Die Verlängerung des Sommers!

Das Wochenende nach unserer ersten Arbeitswoche! Auch wenn ich zwar erst eine Woche in der Schule war, muss ich sagen, hab ich mich schon sehr aufs Wochenende gefreut. Naja, es ging dann zwar nicht so toll los, weil unser Wasser ausgefallen ist und wir samstags dann eigentlich auch nichts gemacht haben außer herumzuliegen (hatte man nach der ersten Woche aber auch sehr nötig).

Am Sonntag sind wir dann aber endlich mal ausgeschlafen aufgestanden und meine Idee war es, Mzcheta anzuschauen, das ist eine kleine Stadt vor Tbilisi mit ungefähr 8000 Einwohnern. Dort steht die bekannte Swetizchoweli-Kathedrale, die auch UNESCO Weltkulturerbe ist.
Also hinfahren wollten wir mit einer Marschrutka, so werden hier die Minibusse in Tbilisi genannt. Die Fahrt hat so ca. 25 Minuten gedauert und zwei Lari gekostet (das sind so 75 Cent).


  
Angekommen haben wir festgestellt, dass Mzcheta eine wirklich kleine Stadt ist, außer der Kathedrale und noch einer anderen Kirche gab es nur wenige kleine Straßen mit vielen Läden für Touristen/ Touristinnen, die vermutlich bei der Reise durchs Land hier nur einen kurzen Stop machen, um sich die Kirchen anzuschauen. 

Wir sind dann also als Erstes zur Swetizchoweli-Kathedrale und haben sie uns von außen angeschaut, drinnen war gerade Gottesdienst (für vier Stunden!). Danach sind wir bei dem windigen Wetter ein wenig durch die kleinen Straßen gelaufen und schnell am Ende des Ortes beim Fluss gelandet.

Jonte wollte unbedingt zu einer Kirche auf der anderen Seite des Flusses auf dem Berg und hat dann versucht, auch direkt einen Bootsfahrer davon zu überzeugen, ihn einfach rüber zu fahren. Leider hat er aber nur Bootstouren gemacht. Wir haben dann entschieden dafür eine Ruine 20 Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt zu besichtigen. Jonte ist den Hügel hochgeklettert und Klara und ich haben uns dazu entscheiden, eher den offiziellen Weg zu nehmen. 

Oben war die Sicht weit und groß. Einmal aus der Stadt rausgefahren und schon ist man überall von Hügeln und Bergen umgeben. Obwohl die Landschaft in Georgien natürlich noch woanders natürlich noch viel beeindruckender sein kann, war es schon toll, auch einmal aus dem sehr vollen Tbilisi rauszukommen.

Die Menschenmassen auf der Straße und vor allem in der Metro sind jeden Tag schon anstrengend und das ganze etwas stressig, man muss sich erst mal an die riesige Stadt gewöhnen. Den Tag in dem wirklichen „Kaff“ habe ich deswegen muss ich sagen schon sehr genossen. Wir sind dann ein bisschen in der Ruine rumgelaufen und Jonte ist noch ein bisschen auf Mauern rumgeklettert und hätte dabei fast seine Lederjacke verloren.

Nachdem wir wieder zurück in den Ort gelaufen sind, haben wir erst mal ein sehr schönes Café/ Restaurant in einem Garten direkt am Fluss ausfindig gemacht und dort sehr lecker georgisch gegessen. Dabei kamen dann auch noch Katzen vorbei, die gerne etwas von Jontes Fleisch abbekommen hätten. Wir sind im Laufe des Nachmittags dann schließlich noch in die beiden Kirchen hineingegangen, man konnte dabei leider nicht so viel sehen, weil es dort sehr voll war, aber dafür haben wir direkt mal bei mehreren Hochzeiten zuschauen können. 

Schließlich wollten wir dann auch mal so langsam zurückfahren, weil um 18 Uhr unsere erste Sprachstunde anfangen sollten und wir natürlich nicht zu spät kommen wollten. Wo die Marschrutka in dem Ort fuhren, wussten wir erst mal nicht, aber durch Nachfragen haben wir dann auch schließlich die Bushaltestelle gefunden und irgendwann kam auch ein Bus.

Wo man hier wann einsteigt und ob es richtige Haltestellen gibt, habe ich noch nicht so ganz herausgefunden, meistens stehen irgendwo Leute am Straßenrand und der Busfahrer hält einfach. 

Unsere erste Sprechstunde abends war für uns auch sehr augenöffnend. Wir hatten das georgische Alphabet zwar schon ein bisschen geübt, aber Hilfe bei der Aussprache war definitiv besser als alleine zu lernen.

Über die einzelnen Schultage gibt es von der Woche nicht wirklich viel zu berichten, meistens habe ich weiterhin einfach in den verschiedenen Klassen und Stufen geholfen, manchmal habe ich Aufgaben aus dem Buch mit den Schüler:innen besprochen oder einfach viel mit Aussprache und Satzbildung im Unterricht geholfen. 

Montag Nachmittag bin ich nach der Schule noch in ein Café gegangen und dann ein bisschen rumgelaufen durch den Stadtteil Saburtalo in dem meine Schule liegt, geprägt von eher breiten Straßen und vielen Plattenbauten. Auch wenn die alten Gebäude in Tbilisi vom ästhetischen Wert natürlich am schönsten sind, hat dieser Teil der Stadt auch etwas an sich. Feststellen muss ich jetzt schon, dass ich mich ein bisschen in die Stadt verliebt habe. Das merkt man immer, wenn man einfach nachmittags durch die Straßen spazieren oder abends im Dunkeln bei leichtem Regen rumläuft. Am besten wärs halt nur ohne die Unmengen an Autos mit dem konstanten Hupen, was hier nie aufhört. Aber das gehört zur Stadt halt irgendwie dazu.

Sonst hab ich unter der Woche nachmittags noch das Museum of Photography and Multimedia in Tbilisi angeschaut, wo es eine Ausstellung über den Angriffskrieg auf die Ukraine gab und in welcher auch die Situation der Jahre zuvor durch verschiedene Fotografien dargestellt wurde. 

Donnerstag Abend hatten wir dann noch Sprachkurs und haben endlich mal ein Verb kennengelernt, freue mich schon, meine tollen Sätze dann auch mal im Alltag einsetzen zu können. Ich meine ჩემი მეგობრები ლამაზი არიან ist schon ein schöner Satz. Mal schauen, ob mich jemand versteht.

Freitag war dann endlich wieder Wochenende, man kommt hier aber auch einfach jetzt in so einen Alltag langsam, dass die Tage unter der Woche wirklich schnell vorbeigehen. Wir wollten ja nach Batumi fahren und deswegen hab ich nach der Schule erst mal schnell meine Sachen gepackt und als die anderen kamen, sind wir dann auch schnell zum Bahnhof. Glücklicherweise war mein Platz direkt am Fenster, sodass ich für die fünfstündige Fahrt (der Zug war extrem langsam) wenigstens eine sehr schöne Aussicht hatte. Die Landschaft mit den kargen Bergen und Hügeln hatte etwas Bedrückendes, aber auch Schönes an sich. Leider wurde es dann halt auch dunkel und mit aus dem Fenster schauen war es dann aus, abends kamen wir irgendwann sehr müde an. Als Nächstes war es erst mal unser Ziel, Sofies Wohnung zu finden, was sich aufgrund von falschen Ortsangaben auf Google Maps und allgemeiner Planlosigkeit erstmal in die Länge gezogen hat.

Sehr froh, Sofie dann gefunden zu haben, sind wir erst mal in ihre Wohnung und haben unser Zeug da abgeladen, sie hatte aber leider nichts zu essen da, also sind wir direkt raus, getrieben von Hunger, um was zu Essen zu finden. Wir sind durch die Stadt gelaufen, am Meer entlang, haben uns Essen gekauft und saßen noch am Strand herum. Irgendwann sind wir dann zu Sofies Wohnung zurück, eigentlich mit dem Ziel schlafen zu gehen, sind dann am aber schon im Wohnzimmer eingepennt.

Samstag hatten wir das Ziel, den botanischen Garten von Batumi zu besuchen, das war der Ort, den ich dort am liebsten sehen wollte. Batumi selbst ist nicht wirklich schön zum Anblicken, die Stadt ist stark durch Touristen/ Touristinnen geprägt, aber der botanische Garten hat sich schon gelohnt. Wir sind dort erst mit dem Taxi hingefahren und durch den sehr großen Park gelaufen. Am Ende waren wir so müde, dass wir noch ein bisschen am Strand rumlagen.


Abends sind wir dann in Batumi Essen gegangen, Georgisch wie immer. Nach so viel Chatschapuri haben wir aber mal entschieden, ne Pause davon zu machen. Danach haben wir Schüler:innen aus Sofies Schule aus der 12. Klasse getroffen, mit denen sie sich angefreundet hat. Wir sind noch zusammen in eine Bar gegangen, waren aber alle vom Vorabend noch so müde, dass wir relativ früh gegangen sind. Sonntag haben wir nur den Hausstrand in Batumi direkt besucht und waren dann noch für die Zugfahrt Snacks einkaufen. Sofie hat abends einen Zug früher genommen, weil der andere ausverkauft war. Sie kam für Montag und Dienstag noch mit nach Tbilisi, weil am Montag den dritten Oktober ein Empfang von Seiten der deutschen Botschaft war. Abends kamen wir offensichtlich mal wieder übermüdet und fertig in unserer Wohnung in Tbilisi an und über die Tage danach berichte ich nächstes Mal, wenn ich’s noch schaffe. 

Bis bald und ნახვამდის!


Ein Gedanke zu „Die Verlängerung des Sommers!“

  1. Toller Bericht, liebe Lilofee, ich freue mich von deinen Erlebnissen zu lesen und wünsche dir weiterhin eine gute Zeit. Herzlichste Grüße Geli

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