Kirchengongen, Schafsglocken, Feuerkörperknallen

 

21/03/2021

Ich schiebe die Fensterläden zaghaft zu den Seiten. Die Luft noch feucht und Nebel in der Ferne. In dem kleinen Berghüttencafé gegenüber unserer Hauses brennt das Licht bereits und die Luge zur Ausgabe ist geöffnet, ganz so als habe es nicht über Nacht geschlossen. Bis spät noch da aufgeregte Quatschen und Lachen der Menschen, die so weit entfernt scheinen. Fremde Zeichen tanzen durch die Schallwellen, formen Worte, die noch keinen Sinn ergeben. Ab und zu dreht ein Auto seine Runde, nicht die Streife, eher ein kleiner Audi, der stets durch die selbe Straßen saust und dieselben Hunde zu bellen beginnen. Wir riechen nicht griechisch, selbst unter Masken beäugt, wer denn da nach Kalavryta gekommen ist. Nicht um Ski zu fahren, kein Hotel genannt  dem Taxifahrer, sondern schlicht 13. Dezember – Zwei aus Deutschland kommende in der Straße an das Gedeckte Massaker  wohnhaft. Noch nicht ganz wohnend, immer noch am Ankommen. Listen schreiben mit allen Sachen, die vergessen wurden. Man überlebt’s, so wie jedes Mal, fragt sich nur, was wirklich je vermisst und gebraucht wurde.

Katerzug nach Kalavryta

16/03/2021

Dachterrasse mit territorialer Horizonterweiterung

 

17/03/2021

Ouzo und Deutsch Rap serviert mit analogen Fotos

 

18/03/2021

Katerzug nach Kalavryta

 

Heute wurde nicht viel geredet, jedenfalls nicht viel mehr als Efcharisto (Danke), Wo steigen wir um? und Wow, wie schön!. Viel geredet hat die Frau im Zug neben uns. Griechische Worte sprudelten aus hier heraus, dass selbst der Schaffner nicht wusste, was zu machen ist. Carl und ich schauten aus dem Fenster, wie sich die Landschaft von Häusermeeren zu tiefblauem Meer mit Bergen am Horizont änderte. Jedes Mal wenn ich versuchte, ein Foto zu schießen, kamen mir Bäume, Antennenmaste und Tunnel dazwischen. In Diakopto aus dem Bus ausgestiegen, weil der Zug nicht weiterfuhr, wurden wir direkt von einem Mann angesprochen, ob wir nach Kalavryta wollten. Sein Bruder betreibe ein Taxi. Urkomisch, denn eben jenen Bruder hatten unsere Vorfreiwilligen für uns angefragt. Er fuhr uns durch die Kurven der bergigen Landschaft Peloponnes’ und erzählte immer mal Interessantes zu der Umgebung. Die Gebirgskette hatte ungefähr eine Höhe von 1500 Meter, wirkte aber durch das Meer und die Weite viel größer. 

Nach dem städtischen Athen war Kalavryta ein krasser Kontrast – selbstverständlich. Kulturell aber auch klimatisch, denn die Temperaturen sind in der Höhe von 720 Metern über dem Meeresspiegel deutlich niedriger. Dafür saugte ich die frische Luft in meine Lungen, nach der Großstadt wirkte alles so pur und klar, genauso das Wasser. „Kalá“ bedeutet gut und „vryta“ soviel wie Quelle. Wir hoffen jedenfalls auf Gutes, so wie jeder hier, denn der Sommer scheint wie ein Lichtschimmer für viele Griechen. Bis jetzt sieht es nach Regen aus, und Schnee. Ich habe zwei Koffer voll bunter Sommerkleidung und frage mich wie viele Schichten ich mir überziehen kann. 

Kreuzallergie-Feta-Unverträglichkeit in vierfachmoralischer Quarantäne

Was ist schon eine Bank 

inmitten eines Paradieses 

Was ist schon ein Traum 

Inmitten eines Wunsches 

 

Was bleibt, ist der Geruch von 

Freiheit wenn ich das 

Küchenfenster öffne 

Die Nachbarn auf der Dachterrasse 

Lammspieße auf dem Grill 

Umdrehen 

Was ist schon ein Tag 

gelebt wie jeder andere 

 

Was ist schon eine orange 

Gepflückt, geschifft, gekauft gegessen

Singende Vögel & Sonnenstrahlen 

Auf Häuserwänden 

Was ist das alles schon für den gelebten tag 

Bleibt ruhig & behaltet die Kondome 

An. 

 

Papierflieger steigen 

wie Molotov cocktails 

Haltet fest was euch wichtig ist

In hundert jahren verbleichen 

Auch schwarz-weiße Analogien 

Eis schlecken & nudeln kochen