Vorher und Nachher

Vor dem Seminar

  1. März 2019 (9:25) in irgendeinem kleinen Berliner Café

Ich sitze mit einem Chai Latte in einem kleinen Café und habe noch ein paar Stunden Zeit, bevor ich am Hauptbahnhof von den kulturweit-Shuttlebussen für unser Vorbereitungsseminar aufgegabelt werde. Dass es jetzt tatsächlich losgeht realisiere ich irgendwie noch nicht so ganz. So lange habe ich auf diesen Tag gewartet, habe während der Vorbereitungszeit eine ganze Bandbreite an verschiedensten Emotionen empfunden und trotzdem lag alles immer noch in weiter Ferne.

Wie ich mich jetzt gerade fühle? Natürlich war der Abschied von meiner Familie und meinen Freunden alles andere als einfach. Das schöne ist aber, dass ich wirklich immer von allen Seiten in meinen Vorhaben unterstützt und ermutigt wurde und auch wenn oft ein bisschen geschmunzelt wurde, wenn ich von meinem Reiseziel Rumänien erzählt habe, bin ich doch immer wieder auf interessierte Gesichter gestoßen. Ich selbst bin mehr als gespannt auf meinen Aufenthalt dort. Während meiner Vorbereitung hat mich die Neugierde über das osteuropäische Land und seine kontrastreiche Hauptstadt von Tag zu Tag mehr gepackt. Bukarest selbst ist sogar noch eine recht junge Stadt, denn obwohl das Gebiet schon lange Zeit von verschiedensten Volksgruppen wie Römern, Bulgaren und Slawen besiedelt war, erfolgte seine erste urkundliche Erwähnung erst 1459 durch den walachischen Fürst Vlad Ţepeş. Über die Jahrhunderte hinweg wurde die Stadt dann immer wieder von verschiedensten Herrschern eingenommen, die sich sowohl in Kultur als auch in ihrer Regierungsstrategie enorm unterschieden. So ist das Stadtbild anscheinend noch heute von diversen Architekturstilen und kulturellen Einflüssen geprägt und zeichnet sich wohl durch seine interessanten Kontraste aus. Ich bin wirklich gespannt, dass alles selbst entdecken und fühlen zu dürfen. Zugegebenermaßen bin ich aber trotzdem unglaublich aufgeregt. Ich werde das nächste halbe Jahr in einem mir völlig unbekannten Land verbringen ohne wirklich die Sprache zu beherrschen und die Sitten und Gegebenheiten vor Ort zu kennen. Auch auf meine Mitbewohner und meine Einsatzstelle, die Deutsche Schule in Bukarest, bin ich wahnsinnig neugierig. Wohnen werde ich in einer kleinen WG mit drei anderen Leuten im Sector 2; das erste Mal, dass ich weder bei meiner eigenen noch in einer Gastfamilie lebe.

Je näher der Zeitpunkt des Treffens mit den anderen Freiwilligen für das Seminar rückt, desto präsenter wird das mulmige Gefühl in meinem Bauch. Was kommt auf mich zu? Werde ich alle gestellten Aufgaben erfüllen können? Ich frage mich, welchen Menschen ich begegnen und was für Gespräche ich führen werde. Am besten lasse ich es einfach auf mich zukommen und werfe mich mit Haut und Haaren ins kalte Wasser, denn damit habe ich in der Vergangenheit immer die intensivsten und schönsten Erfahrungen gemacht. Ich stehe auf, trinke meine Tasse leer und lasse mich von meinem Leben ein bisschen überraschen.

 

Nach dem Seminar

  1. März 2019 (14:46) am Flughafen Wien

Wahnsinn, zehn unglaublich intensive, emotionale und auf eine positive Art herausfordernde Seminartage liegen nun hinter mir. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, die ganzen anderen Freiwilligen jetzt erst wieder in ein paar Monaten oder auch gar nicht mehr wiederzusehen. Wir haben gemeinsam diese Zeit erlebt, haben viel gelacht, diskutiert und viele viele Fragen gestellt und jetzt wird jeder seinen Weg gehen. Das Schöne aber ist, dass ich in Bukarest nicht die einzige Freiwillige, sondern wir zwei Mädels an unterschiedlichen Schulen sein werden. Ich habe das Glück, mich mit meiner Mitfreiwilligen super gut zu verstehen und ich freue mich echt auf die kommende Zeit mit ihr.

 

Hier in Wien habe ich jetzt vier Stunden Aufenthalt bevor mein Flug weiter nach Otopeni Bukarest geht, wo ich dann netterweise von der Grundschulleiterin abgeholt werde. Mein erster Flug ist reibungslos verlaufen, ich habe in Tegel sogar noch einmal meine Mitfreiwillige getroffen. Allerdings habe ich mich irgendwie unglaublich klein gefühlt als ich aus dem Flieger ausgestiegen und auf das moderne schwarze Gebäude des Wiener Flughafens zugelaufen bin. Klein, weil etwas so Großes vor mir liegt. Etwas, auf das ich mich eingelassen habe, obwohl ich nicht weiß was mich erwarten wird. Ich muss mir gerade wiederholt ins Gedächtnis rufen, dass es eigentlich genau das ist, was ich unbedingt wollte, ein Sprung ins kalte Wasser, Unerwartetes, Neues. Dass die schönsten Abenteuer immer nur dann entstehen, wenn man den letzten Schritt aus seiner Komfortzone wagt.

Genau das habe ich getan, und auch wenn ich mich jetzt gerade hier auf dem qietschgrünen Ledersessel an meinem Gate ein bisschen so fühle, als hätte ich mir selbst den Boden unter meinen Füßen weggezogen, freue ich mich auf die kommende Zeit. Ich blicke durch die Glasfassade des Flughafens auf die abhebenden und landenden Flugzeuge aus aller Welt und frage mich, ob es wohl den Menschen darin vielleicht auch ein bisschen so geht wie mir.

 

Impressionen aus dem Seminar

Zeichnen und gezeichnet werden
Sonnenuntergang am See

 

4 Gedanken zu „Vorher und Nachher“

  1. Das klingt ja wahnsinnig spannend! Ich wünsche dir ganz wahnsinnig viel Glück und bin gespannt was du noch alles erleben und erzählen wirst!

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