{"id":312,"date":"2020-02-20T18:30:41","date_gmt":"2020-02-20T17:30:41","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/?p=312"},"modified":"2020-02-20T23:27:02","modified_gmt":"2020-02-20T22:27:02","slug":"o-brasil-dentro-de-mim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/2020\/02\/20\/o-brasil-dentro-de-mim\/","title":{"rendered":"O Brasil dentro de mim"},"content":{"rendered":"<p>Dass Brasilien inzwischen zu einer zweiten Heimat f\u00fcr mich geworden ist, wurde mir nach meiner R\u00fcckkehr aus Costa Rica in vielerlei Hinsicht bewusst. Besonders bezeichnend war in diesem\u00a0Sinne die Tatsache, dass sich alle Leute, die mir hier wichtig geworden sind, bei mir meldeten, nach einem Treffen fragten. Bei mir stellte sich buchst\u00e4blich ein Gef\u00fchl des Angekommen-Seins und der Zufriedenheit ein, als so viele nette Nachrichten am Morgen nach\u00a0meiner Ankunft auf mich warteten und ich realisierte, dass ich mir im Laufe der letzten Monate einen stabilen brasilianischen\u00a0Freundeskreis aufgebaut habe, was mich nat\u00fcrlich unweigerlich an das Land und seine Gesellschaft bindet und es mir erm\u00f6glicht, meinem Umfeld auf Augenh\u00f6he zu begegnen.<\/p>\n<p>So traf ich mich beispielsweise mit Santi, Pedro und einem weiteren Bekannten zum Abendessen in einem leckeren Restaurant im P\u00e1tio Savassi. Viel zu erz\u00e4hlen hatten wir uns allemal, nachdem wir uns gut einen Monat nicht gesehen hatten. W\u00e4hrend wir leckere panierte Zwiebeln a\u00dfen, berichteten wir uns von unseren jeweiligen Reisen, schmiedeten Pl\u00e4ne f\u00fcr meinen Geburtstag und sprachen \u00fcber die bevorstehende Studienzeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ein anderes Mal besuchte ich meine Freundin Ana Rachel. Wir hatten uns vorgenommen pao de queijo zu backen. Da ich von einigen Zutaten zum ersten Mal h\u00f6rte, war ich dementsprechend neugierig sie kennenzulernen. Dass Maniok in Brasilien den Stellenwert der Kartoffel in Deutschland einnimmt und somit allgegenw\u00e4rtig in der kulinarischen Szene ist, war mir bereits bekannt. Aber die Vielzahl an Verwendungsm\u00f6glichkeiten, beziehungsweise Produkten \u00fcberrascht mich jedes Mal aufs Neue. Aus zwei verschiedenen Typen Maniokmehl (polvilho), Eiern, Milch, Butter und einheimischen K\u00e4sesorten bereiteten wir den Teig vor. W\u00e4hrend dieser kalt gestellt wurde, sind wir in einem nahegelegenen Kilo-Restaurant zu Mittag essen\u00a0gegangen und haben uns dabei ausf\u00fchrlich \u00fcber unsere Ferien ausgetauscht. Da auch sie ein Studium in Deutschland anstrebt, unterhielten wir uns ebenfalls \u00fcber Lebenshaltungskosten, Ern\u00e4hrung, Wohnm\u00f6glichkeiten, Freizeit und nicht zuletzt \u00fcber den Vorbereitungskurs des Goethe-Instituts, bei dem ich meine Freunde unterst\u00fctzen werde. Gegen sp\u00e4ter besuchten wir Ana Rachels Gro\u00dfmutter und halfen ihr beim Herstellen von &#8222;brigadeiros&#8220;, kleinen, pralinen\u00e4hnlichen S\u00fc\u00dfigkeiten. W\u00e4hrend des Einrollens und Dekorierens h\u00f6rten wir ihren Reisegeschichten und Ausf\u00fchrungen \u00fcber Politik zu, sodass sich bei mir ein gem\u00fctliches Oma-Gef\u00fchl einstellte, vor allem da sie uns immerzu Essen und Trinken anbot.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Wieder bei Ana Rachel zuhause, zeigte sie mir ihr Schwimmbad, das ich jederzeit besuchen k\u00f6nne und ihre Oma half uns beim Rollen der pao de queijo. W\u00e4hrenddessen unterhielten wir uns \u00fcber\u00a0die bevorstehende Reise\u00a0der Oma\u00a0nach Deutschland und Polen.\u00a0Am Abend genossen wir das duftende Geb\u00e4ck und S\u00fc\u00dfkartoffel-Pfannkuchen. Diesen Tag in einem\u00a0heimelig-famili\u00e4ren Umfeld habe ich sehr genossen.\u00a0Es erstaunt mich bis heute noch, wie einfach es in der brasilianischen Gesellschaft f\u00fcr mich\u00a0ist, aus\u00a0Fremden Freunde\u00a0oder\u00a0gute\u00a0Bekannte werden zu lassen und mich wirklich\u00a0wohlzuf\u00fchlen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6049.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-317\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6049-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6049-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6049-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6049.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6051.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-318\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6051-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6051-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6051-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6051.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aber auch in meiner derzeitigen\u00a0Gastfamilie f\u00fchle ich mich geborgen. Abends sitzen wir oft lange zusammen, sprechen \u00fcber tagespolitische oder gesellschaftliche Themen und h\u00f6ren Musik. Auf diese Weise habe ich schon viele tolle brasilianische\u00a0Lieder kennengelernt. Meine pers\u00f6nliche Playlist bei Spotify wird derzeit von portugiesischer Musik dominiert, wobei trotzdem Lieder in allen sechs Sprachen, die ich mehr oder weniger spreche, vertreten sind.\u00a0\u00a0 Mit meiner\u00a0Gastschwester Carol war ich au\u00dferdem zu Besuch bei ihrer Gro\u00dfmutter. In deren Schwimmbad k\u00fchlten wir uns ein wenig ab, genossen aber gleichzeitig die Sonne und sprachen \u00fcber Partys, die Schulzeit und Reisen, bevor wir lecker zu Mittag a\u00dfen und brasilianisches Fernsehen, inklusive Nachrichten schauten. Die Unterschiede der Nachrichtenformate in verschiedenen L\u00e4ndern interessieren mich besonders, wobei ich auch hier in Brasilien \u00fcberwiegend Podcasts h\u00f6re, einfach weil die\u00a0aktuellen Themen tiefgehender und ausf\u00fchrlicher besprochen und analysiert werden.<\/p>\n<p>Eine besondere Erfahrung war des Weiteren das Meeting mit der Einladungskarten-Designerin zusammen mit Carols Familie. Anl\u00e4sslich des 15. Geburtstags feiern die M\u00e4dchen der bessergestellten\u00a0brasilianischen Familien\u00a0gro\u00dfe Feste, sinnbildlich f\u00fcr das Frau-Werden, oder aber sie unternehmen eine lange Reise. Was allein f\u00fcr ein Aufwand hinter den Einladungen steckt, h\u00e4tte ich allerdings nicht erwartet. Professionelle Karten oder sogar ganze B\u00fccher, personalisierte Deko, inklusive Bechern, Flip-Flops zum Tanzen, Lichtern und G\u00e4stebuch sind nur ein kleiner Ausschnitt des Vorbereitungsprozesses. Die Feste\u00a0selbst beginnen meist erst gegen zehn Uhr, gehen bis sp\u00e4t in die Nacht und bieten Anlass genug zum Herausputzen und Stylen, wie es manche Frauen in Deutschland nicht einmal zu ihrer eigenen Hochzeit tun w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nach dieser Begegnung mit einer neuen Welt, bildete die Ankunft von Finn am n\u00e4chsten Tag einen umso gr\u00f6\u00dferen Kontrast. Es war an sich schon ein komisches Gef\u00fchl nach so kurzer Zeit wieder am Flughafen zu sein und dann nicht selber wegzufliegen, sondern jemanden aus Deutschland, meinem &#8222;Leben vor Brasilien&#8220; zu empfangen. Trotz allem war das Wiedersehen wundersch\u00f6n. Nach all den Monaten, die wir getrennt voneinander gelebt hatten, war es wirklich surreal im Bus nebeneinander zu sitzen und Brezel zu essen, die Finn mitgebracht hatte.<\/p>\n<p>Netterweise hatte meine alte Gastfamilie angeboten, dass Finn bei ihnen wohnen kann. Besonders der erneute enge Kontakt mit ihnen war f\u00fcr mich sehr sch\u00f6n, nach all den Erinnerungen an die gemeinsamen drei\u00a0Monate. W\u00e4hrend Finn auspackte, hatte ich Gelegenheit mich gem\u00fctlich mit ihnen zusammenzusetzen und \u00fcber die Ereignisse der vergangenen Wochen zu sprechen. Dabei merkte ich nicht nur, dass sich mein Portugiesisch seit dem letzten Kontakt mit ihnen wesentlich verbessert hat, sondern auch, wie wohl ich mich bei ihnen f\u00fchle. Haroldo, mein letzter Gastvater half uns au\u00dferdem noch bei einem Problem mit Bustickets, bevor ich Finn den &#8222;Praca da Liberdade&#8220; zeigte. Dort setzten wir uns in die Nachmittagssonne und sprachen \u00fcber unsere Studienpl\u00e4ne, beziehungsweise deren Vereinbarkeit. In meinem Lieblingscaf\u00e9 genossen wir einen leckeren Saft und tauschten uns weiter aus, schlie\u00dflich hatten wir trotz etlicher Telefonate einiges aufzuholen, denn die virtuellen Gespr\u00e4che sind\u00a0wirklich nicht mit dem direkten Austausch\u00a0und echtem Augenkontakt zu vergleichen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000049.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-319 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000049-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"379\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000049.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000049-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000049-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000049-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 379px) 100vw, 379px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In den folgenden Tagen zeigte ich Finn alle sehenswerten Orte der Stadt und f\u00fchrte ihn in die kulinarischen Besonderheiten der\u00a0brasilianischen K\u00fcche ein. Aca\u00ed und die ber\u00fchmten Kilo-Restaurants durften dabei nicht fehlen. Dass Aca\u00ed nicht wie ein chemisch-violetter Bananen-Muffin schmeckt und, dass es unz\u00e4hlige Gem\u00fcse- und Obstsorten gibt, die man in Europa nicht kennt, davon war er schnell \u00fcberzeugt. Abends kochten wir trotz aller brasilianischen Leckereien eher europ\u00e4isch, vor allem da ich Brot, Suppe und einfache Nudeln wirklich vermisste.\u00a0Wir besuchten\u00a0den &#8222;Mercado Central&#8220;, genossen dort die Vielzahl an frischem Obst und Gem\u00fcse, die N\u00fcsse, Gew\u00fcrze, den K\u00e4se und leckeres Brot.<\/p>\n<div id=\"attachment_356\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6331.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-356\" class=\"wp-image-356 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6331-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-356\" class=\"wp-caption-text\">Dieses Bild aus einem sch\u00f6nen Kilo-Restaurant kann ich leider nicht drehen.<\/p><\/div>\n<p>Ausgestattet mit unges\u00fc\u00dftem Kakao, K\u00e4se, Walnussbrot und Melone machten wir uns am Tag darauf auf zu einer kleinen Wanderung zu und im &#8222;Parque das Mangabeiras&#8220;. Auf dem Weg nach oben wurde es zunehmend frischer, aber als wir angekommen waren, klarte der Himmel\u00a0gl\u00fccklicherweise auf. Den Gro\u00dfteil der Anlage, inklusive Sportpl\u00e4tzen, Picknick-Pl\u00e4tzen und Spielecken kannte ich bereits von meinen letzten Besuchen, die Aussichtsplattform, auf der wir picknickten war aber auch f\u00fcr mich neu. Wie sich herausstellte, sind sogar gro\u00dfe Teile des\u00a0Gel\u00e4ndes derzeit gesperrt. Die Ausma\u00dfe dieses Naturparks, der nur wenige Minuten vom Stadtkern entfernt liegt, begeistern mich\u00a0jedes Mal aufs Neue. Bei sch\u00f6nstem Wetter machten wir es uns auf der Holzplattform\u00a0bequem, die Serra\u00a0auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Stadt. Ein Geier gesellte sich zu uns w\u00e4hrend wir uns das Vesper schmecken lie\u00dfen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000075.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-322\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000075-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000075-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000075-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000075.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000075-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000079.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-323\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000079-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000079-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000079-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000079.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000079-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000080.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-320 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000080-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"597\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000080.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000080-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000080-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000080-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 597px) 100vw, 597px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000060.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-324\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000060-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000060-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000060-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000060.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000060-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000070.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-321\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000070-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000070-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000070-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000070.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000070-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg machten wir noch einen Abstecher zu einem anderen\u00a0Aussichtspunkt, der einen einmaligen Blick \u00fcber ganz Belo Horizonte bietet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000082.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-325 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000082-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"325\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000082.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000082-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000082-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000082-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><\/a><\/p>\n<p>An einem der Abende waren wir des Weiteren\u00a0zu der Geburtstagsfeier einer Freundin eingeladen. Nachdem wir feststellen mussten, dass Uber die Adresse meiner Gastfamilie nicht zuordnen kann, kamen wir etwas versp\u00e4tet mit dem Taxi zur Bar. Wir hatten einen sch\u00f6ne Zeit bei\u00a0spannenden politischen Gespr\u00e4chen, Billard und Karaoke, wobei wir Caipirinha tranken und Finn Maniok und Pastel zu probieren gaben.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ebenso wie bei einem Treffen mit einer anderen Freundin zum Aca\u00ed- Essen f\u00fchlte ich mich an diesem Abend trotz des Spa\u00dfes, den ich mit Finn zusammen hatte, tief in mir unzufrieden und in meiner Freiheit eingeschr\u00e4nkt. Als\u00a0wir\u00a0dann beim Schlendern \u00fcber\u00a0die &#8222;Feira Hippie&#8220; am Sonntag wiederholt auf Englisch angesprochen wurden,\u00a0ist bei mir ein Prozess der Selbstreflexion angesto\u00dfen worden, der seit Finns Ankunft im Unterbewussten gearbeitet hatte und erst nach unserer Reise nach B\u00fazios einen Abschluss fand. Im &#8222;Parque Municipal&#8220;, der mich immer auch an den New Yorker\u00a0Central Park erinnert, setzten wir uns nach einem Spaziergang mit gro\u00dfer Distanz trotz physischer N\u00e4he an einen See, um uns mit\u00a0unseren\u00a0Gef\u00fchlen auseinanderzusetzten. Einerseits bereitete es mir gro\u00dfe Freude, mein neues Umfeld, die Stadt zeigen zu k\u00f6nnen und ich wusste, wie wichtig es war, dass\u00a0Finn meine Freunde kennenlernt, um sich eine Vorstellung von meinem\u00a0Leben hier machen zu k\u00f6nnen.\u00a0Denn das kann helfen die Distanz beim Telefonieren zu reduzieren. Im Hinblick auf die weiteren sechs Monate war es also von h\u00f6chster Wichtigkeit, dass er mich hier besucht. Auf der anderen Seite f\u00fchlte ich mich durch die Pr\u00e4senz von Deutschland in Form von Finn gehemmt und irgendwie gefangen in mir selbst. Auch die Tatsache, dass ich pl\u00f6tzlich als Touristin wahrgenommen wurde und mit meinen Freunden Englisch sprechen musste, st\u00f6rte mich mehr als ich es erwartet h\u00e4tte. Bereits auf dem Vorbereitungsseminar im Beziehungs-Workshop wurde uns von solchen Situationen berichtet und geraten, sich gegenseitig Zeit zu lassen und am besten gemeinsam neue Orte zu entdecken, damit sich der eine Partner nicht wie ein au\u00dfenstehender Beobachter des neuen Lebens des anderen f\u00fchlt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000091.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-326\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000091-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000091-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000091-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000091.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000091-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000089.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-327\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000089-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000089-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000089-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000089.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000089-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das taten wir dann auch, als wir zusammen nach B\u00fazios im Bundesstaat Rio de Janeiro aufbrachen und uns gegenseitig Raum gaben, um uns wieder aneinander zu gew\u00f6hnen und Br\u00fccken zwischen verschiedenen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen zu bauen. Das Gef\u00fchl in einer Art\u00a0Transitzustand zu sein legte sich w\u00e4hrend der Zeit\u00a0am Meer, kam\u00a0aber\u00a0bei unserer R\u00fcckkehr wieder auf und f\u00fchrte zu einer sehr intensiven\u00a0Auseinandersetzung mit diesem\u00a0Thema. Unsere\u00a0Reise nach B\u00fazios begann mit\u00a0der Busfahrt\u00a0zur &#8222;rodovi\u00e1ria&#8220;, dem Busterminal. Zun\u00e4chst verpassten wir den Ausstieg und mussten noch etwas verschlafen durch ein weniger gut gestelltes Viertel laufen. Am Busbahnhof angekommen unterhielt ich mich mit einem\u00a0\u00e4lteren\u00a0Herrn, wobei ich innerlich wieder einmal dar\u00fcber schmunzeln musste, wie schnell und einfach solch sch\u00f6ne Gespr\u00e4che dank der Offenheit und W\u00e4rme der meisten Brasilianer entstehen k\u00f6nnen. W\u00e4hrend der kommenden 10 1\/2 Busfahrt d\u00f6sten wir vor uns hin, h\u00f6rten Podcasts oder Musik, redeten und a\u00dfen unser mitgebrachtes\u00a0Vesper.<\/p>\n<p>In\u00a0Cabo Frio\u00a0angekommen fragten wir uns zun\u00e4chst durch, bis wir den richtigen Bus nach B\u00fazios fanden. Den\u00a0Ausstieg dort erkannten wir auch nur durch die Hilfe von Einheimischen, aber nach einer kurzen Taxifahrt kamen wir ein wenig ersch\u00f6pft endlich im Ferienhaus der Gastfamilie an. Die vielen H\u00e4user der Anlage geh\u00f6ren allesamt einem Verwandten meiner Gasteltern, der uns genauso wie die anderen Anwesenden freundlich empfing. Nach einem kleinen Snack fielen wir ersch\u00f6pft in die Betten, waren aber schon gespannt, was uns bei Sonnenaufgang erwarten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Vormittag hatten wir Gelegenheit genug uns umzuschauen und kamen angesichts des uns umgebenden Luxus zu dem Schluss, wie in einem 5-Sterne-Hotel zu hausen. Wieder einmal war ich \u00fcberaus dankbar daf\u00fcr, was ich in Brasilien dank der Gastfamilien erleben darf. Gleichzeitig bot dieses Luxus-Leben wie schon so oft Anlass zur Reflexion \u00fcber die ungleiche Verteilung von Verm\u00f6gen, das nebeneinander von bitterer Armut und protzendem Reichtum. Im Rahmen meines Alltaglebens bin ich weiterhin in der Blase des Wohlstands scheinbar abgeschirmt von anderen Lebensrealit\u00e4ten. Es liegt an mir, Raum\u00a0f\u00fcr Begegnung und Auseinandersetzung mit Menschen aus prek\u00e4ren Realit\u00e4ten zu schaffen. In dieser Hinsicht plane ich ein Treffen mit einer Aktivistin aus peripheren Gegenden, m\u00f6chte im Rahmen meines Freiwilligenprojekts eine Art Reportage \u00fcber das gesamte Gesellschaftsbild Brasiliens schreiben und dabei jene Menschen zu Wort kommen lassen, die mir tagt\u00e4glich begegnen, die durchaus Sichtbar im Stadtbild sind, wenn man nicht bewusst wegsieht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000108.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-328\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000108-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000108-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000108-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000108.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000108-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000114.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-329\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000114-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000114-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000114-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000114.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000114-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000192.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-333\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000192-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000192-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000192-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000192.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000192-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3020.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-330\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3020-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3020-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3020-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3020.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3020-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000110.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-332 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000110-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000110.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000110-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000110-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000110-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gegen Mittag fuhren wir mit dem Boot des Gastgebers Andre hinaus aufs Meer. Wie sich herausstellte, hat dieser weitgereiste Mann schon viel von Deutschland gesehen, ist sogar gut mit zwei Deutschen befreundet, die mit Fahrrad und Segelschiff die Erde umrundet haben, weil er zeitweise Teil deren Crew war. Wehm\u00fctig erz\u00e4hlte er uns von den Zeiten, als die Landschaft noch unbebaut war. Die mit\u00a0luxuri\u00f6sen H\u00e4user und Villen zugepflasterten H\u00e4ngen und von Sonnenschirmen bedeckten Strandabschnitte stellten einen starken Kontrast zu den naturbelassenen Felsen weiter au\u00dferhalb dar. Diese Landschaft, gepr\u00e4gt von mit\u00a0mit Gr\u00e4sern, hellgr\u00fcnen Bromelien und dunkelgr\u00fcnen Kakteen bewachsenen H\u00e4ngen vor t\u00fcrkisblauem Wasser und von nistenden V\u00f6geln bewohnt, war etwas ganz und gar Neues f\u00fcr mich und zog mich dementsprechend in ihren Bann. Nach der sonnenreichen Fahrt entlang der K\u00fcstenlinie und durch hohe Wellen, genossen wir das vergleichsweise k\u00fchle Wasser, bevor wir gegen drei Uhr zu Mittag a\u00dfen. In den kommenden Tagen lernte ich zu sch\u00e4tzen, wie problemlos die vegetarische Ern\u00e4hrung bisher funktioniert hatte. Das typische Mittagessen bestehend aus Reis, Bohnen, Farofa, verschiedensten Gem\u00fcsesorten und Obst zum Nachtisch bietet alle N\u00e4hrstoffe einer ausgewogenen Ern\u00e4hrung. In dieser Woche gab es mehr als einmal Gerichte ohne vegetarische Beilagen, sodass ich trockenen Reis und Soya-Proteine a\u00df, was aber nicht weiter schlimm war, denn aus meiner Schulzeit war ich ganz anderes gew\u00f6hnt. Drei Jahre lang jeden Dienstag den gleichen Kartoffelauflauf zu essen; selbst daran hat man sich gew\u00f6hnt.<\/p>\n<div id=\"attachment_335\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3055.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-335\" class=\"wp-image-335 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3055-300x450.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3055-300x450.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3055.jpg 683w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3055-624x936.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-335\" class=\"wp-caption-text\">An diesem Tag hat es geregnet, deshalb sah das Wasser weniger t\u00fcrkisfarben und glitzernd aus&#8230;<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3054.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-334 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3054-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"514\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3054.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3054-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3054-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3054-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 514px) 100vw, 514px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000145.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-336 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000145-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"515\" height=\"386\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000145.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000145-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000145-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000145-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 515px) 100vw, 515px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir verbrachten die folgenden Tage am Wasser oder gem\u00fctlich in H\u00e4ngematten gekuschelt. Finn ist ein paar Mal mit dem Kayak herausgefahren, w\u00e4hrend ich die Bucht durchschwamm. Das stellte sich aber als weniger gute Idee heraus, da ich immer noch ein wenig angeschlagen war, sodass im Laufe der n\u00e4chsten Tage nochmal alles rauskam. Infolgedessen\u00a0habe\u00a0ich viel gelesen oder Podcasts geh\u00f6rt, wahlweise auf Deutsch oder Portugiesisch und zu Themen aus Politik und Philosophie, oder ich schaute mit Finn die Serie\u00a0&#8222;o mecanismo&#8220;, die auf wahren Begebenheiten rund um den Lava-Jato-Korruptionsskandal in Brasilien beruht. Auch das Buch &#8222;Ana Terra&#8220; von E. Ver\u00edssimo, das ebenfalls auf einer realen Geschichte basierend die Widrigkeiten des Fazenda-Lebens vor allem aus Sicht der Frauen in Zeiten der st\u00e4ndigen Annexionskriege gesellschaftskritisch unter die Lupe nimmt, hat mir gut gefallen. Besonders weil ich der Geschichte Brasiliens beim Lesen anhand von einheimischen Werken n\u00e4herkommen konnte, was aber angesichts der schwerverdaulichen Lekt\u00fcre nicht immer leicht gewesen ist. Yoga, Billard, Frisbee mit Finns Hut und Flip-Flops \u00fcber den Pool oder das Planen unserer Studienzeit f\u00fcllten ebenfalls unserer Zeit. An einem Regentag brachte mir Finn des Weiteren Canasta bei und wir begannen eine Liste mit allen n\u00f6tigen M\u00f6belst\u00fccken und Gegenst\u00e4nden, die wir f\u00fcr unsere Wohnung brauchen werden. Das l\u00f6ste bei mir eine unglaubliche Vorfreude auf das Studium, Wollsocken, gemeinsames Kochen, gutes Brot, Freunde und Familie aus. Aber gleichzeitig will ich noch gar nicht richtig daran denken, denn jetzt bin ich hier und genie\u00dfe die Zeit in Brasilien in vollen Z\u00fcgen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000115.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-337 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000115-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"508\" height=\"381\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000115.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000115-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000115-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000115-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 508px) 100vw, 508px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Einmal haben wir auch eine kleine Wanderung auf einen der umliegenden H\u00fcgel unternommen, von dem sich eine spektakul\u00e4re Aussicht auf benachbarter Felsen, das Meer und unz\u00e4hlige Kakteen bot. Auf einem schmalen Pfad durchquerten wir den tropischen Wald, der sich aber durch die Kakteen und vielen Bromelien deutlich von klassischen Regenw\u00e4ldern abhob. Wir gelangten zu einer kleinen Bucht, wo wir uns alle abk\u00fchlten, bevor wir uns auf den R\u00fcckweg machten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000144.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-338\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000144-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000144-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000144.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000144-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000172.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-339\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000172-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000172-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000172-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000172.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000172-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000155.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-340\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000155-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000155-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000155-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000155.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000155-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000166.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-341\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000166-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000166-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000166-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000166.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/P1000166-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3033.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-342 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3033-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3033.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3033-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3033-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3033-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein lustiges Erlebnis war die improvisierte Untersuchung, die Carols Opa angesichts meiner Grippe in der K\u00fcche mithilfe eines L\u00f6ffels unternahm. Dank dessen Medikamenten und durch den vielen hei\u00dfen Kakao, den ich fortan getrunken habe, ging es mir zum Gl\u00fcck schon\u00a0bald besser. Besonders s\u00fc\u00df finde ich, dass mich dieser Opa wie seine Enkelinnen zur Begr\u00fc\u00dfung auf die Stirn k\u00fcsst. Ankn\u00fcpfend daran konnten wir w\u00e4hrend unserer Zeit in B\u00fazios auf besonderer Weise feststellen, dass die Auffassung von Familie in Brasilien im Allgemeinen einen sehr viel gr\u00f6\u00dferen Personenkreis umfasst, als ich das aus Deutschland gewohnt bin. Am Geburtstag der Gastgeberin war eine schier un\u00fcberblickbare Menschenmenge zu Besuch, wobei allein schon der Teil der Familie, der mit uns in den Ferienh\u00e4usern Urlaub machte, nicht an drei H\u00e4nden abzuz\u00e4hlen war. Toll war an dieser Anzahl von Menschen allerdings das Gespr\u00e4chspotential, das aus ganz verschiedene Wohnorten, Arbeitspl\u00e4tzen und Erfahrungen resultierte. Generell stellte sich bei diversen Gespr\u00e4chen heraus, dass der Gro\u00dfteil der Anwesenden irgendwelche wichtigen Posten besetzt.<\/p>\n<p>Besonders viel \u00fcber Brasilien habe ich im\u00a0Austausch mit meinem Gastvater Gustavo gelernt. Dass Brasilien \u00fcber 70% seiner Energie\u00a0aus erneuerbaren Quellen, vor allem Wasserkraft bezieht, hat mich doch ein wenig \u00fcberrascht. Wenn Deutschland oft als Vorreiter in diesem Bereich genannt wird, sollten wir uns als\u00a0Europ\u00e4er wirklich fragen, ob die Berichterstattung \u00fcber weite Teile der Welt nicht dazu neigt, einseitig den Fokus auf die leider ebenso vorhandenen negativen Ereignisse und Strukturen zu richten, m\u00f6glicherweise auch, um selbst in einem m\u00f6glichst guten Licht zu erscheinen. Au\u00dferdem sprachen wir \u00fcber das fehlende Bahnnetz und das Scheitern einiger Projekte des Wiederaufbaus, beispielsweise aufgrund von Vandalismus oder Korruption. Nicht weniger interessant waren seine Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Notwendigkeit von Guarani-Stunden im Ingenieurwesen. Wo heute ganze Stra\u00dfen in Sao Paulo oder BH jedes Jahr aufs Neue \u00fcberschwemmt werden, sogar in Rohre verlegte Fl\u00fcsse den Teer aufsprengen oder wo der Flughafen von SP mit heftigen St\u00fcrmen\u00a0und Starkregenereignissen zu k\u00e4mpfen hat, wussten die\u00a0indigenen V\u00f6lker\u00a0schon lange von den nat\u00fcrlichen Ph\u00e4nomenen, benannten die Orte gar nach diesen, was aber im Zuge des \u00dcberlegenheitsdenkens des modernen Menschen gerne \u00fcberh\u00f6rt wurde. J\u00fcngst machte sich die Kraft der Natur\u00a0im Rahmen der starken Regenf\u00e4lle in Minas Gerais\u00a0bemerkbar. Zum Gl\u00fcck waren wir zu dieser\u00a0Zeit in einem anderen Bundesstaat, den so viel hatte es in den letzten 110 Jahren nicht geregnet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/705c5a05-7766-4625-a6fc-8cc3fb57d5e4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-347\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/705c5a05-7766-4625-a6fc-8cc3fb57d5e4-300x532.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/705c5a05-7766-4625-a6fc-8cc3fb57d5e4-300x532.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/705c5a05-7766-4625-a6fc-8cc3fb57d5e4-578x1024.jpg 578w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/705c5a05-7766-4625-a6fc-8cc3fb57d5e4-624x1106.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/705c5a05-7766-4625-a6fc-8cc3fb57d5e4.jpg 722w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/9c49df3a-5447-420f-a4cb-19a5101aaca9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-346\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/9c49df3a-5447-420f-a4cb-19a5101aaca9-300x535.jpg\" alt=\"\" width=\"297\" height=\"530\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/9c49df3a-5447-420f-a4cb-19a5101aaca9-300x535.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/9c49df3a-5447-420f-a4cb-19a5101aaca9-574x1024.jpg 574w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/9c49df3a-5447-420f-a4cb-19a5101aaca9-624x1112.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/9c49df3a-5447-420f-a4cb-19a5101aaca9.jpg 718w\" sizes=\"(max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abends waren Finn und ich ein paar Mal mit meiner Gastfamilie\u00a0oder auch nur\u00a0mit meiner Gastschwester und deren Cousine in der Innenstadt, die\u00a0sehr touristisch gepr\u00e4gt ist. In der &#8222;rua das pedras&#8220;\u00a0grenzt ein\u00a0Restaurant an das n\u00e4chste oder wechselt\u00a0Klamotten- oder Souvenirl\u00e4den ab. Die\u00a0gesch\u00fctzte Lage des alten Fischerdorfs\u00a0in einer sch\u00f6nen Bucht, konnte\u00a0dem Tourismusboom nicht standhalten und wird nun vor allem von Mineiros besucht, die in ihrem Bundesstaat \u00fcber kein Meer verf\u00fcgen. Bei leckerem Essen und einmal im Rock\u00a0n Roll- Haus auch bei Live-Musik, f\u00fchrten wir nette Gespr\u00e4che \u00fcber das Schulsystem, Politik und Reisen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/EWOW9154.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-343\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/EWOW9154-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/EWOW9154-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/EWOW9154-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/EWOW9154-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/EWOW9154.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am letzten vollen Tag bin ich nochmal mit den M\u00e4dels auf dem Boot hinausgefahren. In einer benachbarten Bucht erkundeten wir eine von Meerwasser durchsp\u00fclte Grotte und begegneten einer gro\u00dfen Meeresschildkr\u00f6te vor einer malerischen Kulisse. Wieder einmal musste ich mir ins Ged\u00e4chtnis rufen, dass das alles andere als selbstverst\u00e4ndlich ist, dass ich am anderen Ende\u00a0der Welt bin, auch wenn sich das Leben in Brasilien inzwischen ganz normal anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Die Zeit in B\u00fazios ist im R\u00fcckblick wie im Fluge vergangen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3021.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-345 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3021-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"497\" height=\"331\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3021.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3021-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3021-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_3021-624x416.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 497px) 100vw, 497px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Viel zu bald sa\u00dfen wir wieder im Bus zur\u00fcck nach BH, h\u00f6rten Musik und Podcasts und genossen die vorbeiziehende Landschaft. Von den Unwettern war bei unserer R\u00fcckkehr, abgesehen von ein paar gesperrten Stra\u00dfen nichts mehr zu sehen und am n\u00e4chsten Morgen wachten wir bei strahlend blauen Himmel auf.<\/p>\n<p>Am Vormittag bereitete ich einige Dinge f\u00fcr den Schulanfang vor und wir erg\u00e4nzten unsere Wohnungsliste um weitere Details, bevor wir nach dem Mittagessen zwei Museen am &#8222;Praca da Liberdade&#8220; besichtigten. An diesem Nachmittag ist mein Selbstreflexionsprozess erst richtig an die Oberfl\u00e4che gekommen. Angefangen hat es mit der Tatsache, dass wir die Museen in zwei Stunden durchquert haben, in denen ich sonst jeweils mindestens acht Stunden verbracht hatte. Das war sicherlich vor allem der Sprachbarriere zu verschulden, aber trotzdem f\u00fchlte es sich in meinen Augen wie eine Abwertung meiner bisherigen Erlebnisse dort an, so als w\u00e4ren mir Teile meines neu gewonnenen Lebens in Brasilien entrissen worden. Nat\u00fcrlich wirkte dieser Museumsbesuch nur als Katalysator f\u00fcr tiefliegende Gef\u00fchle und Gedanken, die beim Aca\u00ed-Essen\u00a0hinaufkatapultiert wurden und in unz\u00e4hligen Worten Ausdruck fanden. Erst durch die Distanz zu Deutschland ist mir so einiges \u00fcber mich selbst bewusst geworden und vor allem das &#8222;Einfallen&#8220; von Deutschland\u00a0in meine neue Welt, hat mich zur\u00fcckversetzt f\u00fchlten lassen. Mir ist klar geworden,\u00a0wie stark, unabh\u00e4ngig und frei ich mich\u00a0durch die Erlebnisse der letzten\u00a0Monate f\u00fchle, wie viel Selbstvertrauen ich dazugewonnen habe. Ich bin seit meinem ersten\u00a0Tag\u00a0in Brasilien mit der Einstellung &#8222;always be a beginner&#8220;, durch mein Leben gegangen, habe mir ganz neue Dinge zugetraut, ohne mir irgendwelche Gedanken zu machen, habe au\u00dferhalb der Leistungsgesellschaft, unterdr\u00fcckte, extrovertierte Teile meiner vielschichtigen Selbst zugelassen, gerade weil ich die befreiende Erfahrung der Positionierung fern von jeglichen Zw\u00e4ngen, Erwartungen und Leistungsanspr\u00fcchen erlebe. Hier in Brasilien f\u00fchle ich mich gesehen, wirklich\u00a0wertgesch\u00e4tzt f\u00fcr mein Tun und genie\u00dfe die Tatsache, dass mich meine Freunde als &#8222;richtige,\u00a0wilde\u00a0Brasilianerin&#8220; wahrnehmen, denn sie hatten kein einseitiges Bild einer guten Sch\u00fclerin von mir, sondern haben mich als offene und erz\u00e4hlfreudige Person kennengelernt, die gerne mit ihnen weggeht, lacht,\u00a0tanzt und die Eigenheiten des Landes erkundet. In einem Essay habe ich all das verarbeitet und mich danach wie schon so h\u00e4ufig durch den Schreibprozess erleichtert gef\u00fchlt. Ich werde alle neuen Teile von mir mit nach Deutschland bringen, mir nichts von meinen Gedanken und Einstellungen nehmen lassen, daf\u00fcr bin ich hier viel zu gl\u00fccklich und lebensfroh.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6213.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-348\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6213-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6213-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6213.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mit Finn und meinem vorherigen Gastvater Haroldo war ich im Laufe der folgenden Tage bouldern, womit ich endlich das Versprechen eingel\u00f6st habe, Haroldo an seinen Lieblingsort der Stadt -die Kletterhalle- zu begleiten. Dort kamen wir mit einem jungen Brasilianer ins Gespr\u00e4ch, der mit uns \u00fcber Umweltschutz und kulturelle Unterschiede sprach. Bezeichnend war wieder einmal seine Offenheit, die Selbstverst\u00e4ndlichkeit mit der er anbot, wir k\u00f6nnten bei seinen Freunden in Rio wohnen, sollten wir jemals dorthin reisen &#8211; und das nach einer zehnmin\u00fctigen Unterhaltung.<\/p>\n<p>Am Abend sind wir mit Laura, Maria Luiza und einem weiteren Freund von ihnen zum &#8222;Mercado Novo&#8220; gegangen. Wir schlenderten durch die alternativen L\u00e4dchen, zeigten Finn die leckersten Getr\u00e4nke und Snacks und sprachen viel \u00fcber den bevorstehenden Karneval und politische Parteien.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6216.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-349\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6216-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"325\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6216-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6216-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6216.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 325px) 100vw, 325px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6217.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-350 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6217-e1582223133397-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6217-e1582223133397-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6217-e1582223133397.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Laufe des Abends sind wir in eine einfache Stra\u00dfenbar mit Plastikst\u00fchlen und billigen Getr\u00e4nken weitergezogen. Dort tummelten sich unz\u00e4hlige Studenten, sodass auch wir einigen Freunden der M\u00e4dels begegneten. Bei Bier und Cachaca sprachen wir \u00fcber die Notwendigkeit der\u00a0Begegnungen auf Augenh\u00f6he in einer globalisierten Welt, in der junge Leute aus aller Herren L\u00e4ndern oft mehr gemeinsam haben, als mit der \u00e4lteren Generation des Heimatlandes. Das Gespr\u00e4ch war ein lustiges dreisprachiges Experiment weil ich weiter Portugiesisch sprechen wollte, da ich tats\u00e4chlich mit dem Wechsel\u00a0der Sprachen auch zwischen Einstellungen, beziehungsweise inneren Universen wechseln kann und ich mich zurzeit im Portugiesischen wohler f\u00fchle, zumindest solange, bis\u00a0ich meine neuen St\u00e4rken ins &#8222;deutsche Denken&#8220; \u00fcbersetzten kann. Die Brasilianer sprachen deshalb unter sich und mit mir\u00a0Portugiesisch, mit Finn Englisch und ich\u00a0mit ihm Deutsch. Besonders freute mich an diesem Abend, dass meine Freunde zu dem Schluss kamen, ich sei eine\u00a0Brasilianerin geworden und wir m\u00fcssten Finn etwas davon mitgeben, was zu gegenseitigen Umarmungen und lieben Worten f\u00fchrte. Auf dem Weg zu dieser Bar\u00a0f\u00fchrten wir noch zwei herzerw\u00e4rmende Gespr\u00e4che mit Obdachlosen, die unglaublich dankbar waren, gesehen zu werden. Da sie im Stra\u00dfenbild leider keine Seltenheit sind, schenken ihnen die wenigsten Passanten Beachtung, behandeln sie wie Luft. Wir h\u00f6rten uns ihre Geschichten an und erz\u00e4hlten ihnen von uns. Diese Begegnungen inspirierten mich dazu, Briefe mit netten Worten der Wertsch\u00e4tzung an die Menschen, die mir tagt\u00e4glich begegnen und die mit ganz anderen Lebensrealit\u00e4ten zu k\u00e4mpfen haben, zu verschenken. Geh\u00f6rt und als Mensch gesehen zu werden ist unglaublich wichtig, erst dann\u00a0ist\u00a0Kontakt in gegenseitigem Respekt m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Ein anderes Mal haben Finn und ich das Stadtviertel Pampulha mit seinem gro\u00dfen See besucht. Nach einem langen Spaziergang in Flip-Flops und einem Picknick am Ufer stiegen wir ungl\u00fccklicherweise in den Bus mit der falschen Fahrtrichtung und fanden uns eine halbe Stunde sp\u00e4ter in einem sehr benachteiligten Gebiet der Stadt wieder. Ermattet von der Sonne, ohne Essen und mit schmerzenden F\u00fc\u00dfen, f\u00fchlte ich mich wie erschlagen von dem Anblick, der sich uns bot. Man muss dazu sagen, dass das noch eine der besseren Favelas gewesen ist, denn die Busanbindung war ironischerweise\u00a0regelm\u00e4\u00dfiger als in meinem Heimatdorf. Wie nichtig die eigenen Probleme pl\u00f6tzlich angesichts sich selbst verst\u00e4rkender Armutskreisl\u00e4ufe und struktureller Benachteiligung erscheinen, die sich direkt\u00a0neben uns offenbarten, ist vor allem im Hinblick auf einen kritisch-reflektierenden Umgang mit den eigenen Privilegien \u00fcberaus wichtig und hat mir meine Augen weiter ge\u00f6ffnet, als das im Alltagsleben m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6229.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-352\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6229-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6229-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6229-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6229.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6228.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-351\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6228-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6228-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6228-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6228.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In der darauffolgenden Woche hat der Unterricht wieder begonnen und zeitgleich habe ich erneut mit den Kursen im Fitnessstudio angefangen. Beim Tanzen konnte ich wieder voll aufgehen, aber auch das Yoga und Pilates haben viel Spa\u00df gemacht. In der Schule habe ich zun\u00e4chst einige Tage lang Alberts Unterricht begleitet. Ich habe den Sch\u00fclern Texte vorgelesen, die Aussprache von neuen Vokabeln mit ihnen ge\u00fcbt, Hausaufgaben kontrolliert, beim L\u00f6sen von Aufgaben oder beim Erstellen von Plakaten unterst\u00fctzt, Aufgaben mit ihnen an der Tafel korrigiert und Spiele mitgespielt.<\/p>\n<p>Mittags habe ich dann Finn getroffen, habe mit ihm wahlweise Biscotti oder meinen Geburtstagskuchen gebacken, war mit ihm in Caf\u00e9s, wo wir lange und tiefgr\u00fcndige Gespr\u00e4che f\u00fchrten oder aber ich arbeitete an den Geschenken f\u00fcr Jannik\u00a0und Finn.<\/p>\n<p>Am Freitagabend waren wir anl\u00e4sslich meines Geburtstags am Sonntag mit zwei Freundinnen in einer veganen Bar, haben viel gelacht und geredet und sind ein bisschen durch das Stadtviertel geschlendert, um andere beliebte Orte und Stra\u00dfenz\u00fcge kennenzulernen. Am n\u00e4chsten Tag feierten wir meinen Geburtstag mit einer anderen Freundesgruppe in der Spielebar &#8222;funtasy&#8220;. Der Abend war sehr lustig. Wir spielten verschiedene Gesellschaftsspiele, wobei wir \u00fcber das Studium drei meiner Freunde in Deutschland sprachen und uns \u00fcber kulturelle Feinheiten am\u00fcsierten. An meinem Geburtstag selber war ich morgens erst lange joggen, bevor Finn und ich mit meiner Gastfamilie gem\u00fctlich und ausgiebig fr\u00fchst\u00fcckten. Wirklich s\u00fc\u00df war, dass ich einen gro\u00dfen K\u00e4se als Kuchenersatz bekommen habe, da sie wussten, dass ich keinen Zucker vertrage. Au\u00dferdem gab es Vollkorntoast, Roggenbrot und pao de queijo und sie schenkten mir ein tolles Sport-Shirt. Auch von meinen Freunden habe ich wirklich besondere Geschenke bekommen, die bewiesen haben, dass sie mich schon sehr gut kennen. Von Ana Rachel habe ich beispielsweise ein selbstgemachtes Kochbuch mit brasilianischen Rezepten und einen lieben Brief bekommen. Den restlichen Tag verbrachten wir damit, Brezeln zu backen und es uns gem\u00fctlich zu machen.<\/p>\n<div id=\"attachment_353\" style=\"width: 339px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6272-e1582223936635.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-353\" class=\"wp-image-353\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6272-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"329\" height=\"247\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-353\" class=\"wp-caption-text\">Auch dieses Bild l\u00e4sst sich nicht drehen, aber das macht nichts- der K\u00e4se war trotzdem lecker:)<\/p><\/div>\n<p>W\u00e4hrend Finn die n\u00e4chsten vier Tage in Rio de Janeiro verbrachte, wo ich auch im April mit meiner Mutter hingehen werde, habe ich in der Schule Juliana vertreten, die zusammen mit Albert auf einer Fortbildung war. Im ersten Teil der Stunden f\u00fchrte ich eine Aktivit\u00e4t zum Thema Sprichw\u00f6rter durch, wobei die Sch\u00fcler die direkt \u00fcbersetzten Ausdr\u00fccke verstehen und entweder interpretieren oder als Standbild, beziehungsweise in kurzen Szene darstellen sollten. Besonders mit den ersten beiden Klassen, die neu zur Oberstufe hinzugekommen waren und noch nie Deutschunterricht gehabt haben, war diese Aktivit\u00e4t lustig. Viele Lacher entstanden infolge ihrer Darbietungen von &#8222;Die Kuh vom Eis holen&#8220;, oder &#8222;Ich glaube mein Schwein pfeift !&#8220;. Im zweiten Teil f\u00fchrte wir eine Debatte \u00fcber deutsche Kultur und ich beantworte ihre Fragen zu Deutschland. Des Weiteren erkl\u00e4rte ich den Sch\u00fclern das politische System und unsere Parteienlandschaft, inklusive j\u00fcngster Ereignisse in Th\u00fcringen. Weiterhin unterst\u00fctzte ich die Sch\u00fcler beim L\u00f6sen von Revisionsaufgaben und nahm mir Zeit die vier F\u00e4lle ausf\u00fchrlich in Kleingruppen auf Portugiesisch zu erkl\u00e4ren, was zu wirklichen Erfolgserlebnissen f\u00fchrte, sodass ein paar M\u00e4dels zu mir kamen und sagten: &#8222;So viel wie heute haben wir in den letzten f\u00fcnf Jahren nicht begriffen!&#8220;. Diese R\u00fcckmeldung hat mich sehr ber\u00fchrt und es hat mir gro\u00dfe Freude bereitet, solche Fortschritte mit anschauen zu k\u00f6nnen. In den verbleibenden Stunden sollte ich einen Film \u00fcber Deutschland mit dem Titel &#8222;A Alemanha em n\u00f3s&#8220; zeigen. Nach dem f\u00fcnften Mal hing mir die Darstellung deutscher Marken und das rein positive Bild meines Heimatlandes ein wenig zum Hals heraus, weshalb ich die Zeit w\u00e4hrend des Filmes mit Geschenke-Basteln \u00fcberbr\u00fcckte. Besonders der Unterricht in Klassen, in denen Freunde von mir sind, waren lustig weil ich mich einfach zu ihnen setzten und mit ihnen schwatzen konnte, wenn ich gerade nichts erkl\u00e4ren musste. Sch\u00f6n war f\u00fcr\u00a0mich auch zu sehen, dass einige Sch\u00fcler gro\u00dfes Interesse am kulturellen Austausch, Politik und sogar an einem Auslandsaufenthalt in Deutschland zeigen, weshalb wir nicht selten auch noch nach der Stunde weitersprachen. Die Sch\u00fcler sind meiner Meinung nach wirklich lieb und herzlich. Sie machen mir st\u00e4ndig Komplimente f\u00fcr meinen Style, mein Aussehen, mein Portugiesisch oder meinen Unterricht und umarmen mich, kreischen sogar auf dem Pausenhof, sobald sie mich sehen.<\/p>\n<p>Nachmittags habe ich viele Podcasts geh\u00f6rt, mit Freunden telefoniert, mich mit einer Freundin zum Bullet Journaling\u00a0oder zum Einkaufen von Karnevalskleidung verabredet. Au\u00dferdem war ich mit ein paar Freunden zu Mittag essen und habe einen Sch\u00fclerin bei ihren Vorbereitungen auf die B1-Pr\u00fcfung unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>In Zukunft werde ich in der Schule mit den 8.Kl\u00e4sslern eine Art Papiertheater zu verschiedenen M\u00e4rchen basteln, einen Back-Workshop\u00a0in den neunten Klassen anbieten, Spiele und Quizze mithilfe von Lern-Apps vorbereiten und durchf\u00fchren, beim Korrigieren von Texten helfen und meine AG &#8222;Deutsch extra&#8220; beginnen, in der ich je nach Interesse und Sprachniveau Spiele spielen, backen, kochen oder\u00a0basteln werde. Au\u00dferdem\u00a0werde ich\u00a0Beitr\u00e4ge aus Zeitungen, Podcasts, Musik, Literatur und Film zu gesellschaftlich aktuellen Themen mit den Sch\u00fclern behandeln oder offene Fragen aus dem Unterricht kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Am letzten Samstag wollten Finn und ich eigentlich in\u00a0einem Naturpark mit Wasserf\u00e4llen wandern gehen, aber leider hat er seinen Wecker verschlafen, sodass wir nochmal im &#8222;Parque das Mangabeiras&#8220;\u00a0spazieren gingen und\u00a0die Sonne im weichen\u00a0Gras genossen.\u00a0Des Weiteren backten wir ein\u00a0Bananenbrot f\u00fcr meine vorherige Gastfamilie als kleines Dankesch\u00f6n f\u00fcr\u00a0ihre Gastfreundschaft Finn gegen\u00fcber. Am Sonntag sind wir mit\u00a0Maria Luiza auf eine Pr\u00e4-Karneval-Veranstaltung einer linken Bewegung f\u00fcr niedrigere Preise im \u00f6ffentlichen Nahverkehr gegangen. Zun\u00e4chst sah es aus, als ob die traditionell konservative Polizei den &#8222;bloquinho&#8220; verbieten wollte und es sammelten sich absurd viele Einsatzkr\u00e4fte im Vergleich zu den vielleicht 30 Anwesenden, darunter viele Kinder. Letztlich konnte die Veranstaltung aber stattfinden und neben bekannten Liedern, deren Texte an die sozialen Forderungen der Bewegung angepasst und zum Teil von einem kleinen M\u00e4dchen gesungen wurden, spielte ein improvisiertes Trommel- und Rasselorchester verschiedene Rhythmen. Wir tanzten und sangen kr\u00e4ftig mit. Angesichts dieser Erlebnisse freue ich mich schon riesig auf den Karneval, der am kommenden Wochenende beginnt. Auch beim Tanzen im Fitnessstudio haben vorgestern die anderen Frauen gesagt, ich sei mehr als bereit f\u00fcr den Karneval und w\u00fcrde sehr sch\u00f6n tanzen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6345.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-357\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6345-300x169.png\" alt=\"\" width=\"304\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6345-300x169.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6345-768x432.png 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6345.png 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6345-624x351.png 624w\" sizes=\"(max-width: 304px) 100vw, 304px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6344.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-359\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6344-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"298\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6344-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6344-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6344.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6344-624x468.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6335.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-358\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6335-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6335-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6335.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/leahpreisinger\/files\/2020\/02\/IMG_6335-624x832.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zuletzt habe ich vergangene Montag spontan eine kranke Lehrerin vertreten. In Windeseile habe ich ein Quiz mit Fakten \u00fcber Deutschland erstellt, das ich mit den 6. und 7. Klassen gespielt habe. Weiterhin habe ich Unterricht gem\u00e4\u00df des Lehrplans zum Thema Begr\u00fc\u00dfung und Zahlen bis 100, beziehungsweise Schulsachen gehalten. Das hat erstaunlich gut funktioniert und am Abend bekam ich sehr positive R\u00fcckmeldung von Albert, der meinte, ich sei einsame Spitze und im Sekretariat, im Kollegium und auch innerhalb der Schulleitung sei man sehr zufrieden mit meinem Engagement und stolz auf mich. Sie h\u00e4tten sogar gefragt, ob ich nicht bleiben k\u00f6nne und in anderen St\u00e4dten beneide man\u00a0das CSA\u00a0um mich. Diese Worte haben mich unglaublich ger\u00fchrt und einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig es ist, Portugiesisch zu sprechen, denn ohne die Landesprache h\u00e4tte ich nur einen Bruchteil der Aktivit\u00e4ten mit den Sch\u00fclern durchf\u00fchren k\u00f6nnen, vom Unterrichten mal ganz zu Schweigen.<\/p>\n<p>Wie ihr vielleicht\u00a0heraush\u00f6ren konntet, f\u00fchle ich mich wirklich sehr wohl in Brasilien, sehe mich in gewisser Hinsicht als Teil der Gesellschaft\u00a0und blicke mit Vorfreude auf den Karneval, meine bevorstehenden Projekte und Workshops.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe!<\/p>\n<p>P.S.: Viele der hier benutzten Bilder sind von Finn \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Brasilien inzwischen zu einer zweiten Heimat f\u00fcr mich geworden ist, wurde mir nach meiner R\u00fcckkehr aus Costa Rica in vielerlei Hinsicht bewusst. 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