{"id":570,"date":"2013-11-26T21:22:32","date_gmt":"2013-11-26T15:22:32","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/lottengloeckchen\/?p=570"},"modified":"2013-11-29T10:11:47","modified_gmt":"2013-11-29T04:11:47","slug":"sonne-mond-und-sterne%c2%b2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/lottengloeckchen\/2013\/11\/26\/sonne-mond-und-sterne%c2%b2\/","title":{"rendered":"Sonne, Mond und Sterne\u00b2"},"content":{"rendered":"<p>Es ist kurz vor 18.00 Uhr und ich kann von meinem Fenster aus den Sonnenuntergang beobachten. In Tallinn w\u00e4re es, rein zeittechnisch betrachtet, schon seit einer guten Stunde dunkel. Doch tats\u00e4chlich wird in Tallinn die Sonne erst in ca. 3h untergehen. Das ist doch verr\u00fcckt. Ich glaube in den letzten Tagen habe ich erst verstanden, wie genau das mit der Zeitumstellung auf der Welt funktioniert, was der Nutzen davon ist und aber vor allem auch, wie kompliziert das ganze sein kann:<\/p>\n<p>Als ich letzte Woche Montag von Walodia zum Zug nach Moskau gebracht wurde, stand auf dem Ticket, dass der Zug um 12.58 Uhr losfahren w\u00fcrde. Nun ist wichtig zu wissen, dass bei Zugtickets immer die Moskauer Zeit geschrieben steht. Also fuhr mein Zug 14.58 Permer Zeit los. Noch bevor ich in den Zug gestiegen bin, wurde von der Schaffnerin ein Blick in meinen Reisepass geworfen und mir mein Zugticket abgenommen. Eine Weile dachte ich leicht verwundert, ich w\u00fcrde es nie wieder sehen, doch irgendwann nachdem der Zug (sehr p\u00fcnktlich) losgerollt war, bekam ich es dann doch zur\u00fcck. Walodia hatte die Schaffnerin, sowie die Dame die auch ein Bett im selben Kupe hatte, gleich vorgewarnt, dass ich zwar Russisch verstehen w\u00fcrde, aber naja\u2026 halt eine Deutsche sei, die zum ersten mal allein mit dem Zug unterwegs w\u00e4re. Dadurch waren, wie sonst wahrscheinlich auch, alles sehr lieb. Die Dame in meinem Kupe interessierte sofort, woher ich denn genau kommen w\u00fcrde, was ich hier machen w\u00fcrde und ob Walodia denn mein Geliebter sei. Ein sch\u00f6ner Einstieg f\u00fcr die Reise.<\/p>\n<p>Im ersten Zug sa\u00df bzw. lag ich ganze 21h. In dieser Zeit gesellte sich zu uns ein P\u00e4rchen, dass als die Dame ausstieg auch \u00fcber mich informiert wurde, und sp\u00e4ter dann noch ein einzelner Herr. Ich fand die Zugfahrt wirklich sch\u00f6n. Das Bett war wunderbar hart, die Toilette eigentlich immer frei und das kostenlose warme Wasser sehr hei\u00df. Da ich nicht wirklich etwas zu tun hatte, hab ich mich an Harry Potter auf Russisch ran gewagt, Russisch gelernt und viel geschlafen. Beim Fr\u00fchst\u00fcck wollte das P\u00e4rchen unbedingt sein Essen mit mir teilen und so gab es etwas kaltes H\u00fchnchen, was am Morgen eigentlich nicht so mein Ding ist. Doch die beiden waren sehr nett.<\/p>\n<p>In Moskau angekommen durfte ich zum ersten Mal meine Uhr umstellen; 2h minus. Den anderen Bahnhof fand ich schnell und da ich noch um die 7h Zeit hatte, bin ich einfach los gelaufen. Nach einer Weile kam ich zu McDoof, wo ich das letzte Mal in Deutschland sa\u00df und wo es Internet gab. So konnte ich sehen, dass ich genau in Richtung `Roter Platz` gelaufen war. Nachdem ich mich ein wenig aufgew\u00e4rmt hatte ging es also weiter zum `Roten Platz` und zum GUM. Dort wurde gerade der Weihnachtsmarkt aufgebaut, wodurch man nicht ganz so viel vom Platz gesehen hat, aber es war trotzdem ein tolles Gef\u00fchl dort zu sein. Vor allem, weil ich mich auch noch an eine Menge von dem Kurzurlaub mit Mama und Papa vor 3 Jahre erinnern konnte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Wanderung durch die Stadt hatte ich die ganze Zeit den Rucksack auf dem R\u00fccken dabei und auch wenn er nicht voll war, habe ich meine Beine, als ich im zweiten Zug auf meinem Bettchen lag, deutlich gesp\u00fcrt! Kurz vor dem Einsteigen hatte ich noch den kulturweit Freiwilligen aus Moskau getroffen, der wie ich auf dem Weg nach Tallinn war. Doch da wir in verschiedenen Wagons sa\u00dfen, haben wir und die ganze Fahrt \u00fcber nicht mehr gesehen. Eigentlich hab ich bei der zweiten Fahrt sowieso fast nur geschlafen. Im Kupe waren wir dieses Mal nur zu zweit; ein \u00e4lterer Herr und ich. \u00dcberhaupt war der Wagon sehr leer. Ich denke, dass wir gerade mal 6 Pers\u00f6nchen waren.<\/p>\n<p>Gegen 2 Uhr morgens kam dann die Grenze und die damit verbundene Passkontrolle. Das war schon eine merkw\u00fcrdige Sache, vor allem wenn die Beamten einfach mit dem Pass verschwinden, oder ein Zollbeamter mit einer Taschenlampe mal schnell in alle Ecken leuchtet. Das Ganze nat\u00fcrlich zwei Mal. Erst mit den Russen und dann mit den Esten.<\/p>\n<p>In Tallinn musste die Uhr dann noch einmal um 2h zur\u00fcckgestellt werden. Dort kamen wir nach 15h Fahrt bei Nieselregen-Regen an. Auf dem Bahnhof setzte ich mich erst mal hin und wartete auf Chris. Der hatte nur eine Platzkarte gehabt, ohne Bett, und deshalb eine nicht ganz so gute Fahrt hinter sich. Er musste sich dann auch bald auf die Suche nach der russischen Botschaft machen, da er sein Visum verl\u00e4ngern wollte\/ sollte\/ musste. Irgendwie war ich nicht ganz so scharf darauf mit zur Botschaft zu latschen und so ging wieder auf gut Gl\u00fcck Richtung Innenstadt. Immerhin hatte ich dieses Mal eine Karte auf dem Handy dabei, da ich sie mir bei Chris abfotografieren durfte. Aber der Regen war sehr unsch\u00f6n und der Handy-Akku nach 2 Tagen so gut wie alle und so begab ich mich ins erst beste Einkaufszentrum, das gerade um 9 Uhr aufmachte. Dort stand ich erst ein Weilchen im WC-Bereich, w\u00e4hrend mein Handy sich auflud und sa\u00df dann sp\u00e4ter bei einer hei\u00dfen Schokolade und einem Tee mit \u201eGarry Potter\u201c in einem Cafe.<\/p>\n<p>Ich hab nach ein paar Stunden sogar noch ein wenig die Stadt erkundet, aber Regen, Gep\u00e4ck und M\u00fcdigkeit sind keine gute Mischung. Also bin ich schon 2h fr\u00fcher als gemusst zum Hafen. Nach und nach wurden wir immer mehr und zusammen ging es dann auf die F\u00e4hre nach Stockholm.<\/p>\n<p>Die F\u00e4hrenfahrt war toll, die Kaj\u00fcten sehr eng und kuschelig, doch irgendwie hat man da auch zu viert Platz gefunden. Wir haben uns w\u00e4hrend der Zeit auf dem Schiff viel unterhalten; \u00fcber unsere Einsatzstellen, \u00fcber die Menschen mit denen wir viel oder auch weniger zu tun haben und \u00fcberhaupt dar\u00fcber wie es uns allen so geht. Doch auch das Schiff an sich war eine interessante Sache. Was man dort \u00fcberall so finden konnte. Vor dem Abendbrot sind ein paar von uns zum Beispiel in die Sauna, was wirklich gut tat und (ganz nebenbei) das Abendbrotb\u00fcfett war der Wahnsinn\u2026<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag in Stockholm (mussten wir die Uhr wieder eine Stunde zur\u00fcck stellen, wer mitgerechnet hat, wei\u00df, dass wir somit die deutsche Zeit hatten) hat es auch geregnet, was der Stadt sicher etwas von ihrem Charme genommen hat. Sch\u00f6n war es trotzdem und unser Gr\u00fcppchen ist tats\u00e4chlich 5h am St\u00fcck durch die Gegend gelaufen. \u00dcberhaupt haben wir in den letzten Tagen viel gesehen und die sch\u00f6nsten Dinge sind, so im R\u00fcckblick, meiner Meinung nach die Aussicht von der F\u00e4hre aus und die Altstadt von Tallinn gewesen (und der Blick beim R\u00fcckflug auf Perm, aber dazu komme ich sp\u00e4ter vlt.).<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in Tallinn haben wir die Uhr wieder eine Stunde vorgestellt und uns im Hotel direkt am Bahnhof eingenistet, was einem das Gef\u00fchl gab immer noch auf dem Schiff zu sein, da ALLE W\u00e4nde sehr hellh\u00f6rig waren und die Bahnhofsger\u00e4usche in etwa dem Schiffgeratter entsprachen. Dann ging es weiter mit dem Seminar und dem Reden. Am Abend sind wir in die Altstadt und zum Weihnachtsmarkt. Samstag war auch noch Seminar und am Sonntag sind wir zum Schluss alle zusammen sowas wie Cr\u00eapes essen gegangen (Manche Gerichte scheint es \u00fcberall, blo\u00df mit anderen Namen, zu geben). Danach haben wir uns aufgel\u00f6st und meist neue kleine Gr\u00fcppchen gebildet. Ich bin mit zwei anderen M\u00e4dels in ein Hostel und das war wirklich lustig und sehr sehr nett! Inzwischen finde ich die Vorstellung 3 Tage allein in Riga zu sein gar nicht mehr so schlimm (auch, weil eine andere Freiwillige in Riga ist, noch eine ca. 2,5h entfernt und beide sehr lieb sind). Vom Hostel aus sind wir noch einmal \u00fcber den Weihnachtsmarkt, haben in einem Cafe ein paar Karten geschrieben und dann zusammen eingekauft. Im Hostel wurde dann gekocht: Typisch deutsche Nudeln mit Tomatenso\u00dfe. Wie ich das vermisst habe! Denn auch, wenn wir hier in Perm oft Nudeln essen, dann schmecken die irgendwie anders.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen hab ich schnell allein gefr\u00fchst\u00fcckt und bin dann zum Flughafen. Erst mit dem Trolleybus, dann mit der Stra\u00dfenbahn und dann noch (l\u00e4nger als gedacht) zu Fu\u00df. Mensch war ich froh, als ich endlich beim Flughafen ankam!<\/p>\n<p>In Moskau, wo ich die Uhr wieder 2 Stunden vorstellen durfte, sa\u00df ich letztendlich 8h aufm Flughafen, doch das wusste ich ja schon vorher. In der Zeit habe ich vor allem Menschen beobachtet und mehr oder weniger belauscht, mich irgendwie mit dem Flughafeninternet arrangiert und die November_NEON gelesen, die mir von einer Freiwilligen weiter vererbt wurde.<\/p>\n<p>Interessanter Weise habe ich wirklich \u00fcberall deutsche Menschen getroffen. Im Flughafen hab ich es geschafft mich irgendwann direkt neben eine deutsche Gruppe zu setzten. Im Flugzeug nach Perm waren schon wieder mindestens 5 Deutsche, die nicht unbedingt alle zusammen geh\u00f6rt haben und nat\u00fcrlich sa\u00dfen diese nicht mehr als 2 Reihen vor bzw. hinter mir. \u00a0Selbst im Zug, bei der Fahrt nach Moskau, stiegen am sp\u00e4ten Abend, direkt in das Kupe neben meinem, 3 Deutsche und eine deutsch sprechende Russin ein. Soweit ich das mitbekommen habe, waren alle aus irgendwelchen Arbeitsgr\u00fcnden in Russland unterwegs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So, inzwischen ist es schon wieder halb 9, das Abendbrot vorbei und drau\u00dfen zappel duster angesagt.\u00a0Ich bemerke auch gerade, dass ich ganze 2 Wordseiten vollgeschrieben habe und nur noch hoffen kann, dass ihr beim Lesen ein wenig Spa\u00df habt. Ich will auch nur noch ein paar S\u00e4tze schreiben und dann muss ich mich noch ein wenig auf den Russischunterricht morgenfr\u00fch vorbereiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>23 Uhr Moskauer Zeit stieg das Flugzeug in den wolkig, nebligen Moskauer Himmel und landete 2h sp\u00e4ter um 3 Uhr morgens Permer Zeit in Perm. Die Stadt sah von oben so wundersch\u00f6n aus! Alles hat geleuchtet und gefunkelt. Ich konnte sogar einige Orte, wie das Hotel Ural, erkennen und so \u00fcberlegen wo denn die Schule und unsere Wohnung sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Abgeholt wurde ich \u00a0von Walodia. Er rief mich auch gleich ganz ungeduldig an, als wir gerade gelandet waren, ich aber noch im Flugzeug sa\u00df. Auf der R\u00fcckfahrt haben wir uns ein wenig unterhalten. Gr\u00f6\u00dfenteils habe ich jedoch bei der Fahrt aus dem Fenster geschaut und die Sterne und den Halbmond bestaunt.<\/p>\n<p>Heute am Tag schien die Sonne, wie zur Begr\u00fc\u00dfung und nachdem ich kurz in der Schule war bin ich noch ein wenig spazieren gewesen, mal eine ganze andere Strecke, in eine andere Richtung. Ich denke, das werde ich jetzt \u00f6fter machen, oder es zumindest versuchen. Mir ist n\u00e4mlich aufgefallen, dass ich in den letzten Tagen st\u00e4ndig durch andere St\u00e4dte gelaufen bin um diese kurz n\u00e4her kennen zu lernen und von Perm, wo ich ja jetzt doch schon seit 3 Monaten wohne, noch so wenig gesehen habe.<\/p>\n<p>A propos 3 Monate. Die H\u00e4lfte der Zeit hier ist jetzt vorbei. Und obwohl ich mich sehr auf Berlin freue und auch wirklich gern in das Flugzeug, das gestern von Moskau aus nach Berlin geflogen ist, gestiegen w\u00e4re, w\u00fcnsche ich mir, dass die Zeit aufh\u00f6rt so zu rennen. Ich mein, wieso muss es denn schon wieder 21 Uhr sein?<\/p>\n<p>P.s. ein paar Bilder folgen noch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist kurz vor 18.00 Uhr und ich kann von meinem Fenster aus den Sonnenuntergang beobachten. In Tallinn w\u00e4re es, rein zeittechnisch betrachtet, schon seit einer guten Stunde dunkel. 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