Ferienkatzen oder Katzenferien?

 

 

Paşte fericit, Frohe Ostern. Hier in Rumänien feiert man die Auferstehung Jesu gleich zweimal; zunächst am christlichen und danach am orthodoxen Ostersonntag, je nachdem. Obwohl man dazu sagen muss, dass die orthodoxen Osterfestlichkeiten drei Tage lang andauern. Über achtzig Prozent der rumänischen Bevölkerung ist rumänisch- orthodox und man merkt, dass die Religion hier oft eine sehr wichtige Rolle spielt. Die Kirchen sind sonntags bis zum Bersten gefüllt, oft stehen die Menschen sogar davor. Diesen Ostersonntag allerdings war es besonders beeindruckend. Am Ende meiner Straße befindet sich eingezwängt zwischen einem Supermarkt und einem Häuserblock eine kleine Kirche. Zu hunderten strömen die Menschen um Mitternacht dorthin, zünden ihre Kerzen an und feiern über Stunden die Heiligen Messe. Jung und Alt kommen zusammen, alle aus dem selben Grund, still in ihr Gebet versunken oder gebannt der Liturgie lauschend. Im Kirchenschiff selbst gibt es kaum Stühle, die Menschen stehen eng aneinandergedrängt und blicken erwartungsvoll nach vorne, der Hof ist voller Leute, sogar bis auf die Straße stehen sie noch, das Licht der vielen hundert Kerzenflammen spiegelt sich warm in ihren Augen.

Im Moment darf auch ich die zwei Wochen Osterferien genießen, das Wetter ist freundlich und alles ganz entspannt. In den ersten Tagen habe ich auf die beiden Katzen meiner Kollegin aufgepasst und durfte dafür während dieser Zeit in ihrer Wohnung mitten im armenischen Viertel in der Altstadt wohnen. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass das Viertel verwunschen war, die Gebäude wirken teilweise so als seien sie in einer anderen Zeit eingeschlafen, als wären sie vor Jahren in einen tiefen Schlummer gesunken und niemand hätte sie seitdem aufgeweckt. Alte armenische Handelshäuser, wunderschöne verfallene Fassaden und mit Efeu und Blauregen bedeckte Hauswände säumen den Straßenrand. Es ist ruhig, außer auf den Hauptverkehrsadern fahren weniger Autos als ich es ansonsten gewohnt bin. Die Zeit dort war herrlich, allerdings bin ich wirklich ganz froh nicht dauerhaft alleine zu wohnen. Unter anderem ist auch mein Handy kaputt gegangen und das wie immer im unpassendsten Moment überhaupt: Ich musste mit der einen Katze zum Tierarzt und hatte verstanden, dass ich dort einen Termin um elf Uhr vormittags hatte. Meine Kollegin hatte mir vorher noch per Whatsapp die Adresse geschickt, alles garkein Problem, ich habe zuhause alles fertig gemacht, die Bettwäsche noch gewaschen und die Katze beruhigt. Blöderweise war das Leintuch schwarz, genau wie mein Handy eben auch. Ich glaube das Ende vom Lied kann sich dann jeder, der mich ein bisschen besser kennt, recht gut selbst denken… die eineinhalbstündige Dusche hat das gute alte Ding dann leider nicht mehr überstanden. Dummerweise war dann auch die Adresse der Tierärztin ‚mitgewaschen‘ worden und ich bin panisch zurück in die WG gefahren, um die Katzenbesitzerin vom Handy meiner Mitbewohnerin aus anzurufen. Zum Glück war dann alles kein Problem, der Katze geht es auch gut und alles ist Friede Freude Eierkuchen. Aber ein kleines Abenteuer war das schon. Jetzt lerne ich erst einmal die Unerreichbarkeit zu genießen.

Dafür bleibt jetzt viel mehr kreative Freizeit übrig. Mit meinen Mitbewohnerinnen habe ich mich abends bei einem Glas Wein und dunkler Schokolade zusammengesetzt, wir haben unsere Malutensilien zusammengeschmissen und bei langen Gesprächen und guter Musik die Küchenwand mit unseren Bildern tapeziert. Auch mein Zimmer füllt sich so langsam mit Farbe und meinen verzerrten Zeichnungen. Die letzten Tage bestanden rückblickend aus Katzen, Kunst, Yoga mit meinem Mitbewohner, Barhopping und tanzen (bzw. „Rampensau sein“, wie mein Tanzstil so liebevoll genannt wurde) und spannenden Gesprächen, Parkspaziergängen mit meiner Mitfreiwilligen und ganz viel Sonne. PS: Nächste Woche reise ich mit zwei Mädels für ein paar Tage nach Cluj-Napoca.

Im Gesamten ist allerdings so viel passiert, dass es mir ein bisschen schwerfällt alles im Detail aufzuschreiben und die Gedanken zu ordnen. Meine Mitfreiwillige und ich sitzen in unserem Lieblingscafé am Parcul Cismigiu, eine Oase abseits der belebten Straßen, ein kleiner Ort zum Innehalten. Wir sind hier oft, trinken ein Bierchen und lesen. Die Sonne verkriecht sich langsam hinter der steinernen Fassade des verschachtelten Gebäudes neben uns und ich glaube, dass ich langsam meinen Laptop zuklappen und es bei diesem Eintrag belassen werde. Langsam wird es still hier im Hinterhof des kleinen Cafés, außer uns sitzen nur noch zwei Pärchen draußen und ein paar Katzen streifen mit zuckenden Schwänzen um die hölzernen Tischbeine, unsicher ob hier ein guter Platz zum Raufen ist oder sie vielleicht doch lieber weiterziehen sollten. Auf den Dächern gurren die Tauben, ganz benebelt von ihren Frühlingsgefühlen, und eine kleine angenehme Brise läutet den frühen Abend ein. In Bukarest fühle ich mich manchmal ein bisschen wie ein Schatzsucher, die schönsten Orte sind nicht immer leicht zu finden. Aber wenn man ein bisschen hinter die Kulissen schaut und sich auf die Suche macht, dann hat Rumäniens Hauptstadt so einiges zu bieten.

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