{"id":363,"date":"2020-03-24T17:58:23","date_gmt":"2020-03-24T16:58:23","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/?p=363"},"modified":"2020-03-24T18:13:28","modified_gmt":"2020-03-24T17:13:28","slug":"a-vida-louca","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/2020\/03\/24\/a-vida-louca\/","title":{"rendered":"A vida louca"},"content":{"rendered":"<p>Bereits im vergangenen September haben mir diverse Freunde aufgeregt vom Karneval im Februar erz\u00e4hlt. Ihrer Meinung nach sei das die beste Zeit des Jahres und die Inkarnation des brasilianischen Lebensgef\u00fchls.<\/p>\n<p>In der Woche nach Finns R\u00fcckflug nach Deutschland war es endlich soweit. Am Freitagabend habe ich mich mit ein paar Freunden aus der Schule im\u00a0Stadtviertel Savassi getroffen. Dieser Abend war ein geeigneter Einstieg und eine Vorbereitung auf die kommenden wilden Karnevalstage. Dort war eine B\u00fchne auf einem umgebauten LKW\u00a0installiert. Nachdem wir uns bei einem der Stra\u00dfenverk\u00e4ufer\u00a0mit\u00a0Getr\u00e4nken ausgestattet hatten, tanzten wir wild zu Funk-Musik. Da ich mich bisher nur im Fitnessstudio beim Tanzkurs\u00a0so ausgelassen bewegt hatte war das Tanzen in den Stra\u00dfen ein ganz neuer Level des Freiheitsgef\u00fchls. An diesem Abend habe ich au\u00dferdem viele Sch\u00fcler von mir getroffen, was im ersten Moment ein wenig unangenehm war, aber letztendlich hat an Karneval jeder Spa\u00df und tanzt selbstvergessen und gibt sich dem Gemeinschaftsgef\u00fchl der Masse hin. Mit Ana Rachel habe ich im Laufe des Abends ausgemacht, dass wir, sobald sie zum Studieren nach Deutschland kommt, den Deutschen zeigen, wie man in Brasilien tanzt. Darauf freue ich mich jetzt schon, denn leider mangelt es hierzulande an Gelegenheiten f\u00fcr so freies, wildes und k\u00f6rperbetontes Tanzen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen habe ich mich auf den Weg zu Maria Luiza gemacht, bei der ich w\u00e4hrend des Karnevals-Wochenendes geschlafen habe. Nach einem zweiten Fr\u00fchst\u00fcck machten wir uns gemeinsam mit ihrer Mutter fertig. Die Wohnung und Lebensweise der beiden gefiel mir sehr, denn sie waren nicht nur die erste Familie in Brasilien, die ich kennengelernt habe, die keine Hausangestellte eingestellt haben , sondern sie f\u00fchren einen starken Frauenhaushalt und \u00fcberall kleben Sticker linker Protestbewegungen.<\/p>\n<p>Nachdem wir uns in unsere knappen goldenen Sonnen-Outfits geschmissen hatten, kam der spa\u00dfigste Teil der Vorbereitung: das Schminken mit viel Glitzer, welchen ich im \u00dcbrigen noch heute an Kleidungsst\u00fccken oder\u00a0Taschen wiederfinde- ein St\u00fcck\u00a0Erinnerung an eine einmalige Zeit. Zum Schluss kam noch Kopfschmuck, um das Outfit abzurunden. Nachdem wir ein paar Bilder gemacht hatten, fuhren wir mit einem Uber zum ersten &#8222;bloco&#8220;.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3060.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-364\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3060-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3060-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3060-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3060.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3060-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/RYOD2600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-366\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/RYOD2600-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/RYOD2600-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/RYOD2600-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/RYOD2600-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/RYOD2600.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bei leckeren Getr\u00e4nken und gutem Wetter tanzten wir hinter der\u00a0 Musikergruppe, der sogenannten\u00a0&#8222;bateria&#8220; her, die sich in einer Art Stra\u00dfenzug langsam vorw\u00e4rts bewegte. Nach und nach stie\u00dfen weitere Freunde von Malu dazu. Dank ihnen lernte ich ganz neue Getr\u00e4nke kennen. Eine selbst erfundene Mischung aus &#8222;Corote&#8220; und einem Milchpulver f\u00fcr Babys\u00a0wurde zum Hit-Getr\u00e4nk der folgenden Tage. In unseren bikini\u00e4hnlichen Outfits genossen wir die allgemein ausgelassene Stimmung, tanzen und lachten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6495.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-365\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6495-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6495-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6495-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6495.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/2420917d-2eea-496c-ac41-53ab707f57e1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-367\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/2420917d-2eea-496c-ac41-53ab707f57e1-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/2420917d-2eea-496c-ac41-53ab707f57e1-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/2420917d-2eea-496c-ac41-53ab707f57e1.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Als der &#8222;bloco&#8220; an seinem Ende angelangt war, machten wir uns auf den Weg zum Mittagessen. Ich bekam einige nette Komplimente f\u00fcr mein Kost\u00fcm und eine freundliche Passantin meinte, dank mir w\u00fcrde sie Sonne an Karneval nicht untergehen. Es war wirklich ein tolles Gef\u00fchl in solch einem Aufzug herumlaufen zu k\u00f6nnen und sich nicht unwohl f\u00fchlen zu m\u00fcssen, weil um uns herum alle genauso aussahen oder sogar nur mit beklebten Nippeln unterwegs waren.<\/p>\n<p>In einer kleinen Bar in einem Wohnviertel a\u00dfen wir lecker und ruhten uns im Anschluss bei Pedro, einem Freund von Malu, im Garten aus, bevor wir zum zweiten &#8222;bloco&#8220; aufbrachen, auch um einen anderen Freund von Malu davon abzuhalten, sich weiter peinlicherweise bei Pedro hemmungslos am K\u00fchlschrank zu bedienen.<\/p>\n<p>Der &#8222;bloquinho&#8220; am Nachmittag war stark politisch gepr\u00e4gt. St\u00e4ndig wurden Anti-Bolsonaro-Parolen gerufen, Fora-Bolsonaro-Flaggen geschwenkt oder Lieder der &#8222;restist\u00eancia&#8220; gesungen. Dazwischen wurde nat\u00fcrlich auch bekannte Musik zum Tanzen gespielt. Nette Anwohner bespritzten uns mit ihren Gartenschl\u00e4uchen, was angesichts der W\u00e4rme eine willkommene Erfrischung war. Au\u00dferdem genossen wir zu diesem Zweck Aca\u00ed-Getr\u00e4nke.<\/p>\n<p>Bei Malu zuhause angekommen versuchten wir uns vergebungslos von dem vielen Glitzer zu befreien, bevor wir ersch\u00f6pft aufs Sofa fielen und \u00fcber die politische Lage und linken Aktivismus in Brasilien diskutierten. Zum Abendessen gab es einen leckeren Salat und vegetarischen &#8222;quibe&#8220;. Mit Malus Mutter unterhielten wir uns angeregt weiter \u00fcber Weltpolitik und Frauenrechte. Sp\u00e4ter im\u00a0Bett hatte ich Gelegenheit die Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen und kam nicht umhin, mit einem L\u00e4cheln auf den Lippen einzuschlafen, auch ein wenig stolz auf meine\u00a0innere Entwicklung der letzten Monate, die nun deutlich sichtbar wurde und sich im ungehemmten Tanzen ausdr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen wiederholten wir den Vorbereitungsprozess des Vortags, diesmal verkleidete sich\u00a0Malu als Kommunistin und ich wollte eigentlich nur einen silbernen Badeanzug mit einem Glitzer-Shirt dar\u00fcber tragen, allerdings kamen Malu und ihre Mutter auf die Idee, ich solle doch ihren schwedischen Lieblingsfilm &#8222;Midsommar&#8220; darstellen. Zu diesem Zweck gaben sie mir einen Blumenkranz, sodass ich ihrer Meinung nach wie eine stereotypische Schwedin aussah. Das st\u00f6rte mich wenig, im Gegenteil, ich freue mich immer wenn mich jemand f\u00fcr eine Schwedin h\u00e4lt, da ich dieses Land von Herzen liebe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/VLAH9797.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-368\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/VLAH9797-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/VLAH9797-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/VLAH9797-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/VLAH9797-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/VLAH9797.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst fuhren wir zu Freunden von Malus Mutter. Die Wohnung dieses schwulen P\u00e4rchens hat mir unglaublich gut gefallen und zu Einrichtungsideen meiner ersten eigenen Wohnung inspiriert. Vor allem waren es aber die liebevolle Atmosph\u00e4re und der einf\u00fchlsame Umgang, die mich ber\u00fchrt haben. Nach und nach trafen weitere homosexuelle Freunde ein und Malus Mutter stellte mich ihnen stets als zweite Tochter vor, was einmal mehr f\u00fcr die Offenheit und Gastfreundschaft der brasilianischen Kultur spricht. Nachdem uns noch Chia-Pudding und Caipirinha angeboten wurden, fuhren wir zum &#8222;bloco&#8220; in einer peripheren Gegend der Stadt. Um in den Park zu gelangen, der den Versammlungspunkt darstellte, mussten wir \u00fcber Z\u00e4une klettern und durch Matsch stapfen. Nach und nach bewegte sich die Menschenmenge den Steilhang des Parks hinauf in Richtung Stra\u00dfe, sodass die erste halbe Stunde eher einer Kletterpartie zwischen Spinnen als einem Karnevalsumzug glich. Oben angekommen trafen wir wieder Malus Freunde und genossen die gute Stimmung. Zur Abk\u00fchlung tranken wir eisgek\u00fchlte Ananass\u00e4fte und wurden netterweise wieder von Anwohnern mit Wasser bespritzt. Besonders sch\u00f6n war zu sehen, wie die Bewohner von ihren Fenstern aus den Anblick der tanzenden Menge sichtlich genossen, wenn sie sich noch nicht unter uns gemischt hatten. Im Laufe des Vormittags traf ich einen Cousin eines Sch\u00fclers, Leute aus der T\u00fcrkei und dem Iran und gab mich bei leckeren Getr\u00e4nken und angenehmer W\u00e4rme\u00a0der Lebendigkeit und Wildheit hin.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6521.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-369 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6521-e1585036437592-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6521-e1585036437592-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6521-e1585036437592.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zu Mittag a\u00dfen wir in einem rustikalen Caf\u00e9 in der Nachbarschaft, das sogar vegetarisches &#8222;Tropeiro&#8220; anbot. Mit dem Bus fuhren wir im Anschluss ins Stadtzentrum zur\u00fcck, wo wir einen &#8222;Afro-bloco&#8220; besuchten. Die Stimmung dort war einzigartig. Am Karneval haben mir besonders diese Empowerment-Bewegungen f\u00fcr LGBTQs, Frauen und Afro-Brasilianer gefallen. In der Menge wurde ich immer wieder von dunkelh\u00e4utigen Frauen zum gemeinsamen Tanzen und Twerken aufgefordert. Am Schluss klatschten wir uns angesichts der vereinten Frauenpower ab oder fielen uns in die Armen. Das war f\u00fcr mich ein herzerw\u00e4rmendes Gef\u00fchl und ich genoss die Verbundenheit und ehrliche Anteilnahme an den Schicksalen und mangelnden Rechten dieser Bev\u00f6lkerungsgruppen, ebenso wie die Verarbeitung derer in Form von lebendiger Musik und ausdrucksstarken T\u00e4nzen. An diesem Abend schlief ich wieder bei\u00a0 einer Gastfamilie und fiel nach dem Abendessen ersch\u00f6pft angesichts des\u00a0ereignisreichen Tages ins Bett.<\/p>\n<p>Der Montag war r\u00fcckblickend der intensivste Tag. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck holte mich Malu ab und wir fuhren nach St. Tereza, wo wir auf die anderen Leute und den Beginn des &#8222;blocos&#8220; warteten. Leider begann es heftig zu regnen, aber selbst das konnte unsere Hochstimmung und gute Laune nicht tr\u00fcben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/df2574b4-5698-46c8-baf3-1dbd2ed0fce5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-372\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/df2574b4-5698-46c8-baf3-1dbd2ed0fce5-300x532.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/df2574b4-5698-46c8-baf3-1dbd2ed0fce5-300x532.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/df2574b4-5698-46c8-baf3-1dbd2ed0fce5.jpg 577w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6889.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-381\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6889-300x535.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"535\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6889-300x535.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6889.png 359w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/PATO4285.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-370\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/PATO4285-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/PATO4285-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/PATO4285-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/PATO4285-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/PATO4285.jpg 864w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dank der angenehm warmen Temperaturen und des ekstatischen Tanzens mit Wildfremden wurde es uns bestimmt nicht kalt. Wenn ich jetzt zur\u00fcckblicke, kommt\u00a0mir dieser Morgen mit der sich k\u00fcssenden\u00a0Menge, dem erotisch angehauchten Tanzen und dem\u00a0daraus resultierenden unbeschreiblichen Freiheitsgef\u00fchl wirklich surreal vor. Wir schossen\u00a0zum Gl\u00fcck\u00a0viele Bilder zur\u00a0Erinnerung, aber diese Erfahrung wird ohnehin auf ewig Teil von mir sein.<\/p>\n<p>Zum Mittagessen klarte der Himmel auf.\u00a0Von einem Stra\u00dfenverk\u00e4ufer mit\u00a0einem\u00a0umgebauten VW-Bus kauften wir leckeres\u00a0Essen, welches wir auf dem warmen Boden verzehrten. Besonders lustig war, dass zwei freund versuchten Deutsch zu sprechen, was aber kl\u00e4glich scheiterte. Auf dem Weg zum n\u00e4chsten Stra\u00dfenzug wurden wir von einem netten Mann mit Glitzer und Komplimenten hinsichtlich meiner Portugiesisch-Kenntnisse \u00fcbersch\u00fcttet. Malu sagte irgendwann zu mir: &#8222;Das ist Karneval, wenn du mit Wildfremden Freundschaften schlie\u00dft(wenn auch nur zeitlich begrenzt), jeden umarmst oder k\u00fcsst!&#8220; und genauso habe ich das auch wahrgenommen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6583.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-373 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6583-e1585037383600-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6583-e1585037383600-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6583-e1585037383600.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6587.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-374 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6587-e1585037396199-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6587-e1585037396199-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6587-e1585037396199.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6590.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-375 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6590-e1585037416854-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6590-e1585037416854-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6590-e1585037416854.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/189c8a9c-8f87-4d70-9757-2cb12002ff5e.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-376\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/189c8a9c-8f87-4d70-9757-2cb12002ff5e-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/189c8a9c-8f87-4d70-9757-2cb12002ff5e-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/189c8a9c-8f87-4d70-9757-2cb12002ff5e-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/189c8a9c-8f87-4d70-9757-2cb12002ff5e-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/189c8a9c-8f87-4d70-9757-2cb12002ff5e.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Anschluss besuchten wir einen &#8222;bloco&#8220; in einer Favela, der ganz im Zeichen des Empowerments dunkelh\u00e4utiger (lesbischer oder transsexueller) Frauen aus benachteiligten Gegenden stand. Einige Freunde von Malu hatten mir den Spitzname &#8222;Willa&#8220; gegeben- ich wei\u00df selber nicht mehr wie es dazu gekommen ist- und meinten zu mir &#8222;Willa voc\u00ea \u00e9 perfeita!&#8220;. Ich tanzte oft ausgelassener und wilder als die Brasilianer selbst, was sie lachend zu dem Schluss brachte, ich k\u00f6nne eigentlich keine Deutsche sein. Ich hatte eben einiges nachzuholen, deshalb genoss ich die kollektive Verr\u00fccktheit mehr als ich es in Worte fassen kann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6596.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-378 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6596-e1585038245262-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6596-e1585038245262-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6596-e1585038245262.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6594.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-377\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6594-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6594-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6594-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6594.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am letzten Tag sind wir noch auf einen &#8222;bloco&#8220; der LGBTQ-Bewegung gegangen. Neben toller Musik, die ich zu meiner gro\u00dfen Freunde bereits kannte und die Texte mitsingen konnte, war das Wassertank-Fahrzeug, das f\u00fcr st\u00e4ndigen Spr\u00fchregen sorgte, das Highlight. Am Schluss mussten wir zwar unsere Socken auswringen, aber diese Momente des &#8222;vida louca&#8220; waren das absolut wert und haben sich unausl\u00f6schlich in mein Innerstes eingebrannt. In schwierigen Zeiten werde ich von den Erinnerungen an diese unbeschwerten und gl\u00fccklichen Tage zehren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6888.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-380\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6888-300x535.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"535\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6888-300x535.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6888.png 359w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6887-e1585039494430.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-379 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6887-e1585039549253-300x535.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"535\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6887-e1585039549253-300x535.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_6887-e1585039549253.png 359w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am Mittwoch war ich trotz allem dankbar mich nach den vergangene f\u00fcnf Tagen ausruhen zu k\u00f6nnen und nutze die Zeit f\u00fcr das Schreiben eines Blogeintrags \u00fcber die Zeit mit Finn.<\/p>\n<p>In den kommenden Tagen hatte ich in der Schule besonders viel zu tun. Ich arbeitete zwei Deutschlehrwerke durch und \u00fcberlegte mir zu jeder Lektion kreative und interaktive \u00dcbungen. Des Weiteren bereitete ich n\u00fctzliche Redemittel f\u00fcr die B1-Pr\u00fcfung vor und machte Werbung f\u00fcr meine AG &#8222;Deutsch-Extra&#8220;. Zu meiner gro\u00dfen Freude meldeten sich aus jeder Klassenstufe mindestens zehn Sch\u00fcler, die freiwillig au\u00dferhalb ihres ohnehin\u00a0schon eng getakteten Stundenplans ihr\u00a0Deutsch intensivieren und sich dabei mit (klima-)politischen und gesellschaftlich relevanten Themen besch\u00e4ftigen wollen.<\/p>\n<p>Nebenbei machte ich weiter viel Sport, entwarf und schrieb die\u00a0Briefe, die ich\u00a0als Dank und\u00a0Zeichen der Menschlichkeit den Menschen aus benachteiligten Lebensrealit\u00e4ten, mit denen ich ein Interview\u00a0plante, schenken wollte. Leider\u00a0kam ich nicht dazu mehr als ein Interview durchzuf\u00fchren oder die AG anzufangen, trotzdem werde ich hier zumindest die Geschichte der Hausangestellten meiner zweiten Gastfamilie ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3076.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-382\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3076-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3076-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3076-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3076.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3076-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3084.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-383\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3084-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3084-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3084-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3084.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3084-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><u>Vozes brasileiras<\/u><\/p>\n<p>STIMMEN . STIMMEN VON MENSCHEN.<\/p>\n<p>MENSCHEN WIE DU UND ICH.<\/p>\n<p>MENSCHEN MIT DEN SELBEN TR\u00c4UMEN UND \u00c4NGSTEN.<\/p>\n<p>STIMMEN. STIMMEN VON MENSCHEN.<\/p>\n<p>MENSCHEN, DIE GERNE \u00dcBERH\u00d6RT WERDEN.<\/p>\n<p>MENSCHEN, DIE TAGT\u00c4GLICH MIT REALIT\u00c4TEN ZU K\u00c4MPFEN HABEN, DIE MEIN VORSTELLUNGSVERM\u00d6GEN \u00dcBERSTEIGEN.<\/p>\n<p>STIMMEN VON STARKEN MENSCHEN, VON BEWUNDERNSWERTEN MENSCHEN.<\/p>\n<p>STIMMEN, DIE F\u00dcR SICH SELBST SPRECHEN K\u00d6NNEN, DIE GEH\u00d6RT WERDEN WOLLEN.<\/p>\n<p>Joselita Florencia Rolea, geb. 27\/10\/1963, Hausangestellte<u><\/u><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3071.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-384 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3071-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3071.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3071-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3071-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3071-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><em>\u00dcber mein Leben sprechen\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Mein Leben war immer schwer. Als ich ein Kind war, war mein Gesundheitszustand sehr schlecht. Bis ich zw\u00f6lf war, musste ich immer wieder in Krankenhaus. Ich war viel zu klein f\u00fcr mein Alter. Mein Vater war krank. Meine Mutter musste sechs Monate mit ihm im Krankenhaus verbringen. Als mein Vater dann entlassen wurde, hatte er noch immer sehr wenig Kraft, es ging ihm noch nicht wirklich gut. In dieser Zeit ist meine Mutter gestorben. Das war, als ich zw\u00f6lf war. Das bedeutete, dass ich mich um meine j\u00fcngeren Geschwister k\u00fcmmern musste und fast jeden Tag bin ich zu meinem Vater ins Krankenhaus gegangen.<\/em><\/p>\n<p><em>Als ich geheiratet hatte, bekam ich zwei Kinder. Zu dieser Zeit wohnte ich auf dem Land. Meine Kinder kamen ebenfalls krank zur Welt. Damals sagte ein Arzt zu mir, dass ich mit ihnen nach Belo Horizonte gehen m\u00fcsse, denn in meiner Heimat im Landesinneren von Minas Gerais g\u00e4be es keine Behandlungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr sie. Er sagte mir auch, dass mein Sohn, der damals zwei Jahre alt war, sp\u00e4ter geistig eingeschr\u00e4nkt sein werde, er mir mehr Arbeit machen werde und dass er wohl verr\u00fcckt werden w\u00fcrde, sollte ich ihn nicht entsprechend<\/em> <em>behandeln. Der Arzt bef\u00fcrchtet auch, dass meine Tochter, die erst acht Monate alt war, aufh\u00f6ren w\u00fcrde zu wachsen,\u00a0den \u00fcberdimensionalen Kinderkopf behalten werde und vielleicht nie laufen werde.\u00a0 Also bin ich gegangen\u2026Ich musste meine Kinder auf dem Land zur\u00fccklassen, um in der Stadt Arbeit zu suchen. Mir selbst ging es zu dieser Zeit gesundheitlich sehr schlecht.<\/em><\/p>\n<p><em>Heute wohne ich in einem sehr benachteiligten Viertel, in \u201eRiberocampo\u201c. Jeden Morgen stehe ich um vier Uhr auf und komme erst gegen neun Uhr abends wieder zur\u00fcck von meiner Arbeit als Hausangestellte. Mein Leben ist ein einziger Kampf, ein Kampf f\u00fcr Gesundheit. Meine Tochter wurde bis sie 15 war klinisch \u00fcberwacht, mein Sohn, bis er 12 war. Da ich keine Mittel und M\u00f6glichkeiten hatte, um f\u00fcr die Behandlungskosten meiner Tochter aufzukommen, hat ein Arzt vorgeschlagen, ihre Akte nach Japan zu schicken. Von dort bekommen wir nun Medikamente, die es zum Teil hier in Brasilien nicht gibt.<\/em><\/p>\n<p><em>Meiner Meinung nach m\u00fcsste sich viel in diesem Land \u00e4ndern, eigentlich alles, damit sich meine Situation verbessern kann und meine Kindern einmal eine bessere Zukunft haben.<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Erz\u00e4hlens hatte Joselita Tr\u00e4nen in den Augen. Je mehr sie mir von ihrer Geschichte anvertraute, desto sprachloser wurde ich. Was sind die richtigen Worte in Anbetracht eines solchen Schicksals? Ich wusste mir nicht anders zu helfen, als ihre Hand zu nehmen und ihr mittels K\u00f6rpersprache meine Anteilnahme, meine Betroffenheit, aber auch meine Dankbarkeit f\u00fcr ihr Vertrauen zu vermitteln. Das Schlimmste war f\u00fcr mich in diesem Moment zu wissen, dass ich nichts tun kann,\u00a0das ihr in ihrer Lebenssituation hilft. Nach dem Gespr\u00e4ch w\u00fcrde sie weiter kochen, absp\u00fclen, putzen und W\u00e4sche waschen m\u00fcssen, um sich und ihre Kinder ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Dieses Ohnmachtsgef\u00fchl hat mich \u00fcberw\u00e4ltigt. Das Einzige was mir zu tun bleibt, ist ihr weiterhin zuzuh\u00f6ren, mit ihr \u00fcber die Vorteile einer fleischlosen Ern\u00e4hrung zu sprechen und ihre Gerichte zu loben. Wenn ich neben ihr in der K\u00fcche mein Essen mache, absp\u00fcle oder meine W\u00e4sche wasche, erkl\u00e4re ich ihr auch, dass ich es aus Sicht meiner Sozialisation unm\u00f6glich finde, mich von ihr bedienen zu lassen und damit postkoloniale Strukturen zu verfestigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ereignisse rund um Corona haben nach und nach auch Brasilien erreicht. Zun\u00e4chst wurde es jedem einzelnen Freiwilligen \u00fcberlassen, ob er oder sie nach Deutschland zur\u00fcckkehren oder bleiben m\u00f6chte. F\u00fcr mich war klar, dass ich bleibe, jedoch erreichten mich immer mehr besorgte Nachrichten von Familie und Freunden in Deutschland und auch andere Freiwillige in Brasilien entschieden sich zu gehen. Als wir von\u00a0Kulturweit aufgefordert wurden, uns zur Sicherheit nach einem\u00a0R\u00fcckflug umzuschauen ging alles ganz schnell, weil im Reiseb\u00fcro Hektik herrschte und es offenbar nur noch wenige M\u00f6glichkeiten zur Heimkehr gab. Also buchte ich meinen Flug um. Nach dieser Entscheidung ging es mir aber unglaublich schlecht, ich f\u00fchlte mich ausgelaugt und innerlich leer. Da es noch keinen Aufruf zur verpflichtenden R\u00fcckkehr gegeben hatte, entschied ich mich dazu, den umgebuchten Flug wieder abzusagen. Ich konnte noch nicht gehen, nicht jetzt, nicht freiwillig. Meine Heimat, mein Leben waren doch gerade in Brasilien. Au\u00dferdem wusste ich, dass ich bei meiner neuen Gastfamilie, zu der ich am n\u00e4chsten Tag ziehen w\u00fcrde und die weit au\u00dferhalb der Stadt wohnt, sicher sein w\u00fcrde und, dass sowohl das Goethe-Institut, als auch die Schule und alle Brasilianer in meinem Umfeld zum Bleiben rieten.<\/p>\n<p>Am Abend ging es mir angesichts der Aussicht bleiben zu k\u00f6nnen viel besser. Meine Freunde und Familie in Deutschland sagten mir, sie h\u00e4tten sowieso gewusst, dass ich bleiben w\u00fcrde. Also sagte ich auch allen brasilianischen Freunden, den ich zuvor von meiner Heimkehr berichtet hatte, ich m\u00fcsse nicht gehen. Das f\u00fchrte dazu, dass ich noch am selben Abend bei meiner Freundin Ana Rachel \u00fcbernachtete, um \u00fcber die Entwicklungen zu sprechen. Wir a\u00dfen des Weiteren leckere Avocado und verglichen das deutsche Abitur mit dem brasilianischen ENEM. Dass die Systeme sich stark unterscheiden war mir bereits bekannt, aber, dass auch die Themen und die Schwerpunkte der Oberstufe so stark differierten, h\u00e4tte ich nicht erwartet. Nach schier endlosen Gespr\u00e4chen schlief ich gl\u00fccklich ein. Am n\u00e4chsten Morgen fr\u00fchst\u00fcckten wir gemeinsam mit ihren Eltern in einem leckeren veganen Caf\u00e9 an der Ecke. Die Fr\u00fcchtebowl mit &#8222;granola&#8220; und anderen leckeren Toppings ist meiner Meinung nach einmalig.<\/p>\n<p>Nachmittags zog ich dann zu meiner neuen Gastfamilie. Bereits auf der vierzigmin\u00fctigen Autofahrt zu ihrem Haus f\u00fchrten wir ein wunderbares Gespr\u00e4ch \u00fcber den Umgang verschiedener L\u00e4nder mit dem Coronavirus. Meine neue Gastschwester Alice war genauso gl\u00fccklich wie ich, dass doch zu ihnen ziehen w\u00fcrde. W\u00e4hrend der Fahrt wurde die Landschaft immer bergiger und spektakul\u00e4rer. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich bez\u00fcglich der Wohnform der &#8222;Condom\u00ednios&#8220; starke Vorbehalte pflege und, dass ich mit eher konservativen Einstellungen in solch einem Luxus-Viertel gerechnet habe. Das Haus meiner Gastfamilie war aber \u00fcberhaupt nicht protzig. Schwanzwedelnd begr\u00fc\u00dfte mich ihr s\u00fc\u00dfer Hund Lara. Von meinem Fenster aus hatte ich einen atemberaubenden Ausblick auf einen See, im Hintergrund die Berge und in den B\u00fcschen Kolibris und bunte Kanarienv\u00f6gel oder Papageienarten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3088.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-385\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3088-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3088-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3088-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3088.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3088-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3098.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-389\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3098-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3098-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3098-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3098.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3098-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3097.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-390\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3097-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3097-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3097-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3097.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3097-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3089.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-386\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3089-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3089-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3089-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3089.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/IMG_3089-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Meine Gastmutter Paula kam zu mir ins Zimmer und wir unterhielten uns lange \u00fcber die politische Situation.\u00a0Als ich\u00a0bemerkte, wie klimabewusst, linksliberal und naturliebhabend diese Familie ist, f\u00fchlte ich mich von Anfang an unglaublich wohl bei ihnen. Sogar veganes Essen gab es, sodass ich ein wenig besch\u00e4mt meine Vorurteile revidieren musste-man lernt nie aus. In der Abendsonne las ich in einer H\u00e4ngematte in einem Buch \u00fcber die Pr\u00e4sidenten Brasiliens, kuschelte mit dem Hund und genoss die Natur.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen musste ich um 5:30 aufstehen, um rechtzeitig mit Alice in der Schule anzukommen. Nach einem leckeren Fr\u00fchst\u00fcck mit &#8222;tapioca&#8220; nahmen wir den Bus in Richtung Stadtzentrum. Zun\u00e4chst ging ich wie immer zum Sport und plante dann die Gruppenaufteilung f\u00fcr die AGs. Zu Mittag a\u00df ich mit der Freundesgruppe aus der Schule in einem typisch brasilianischen Kilo-Restaurant. Wir redeten noch ganz ungezwungen \u00fcber Corona, ohne zu wissen, dass das mein vorletzter Tag mit ihnen sein w\u00fcrde. Nach dem Essen besuchte ich mit Rachel ihren Unterricht, da ich ohnehin auf meine Gastschwester warten musste. Die Literaturstunde zu sechst war wirklich toll, die Lehrerin hat mir sogar Grammatikaufgaben gegeben, w\u00e4hrend sie die Aufs\u00e4tze ihrer Sch\u00fcler korrigierte. Auch der Matheunterricht mit Rachel und ihren Freunden, die ich bereits vom Karneval kannte, war \u00e4u\u00dferst lustig. Der Lehrer, der offenbar gerne Witze machte, involvierte mich st\u00e4ndig in seinen Unterricht, indem ich Aufgaben vorlesen, den Namen seiner Frau auf Franz\u00f6sisch buchstabieren oder Dinge erkl\u00e4ren sollte. F\u00fcr mich war es generell spannend zu sehen, wie sich die Unterrichtsstile in verschiedenen L\u00e4ndern unterscheiden und nebenbei bot das Schnuppern im Unterricht einen willkommene Gelegenheit, Zeit mit meinen Freunden zu verbringen.<\/p>\n<p>In der Pause am Nachmittag erreichte mich die Nachricht von Kulturweit, die alle Freiwillige zur sofortigen R\u00fcckkehr anwies. Diese Entwicklung kam sicher alles andere als unerwartet, aber ich wollte es nicht wahrhaben, hatte in den vergangenen Tagen wirklich gehofft, ich k\u00f6nne bleiben. Fast zeitgleich wurde die Schulschlie\u00dfung bekannt gegeben, was mir das Gehen immerhin ein wenig erleichterte, zumal nach \u00fcberstandener Krise die Ferien gestrichen und das Unterrichtspensum erh\u00f6ht werden soll, sodass ich weder meine geplanten Reisen, noch meine AGs oder Aktivit\u00e4ten h\u00e4tte realisieren k\u00f6nnen. Nichtsdestotrotz f\u00fchlte ich mich wie von einem Zug \u00fcberrollt und weinte unaufh\u00f6rlich, musste aber stark sein und meine Heimreise organisieren und meinen Vertrag im Fitnessstudio k\u00fcndigen. Am Abend, als wir von meinem Gastvater abgeholt werden sollten, brach ich erneut in Tr\u00e4nen aus. Meine Gastschwestern nahmen mich tr\u00f6sten in ihre Arme, Sch\u00fcler schenkten mir herzzerrei\u00dfende Abschiedsbriefe und der Schulleiter brachte mir ein T-Shirt des CSA zur Erinnerung. Auf dem Heimweg ging es mir gl\u00fccklicherweise besser, ich hatte vorerst genug geweint und wechselte in eine Art Roboter-Modus. Den Abend mit meiner Gastfamilie wollte ich mir\u00a0nicht von den Umst\u00e4nden zerst\u00f6ren lassen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag fuhr ich trotz allem nochmal zur Schule, kaufte im Supermarkt &#8222;tapioca&#8220;, &#8222;farofa&#8220;, meine Lieblingskekse und Mitbringsel ein. In der Schule verabschiedete ich mich von allen Lehrern und den meisten Sch\u00fclern, bekam tolle Geschenke, ging mit den Schulleitern vegan essen und verbrachte die letzten Stunden in der Stadt mit Freunden. Ich glaube ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich realisiert, dass ich wirklich gehen muss. Einen Flug nach Sao Paulo hatte ich bereits gekauft, dort w\u00fcrde ich dann die verbleibenden\u00a0Freiwilligen treffen. Den letzten Nachmittag und Abend in Minas Gerais kostete ich voll aus, f\u00fchrte mit meinem Gastvater Fl\u00e1vio interessante Gespr\u00e4che \u00fcber Universit\u00e4ten, Austauschprogramme, Praktika,\u00a0meine Familie und Politik. Nach einer leckeren Suppe machten wir es uns alle\u00a0gemeinsam auf dem Sofa gem\u00fctlich, erz\u00e4hlten uns gegenseitig lustige Geschichten aus der Familie, ich zeigte ihnen die Merkel-Imitationen und genialen Videos meines Bruders, wir sprachen \u00fcber Literatur und Filme, Bolsonaros Unf\u00e4higkeit zu regieren und tolle Erinnerungen. In dieser Nacht habe ich fast kein Auge zugemacht, es tat so unbeschreiblich weh, allein daran zu denken, dass ich gehen muss.<\/p>\n<div id=\"attachment_392\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DYUB4204.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-392\" class=\"wp-image-392 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DYUB4204-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DYUB4204-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DYUB4204-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DYUB4204-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DYUB4204.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-392\" class=\"wp-caption-text\">Abschiedsbild mit dem Geographielehrer Everton.<\/p><\/div>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen ber\u00fchrten mich all die liebevollen und\u00a0herzlichen\u00a0Nachrichten meines Umfeldes tief. Ich musste mich zwingen, meinen Koffer zu packen, der voll bis oben hin mit Geschenken, tollen B\u00fcchern und Unmengen von Erinnerungen war. Bevor wir losfahren mussten, spazierten Alice, Paula und ich mit Lara noch durch die Natur und ich genoss ein letztes Mal die Zeit und Gespr\u00e4che mit ihnen. Viel zu schnell fand ich mich im Bus zum Flughafen wieder, war wie gel\u00e4hmt, unf\u00e4hig etwas zu f\u00fchlen. In Sao Paulo angekommen a\u00df ich eine Kleinigkeit, schaute Nachrichten und redete mit meinen Freunden, bis Thea, eine andere Freiwillige aus Florian\u00f3polis gelandet war. Gemeinsam fuhren wir ins Hotel und sprachen auf dem Weg dorthin \u00fcber unsere Gef\u00fchle. Es tat gut mit jemanden zu reden, der genau die selbe Situation durchmachen muss.<\/p>\n<p>Wir waren wie am Anfang des Abenteuers in Brasilien zusammen in selben Hotel-der Kreis schloss sich irgendwie. Auf dem Weg zum Abendessen zusammen mit einer weiteren Freiwilligen und deren Freund, welches wir in einem sch\u00f6nen veganen Restaurant verbachten, h\u00f6rten wir das &#8222;Pfannenklopfen&#8220; gegen Bolsonaro angesichts des eingeleiteten Impeachment-Verfahrens und dessen verantwortungslosen Umgangs mit der Corona-Krise. Gegen sp\u00e4ter lernten wir au\u00dferdem drei neuen Kulturweit-Freiwilligen in einer Bar bei Caipirinha kennen. Sie hatten das unglaubliche Pech, nur eine Woche in ihrem Einsatzland verbringen zu k\u00f6nnen. Angesichts dessen war ich direkt dankbar f\u00fcr meine sieben Monate in Brasilien. Des Weiteren half mir der Austausch \u00fcber die bescheidene Lage sehr. Wir sa\u00dfen alle im selben Boot, unsere Situation war vergleichbar mit einem Navigationsger\u00e4t, das immerzu den Satz:&#8220;Ihre Route wird neu berechnet.&#8220; wiederholt.<\/p>\n<p>Am letzten Morgen in Brasilien genossen wir das Fr\u00fchst\u00fcck mit dem uns liebgewonnenen Essen in \u00dcberl\u00e4nge, besuchten das Goethe-Institut, bummelten durch ein paar L\u00e4den und machten uns auf den Weg zum Flughafen. Nachdem wir unser Gep\u00e4ck aufgegeben hatten, kauften wir uns alle von den letzten brasilianischen Reais Havaianas und tr\u00f6steten uns gegenseitig.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DTWH4882.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-394\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DTWH4882-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DTWH4882-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DTWH4882-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DTWH4882-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/DTWH4882.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/ORHW4315.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-395\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/ORHW4315-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/ORHW4315-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/ORHW4315.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/03\/ORHW4315-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckflug habe\u00a0ich nicht geschlafen, nur brasilianische Musik geh\u00f6rt, geweint und den anderen Freiwilligen neben mir getr\u00f6stet. Wir haben auch konsequent weiter Portugiesisch gesprochen, einfach aus Prinzip. Dass dann im Frankfurt pl\u00f6tzlich meine Eltern und Finn standen, wollte nicht in meinen Kopf hinein. Ich freute mich nat\u00fcrlich alle zu sehen, aber ich f\u00fchlte mich fremd in diesem Land, das mein Zuhause sein sollte. Meine Heimat war doch noch bis vor wenigen Stunden in Brasilien gewesen. Wie konnte mir das so schnell genommen werden? Innerlich leer packte ich meine Koffer aus und versuchte anzukommen. Tr\u00f6stlich ist wenigstens der Gedanke, dass restlos alle Freiwillige, Austauschsch\u00fcler und Studenten heimgeholt wurden und, dass Corona alle belastet, zum Teil unvergleichlich gr\u00f6\u00dfere Opfer fordert. In den n\u00e4chsten Wochen werde ich die Zeit nutzen, um viel zu lesen-vor allem auf Portugiesisch-zu malen, Podcasts und H\u00f6rb\u00fccher zu h\u00f6ren und nat\u00fcrlich mit meinen brasilianischen Freunden zu reden, beziehungsweise den Tanzkurs des Fitnessstudios online weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Vorgestern hatte ich das Gl\u00fcck Schnee auf der Alb zu sehen, das hat mir ein L\u00e4cheln auf das Gesicht gezaubert, aber es wird noch dauern, bis ich hier ankomme und das Loch in mir gef\u00fcllt wird. Das Leben\u00a0muss ja\u00a0weitergehen und ich werde, sobald sich die Gelegenheit bietet, zur\u00fcck nach Brasilien gehen, sei es f\u00fcr ein Auslandssemester, ein Praktikum oder nur eine Reise. Manaus, Bel\u00e9m, den &#8222;Nordeste&#8220; und Rio werde ich ,wie ich es mir vorgenommen habe, auf jeden Fall besuchen und gl\u00fccklicherweise kommen ja einige Freunde in absehbarer Zeit zum Studieren nach Deutschland. Aus Umweltschutzgr\u00fcnden werde ich nicht nur f\u00fcr zwei oder drei Wochen nach Brasilien fliegen, sondern dann sicherlich l\u00e4nger bleiben, aber das ist ja ohnehin mein Wunsch, denn ich liebe dieses Land, durch das ich so unbeschreiblich viel \u00fcber mich und die Welt gelernt habe und das auf ewig ein Teil von mir sein wird.<\/p>\n<p>J\u00e1\u00a0t\u00f4 com muitas saudades! Mas vou voltar logo, com certeza, porque o Brasil significa muito pra mim! Nunca vou esquecer essa aventura \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits im vergangenen September haben mir diverse Freunde aufgeregt vom Karneval im Februar erz\u00e4hlt. Ihrer Meinung nach sei das die beste Zeit des Jahres und die Inkarnation des brasilianischen Lebensgef\u00fchls. In der Woche nach Finns R\u00fcckflug nach Deutschland war es endlich soweit. Am Freitagabend habe ich mich mit ein paar Freunden aus der Schule im\u00a0Stadtviertel [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2684,"featured_media":372,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-363","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/363"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2684"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=363"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/363\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":401,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/363\/revisions\/401"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/media\/372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=363"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=363"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=363"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}