Flugmodus: Vorbereitungsseminar

27/02/2021

Mein E-Mail-Fach füllt sich mit Ankündigungen, Kommentaren und vorbereitenden Mitteilungen zum Vorbereitungsseminar für die Ausreisenden im März 2021. Langsam geht es also los, so richtig los und ich merke wie aufgeregt ich bin, auch wenn ich die Frage stets mit „Ich habe eigentlich Angst,  mich zu freuen, weil es immer noch abgesagt werden kann”, beantworte. Mittlerweile bin ich aber richtig in der Stimmung angekommen, auch wenn es noch ein surrealer Gedanke ist, wenn ich sage: Wir sehen uns dann im Sommer! Seit ein paar Tagen lese ich mich mit einer Gebrauchsanweisung in die griechische Kultur ein. Das Lachen kommt da nicht zu kurz, denn ohne vorher auch nur recherchiert zu haben, kann ich mir vorstellen, wie andersartig und chaotisch alles sein wird. Nicht zu vergessen, dramatisch bis zum letzten Augenblick, da mich die pandemiebedingten Vorkehrungen auf Trab halten- „Griechenland ändert ihre Maßnahmen alle zwei Wochen”, erzählt mir Eleni, eine Kommilitonin aus Athen, die ich glücklicherweise kennengelernt habe. Noch bevor ich meine Gebrauchsanweisung für Griechenland begann, gab sie mir einen amüsanten Vorgeschmack der Griechen und dem Kontrast zu Deutschland. 

07/03/2021

Heute ist Halbzeit sozusagen und ich hatte ganz vergessen, dass Sonntag ist. Wir, also die Freiwilligen, sind trotz digitaler Umstände ziemlich gehypet von der Flut an Input. Abends diskutieren wir, was unsere Rolle ist, und wie wir verantwortungsvoll damit umgehen. Fragen überschlagen sich und  zwischendrin wird getanzt oder nach skurrilen Gegenständen gesucht. Ich habe erfahren, dass Kalavryta, das Dorf in Peloponnes, von Nazis komplett zerstört wurde. Im gesamten griechischen Raum sind Häuser, Eisenbahnen und Brücken zerstört worden und trotzdem  werden Deutsche in Griechenland als menschen und nicht als Tyrannen wahrgenommen – zum Glück! Denn auch wenn wir nichts mit den Taten der Vergangenheit gemein haben, so sind wir dennoch alle eine Repräsentation unserer Nation. „The Danger of a single story“ ist ein großartiger TEDtalk von Chimamanda Adichie  

den ich niemandem vorenthalten möchte, sondern im Gegenteil empfehle!  Es bleibt noch viel zu lesen, viele Fokus zu schauen, aber das geht ja sicher auch noch in der Quarantäne 😉 ganz ganz bald ist es dann auch schon soweit und es schwirren hundert Freiwillige in europäische Länder mit Awareness und Enthusiasmus. Kommt jemand im Gegenzug als Freiwillige*r nach Deutschland? Nicht wirklich.

Erste Gedanken auftanken

18/12/2020

Nachdem die ersten Freudensprünge langsam nachließen, kam erstmal eine ziemlich peinliche Frage: Was weiß ich über Griechenland? Nicht viel: Olivenöl, Tzatziki, Oliven und eine europäische Schuldenkrise von 2016, wahrscheinlich auch schon früher und später. Eine komische Mischung und ich muss selbst kurz darüber lachen. Griechische Götter fallen mir noch ein, aber da hört es auch schon auf. Eigentlich doch schon ein paar Dinge, doch weiß ich wenig über das tatsächliche Griechenland, wahrscheinlich gib es auch nicht „das” Griechenland genauso wenig wie es „das” Deutschland gibt.

Das Einzige, woran ich aber gedacht hatte, war, wie lecker die Oliven dort sein müssten. Und wie schön warm es dort sein würde. Wenn ich an Griechenland denke, wird mir warm, denn weiße Strände und Olievnbaumfelder mit einer mediterranen Berglandschaft fluten meinen Kopf. Prahlende wärmende Sonne und schon habe ich mich in ein warmes Bild umhüllt. Klarer blauer Himmel und Sandalen; die Wärme ist bloß ausgedacht und obwohl es gerade ziemlich kühl und karg ist, möchte ich eigentlich nicht wissen, wie sich 40 Grad im Sommer anfühlen. „In den Bergen ist es immer etwas kühler”, beruhigt mich der Geologe George, während wir uns über zoom ein wenig kennenlernen. „Bald fängt hier die Skisaison an” Ich schaue ihn mit großen Augen sprachlos an. Das Bild von Schnee und in Skianzüge eingepackte Menschen passt nicht in den Sommerurlaub der in meinem Hirn festgebrannt ist. 

Die einzige Berührung, die ich je mit der heutigen griechischen Kultur hatte, waren die zahlreichen Restaurantbesuche zu denen meine Eltern mich überredeten und ich mir danach schwor, niemals wieder griechisch essen zu gehen. Gyros und Schaschlikspieße, die von breit grinsenden Männern serviert wurden und mir versicherten, das sei alles sehr gut. Ich fand es schlicht eklig und wahrscheinlich waren es auch oftmals keine Griechen, die diese Restaurants in Berlin betrieben.

George lachte als ich auf seine Frage antworte, dass ich kein Fleisch aß. „Dann sind wir schon vier Leute im ganzen Dorf mit den Freiwilligen gerade!” Das ist eine Tatsache, die ich gar nicht bedacht hatte, aber klar, Länder mit weniger Möglichkeiten und Menschen, die eher auf ihre Großeltern schauen, wachsen mit Fleischkonsum auf. Umweltbewusstsein is wie in allen anderen Ländern der Welt kein Thema, denn oftmals geht es eher um existenzielle Probleme. Dass Umweltbewusstsein auch ein existenzielles Problem ist, fällt im ersten Moment ja nicht auf, solange Essen auf dem Tisch kommt.