{"id":64,"date":"2019-03-24T10:19:00","date_gmt":"2019-03-24T09:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/?p=64"},"modified":"2019-03-25T15:34:08","modified_gmt":"2019-03-25T14:34:08","slug":"why-do-drugs-when-you-can-do-breathing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/2019\/03\/24\/why-do-drugs-when-you-can-do-breathing\/","title":{"rendered":"Why do drugs when you can do breathing?"},"content":{"rendered":"<p>Am sp\u00e4ten Nachmittag traf ich mich mit einer anderen Freiwilligen auf einen Kaffee. In freudiger Erwartung stieg ich in die <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0957.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0957-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"326\" height=\"217\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0957-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0957-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0957.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0957-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 326px) 100vw, 326px\" \/><\/a>Stra\u00dfenbahn. Wei\u00df-orange mit kleinen Sitzen in Zweierreihen \u00e4hnelt sie jenen bekannten aus Lissabon sehr. Doch die heutige war mit einem besonders gem\u00fctlichen Gem\u00fct ausgestattet. Ewigkeiten bummelten wir umher, die verabredete Uhrzeit war leider schneller am Treffpunkt als die Bahn. Ich hatte Gl\u00fcck, Mandy empfing mich trotz Versp\u00e4tung freundlich und gemeinsam zogen wir los. Wir sprachen \u00fcber unsere Blogs und sie erz\u00e4hlte, dass sie in dem kommenden Beitrag nicht so viel zu berichten hatte wie sonst. Augenzwinkernd sagte ich, dass der Tag noch jung sei und wir vielleicht ja ein kleines Abenteuer zusammen erleben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nachdem wir f\u00fcr mein Wohnungsprojekt einen Schreibwaren lagen \u00a0 \u00a0durchst\u00f6berten, gingen wir in ihr\u00a0 Lieblingscaf\u00e9 im National Palace of Culture (NDK) das <em>Peroto<\/em>. Da die Papierb\u00f6gen nicht quadratisch waren, habe ich mir davor extra eine Schere gekauft, um sie zurechtzuschneiden. Die Schere war allerdings mit einem Pastik-Riemen an die Verpackung gekettet. Den man nicht l\u00f6sen konnte. Au\u00dfer vielleicht mit einer Schere. Diese Ironie fiel auch dem Kellner auf, als ich ihm die <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0009.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-65 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0009-300x533.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"228\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0009-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0009.jpg 576w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0009-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 128px) 100vw, 128px\" \/><\/a>Problematik schilderte und er mir lachend mit einem Schnipp und einem Schnapp aus der Zwickm\u00fchle half.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0015.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-66 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0015-300x533.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0015-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0015.jpg 576w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190322-WA0015-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ich wagte mich an eine hei\u00dfe Schokoladenkreation mit Tiramisu-Geschmack. W\u00e4hrend wir plauderten, unsere Finger beim Papierfalten verrenkten und unsere Sinne in s\u00fc\u00dfen Schokoladenduft tr\u00e4nkten, kamen wir immer wieder auf die Tassen vor uns zu sprechen, die es uns beiden so angetan hatten. Ich schlenderte zur Theke. Fragte, ob man die Tassen kaufen k\u00f6nne. Der Kellner verneinte es. Gerade wollte ich zur\u00fcck an den Tisch laufen, da rief er mich zur\u00fcck. Die Fingerspitzen falteten sich \u00fcber den flachen Handballen in Richtung seines Kopfes. Eine internationale Geste. Ich kam n\u00e4her. Fast fl\u00fcsternd sagte es: \u201eBut you can steal it!\u201c<\/p>\n<p>Ich starrte ihn kurz an, meine Augen sprangen aus meiner Stirn, das Ger\u00e4usch aus meinem Mund sollte ein Lachen sein. Er lachte warm und freundlich. Erkl\u00e4rte dann, am\u00fcsiert von meinem schockierten Blick, dass er der Inhaber des Caf\u00e9s sei und uns die Tassen gerne schenkten wolle.<\/p>\n<p>Grinsend \u00fcberbrachte ich Mandy die Nachricht. Die Zeit war &#8211; im Gegensatz zu unseren Origami-V\u00f6geln \u2013 schnell verflogen. \u201eJetzt habe ich etwas, \u00fcber das ich in meinem Blog berichten kann!\u201c Freut euch auf Sonntag, da werdet ihr vielleicht auf ihrem Blog davon lesen: https:\/\/kulturweit.blog\/mandyswonderworld\/blog\/<\/p>\n<p>(Diese \u00dcberleitung war ziemlich smooth, ich bin recht stolz darauf.)<\/p>\n<p>Im Anschluss war ich noch spontan mit dem farbenblinden Ketchup-Senf-Mensch verabredet. Als ich fragte, wo wir uns treffen wollten, woraufhin er das <em>Peroto<\/em> vorschlug, schickte ich ihm ein Foto meinem aktuellen Aufenthaltsort. Da haben wohl zwei (jetzt wohl drei) dasselbe Lieblingscaf\u00e9!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/Schokolade.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-67 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/Schokolade-300x222.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"196\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/Schokolade-300x222.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/Schokolade-1x1.jpg 1w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/Schokolade.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Zur Begr\u00fc\u00dfung streckte ich ihm eine kleine Papiert\u00fcte hin. In ihr kleine runde Gl\u00fccklichbringer, im Herzen eine Mandel<\/p>\n<p>ummantelt von weicher zart schmelzender Schokolade (Ja, falls das mit dem Studieren nichts wird, kann ich auch Pralinenverpackungen beschriften). Er lachte f\u00fcchsisch, griff sich in die Jackentasche. Wir tauschten T\u00fcten aus. Ich konnte es nicht fassen, dass er dieselbe Idee hatte! \u201eDas ist das Lustigste, was mir je passiert ist.\u201c, sagte ich. \u201eIst es nicht.\u201c, wollte er trocken sagen, konnte das Schmunzeln aber nicht unterdr\u00fccken. H\u00f6chstens Halbtrocken. (Meine Pralinen waren besser).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er die n\u00e4chste Runde Marokkanische Minze am Tresen bestellte, entdeckte ich ein Gedichtsband und war begeistert, dass das die Seite, die ich aufgeschlagen hatte, auch Tee zum Thema hatte. Ich lie\u00df ihn das Gedicht vorlesen, da mir einige der englischen W\u00f6rter unbekannt waren. Und auch er stolperte \u00fcber dieselben Begriffe. Also lasen wir es zusammen laut vor. Scheiterten zusammen daran.<\/p>\n<p>Danach spielten wir Redewendungen-Raten. Er \u00fcbersetzte ein paar Sprichw\u00f6rter ins Englische und ich \u00fcberlegte mir, in welcher Situation man es sagen w\u00fcrde und was die \u00fcbertragene Bedeutung sei. Fl\u00fcssiges Brot \u2013 Bier. Das ist wohl mein Lieblingsidiom.<\/p>\n<p>\u00dcber das Spiel kam ich auf meine Lieblingsfarbe zu sprechen, blau, und er schaute mich \u00fcberrascht und fast ersch\u00fcttert an: \u201eDas ist nicht deine Lieblingsfarbe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eRot?\u201c, fragte ich.<\/p>\n<p>\u201eNein!\u201c, seine Stimme \u00fcberschlug sich fast. Er zeigte mir, unter welchem Namen meine Nummer eingespeichert hatte.<\/p>\n<p><em>Lina geltonas. <\/em>Gelb.<\/p>\n<p>Damit hatte er mir den Ball, eher die Orange, zugeworfen, meine neuste Entdeckung mit ihm zu teilen. Orangensaft ist gar <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_1622.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-70 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_1622-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_1622-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_1622-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_1622.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_1622-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>nicht orange, sondern gelb. Er stimmte mir zu. Daraufhin zeigte ich ihm ein Foto, das ich von meiner Jacke und dem frisch gepressten Orangensaft gemacht hatte, worauf klar zu erkennen ist, dass es derselbe Farbton. Ergo war meine Jacke gelb. Ich lachte triumphierend. Ich schlug vor, dass wir als Kompromiss die Farbe meiner Jacke als eine Art <em>bescheidenes gold<\/em> bezeichnen k\u00f6nnten. Sein Nicken stimmte mir zu.<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass das Konzert, das wir besuchen wollten bald beginnen w\u00fcrde. Ich hatte noch kein einziges Lied der Band geh\u00f6rt. Unwissend, ob die Abendkasse noch zwei Tickets f\u00fcr uns hatte, traten wir ins Geb\u00e4ude. Der Laden war nur durch \u00a0gelbe Lampen an der Decke schwach beleuchtet. Der erste Sternenhimmel, den ich in Sofia sah. Drau\u00dfen wird das Licht der Himmelsk\u00f6rper von der hungrigen Sofia, die immer auch nachts nie schwarz gekleidet ist, verschluckt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/konzert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-68 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/konzert-300x223.jpg\" alt=\"\" width=\"272\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/konzert-300x223.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/konzert-1x1.jpg 1w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/konzert.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 272px) 100vw, 272px\" \/><\/a>Die Band <em>Oratnitza<\/em> besteht aus sechs jungen Bulgarischen Musiker*innen, die eine faszinierende Mischung aus bulgarischer Folklore und contemporary bass in ihren Liedern einflie\u00dfend lassen. Und sie haben sogar ein Digeridoo! Das macht die Band sofort nochmal 60% cooler! Es gab Rapeinlagen und wenn die zwei Frauen in ihren langen schwarzen Kleiner sangen, wusste ich nicht, ob es wie eine oder wie tausend Stimmen klang. Ich zeigte meiner Konzertbegleitung ein paar Moves aus der Berliner Techno-Szene, wobei ich hier leider nur als Sekundarquelle dienen konnte. So tanzten wir <em>,,Den Boxer\u201c, \u201eDen Kaktus\u201c <\/em>und<em> \u201eDen Baum\u201c <\/em>\u00a0zu bulgarischer Musik und ich in meinem rosa Balletttrikot. Er brachte mir das sogenannte \u201eFire breathing\u201c bei, bei dem zwei Mal kurz durch die Nase einatmet und anschlie\u00dfend die Luft durch den Mund ausst\u00f6\u00dft. Nach zwei Liedern mit dieser Atemtechnik und geschlossenen Augen f\u00fchlt man einen leichten Schwindel, der einer Art Trance \u00e4hnelt. \u201e \u00a0\u00a0\u00a0Why do drugs when you can do breathing?\u201c, lachte er.<\/p>\n<p>Beim letzten Lied tanzten wir in m\u00e4andernden Linien eine Art light Version von bulgarischer Folklore. Ich trat auf viele F\u00fc\u00dfe, am meisten aber auf meine eigenen. Alle Lachten und sangen. Es fiel schwer, den Rhythmus zu finden, es gab keinen, man musste ihn der Musik geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am sp\u00e4ten Nachmittag traf ich mich mit einer anderen Freiwilligen auf einen Kaffee. In freudiger Erwartung stieg ich in die Stra\u00dfenbahn. Wei\u00df-orange mit kleinen Sitzen in Zweierreihen \u00e4hnelt sie jenen bekannten aus Lissabon sehr. Doch die heutige war mit einem besonders gem\u00fctlichen Gem\u00fct ausgestattet. 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