Also kleiner Disclaimer: In Krakau ist nicht alles schwarz-weiß, auch wenn man das anhand meiner letzten Bilder vielleicht vermuten könnte. Also Farbbilder sind rein theoretisch auch möglich, aber sehen halt meistens nicht so ästhetisch aus. Hier also eine schwarz-weiß Aufnahme von einem Gebäude aus der stary miasto.

Die letzten Tage im Schnelldurchlauf: 

-Fünftklässler sind wirklich toll – und ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen werde. Auch wenn weder ich sie, noch sie mich verstehen.

-Ich weiß absolut gar nichts über deutsche Grammatik. Wann benutzt man im Perfekt „haben“ und wann benutzt man „sein“? Also die Siebtklässler hier haben es drauf und können es sogar grammatikalisch begründen – im Gegensatz zu mir, ich musste erstmal die Regel dazu googeln.

-Philosophiecafes sind ein bisschen seltsam, aber eigentlich ganz cool. Auch wenn vielleicht meine Altersgruppe nicht wirklich vertreten war.

-Wie zum Teufel unterrichtet man? Ohne, dass sich alle langweilen und mich desinteressiert anstarren??? Jetzt habe ich mich jahrelang über schlechten Unterricht beschwert und stehe plötzlich selbst ratlos da.

-Zapiekanka (typisches Krakauer Streetfood) muss unbedingt noch in anderen Kombinationen probiert werden. Und Pierogi auch.

-der Herd und ich freunden uns langsam an.

-Überweisungen mit unterschiedliche Währungen sind nervenaufreibend.

-die Altstadt ist unfassbar schön, auch das Weichselufer und das jüdische Viertel (Kazimierz).

-Nächste Woche beginnt der dringend notwendige Sprachkurs.

-Meine Mitbewohnerin ist und bleibt verschwunden.

 

Die ersten Tage

Dzień dobry! Nazywam się Leah. Mam osiemnaście lat. Pochodzę z Niemiec.

Nach den ersten Tagen ist mir ziemlich schnell klargeworden, dass sich meine polnisch Kenntnisse nicht wie von meinem Lernprogramm eingeschätzt auf A1 beschränken, sondern, dass sie doch deutlich schlechter sind. Umso besser ist dann der Moment, in dem man tatsächlich ein Wort wiedererkennt: Nicht, dass sich das meistens auch einfach leicht aus dem Deutschen herleiten lassen würde oder, dass man sich das irgendwie aus dem Kontext denken kann… aber den kleinen Markt: mały rynek oder die Haltetselle: przystanek hab ich trotzdem wiedererkannt – das ich dabei entweder am kleinen Markt oder an einer Haltestelle stand, muss ja nicht das Erfolgserlebnis kleiner machen. Ich glaube alles was ich verstehen würde, wird momentan durch die Sprechgeschwindigkeit von Muttersprachlern einfach in eine ganz andere Sprache verwandelt.

Etwas Anderes was mich momentan noch überfordert: Mein Herd. An dieser Stelle: Liebe Oma, ich kann absolut verstehen warum du diesen hammer mega krassen Herd von Jane und Winnie nicht ausstehen kannst. Mein hochmoderner Herd hier macht wirklich was er will, lässt sich manchmal nicht ausschalten oder geht einfach plötzlich wieder aus, blinkt, macht komische Geräusche und wirkt manchmal so als würde er gleich in die Luft gehen.

Und dann ist da heute natürlich noch mein erster Tag in der Schule und irgendwie muss ich mir noch ein Fahrrad anschaffen…  aber eins nach dem anderen…