{"id":467,"date":"2021-04-13T15:55:03","date_gmt":"2021-04-13T13:55:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/lebeninathen\/?p=467"},"modified":"2021-04-13T22:36:58","modified_gmt":"2021-04-13T20:36:58","slug":"6-monate-fazit-und-halbzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/lebeninathen\/2021\/04\/13\/6-monate-fazit-und-halbzeit\/","title":{"rendered":"6 Monate Fazit und Halbzeit"},"content":{"rendered":"<p>Sind echt schon 6 Monate vergangen? Diese Frage stelle ich mir \u00f6fters. Eigentlich kann es gar nicht sein und ist so unreal. Doch es stimmt. Zumindest wenn ich auf das aktuelle Datum schaue. Heute ist der 2. April und sp\u00e4testens am 26. August werde ich zuhause vor dem Computer sitzen und Zeit haben, \u00fcber alles nachzudenken. Aber an zuhause und das Ende des Freiwilligendienst will ich jetzt noch nicht nachdenken. Ich m\u00f6chte eher an die letzten 6 Monate denken und an die Erinnerungen, die ich in Athen sammeln durfte.<\/p>\n<p>Zu Beginn, als ich im Oktober ankam, war alles neu, es war warm und wir Freiwilligen sind quasi aus dem kalten, regnerischen Deutschland ins warme Griechenland geflogen. Es war noch ein Sommerfeeling und war total cool. Schon nach ein paar Tagen allerdings die eiskalte Realit\u00e4t und eine Woche Quarant\u00e4ne, weil eine Freundin als Kontaktperson ermittelt wurde. Im Nachhinein nur ein paar Tage, die schnell vergangen sind. Allerdings war es noch so eine freie und uneingeschr\u00e4nkte Zeit, die nicht mehr zur\u00fcckgekommen ist. Nach der Quarant\u00e4ne haben wir die ersten Ausfl\u00fcge gemacht und uns kennengelernt. Auf einer Insel, der Akropolis, dem Ymittos und dem Lykabettos. Ich konnte zum ersten Mal die Gr\u00f6\u00dfe der Stadt von oben sehen und war schwer beeindruckt. Ich durfte gegen Ende Oktober nach einem negativen Corona Test auch endlich in die Schule und die Kinder kennenlernen. Ich hatte nicht so viel zu tun, aber trotzdem war alles neu und sehr ungewohnt. Alle sprechen Griechisch und es gibt kaum Lehrer, die mich verstehen. Ich bekam Namensschilder, um die Kinder kennenzulernen und gab mein Bestes.<\/p>\n<p>Doch schon etwa 2 Wochen sp\u00e4ter begann der erste harte Lockdown. Aus mit der Freiheit und rein in den tristen, langweiligen Alltag mit Online-Unterricht. In den ersten Tagen und Wochen wussten wir nicht so genau, was wir d\u00fcrfen und sind vor allem zu Hause geblieben. Pl\u00f6tzlich musste man sich Zettel schreiben, wenn man das Haus verl\u00e4sst und den Personalausweis immer dabei haben. Damals dachte ich nat\u00fcrlich, dass das nur kurzfristig ist und man diese Zettel nicht lange braucht. Doch auch jetzt im April braucht man sie immer noch.<\/p>\n<p>Ich habe angefangen kleine Ausfl\u00fcge auf H\u00fcgel in meiner N\u00e4he zu machen wie den Philopappou. Das lag daran, dass ich online nur zwei Stunden t\u00e4glich hatte und damit so viel Freizeit. Ich wusste nicht, was ich mit der ganzen freien Zeit anfangen sollte. Besonders im November, da ich die Stadt noch nicht so gut kannte und auch nicht die anderen Freiwilligen, war mir oft langweilig und mir ist die Decke auf den Kopf gefallen.<\/p>\n<p>Im Dezember ging es so weiter, dass wir zusammen hin und wieder am Wochenende einen Ausflug gemacht haben, zum Beispiel zum Stavros in der N\u00e4he oder zum Strand. Zu dieser Zeit war das Wetter aber nicht so sch\u00f6n, es war meistens relativ warm (bis zu 20 Grad zum Teil) aber viele, dicke Wolken. Der Online-Unterricht hat mich total genervt und ich konnte einfach sehr wenig machen und habe deswegen weiterhin viele kleine Ausfl\u00fcge unter der Woche gemacht.<\/p>\n<p>An Weihnachten war dann unser Ziel wegfahren zu k\u00f6nnen. Die Regeln waren stabil und wir gingen ein kleines Risiko ein und buchten eine Wohnung etwa eine Stunde von hier entfernt. Dort verbrachten wir sch\u00f6ne Weihnachtstage am Meer, gingen mehrmals baden und konnten wundersch\u00f6ne Sonnenunterg\u00e4nge bestaunen. Es waren nur ein paar Tage, aber in diesen kochten wir was das Zeug hielt und hatten viel Spa\u00df zusammen.<\/p>\n<p>Die Weihnachtsferien waren nach Weihnachten noch nicht vorbei und wir machten einige Ausfl\u00fcge, zum Beispiel wanderten wir 700 H\u00f6henmeter bis auf den Gipfel des Ymittos. Das war ein Erlebnis und diesen Blick werde ich nicht so schnell vergessen.<\/p>\n<p>Das neue Jahr begann mit einer sehr guten Nachricht: die Schulen \u00f6ffneten am 11. Januar nach etwa 2 Monaten wieder. Wir alle freuten uns unglaublich und gingen mit viel Freude in die Schule. Es gab Neujahrskuchen und jeder freute sich \u00fcber die neu gewonnene Freiheit. Wieder rausgehen, etwas zu tun zu haben und die Kinder zu sehen. Am 18. Januar hat sogar der Einzelhandel wieder ge\u00f6ffnet und ich war in dieser ersten Woche viermal in der Stadt und habe mir ein paar neue Sachen gekauft. Das Gef\u00fchl wieder einkaufen zu gehen war richtig krass. Ich konnte es kaum glauben und habe es nat\u00fcrlich ausgenutzt.<\/p>\n<p>Was uns da schon ein Dorn im Auge war: das Zwischenseminar vom 25-29. Januar. Wir alle wussten, dass es eine Woche sein kann, die wir verpassen, wenn die Schulen bald wieder schlie\u00dfen sollten. Das war Anfang Januar bereits klar, dass es wenige Wochen sein werden, bis die Schulen schlie\u00dfen. Deswegen habe ich vom Zwischenseminar keine so guten Erinnerungen, da ich raus wollte und die letzten Wochen genie\u00dfen. Stattdessen sa\u00dfen wir alle zuhause und h\u00f6rten den ganzen Tag zu und redeten hin und wieder mal. Es war ein bisschen entt\u00e4uschend, dass es so bl\u00f6d lag.<\/p>\n<p>Diese Vorahnung best\u00e4tigte sich dann auch. Am 10. Februar war unser bis dahin letzter Schultag. Auch wenn es doch irgendwie klar war, dass die Schulen bald schlie\u00dfen, so kam es doch so pl\u00f6tzlich. Erst wenige Tage zuvor kamen die ersten Ger\u00fcchte auf und dann wurde schon entschieden, dass die Schulen \u00fcbermorgen zu sind. Das war erstmal sehr schade, denn schon damals war nicht klar, wann die Schulen wieder \u00f6ffnen werden. Am Anfang dachte ich, dass sie sp\u00e4testens Anfang April wieder \u00f6ffnen, doch daran ist bisher immer noch nicht zu denken.<\/p>\n<p>Der weitere Online-Unterricht war der gleiche wie im November\/Dezember. Ich hatte wieder nur zwei Stunden t\u00e4glich und hatte ein bisschen das Gef\u00fchl, dass ich mich nur schwer einbringen kann. Egal was ich versucht habe, bekam ich nur wenige Aufgaben. Deswegen war ich sehr an dem Projekt interessiert.<\/p>\n<p>Wir haben Anfang Februar mit unserem Freiwilligenprojekt begonnen. Daf\u00fcr haben wir eine Stellenausschreibung gemacht und schlie\u00dflich Gruppen von Sch\u00fclern aus vielen L\u00e4ndern zusammengemischt. Mit diesen sprechen wir jetzt jede Woche \u00fcber ein bestimmtes Thema. Die meisten hatten ihre Pr\u00fcfungen (D1-Pr\u00fcfung) mittlerweile auch schon, Ende M\u00e4rz etwa und daf\u00fcr haben wir sie vorbereitet. Wir selbst haben auch viele neue Erfahrungen gemacht, neue Leute und L\u00e4nder kennengelernt. Das hat viel Spa\u00df gemacht und war zum Teil sehr lustig.<\/p>\n<p>Diese zweite Lockdownphase in Griechenland war anders als die erste. Zuerst hat es Mitte Februar geschneit und\u00a0 es gab \u00fcberall in Athen Schnee, die Busse und Metros sind nicht mehr gefahren und es war sehr chaotisch. Vereinzelnd haben die Menschen Schneeketten auf die Sommerreifen gemacht oder den Gehweg mit Wasser (!!!) abgespritzt. Schneeschaufel oder Winterreifen sind hier Fehlanzeige. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass die meisten Menschen ihre Autos stehen gelassen haben oder einfach zuhause geblieben sind. Wir sind an einem Tag in den Norden gefahren, der noch viel schneereicher war und dort hatten wir unseren Spa\u00df in den Schneemassen. So viel hat es selbst in Deutschland bei mir zuhause lange nicht geschneit.<\/p>\n<p>Ansonsten war das Wetter schnell wieder warm und besser als noch im November. Wir Freiwillige kannten uns untereinander besser, wir kannten die Stadt besser und so fuhren wir oft an den Strand, der nur etwa 30 Minuten entfernt ist. Da konnte man sich schon im M\u00e4rz sonnen und schwimmen gehen. Das Wasser war sehr kalt, aber gerade deswegen machte es viel Spa\u00df. \u00a0Ansonsten sahen wir wundersch\u00f6ne Sonnenunterg\u00e4nge beim Panathinaiko-Stadion oder auf dem Philopappou. Die eine oder andere Fahrradtour war auch dabei, denn mit den Fahrr\u00e4dern sind wir sehr schnell am Meer und mit den neuen Corona-Regeln ist das zumindest legal. Denn seit Mitte Februar darf man sich eigentlich nicht mehr wirklich bewegen, aber das ist mir eigentlich egal. Ich bin schlie\u00dflich nicht hier, um in meiner Wohnung zu sitzen und nichts zu machen. Das k\u00f6nnte ich in Deutschland machen, aber nicht in Athen.<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz hat uns auch leider eine Mitfreiwillige nach den 6 Monaten verlassen, wir sind an den Flughafen gefahren und haben sie dorthin gebracht. Das ist sehr schade. Wir haben auch an einem Morgen den Sonnenaufgang angeschaut, daf\u00fcr sind wir um 6 aufgestanden, um zu sehen wie die Sonne aufgeht und es langsam heller wird.<\/p>\n<p>Mein Gef\u00fchl sagt mir, dass es sich anf\u00fchlt, als w\u00e4ren erst wenige Wochen vergangen, andererseits haben wir so viel erlebt, obwohl Griechenland die meiste Zeit im scharfen Lockdown war. Es ist schwer das alles zu bewerten, denn 6 Monate sind eine lange Zeit. Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass ich nicht nur 6 Monate gew\u00e4hlt habe und noch ein paar Monate hier bleiben werde. Ich hoffe f\u00fcr die n\u00e4chsten Monate sehr, dass ich die Kinder noch einmal in echt sehen kann und im Unterricht dabei sein kann. Dass die Schulen am besten so bald wie m\u00f6glich \u00f6ffnen sollen (noch im April). Ansonsten w\u00fcrde es sich nicht anf\u00fchlen, als w\u00fcrde ich so wirklich in einer Schule arbeiten. Wir haben auch so noch sehr viel geplant, was wir f\u00fcr Ausfl\u00fcge machen und was wir alles in Griechenland sehen wollen. Ich hoffe, dass das alles klappt, da die Corona-Lage momentan in Griechenland schwierig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind echt schon 6 Monate vergangen? Diese Frage stelle ich mir \u00f6fters. Eigentlich kann es gar nicht sein und ist so unreal. Doch es stimmt. Zumindest wenn ich auf das aktuelle Datum schaue. Heute ist der 2. April und sp\u00e4testens am 26. 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