{"id":140,"date":"2018-07-03T15:01:53","date_gmt":"2018-07-03T13:01:53","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/?p=140"},"modified":"2018-07-03T15:04:31","modified_gmt":"2018-07-03T13:04:31","slug":"das-glueck-der-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/2018\/07\/03\/das-glueck-der-erde\/","title":{"rendered":"Das Gl\u00fcck der Erde&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Am 01. Juli feiert Ghana den Republic Day. Und da dieser Feiertag auf einen Sonntag fiel, gab es als Ersatz den Montag frei. Immerhin k\u00f6nnen die Menschen ja nichts daf\u00fcr, dass der Feiertag auf das Wochenende f\u00e4llt. Das war mir gleich sympatisch. Am 01. Juli 1960 wurde Ghana eine unabh\u00e4ngige Republik, jedoch wird im M\u00e4rz auch noch der Independence Day gefeiert &#8211; der Tag, an dem Ghana unabh\u00e4ngig von Gro\u00dfbritannien wurde und als erstes Land in Afrika nicht von Europ\u00e4ern regiert wurde.<\/p>\n<p>Das lange Wochenende haben Zaira und ich genutzt mal etwas weiter aus Accra herauszufahren. Viele Strecken lohnen sich f\u00fcr einen Samstag\/Sonntag Ausflug nicht, also hat sich das angeboten. Wir entschieden uns f\u00fcr den Lake Bosumtwi (oder auch Lake Bosomtwe) in der N\u00e4he von Kumasi, denn wir hatten schon \u00f6fters geh\u00f6rt, dass es dort wundersch\u00f6n sein soll. Au\u00dferdem k\u00f6nnte man dort reiten gehen und f\u00fcr ein jahrelanges Reiterm\u00e4dchen war das nat\u00fcrlich ein absoluter Pluspunkt. Wir buchten uns in der Green Ranch ein. Die kleine Ranch wird von einer Franz\u00f6sin betrieben, die es sich zur Aufgabe gemacht hat einen Beitrag zur Umwelt zu leisten. Maximal 15 G\u00e4ste k\u00f6nnen zeitgleich in der Ranch schlafen. Das soll den M\u00fcllverbrauch verringern und der Unterkunft die M\u00f6glichkeit geben ihren M\u00fcll selbst zu entsorgen. Das Wasser wird selbst gefiltert, in Glasflaschen abgef\u00fcllt und frei angeboten, damit die Besucher auf Plastikflaschen verzichten k\u00f6nnen. Die Pferde laufen den ganzen Tag frei auf dem Gel\u00e4nde herum und kommen nur abends in ihre Boxen. Ein Projekt, was ich gerne unterst\u00fctzt habe.<\/p>\n<p>Wir brachen morgens mit dem VIP Reisebus von Accra nach Kumasi auf. Der Bus war deutlich komfortabler, als die Trotros und Minivans, die wir sonst nutzten, hatte aber auch einen stolzen Preis von 45 Cedi. Daf\u00fcr gab es einen Raststopp mit den saubersten Toiletten, die ich in Ghana jemals gesehen habe. Davon k\u00f6nnten sich selbst manche Rastst\u00e4tten an Deutschlands Autobahnen eine Scheibe von abschneiden. Einzig die Klimaanlage in dem Bus war ne Ecke zu viel. Die Fahrt dauerte recht lange, vor allem weil wir bei Ankunft in Kumasi erstmal im Stau standen. Ghana Style eben. Dort angekommen liefen wir zur Trotro Station. Von Accra gibt es keine direkte Verbindung zum Lake Bosumtwi, von Kumasi leider auch nicht. Wir sollten \u00fcber Kuntanase fahren und von dort mit dem Taxi nach Abono, wo der See liegt. An der Station trafen wir zuf\u00e4llig f\u00fcnf andere Deutsche. Und ein Trotro nach Abono. Kurze Verwirrung, gemischt mit Freude, gemischt mit komischen Gef\u00fchlen. Schnell wurde klar, dass das Trotro nur wegen uns &#8222;Wei\u00dfen&#8220; nach Abono fahren w\u00fcrde und auch den Preis verlangen w\u00fcrde. Nach l\u00e4ngere Verhandlungsphase &#8211; der Mate wollte das alles k\u00fcnstlich in die L\u00e4nge ziehen &#8211; einigten wir uns auf einen Preis und er durfte noch weitere Menschen auf dem Weg einsammeln. Kurze Zeit sp\u00e4ter fing es sehr stark an zu regnen. Die Scheibenwischer fielen aus und der Fahrer fuhr einfach in seinem (etwas schnellem) Tempo weiter. Es wurde kein Schlagloch ausgelassen, das Wasser spritze nur so \u00fcber die Stra\u00dfen und einmal sind wir knapp einem Unfall entkommen. Zumindest ist es mir nur einmal wirklich aufgefallen. Als wir endlich am kleinen Ankunftsh\u00e4uschen vom See ankamen, war ich sehr erleichtert. Wir dr\u00fcckten dem Ranger die 5 Cedi Parkgeb\u00fchr in die Hand und fuhren weiter. Der Lake Bosumtwi ist ein UNESCO Biosph\u00e4renreservat, die Parkgeb\u00fchr unterst\u00fctzt die Entwicklung dort. Wenige Minuten sp\u00e4ter erreichten wir dann Abono &#8211; und wurden direkt wieder weggezerrt. Ein Mann kam an und meinte wir sollten mit in das Tourismusb\u00fcro kommen. Warum? Keine Antwort. Er verlangte 10 Cedi Eintrittsgeb\u00fchr, ohne d\u00fcrften wir uns nicht dort aufhalten und wurde sehr frech, als wir diese verweigerten. Immerhin hatten wir ja schon eine Eintrittsgeb\u00fchr bezahlt. Es war mal wieder eine der vielen Maschen, mit denen viele Menschen versuchen mehr Geld zu machen. Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr was das Geld sei, wollte er uns nicht geben. Als Antwort wurden wir nur angeschrien. Das ging so weit, dass wir die Unterkunft anruften und nachfragten, was es damit auf sich hat. Die Besitzerin meinte, wir sollten gehen, wir m\u00fcssen die Geb\u00fchr nicht zahlen. H\u00e4tte man uns erkl\u00e4rt, f\u00fcr was das Geld ben\u00f6tigt wird, w\u00e4ren wir vermutlich bereit gewesen diese 10 Cedi als Spende abzugeben. Der Mann machte allerdings den Anschein, als w\u00fcrde er sich die 70 Cedi, die er an uns verdient h\u00e4tte, einfach selbst in die Tasche steckten. Im str\u00f6menden Regen machten wir uns dann auf die Suche nach einem Taxi. Und der Spa\u00df ging von vorne los. Die 10-min\u00fctige Fahrt zur Unterkunft wurde uns f\u00fcr 40 bis 50 Cedi angeboten. In Accra zahlen wir f\u00fcr die gleiche Strecke maximal 10 Cedi. Da wir aber vor Einbruch der Dunkelheit in der Unterkunft ankommen wollten, einigten wir uns auf eine 25 Cedi Fahrt. Die anderen Deutschen wohnten in einem anderen Hotel und es hat uns sehr viel M\u00fche gekostet, den Taxifahrern zu erkl\u00e4ren, dass wir nicht in die gleiche Unterkunft fahren. Und was passiert? Der Taxifahrer f\u00e4hrt uns in die Unterkunft der anderen Deutschen. Ein klassischer Fall von nicht-zuh\u00f6ren, den viele Ghanaer, die ich bis jetzt getroffen habe, sehr zu pflegen scheinen. Nach zehn (!) Stunden Reise kamen wir dann endlich an der Green Ranch an.<\/p>\n<figure id=\"attachment_151\" aria-describedby=\"caption-attachment-151\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/E42665D5-AA9D-4B5E-8359-CCCE4648119C.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-151\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/E42665D5-AA9D-4B5E-8359-CCCE4648119C-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/E42665D5-AA9D-4B5E-8359-CCCE4648119C-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/E42665D5-AA9D-4B5E-8359-CCCE4648119C-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/E42665D5-AA9D-4B5E-8359-CCCE4648119C.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-151\" class=\"wp-caption-text\">Die Aussicht<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Ranch hat mich von Anfang an begeistert. Kleine, aber sch\u00f6ne Zimmer. Ein wundersch\u00f6ner Ausblick auf den See. Freilaufende Pferde und ein etwas frecher Esel. Einfach eine nette Umgebung und absolut empfehlenswert, wenn man den Lake Bosumtwi besuchen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3478.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-149 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3478-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"482\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3478-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3478-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3478.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 482px) 100vw, 482px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Tag war f\u00fcr uns dann mehr oder weniger gelaufen. Durch den Regen und die Dunkelheit konnten wir die Umgebung nicht mehr wirklich erkunden, also gingen wir auf die gro\u00dfe Terrasse und genossen unser vegetarisches Abendessen. Auf der Ranch wird ausschlie\u00dflich vegetarisches und veganes Essen angeboten. Ich bin zwar keine Vegetariern, aber es war eine nette Abwechslung zum ewigen Fleischkonsum, dem wir in Accra ausgesetzt sind. Wir sprachen mit den anderen G\u00e4sten und verzogen uns danach recht schnell in unser Zimmer.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen entschieden wir auf jeden Fall einen Ausritt machen zu wollen. Das Wetter war unbest\u00e4ndig, aber Elodie (die Besitzerin) war zuversichtlich, dass wir im Laufe des Morgens eine trockene Phase erwischen w\u00fcrden. Und sie sollte Recht behalten. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck warteten wir den kurzen Regen ab und schon ging es los. Eine Stunde entlang des Sees und der kleinen D\u00f6rfer. Und endlich mal wieder auf dem R\u00fccken eines Pferdes. Es hat unfassbar viel Spa\u00df gemacht auch wenn ich etwas Muskelkater davongetragen habe. Den restlichen Tag habe ich mit einem Buch auf der Terrasse verbracht &#8211; mit Ausblick auf den See und Schutz vor dem immer wieder kommendem Regen. Es war entspannend einfach mal nichts zu tun und der Hektik Accras zu entkommen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_148\" aria-describedby=\"caption-attachment-148\" style=\"width: 357px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3495.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-148 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3495-300x399.jpg\" alt=\"\" width=\"357\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3495-300x399.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3495-768x1023.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3495.jpg 769w\" sizes=\"(max-width: 357px) 100vw, 357px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-148\" class=\"wp-caption-text\">Neue Freundin gefunden &#8211; Indigo<\/figcaption><\/figure>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3482.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-150 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3482-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"484\" height=\"363\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3482-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3482-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3482.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 484px) 100vw, 484px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/2955f971-f8d9-4656-a72b-d70f23dea8c4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-147 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/2955f971-f8d9-4656-a72b-d70f23dea8c4-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"357\" height=\"476\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/2955f971-f8d9-4656-a72b-d70f23dea8c4-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/2955f971-f8d9-4656-a72b-d70f23dea8c4.jpg 744w\" sizes=\"(max-width: 357px) 100vw, 357px\" \/><\/a>Am n\u00e4chsten Tag mussten wir schon wieder abreisen. Und das relativ fr\u00fch, da wir auf dem Hinweg ja gelernt hatten, dass die Fahrt durchaus l\u00e4nger dauern kann. Aber nat\u00fcrlich kam es mal wieder anders. Wir entschieden uns mit dem Boot nach Abono zu fahren und von dort ein shared taxi zu den n\u00e4chsten Orten zu nehmen. Leider kam das Boot aber nicht. Nach \u00fcber einer Stunde warten, rufte Elodie uns ein Taxi. Und prompt kam das schon abbestellte Boot angefahren. Typisch Ghana. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter sa\u00dfen wir dann endlich im Taxi. Elodie erkl\u00e4rte uns, dass wir nicht wieder \u00fcber Kumasi fahren m\u00fcssen. Auf der Strecke g\u00e4be es einen Ort, wo auch Kleinbusse nach Accra fahren. Perfekt! Dachten wir zumindest. Dort angekommen mussten wir n\u00e4mlich \u00fcber eine Stunde warten, bis der Bus sich endlich mal f\u00fcllte. Und normalerweise fahren solche Busse die Strecke dann durch. Unserer nicht. Wir hielten an jeder M\u00f6glichkeit, lie\u00dfen Leute ein- und aussteigen. Wie bei einem Trotro. Nur, dass wir deutlich mehr bezahlt hatten. Als wir uns endlich Accra n\u00e4herten und knapp zehn Minuten von der Station entfernt waren, entschied der Fahrer aber keine Lust mehr zu haben. Wir mussten aussteigen &#8211; Diskussion hin oder her &#8211; und mit dem Trotro zur geplanten Station fahren. Wir hatten geplant vor der Dunkelheit in Accra einzutreffen. Durch diese Aktion hat das nat\u00fcrlich nicht geklappt.<\/p>\n<p>Das Wochenende hat mir mal wieder gezeigt, dass in Ghana nie etwas so l\u00e4uft, wie man es plant. Und es trotzdem immer irgendwie funktioniert. Die Reise war stressig, der Aufenthalt daf\u00fcr umso sch\u00f6ner. Kleinkriegen lassen gibt es hier nicht. Man nimmt die Dinge, wie sie kommen. Was bleibt einem auch anderes \u00fcbrig?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 01. Juli feiert Ghana den Republic Day. Und da dieser Feiertag auf einen Sonntag fiel, gab es als Ersatz den Montag frei. Immerhin k\u00f6nnen die Menschen ja nichts daf\u00fcr, dass der Feiertag auf das Wochenende f\u00e4llt. Das war mir gleich sympatisch. Am 01. 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