{"id":194,"date":"2017-09-28T16:28:13","date_gmt":"2017-09-28T14:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/lichterkettenmusik\/?p=194"},"modified":"2017-09-28T16:28:13","modified_gmt":"2017-09-28T14:28:13","slug":"ein-paar-letzte-dinge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/lichterkettenmusik\/2017\/09\/28\/ein-paar-letzte-dinge\/","title":{"rendered":"Ein paar letzte Dinge"},"content":{"rendered":"<p>Lange herrschte Stillschweigen<\/p>\n<p>Statt euch am Anfang des Eintrages in zu kurzer Form zu erkl&auml;ren, wieso ich mich jetzt, nach &uuml;ber einem halben Jahr erst wieder, bzw. &uuml;berhaupt noch melde, fange ich lieber an dem Punkt an, wo ich stehen geblieben bin. Meiner R&uuml;ckkehr nach \u010crnomelj.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein letzter Monat. 31 letzte Tage. 744 letzte Stunden und 44.640 letzte Minuten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>LETZTE GESPR&Auml;CHE<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich an den 9. Januar zur&uuml;ck denke, w&uuml;rde ich behaupten gest&auml;rkt und gefasst in den Flieger nach Zagreb gestiegen zu sein. Leider hat sich meine Hoffnung von einem positiven Abschluss des, f&uuml;r mich gescheiterten Projekts kulturweit, wieder ziemlich schnell verfl&uuml;chtigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;Zu Hause hatte ich schon mit jemandem von <strong>kulturweit<\/strong> gesprochen, um zu erfahren, was denn eigentlich meine M&ouml;glichkeiten sind. Ein f&uuml;r mich sehr emotionales Gespr&auml;ch, bei dem ich mich zu schnell abgewickelt gef&uuml;hlt habe &ndash; <em>kann man das so sagen? Ich glaube schon. Gemeint ist auf jeden Fall, dass ich das Gef&uuml;hl hatte, meine Situation wurde nicht ganz so ernst genommen, wie sie es verdient h&auml;tte<\/em> &ndash;. Meine M&ouml;glichkeiten bestanden dann also darin<\/p>\n<ol>\n<li>A) komplett abzubrechen und damit nicht nur keine Bescheinigung vom FSJ im Ausland zu bekommen sondern auch noch alle erhaltenen finanziellen Leistungen von Kulturweit zur&uuml;ckzahlen zu m&uuml;ssen. (Soweit ich mich erinnere spielen da auch Krankenkassenversicherung und Kindergeld mit rein.) Die zweite Variante<\/li>\n<li>B) war, dass ich das FSJ nicht abbreche sondern &bdquo;nur&ldquo; verk&uuml;rze, von zw&ouml;lf auf sechs Monate. Die einzigen Bedingungen, die hieran gekn&uuml;pft waren: das schriftliche Einverst&auml;ndnis von der Schule, so wie von A. und die Kosten&uuml;bernahme der R&uuml;ckreise. H&ouml;rt sich erstmal gut und in den Ohren des ein oder anderen vielleicht sogar fair an.<\/li>\n<\/ol>\n<p>ABER: Was wenn ich es nicht bis zum Ende ausgehalten h&auml;tte, gesundheitliche? Was wenn ich mein Einsatzland nicht mit dem Flixbus h&auml;tte verlassen k&ouml;nnen, sondern einen kurzfristigen Flug um die halbe Welt h&auml;tte buchen m&uuml;ssen?<\/p>\n<p>Ich hatte Gl&uuml;ck, bei mir war das nicht der Fall. Aber es kann mir keiner erz&auml;hlen, dass nicht auch Freiwillige in Afrika, S&uuml;damerika oder Asien Probleme bekommen k&ouml;nnen und fr&uuml;her Ausreisen wollen oder m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem Wissen und den aufbauenden Gespr&auml;chen mit meinen Eltern stand die Entscheidung &nbsp;jedenfalls fest und musste A. nur noch mitgeteilt werden. Und dieses Gespr&auml;ch war die Kirsche auf der Sahnehaube eines Eisbechers, den ich als Fassungslosigkeit schlechthin und dem Wunsch dass es nicht wahr sein darf, beschreiben w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Mit aufgeschriebenem Konzept, respektvoll formulierten Argumenten und der Hoffnung, das alles doch noch irgendwie gut wird &ndash; <em>naiv, ich wei&szlig;<\/em> &ndash; bin in das Gespr&auml;ch mit A. gegangen.<\/p>\n<p>Verlaufen ist das Gespr&auml;ch, weniger zufriedenstellend, auch wenn das Ergebnis ein unterschriebener Antrag auf Verk&uuml;rzung des Freiwilligendienstes war. Ohne alles wiederzugeben, was, meiner Meinung nach, falsch gelaufen ist in dieser Konversation, m&ouml;chte ich nur die folgende Situation n&auml;her beschreiben:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich: Wieso hast du mich nicht gefragt, was los ist, wenn du doch gemerkt hast, dass es mir nicht gut geht?<\/p>\n<p>A: Ja das habe ich gemerkt, da habe ich auch mit XY dr&uuml;ber gesprochen.<\/p>\n<p>Ich: Ja. Aber wieso hast du mich nicht drauf angesprochen?<\/p>\n<p>A: Das ist doch deine Sache.<\/p>\n<p>Die Worte m&ouml;gen zwar nicht exakt so gefallen sein, der Sinn war aber der gleiche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Getoppt wurde mein Gespr&auml;ch mit A. aber noch von dem sehr kurzen, aber daf&uuml;r umso unglaubw&uuml;rdigerem Gespr&auml;ch mit dem Zust&auml;ndigen von der <strong>Zentralstelle f&uuml;r das Auslandsschulwesen<\/strong> <strong>(ZfA)<\/strong>.<\/p>\n<p>In einer Mail von ihm, die den sp&auml;teren Verlauf des Gespr&auml;ches in keiner Weise erahnen lie&szlig;, wurde ich um ein telefonisches Gespr&auml;ch gebeten, da er meine Blog-Eintr&auml;ge gelesen hatte und diese aus ernst nehmen wollte. Durch seine Worte &bdquo; Auf irgendeine Weise m&uuml;ssen wir das Problem kl&auml;ren, notfalls auch mit einem Abbruch des Einsatzes in \u010crnomelj. Bitte verlieren Sie nicht den Mut.&ldquo; habe ich erwartet, dass ich, vor allem aber auch meine Probleme die ich hier habe, endlich ernstgenommen werden<em>. FAAAAAAAAAAAAAALSCH GEDACHT, schon wieder<\/em>.<\/p>\n<p>Denn letztendlich war das einzige, was er mir mitteilte, dass er mich nicht verstehen k&ouml;nne, ich mit meiner Einsatzstelle und ganz besonders mit meiner Ansprechpartnerin gro&szlig;es Gl&uuml;ck h&auml;tte und ich immer mit ihr reden k&ouml;nnte wenn es Probleme g&auml;be. Da diese Aneinanderreihung von W&ouml;rtern direkt nach meiner Aussage, in welcher ich meine Probleme mit A. geschildert hatte, fielen, konnte ich sie erst nicht wirklich glauben, von ernst nehmen gar nicht zu sprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine derzeitigen Gef&uuml;hle in Kombination mit der Aussicht noch Wochen dableiben zu m&uuml;ssen, haben die Erleichterung der Best&auml;tigung des Antrags auf eine Verk&uuml;rzung der Dienstzeit um ein wesentliches geschm&auml;lert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EINE LETZTE WUT<\/p>\n<p>Die Wut &uuml;ber die allmorgendliche Frage von A., wie es mir denn gehe und was ich am Wochenende sch&ouml;nes gemacht h&auml;tte.<\/p>\n<p>Die folgenden Worte m&ouml;gen sich hart anh&ouml;ren, aber ich habe es genauso empfunden: verlogen. Ich dachte mir nur &bdquo;<em>Krass. Wie kann man so verlogen sein und ganz unscheinbar, als w&auml;re alles in bester Ordnung fragen wie es mir geht und erwarten eine echte Antwort zu erhalten, wenn die Tatsache, dass es mir echt schlecht ging vor ein paar Tagen, noch komplett meine alleinige Sache war<\/em>.&ldquo;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und weil im Kleinen Gro&szlig;es immer schnell die Runde macht, wussten auch bald einige der Kollegen im Lehrerzimmer &uuml;ber meine fr&uuml;hzeitige Abreise Bescheid. Einige haben mich darauf angesprochen, auch wenn sie vorher noch nie ein Wort mit mir gewechselt haben, und wollten wissen Wieso? Weshalb? Warum? Ich habe versucht so ehrlich wie m&ouml;glich zu antworten, ohne irgendjemanden dabei den schwarzen Peter zuzuschieben. Als Antwort bekam ich meistens einen mitleidigen Blick und einen Kommentar der in die Richtung &bdquo; Ja. Wenn man aus einer gro&szlig;en Stadt kommt, dann kann es schon mal schwierig werden, hier auf dem Land.&ldquo;&nbsp; Und jedes Mal dachte ich mir &bdquo;<em>Danke. Es ist ja nicht so, als h&auml;ttest du versucht es mir hier irgendwie zu erleichtern<\/em>.&ldquo;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>EIN PAAR LETZTE SCH&Ouml;NE MOMENTE<\/p>\n<p>Da waren zum Beispiel die wenigen Stunden, die ich zusammen mit den beiden Freiwilligen aus Ljubljana verbracht habe. Die &uuml;ber 15 &euro; teuren und insgesamt&nbsp; f&uuml;nfst&uuml;ndigen Zugfahrten in die Hauptstadt haben sich schon alleine deshalb gelohnt, um einfach mal aus \u010crnomelj rauszukommen. Um nicht vollst&auml;ndig zu verzweifeln. &ndash; <em>Es mag sich unheimlich melodramatisch anh&ouml;ren, an der ein oder anderen Stelle. Aber ich glaube zu dem Zeitpunkt habe ich viele Dinge extremer wahrgenommen und st&auml;rker empfunden<\/em>. &ndash; &nbsp;Danke an euch beiden, Frederike und Jakob. Ich glaube ihr habt mir mehr geholfen als euch, aber auch mir bewusst war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit einem der Sch&uuml;ler, Miha, aus der zweiten Klasse (vgl. elfte Klasse des dt. Schulsystems) habe ich mich ziemlich gut verstanden und als ich ihm erz&auml;hlt habe, dass ich fr&uuml;her gehe und warum, hat ihn das auch etwas w&uuml;tend gemacht. Und so bl&ouml;d es sich auch anh&ouml;ren mag, aber dieses kleine St&uuml;ck Verst&auml;ndnis und Nachempfinden meiner Situation und Emotionen, hat mich in dem Moment gl&uuml;cklich gemacht.<\/p>\n<p>Was wirklich toll war, zum Abschluss habe ich mit ein paar Sch&uuml;lern und Sch&uuml;lerinnen aus Mihas Klasse etwas zusammen gekocht. Das war ein wirklich sch&ouml;ner Nachmittag. Und an meinem vorletzten Tag sind wir alle zusammen nach der Schule noch eine hei&szlig;e Schokolade trinken gegangen. Das war ein sch&ouml;ner Abschluss f&uuml;r mich.<\/p>\n<p>Auch wenn dieser am n&auml;chsten Tag etwas dadurch geschm&auml;lert wurde, dass ich &ndash; <em>mal wieder<\/em> &ndash; von einer Sch&uuml;lerin, mit der ich mich etwas austauschen wollte, weil sie die Schule gewechselt hat, versetzt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>DAS LETZTE WORT : DANKE<\/p>\n<p>Obwohl sich die Tage davor alles in mir gegen einen &bdquo;netten Abschied&ldquo; von A. gestr&auml;ubt hat, waren meine letzten Worte an sie ein &bdquo; Dankesch&ouml;n&ldquo;.<\/p>\n<p>Zum einen, weil ich glaube, dass mir selbst ein &bdquo;nicht sch&ouml;ner&ldquo; Abschied nicht gut getan h&auml;tte, auch wenn ich lange lange das Bed&uuml;rfnis in mir gesp&uuml;rt habe, ihr einmal richtig die Meinung zu geigen. Und zum anderen, weil ich mir nicht sicher war, dass das alles gewollt war. Weil irgendwo hat sie sich ja bem&uuml;ht. Auch wenn das Ganze nicht wirklich gut ausgegangen ist, war es so wie es ausging bestimmt nicht geplant.<\/p>\n<p>Und zeigt es nicht auch ein St&uuml;ck weit St&auml;rke in den letzten Worten das hervorzuheben, was positiv, oder wenigstens vermeintlich positiv war?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange herrschte Stillschweigen Statt euch am Anfang des Eintrages in zu kurzer Form zu erkl&auml;ren, wieso ich mich jetzt, nach &uuml;ber einem halben Jahr erst wieder, bzw. &uuml;berhaupt noch melde, fange ich lieber an dem Punkt an, wo ich stehen geblieben bin. 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