{"id":8,"date":"2022-10-13T13:36:51","date_gmt":"2022-10-13T11:36:51","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/lakebosomtweundkumasi\/?p=8"},"modified":"2022-10-13T13:36:51","modified_gmt":"2022-10-13T11:36:51","slug":"aus-einer-woche-ist-ein-monat-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/lakebosomtweundkumasi\/2022\/10\/13\/aus-einer-woche-ist-ein-monat-geworden\/","title":{"rendered":"Aus einer Woche ist ein Monat geworden"},"content":{"rendered":"<p>Ich gebe zu, es war nicht geplant, dass der erste Eintrag meines Blogs zur gleichen Zeit, wie der zweite erscheint, aber nun ist es wohl so. Obwohl ich guten Gewissens nicht behaupten kann, ich h\u00e4tte \u00fcberhaupt keine Zeit gehabt weiter von meiner Zeit hier zu berichten, ist mir doch immer wieder etwas, und war es auch die Langeweile, dazwischengekommen. Es ist aber in den letzten dreieinhalb Wochen schon einiges passiert.<\/p>\n<p>Ich musste aber erst gerade einen englischen, einseitigen Bericht \u00fcber meine Arbeit und Erfahrungen bisher bei der UNESCO Nationalkommission Ghana einreichen und dasselbe nochmal hier auf Deutsch statt englisch darzulegen erscheint mir sehr \u2026Worth\u00e4nger\u2026 \u201eunattraktiv\u201c.<\/p>\n<p>Damit meine Erl\u00e4uterungen also f\u00fcr mich spannender und f\u00fcr die Lesenden vielleicht greifbarer werden werde ich hier m\u00f6glichst chronologisch auflisten, was ich in den letzten Wochen alles das erste Mal gemacht habe und kleine Erkl\u00e4rungen dazu geben:<\/p>\n<p>Ich habe\/bin das erste Mal:<\/p>\n<p>Mit einem gut gefederten Jeep \u00fcber so h\u00fcgelige Stra\u00dfen gefahren, dass man aufpassen muss mit dem Kopf nicht gegen die Decke zu sto\u00dfen (Hatte aber was von Achterbahn)<\/p>\n<p>Instantnudeln in einer Metallflasche zubereitet<\/p>\n<ul>\n<li>Wurde leider un(an)fassbar hei\u00df und ich hatte weder L\u00f6ffel noch Gabel, sodass ich die Nudeln aus der Flasche in meinen Mund kippen musste<\/li>\n<\/ul>\n<p>Twi gesprochen<\/p>\n<ul>\n<li>nachdem ich mit \u201eEte sein\u201c (Wie geht es dir) angesprochen wurde, wusste ich, was \u201eMir geht es gut\u201c hei\u00dft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Allein Tro Tro (Kleinbus, der \u00d6ffis \u00e4hnelt) gefahren<\/p>\n<ul>\n<li>Das Tro Tro Netz hier ist sehr zuverl\u00e4ssig und geordnet, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Wenn man aber wei\u00df, wo man hinmuss um Tro Tros in eine bestimmte Richtung zu erwischen und wei\u00df, wo man wieder raus will, dass kommt man ziemlich gut und g\u00fcnstig (ca. 20-35 ct. Pro Fahrt) Von A nach B. Es gibt aber auch Tro Tros, die l\u00e4ngere Strecken und sogar bis ins Ausland fahren. Da zahlt man h\u00f6here, aber im Vergleich immer noch sehr annehmbare Preise.<\/li>\n<\/ul>\n<p>An dem See gewesen, um den sich meine Arbeit dreht (Das Biosph\u00e4renreservat hat eine unfassbar sch\u00f6ne Vegetation)<\/p>\n<ul>\n<li>Einerseits war ich dort f\u00fcr Wasserproben und Umfragen in den Communities um den See, denn der Managementplan f\u00fcr das Biosph\u00e4renreservat wir neu entworfen und dazu werden Daten ben\u00f6tigt, andererseits f\u00fcr das so genannte Coevahcop Camp. Eine Art Sommercamp, bei dem Studierende Communityarbeit am See betreiben. Das sind zum Beispiel gemeinsam gefeierte Gottesdienste, Umweltbildung in Schulen, Klamotten und Schuhe verteilen, oder auch das Medical Health Screening, bei dem alle, die wollten untersucht wurden und dann kostenlos Medikamente bekamen. W\u00e4hrend diesem wunderbaren f\u00fcnft\u00e4gigen Aufenthalt sind die folgenden sechs Punkte passiert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In selbigen See voll bekleidet geschwommen (Die Badesachen waren einfach zu weit weg)<\/p>\n<p>Frisch gepfl\u00fcckte Papaya und Kokosnuss geschnitten und gegessen<\/p>\n<p>Yam (eine Wurzelknolle, \u00e4hnlich der Kartoffel) gesch\u00e4lt<\/p>\n<ul>\n<li>Das Beste, was man mit diesem Yam meiner Meinung nach machen kann, ist frittieren. Das schmeckt dann genau, wie dicke Stakehouse Pommes. Richtig gut!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einen Riesenbottich Bohnen sortiert in gut und schlecht (Hab mich gef\u00fchlt, wie Aschenputtel)<\/p>\n<p>F\u00fcr die K\u00fcche Wasser aus einem Brunnen geholt<\/p>\n<p>Ich wurde das erste Mal auf eine ghanaische Hochzeit eingeladen, die praktischerweise einen Tag vor meiner Abreise stattfindet.<\/p>\n<p>Bei einem open Air Gottesdienst gewesen und zur ohrenbet\u00e4ubend lauten Musik getanzt<\/p>\n<p>Auf andere Deutsche getroffen<\/p>\n<ul>\n<li>Mitarbeitende vom Biosph\u00e4renreservat Schaalsee waren da um als Partnerorganisation mit dem Lake Bosomtwe einen am See gelegenen Informationscenter einzurichten, der Touristen, aber auch Schulklassen anziehen soll<\/li>\n<\/ul>\n<p>B\u00e4ume gepflanzt<\/p>\n<p>13 Stunden allein unterwegs gewesen<\/p>\n<ul>\n<li>Ich habe andere Freiwillige in Ada Foah, einem sch\u00f6nen, kleinen Ort an dem Ort, an dem der gro\u00dfe Voltafluss ins Meer m\u00fcndet. Die Fahrt war allerdings wirklich auslaugend<\/li>\n<\/ul>\n<p>Echte Krokodile gesehen<\/p>\n<ul>\n<li>Leider unter ziemlich schlechten Haltungsbedingungen. Das \u201eCrocodile Island\u201c beherbergt drei Krokodile im Betonbecken, ein paar halb ertrunkene Schildkr\u00f6ten, zwei depressive Affen und drei Pythonschlangen in K\u00e4figen. Abgesehen von der halbst\u00fcndigen Bootsfahrt dorthin keine Empfehlung wert<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bread with Egg genossen (eigentlich bin ich kein Fan von R\u00fchrei, aber das hat richtig gut geschmeckt)<\/p>\n<p>Auf dem gro\u00dfen Kejetja Markt gewesen<\/p>\n<ul>\n<li>Einer dreist\u00f6ckigen, riesigen Markthalle, in der man alles finden k\u00f6nnte, aber irgendwie nichts findet. Nicht mal den Ausgang<\/li>\n<\/ul>\n<p>Selbst hier gekocht!<\/p>\n<ul>\n<li>Endlich habe ich nach einigem Hin und Her meinen eigenen Herd bekommen und schon einiges ausprobiert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einen Wasserausfall erlebt (es kam einfach nichts mehr aus den H\u00e4hnen)<\/p>\n<p>Workouts bei 80 Prozentiger Luftfeuchtigkeit gemacht und danach geschwitzt, wie bl\u00f6d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es kommt immer mehr dazu, je l\u00e4nger ich nachdenke. Diese Auflistung hilft mir selbst auch. Manchmal habe ich das Gef\u00fchl nicht genug zu erleben. Ich denke mir dann, dass ich schlie\u00dflich auch in M\u00fcnchen vor meinem Laptop sitzen und mich langweilen kann. Ich muss mir aber wohl h\u00e4ufiger klarmachen, dass ich bei nur einem Schritt vor die T\u00fcr hier mehr erlebe, sehe und lerne, als in einer Woche M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Es wird leichter, habe ich jetzt auch schon vielen Leuten gesagt, die mich gefragt haben, wie es mir denn geht. Es wird jeden Tag leichter, denn ich lerne neue Leute kennen, mit denen ich mich verabreden kann, um am Wochenende etwas zu tun zu haben, ich wei\u00df schon mehr \u00fcber Sehensw\u00fcrdigkeiten und sch\u00f6ne Ausflugsziele, ich wei\u00df, dass die anderen Freiwilligen gar nicht unendlich weit weg sind, sondern nur eine Busfahrt und 8\u20ac. Mein Kalender besteht nichtmehr nur aus leeren Tagen, die vergehen m\u00fcssen, sondern f\u00fcllt sich mit Verabredungen und Events, auf die ich mich freue. Ich wei\u00df, wo ich etwas zu essen bekomme, was mir schmeckt und was nicht.<\/p>\n<p>Und trotzdem. Ich f\u00fchle mich auch manchmal fehl am Platz, wei\u00df nicht wohin und stehe vor Problemen, f\u00fcr die ich keine L\u00f6sung finde. Ich kann nicht immer einsch\u00e4tzen, ob mich jemand abzieht, oder ob ich den normalen (hohen) Preis zahle. Ich wei\u00df nicht, wie ich reagieren soll, wenn mich jemand auf etwas einl\u00e4dt, oder mir etwas schenken will. Ich bleibe aber zuversichtlich gestimmt und wage mich einfach immer weiter \u00fcber meinen Tellerrand hinaus.<\/p>\n<p>Hier noch eine kleine Hommage an mein P-Seminar Poetry Slam aus der Schule, das ich sehr vermisse:<\/p>\n<p>Ich denke nach, ich denke vor, ich denke weiter<\/p>\n<p>Ich stehe und habe die Augen geschlossen. Ich h\u00f6re Vogelgezwitscher, B\u00e4sse dr\u00f6hnen, Stimmen schreien und Grillen zirpen. Ich rieche gebratenes Ei, Orange, und Autoabgase, ich schmecke das Schokoladen- und das Ananasst\u00fcck, das ich vorher gegessen habe, ich f\u00fchle warmen Wind, das Jucken meiner M\u00fcckenstiche und meine Fu\u00dfsohlen, an denen ich vom vielen Laufen schon ein paar Blasen habe. Ich denke wirr. Meine Gedanken kreisen. Das Schubladensystem in meinem Kopf musste sich in vier Wochen auf das doppelte vergr\u00f6\u00dfern und ich merke, dass zwischendurch IKEA geschlossen hatte, sodass vieles nun ungeordnet auf einem Haufen liegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gebe zu, es war nicht geplant, dass der erste Eintrag meines Blogs zur gleichen Zeit, wie der zweite erscheint, aber nun ist es wohl so. 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