{"id":1,"date":"2019-03-17T19:32:50","date_gmt":"2019-03-17T18:32:50","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/?p=1"},"modified":"2019-03-26T22:29:01","modified_gmt":"2019-03-26T21:29:01","slug":"hallo-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/2019\/03\/17\/hallo-welt\/","title":{"rendered":"Beinahe-Sofia in Sofia"},"content":{"rendered":"<p>Bevor ich das Licht der Welt erblickte, schwankten meine Eltern zwischen zwei weiblichen Vornamen: Sofia oder Lina sollte es werden. Ich schmunzelte etwas, als ich erfuhr, in welcher Stadt ich den Fr\u00fchling und Sommer verbringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Im S\u00fcdosten Europas &#8211; oder auch bis dato bekannt als der toten Winkel meines Bewusstseins &#8211; liegt Bulgarien. Ein Land am Meer, ein Land mit Gebirgsstacheln auf dem R\u00fccken, ein Land, dessen Hauptstadt Sofia ich f\u00fcr das kommende halbe Jahr mein zu Hause nennen werde. Dort werde ich in den kommenden Monaten meinen Kulturweitfreiwilligendienst an zwei DSD-Schulen leisten.<\/p>\n<p>Ich wurde herzlich mit warmen \u00a0L\u00e4cheln und bl\u00fchenden Orchideen empfangen, wobei\u00a0 mir augenzwinkernd mitgeteilt wurde, dass Bulgarien eigentlich f\u00fcr seine Rosen bekannt sei. Es brauchte etwas Zeit, bis ich im Labyrinth aus beigen, braunen und grauen Wohnblocks den richtigen fand. Ganz bewusst hatte ich meine Erwartungen gegen\u00fcber\u00a0 meiner zuk\u00fcnftigen Unterkunft zuvor weit nach unten geschraubt, trat dann jedoch in eine Wohnung, die charmantes Potential ausstrahlte. Sobald wie m\u00f6glich m\u00f6chte ich die noch nackten W\u00e4nde mit Postern und T\u00fcchern bekleiden, um dem Zimmer einen pers\u00f6nlichen Charakter zu verleihen.<\/p>\n<p>Der erste Tag an der Einsatzstelle:\u00a0 Aufregung, Adrenalin, Anspannung. All das war jedoch schnell verflogen, als mir wache neugierige Gesichter jeden Alters entgegenblickten. Sofort stand ich im Fragenregen, versuchte dabei selbst, m\u00f6glichst viele der Namen im Kopf zu behalten. Das sprachliche Niveau der Sch\u00fcler hat mich wirklich sehr beeindruckt. Der Akzent findet sich im angerollten \u201eR\u201c, was dem Deutschen etwas fr\u00f6hlich-h\u00fcpfendes schenkt.<\/p>\n<p>Den Nachmittag verbrachte ich im Stadtzentrum, wo ich mich kurzerhand in einem B\u00fcchercaf\u00e9 einrichtete, um ein paar Briefe zu schreib<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190312-WA0008.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190312-WA0008-300x533.jpeg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190312-WA0008-300x533.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190312-WA0008.jpeg 576w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG-20190312-WA0008-1x1.jpeg 1w\" sizes=\"(max-width: 169px) 100vw, 169px\" \/><\/a>en. Noch ist es ungewohnt, dass meine Augen die kyrillischen Lettern nur sehen und nicht verstehen. Zeichen und Klang kennen einander noch nicht. Es sind nur leere Buchstaben. Bald\u00a0 aber werde ich sie mit Worten, mit Bedeutung f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Trotz der Abschaffung der Roaming-Geb\u00fchren konnte ich leider\u00a0 nicht auf mein Datenvolumen zugreifen. So hatte ich einen wunderbaren ersten Anlass, um in Kontakt mit meinem Umfeld zu treten. Ich wurde mal in die eine, mal in die andere Richtung geschickt und drei Mal im Kreis gedreht. Irgendwann wurde mir ein Handy in die Hand gedr\u00fcckt und w\u00e4hrend das Rattern der Stra\u00dfenbahn im linken Ohr rauschte, h\u00f6rte ich mit der rechten Ohrmuschel der Stimme am <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0924.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-24 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0924-300x450.jpg\" alt=\"\" width=\"185\" height=\"278\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0924-300x450.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0924.jpg 683w, https:\/\/kulturweit.blog\/linasblock\/files\/2019\/03\/IMG_0924-1x1.jpg 1w\" sizes=\"(max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a>anderen Ende der Strippe zu, die mir auf Englisch mit starkem bulgarischen Akzent eine Wegbeschreibung lieferte. Jetzt hat sich endlich auch mal das H\u00f6rverstehen im Til-Schweiger-Stil aus der Schule ausgezahlt! Den richtigen Weg fand ich durch das Telefonat trotzdem nicht. Daf\u00fcr schenkte mir ein Blumenverk\u00e4ufer, obwohl ich mehrmals dankend ablehnte, ein Hyazinthe.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich stieg ich in den Bus mit der richtigen Nummer ein. Verlie\u00df ihn bei der n\u00e4chsten Haltestelle jedoch wieder. Merkt euch eines, Kinder: Busse fahren nicht nur in eine Richtung! \u201eSofia f\u00fcr Dummies\u201c &#8211; das k\u00f6nnte der Titel meines ersten Ratgebers werden und ich seine Protagonistin.<\/p>\n<p>Doch wie nie zuvor erkannte ich die Sch\u00f6nheit im Verlaufen. Man irrt nicht umher, man erkundet, man entdeckt. Am Ende fand auch ich den Weg zur\u00fcck. Dank freundlichen Helfern mit spannenden ersten Eindr\u00fccken von einer Stadt, die Blumen verschenkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor ich das Licht der Welt erblickte, schwankten meine Eltern zwischen zwei weiblichen Vornamen: Sofia oder Lina sollte es werden. 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