{"id":134,"date":"2018-07-03T12:33:21","date_gmt":"2018-07-03T10:33:21","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/?p=134"},"modified":"2018-07-03T12:33:21","modified_gmt":"2018-07-03T10:33:21","slug":"regenzeit-stromausfaelle-und-andere-kleinigkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/2018\/07\/03\/regenzeit-stromausfaelle-und-andere-kleinigkeiten\/","title":{"rendered":"Regenzeit, Stromausf\u00e4lle und andere Kleinigkeiten"},"content":{"rendered":"<p>Juni ist Regenzeit. Gl\u00fccklicherweise bin ich noch kein einziges Mal wirklich nass geworden. Meist regnet es nachts, vielleicht mal am Vormittag oder am Abend, aber nie den ganzen Tag, immer nur kurz. Die Regenzeit habe ich mir anders vorgestellt, aber vermutlich habe ich einfach zu wenig Ahnung davon. Die Tage in Accra sind oft bew\u00f6lkt, manchmal so sehr, dass es gar nicht wirklich hell wird. Die Sonne sieht man seltener, als noch im M\u00e4rz oder April, aber doch ist sie ein st\u00e4ndiger Gast.<\/p>\n<p>Leider bringt die Regenzeit auch kleinere Probleme mit sich. Komplett Accra war einen Abend ohne Strom. Die Bars und Restaurants besitzen Generatoren, also machten wir uns auf den Weg Richtung Oxford Street und warteten bis die Lichter wieder angingen. Dann war f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit Ruhe. Bis vor zwei Wochen&#8230;<\/p>\n<p>Mir wurde gesagt, dass Accra im Juni eigentlich immer von einer Katastrophe &#8211; verursacht durch den Regen &#8211; getroffen wird. Wir sind verschont geblieben, oder es war f\u00fcr mein Verst\u00e4ndnis keine Katastrophe. An einem Mittwoch Abend fiel wieder der Strom aus. Und da es in Ghana immer schon um kurz nach 18 Uhr dunkel wird, hei\u00dft das wirklich in Dunkelheit sitzen. Da wir darauf keine Lust hatten, fuhren wir ins Afrikiko zum Salsa tanzen und gucken. Was ein Gl\u00fcck, dass es f\u00fcr Mittwoch immer eine Alternative gibt (und die guten, alten Generatoren)! Der Strom ist gl\u00fccklicherweise immer zur\u00fcck, wenn man zu Hause eintrifft. Am Wochenende fiel der Strom dann wieder aus und wir flohen erneut aus unserem Haus. Und was f\u00fcr uns so einfach ist, ist f\u00fcr die Menschen, die ihre Stra\u00dfenst\u00e4nde betreiben oft ein kleiner Fluch. Ob sie sich davon unterkriegen lassen? N\u00f6. Kerzen werden aufgestellt und der Verkauf geht munter weiter &#8211; vorausgesetzt die Kundschaft kommt. Ich hab noch keinen Ghanaer geh\u00f6rt, der sich \u00fcber diese Verh\u00e4ltnisse beschwert. Es ist zu sehr im Alltag verankert.<\/p>\n<p>Und dann kam der Tag, der zu einer kleinen Grenze f\u00fcr mich wurde. Eines Abends hat es so stark geregnet, dass unsere Wohnung voll Wasser lief. Der Wind dr\u00fcckte den Regen durch die Fenster, das Wasser sickerte durch die W\u00e4nde in die Wohnung. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit waren Wohnzimmer, K\u00fcche und beide B\u00e4der vollgelaufen. Unsere Zimmer sind gl\u00fccklicherweise verschont geblieben. Unsere erste Reaktion war es zu lachen. Was sollten wir auch sonst tun? An den Stromk\u00e4sten tropfte das Wasser herunter und wir k\u00f6nnen eigentlich froh sein, dass nichts schlimmeres passiert ist. Seitdem funktioniert der Strom in der K\u00fcche auch nicht mehr &#8211; zwei Wochen ohne K\u00fcche und keine Besserung in Sicht. Die ghanaische Mentalit\u00e4t hat eingeschlagen &#8211; wir kommen morgen und reparieren das. Jaja. Morgen. Das war vor zwei Wochen.<\/p>\n<p>Aber der Juni hatte nicht nur die kleinen Katastrophen und Regenf\u00e4lle mitgebracht. An einem Wochenende entschieden Zaira und ich, dass wir zu den Boti Falls fahren. Immerhin w\u00fcrde sich da auch ein Tagestrip von Accra aus lohnen. Also fuhren wir an einem Morgen in aller Fr\u00fche mit dem Trotro nach Madina und von dort mit einem Kleinbus nach Koforidua etwa 1 1\/2 Stunden weiter ins Landesinnere. In Koforidua angekommen wurden wir nat\u00fcrlich direkt wieder von Taxifahrern belagert. Samstags w\u00fcrde kein Trotro zu den Boti Falls fahren, was wir anfangs nicht geglaubt haben. Nachdem uns aber mehrere Menschen diese Auskunft gegeben hatte, zweifelten wir langsam. Also nahmen wir einen der (nervigen) Taxifahrer. 8 Cedi pro Person f\u00fcr die Strecke? Guter Deal, machen wir! Und sind damit in eine dreiste Falle des Fahrers gefallen. Bei Ankunft an den Boti Falls wollte der Fahrer nicht 8 Cedi pro Person, sondern 8 Cedi pro Sitz im Auto. Eine gef\u00fchlte Stunde voller Diskussionen sp\u00e4ter, haben beide Parteien irgendwie ihren Kopf durchgesetzt. Wir zahlten nicht seinen verlangten Preis, aber doch mehr, als vorher abgemacht war. Wir sind ja nicht aus Ghana, mit uns kann man&#8217;s ja machen. An den Boti Falls selbst sollten wir einen Guide dazubuchen, ohne d\u00fcrfte man sich auf dem Gel\u00e4nde nicht bewegen. Ebenfalls eine dreiste L\u00fcge, um etwas mehr Geld zu verdienen. Zu den Wasserf\u00e4llen gelangt man ganz einfach \u00fcber eine Treppe &#8211; Guide nicht notwendig. Die sch\u00f6nen Zwillingswasserf\u00e4lle konnten wir auch gut alleine betrachten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3316.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-136 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3316-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"518\" height=\"388\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3316-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3316-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/IMG_3316.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 518px) 100vw, 518px\" \/><\/a>Und wie oft wurde uns beim Vorbereitungsseminar gesagt, wir sollen keine Fotos von den Einheimischen machen, au\u00dfer wir fragen vorher? Wir haben eine gewisse Verantwortung, wenn wir diesen Blog f\u00fchren. Wir sollten uns bewusst sein, dass nicht jeder fotografiert werden m\u00f6chte. Leuchtet mir ein. Wirklich. Den Ghanaern aber offensichtlich nicht. W\u00e4hrend der Wanderung an den Boti Falls haben wir eine kleine Pause gemacht. Direkt scherrten sich vier ghanaische M\u00e4dchen und ein Junge um mich und machten Fotos. Wurde ich gefragt? Nat\u00fcrlich nicht. Ein M\u00e4dchen setzte sich sogar auf mich, um ein gutes Foto machen zu k\u00f6nnen. Ich war kurz vorm Platzen, aber habe nach drei Monaten in Ghana auch gelernt, dass ich mich mit so einem Verhalten abfinden muss. Es war nicht das erste Mal, dass ich so offensichtlich fotografiert wurde. Oft passiert das allerdings heimlicher. Ich habe schon mehrfach bemerkt, dass mich M\u00e4nner heimlich fotografieren. Auf dem Markt hat mich ein j\u00fcngeres M\u00e4dchen fotografiert. Wenn wir irgendwo sitzen, egal ob im Trotro, im Restaurant oder sonst wo, werden oft Selfies geschossen &#8211; mit uns im Hintergrund. Es ist ein unangenehmes Gef\u00fchl st\u00e4ndig wie eine Attraktion behandelt zu werden, nur weil man anders aussieht. Umso mehr kann ich es verstehen, dass man in Deutschland darauf sensibilisiert wird so ein Verhalten eben nicht zu unterst\u00fctzen. Das funktioniert nur leider nicht \u00fcberall.<\/p>\n<p>Der Juni brachte nat\u00fcrlich auch die Fu\u00dfball-WM mit sich. Das erste Deutschland Spiel schauten wir beim Public Viewing in der German Swiss International School. Und wussten direkt &#8211; einmal und nie wieder. Obwohl ich die Deutschland Spiele fast immer beim Public Viewing gesehen hatte, mit der deutschen Community in Ghana zu schauen, f\u00fchlte sich irgendwie komisch an. Deshalb schauten wir das n\u00e4chste Spiel in einer Bar. F\u00fcr Deutschland war es ja leider ein kurzes Vergn\u00fcgen. Immerhin m\u00fcssen wir uns jetzt nicht mehr den Kopf zerbrechen, wann wir wo das n\u00e4chste Spiel gucken. Oder ob wir wegen der Zeitverschiebung noch auf der Arbeit sein werden. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/91562fab-3e2a-4ffa-a352-8d6a8c8acd85.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-137 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/91562fab-3e2a-4ffa-a352-8d6a8c8acd85-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/91562fab-3e2a-4ffa-a352-8d6a8c8acd85-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/91562fab-3e2a-4ffa-a352-8d6a8c8acd85-768x1024.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/laurainghana\/files\/2018\/07\/91562fab-3e2a-4ffa-a352-8d6a8c8acd85.jpg 810w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>In den letzten Monaten haben ich definitiv gelernt mit meinen interkulturellen Begegnungen deutlich besser umzugehen. Ich werde auf der Stra\u00dfe von einem Mann angemacht? Ignoriert und weitergehen. Taxifahrer oder H\u00e4ndler versuchen mehr Geld von mir zu bekommen, &#8222;nur weil ich wei\u00df bin&#8220;? Nicht kleinkriegen lassen. \u00c4ndern kann man es sowieso nicht. Nur damit umgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juni ist Regenzeit. Gl\u00fccklicherweise bin ich noch kein einziges Mal wirklich nass geworden. Meist regnet es nachts, vielleicht mal am Vormittag oder am Abend, aber nie den ganzen Tag, immer nur kurz. Die Regenzeit habe ich mir anders vorgestellt, aber vermutlich habe ich einfach zu wenig Ahnung davon. 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