Musiktheater herunter f\u00fchren, reinigen. Jeden Morgen aufs Neue! Andererseits stellt sich dabei die Frage, was diese Leute im Sommer machen\u2026 Zur\u00fcck zum Neujahrsfest. Heather erz\u00e4hlte mir in der letzten Uni-Woche, dass eine Lehrerin sie zu einer Feier anl\u00e4sslich des Neujahres eingeladen h\u00e4tte. Aufgrund der Tatsache, dass nicht wenige chinesische Studenten in der !einen Woche! Ferien nach Hause fahren, sollte fr\u00fchzeitig gefeiert werden. Kurz darauf erhielt ich eine SMS, ob ich nicht bei einem Neujahrskonzert noch einmal mein Lied singen k\u00f6nnte. Letztendlich war es kein richtiges Konzert, zum Gl\u00fcck, sondern mehr ein Theaterst\u00fcck\/ Theatherspiel, in welches mein Lied eingebaut wurde, um den Winter einzuleiten. Als ich anfing zu singen, standen alle um einen Weihnachtsbaum herum und schon nach ein paar Sekunden tanzten russische und chinesische Studenten, zusammen mit den Lehrern. Dadurch brachte mir das Singen noch mehr Freude.<\/p>\n<p>Ebenfalls vorletzte Woche Freitag sammelten Kristina, Killian und ich unsere letzten Noten bzw. die letzten Unterschriften ein. Das war ein Gef\u00fchl! Freiheit, Schwerelosigkeit und ein wenig Verzweiflung. Damit war das Auslandssemester endg\u00fcltig vorbei. Zur Feier des Tages gingen wir ganz traditionell mit Heather Sushi essen. Am Sonntag, dem Tag bevor Kristina und Killian flogen, spazierten Heather und ich zu ihrem Hostel und zu viert und mit vielen vielen Taschen und einer unglaublichen Menge von mehr oder weniger n\u00fctzlichen Sachen und Essensvorr\u00e4ten f\u00fcr Heather ging es mit dem Taxi zur\u00fcck zum \u041e\u0431\u0449\u0435\u0436\u0438\u0442\u0438\u0435. Bei uns feierten wir den dritten Advent, mit Weihnachtsmusik, selbstgebackenen Cookies, meinem wundersch\u00f6nen Adventskranz, Heather bunt geschm\u00fcckten Weihnachtsbaum und vielen Kerzen. Im Laufe der Woche hatten Heather und ich uns auf die Suche nach einem K\u00fcrbis gemacht. Und nachdem wir K\u00fcrbissuppe, K\u00fcrbisbrot und K\u00fcrbis im Ofen gebacken hatten, gab es am Sonntag K\u00fcrbis-Cookies. Am Wochenende zuvor lud Heather zwei ihrer russischen Freundinnen zum Pl\u00e4tzchenbacken ein. Ich stie\u00df etwas sp\u00e4ter dazu und stach diszipliniert den Teig aus, w\u00e4hrend die M\u00e4del verzierten.<\/p>\n<p>Am Samstag war ich dann noch einmal mit Pl\u00e4tzchenbacken besch\u00e4ftigt. Um meine Haferflocken aufzubrauchen, mischte ich ein Cookie Dough aus Haferflocken, Bananen, Cranberries und Peanut Butter! Like Heather sad: Every bite was different. Die Pl\u00e4tzchen waren vor allem auch gedacht f\u00fcr den amerikanischen Weihnachtsabend, zu dem Heather und ich, von Heathers amerikanischen Freunden eingeladen worden waren. Nachdem ich Samstagnacht und Sonntagmorgen mit Packen besch\u00e4ftigt war, zur\u00fcck vom Treffen mit Katja kam und Heather und ich die letzten Sachen aus meinem Zimmer in ihre Zimmer ger\u00e4umt hatten, sammelten uns ihre Freunde mit dem Auto ein und wir fuhren zu ihrem Haus. Dort a\u00dfen wir am Abend selbstgemachte Pizza, tranken Cola bzw. Pepsi-light, w\u00e4hrend wir eine alte englische Verfilmung von Charles Dickens \u201eEine Weihnachtsgeschichte\u201c schauten. Danach wurde die Weihnachtsgeschichte gelesen und dann gab es die Stockings. Sogar f\u00fcr mich hatten sie eine Socke gef\u00fcllt. Im Anschluss sagen wir sicher eine gute Stunde lang Weihnachtslieder und ich war erstaunt, wie viele von den christlichen englischen Liedern ich kannte und singen konnte, vor allem durch Schul- und auch Uni-Chor. Nachdem ich noch mit Berlin Kontakt aufgenommen hatte, ging es dann ziemlich flink kurz nach Mitternacht ins Bett, bzw. aufs Sofa. Ich schlief im Wohnzimmer, direkt neben dem Weihnachtsbaum. Ebenfalls im Zimmer eine alte Wanduhr, die tickte und alle halbe Stunde einen Gong von sich gab. So konnte ich sehr gut die Zeit z\u00e4hlen, bis es zum Flughafen ging. Um sechs Uhr standen wir auf, zum Fr\u00fchst\u00fcck gab es selbstgemachte Cinnamon-Rolls und dann ging es auch schon los. Ganz entspannt mit dem Auto. Heather brachte mich bis zum ersten Security\u2013Check und dort standen ihr dann die Tr\u00e4nen in den Augen. Ich hatte sie schon vorgewarnt, dass ich nicht traurig sein werde, wenn wir am Flughafen sind. F\u00fcr mich ist jeder Aufbruch eine gute Sache. Die Zeit in Irkutsk war wunderbar, doch jetzt ruft Moskau!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon wieder am Flughafen und noch eine Stunde Zeit bis zum Boarding. Ich strotze vor Energie. 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