{"id":441,"date":"2020-04-02T23:15:06","date_gmt":"2020-04-02T21:15:06","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/krtekaemma\/?p=441"},"modified":"2020-04-02T23:15:06","modified_gmt":"2020-04-02T21:15:06","slug":"ein-paar-gedanken-die-mir-gerade-so-durch-den-kopf-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/krtekaemma\/2020\/04\/02\/ein-paar-gedanken-die-mir-gerade-so-durch-den-kopf-gehen\/","title":{"rendered":"Ein paar Gedanken, die mir gerade so durch den Kopf gehen"},"content":{"rendered":"<p>Ich beobachte die aktuellen Ereignisse mit sehr gemischten Gef\u00fchlen. Noch h\u00e4lt er ein wenig an der Schock dar\u00fcber, wie ein Virus die geamte Weltbev\u00f6lkerung stilllegt, auch wenn sich nach zwei Wochen absoluter Ruhe in innerlicher Unruhe in meinem eigenen kleinen Kosmos langsam wieder alltagsartige Gef\u00fchle einstellen. F\u00fcr manche aber muss sich das Leben, wie sie es kannten gerade in einen kompletten Albtraum verwandeln und das nimmt mir manchmal den Atem. Gleichzeitig erf\u00fcllt es mich auch mit einem besonderen Gef\u00fchl, wenn ich mitbekomme, wie mitf\u00fchlend sich ein Gro\u00dfteil unserer Mitmenschen in so einer neuartigen und verwirrend bedrohlichen Situation zeigt. Seien es die Menschen in Italien, die singend und gemeinsam musizierend auf ihrer Balkone treten, um einander Halt und Zuversicht zu geben, oder die Initiativen zur Versorgung \u00e4lterer und gef\u00e4rdeterer Menschen, welche \u00fcberall zu beobachten sind. Sei es das ganz neue Ma\u00df an Wertsch\u00e4tzung, welches die Menschen in den Berufen, die sie gerade wahrhaftig zu &#8222;Helden des Alltags&#8220; machen, erhalten oder die damit einhergehende Mahnung vieler Politiker und anderer Stimmen, \u00fcber wundersch\u00f6ne Gesten wie einen t\u00e4glichen Applaus vom Balkon in St\u00e4dten wie K\u00f6ln hinaus, diesen Leuten zuk\u00fcnftig aber auch gehalttechnisch die Verg\u00fctung zu gew\u00e4hrleisten, die ihnen verdammt nochmal schon lange zusteht. Ich m\u00f6chte um Gottes Willen kein einziges Menschenleben auf die Waage legen, noch den Verlust und das Leid welches viele gerade erfahren ignorieren, wenn ich sage, dass ich auch ein paar positive Nebenerscheinungen in der Krise zu erkennen glaube. Denn diese missliche Lage gerade zeigt doch, dass in vielen von uns noch sehr viel Empathief\u00e4higkeit und Solidarit\u00e4t stecken, die jetzt ganz anders zum Vorschein kommen, wenn scheinbar sonst so erstrebenswerte Gr\u00f6\u00dfen wie Konsum, Ehrgeiz oder Konkurrenzf\u00e4higkeit in unserer furchtbar schnellen Welt zerfallen und uns in dieser entschleunigten Verdutzheit mit uns selbst zur\u00fccklassen. Vielleicht, und mir ist bewusst, dass ich an dieser Stelle die Worte so manches anderen Zeitgenossen in den Mund nehme, birgt dieses erzwungene Umdenken und das sich Besinnen auf die wirklich notwendigen Handlungen im Sinne eines gemeinsamen Krisenmanagments, so manche Chance f\u00fcr den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Sicherlich liegt vielen Leuten, die im Zuge der sich anbahnenden Wirtschaftskrise wirklich finanziell wie sozial oder gar existenziell gebeutelt sind, nichts ferner als jetzt einen Gedanken daran abzugeben, inwiefern unsere Art des Wirtschaftens von dieser unfreiwilligen Pause (oder m\u00f6glicherweise einem RESET) vielleicht profitieren k\u00f6nnte, dennoch m\u00f6chte ich aber doch zumindest mal aussprechen, dass unser Planet gerade seit langem mal wieder aufatmen kann, und dem auf einmal blauen Himmel \u00fcber China oder den klaren Kan\u00e4len in Venedig doch auch ein gewisser &#8220; Frieden&#8220; oder perspektivisch eine Aussicht auf &#8222;gute Besserung&#8220; innewohnen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass wir sind wie wir sind. Es gibt nichts schwierigeres f\u00fcr uns, als uns in einer uns selbst scheinbar benachteiligenden oder einschr\u00e4nkenden Art und Weise zu verhalten, wenn die Umst\u00e4nde, welche uns angeblich zu solchen Ma\u00dfnahmen zwingen so abstrakt und unnachvollziehbar sind, dass wir sie nicht selbst richtig zu sp\u00fcren bekommen. Nicht umsonst gibt es nach wie vor so viele Gegner der fridays for future Bewegung und nicht umsonst ist es manchmal unversch\u00e4mt einfach den Blick von dem \u00dcbel in der Welt abzuwenden und sich hinreichend befriedigt und unbek\u00fcmmert dem eigenen, unbedrohten Dasein hinzugeben. Das ist menschlich und hat ja auch irgendwo etwas mit Selbstschutz zu tun, eigentlich sichert es uns unsere Lebensqualit\u00e4t. Deshalb w\u00fcnsche ich auch niemandem, dass er die Folgen dieser Pandemie auch wirklich zu sp\u00fcren bekommt. Genauso wenig, wie ich je einem von uns gew\u00fcnscht habe, dass er von einer Umweltkatastrophe getroffen wird, die ihm den Klimawandel auch mal so richtig bewusst und die Notwendigkeit unseres dringenden Handelns begreifbar macht. Nun sind wir aber so einer Situation ausgesetzt, die jeder von uns in gro\u00dfem, wenn auch nicht dem gleichen Ausma\u00dfe zu sp\u00fcren bekommt. Ich hoffe niemand versteht mich falsch, wenn ich an dieser Stelle gerne aussprechen m\u00f6chte, dass dies vielleicht in der Theorie die einzige M\u00f6glichkeit ist, die jemals existieren wird, um uns Menschen alle zusammenzubringen: eine Krise, die alle in gleichem Ma\u00dfe betrifft. Mir missf\u00e4llt die allgegenw\u00e4rtige Kriegsmetapher, wenn ich ehrlich bin, da es sich hier weder um ein menschengemachtes Problem handelt, noch um eines, dass verschiedene Parteien und Interessengruppen mit sich bringt. Es sind auch keine Entscheidungen erforderlich die unser moralisches Bewusstsein in irgendeiner Weise beschmutzen. Denn sicherlich m\u00fcssen Kompromisse gefunden werden, sicherlich gibt es keinen K\u00f6nigsweg mehr und sicherlich f\u00fcrchtet momentan jeder Entscheidungstr\u00e4ger nichts mehr, als mit seinen Handlungen &#8222;dem gr\u00f6\u00dferen Teil&#8220; der Menschen zu schaden, aber dennoch m\u00fcssen wir uns doch eines vor Augen halten: seit langem geht es mal wieder um einen gemeinsamen Willen. Um den Wunsch, den jeder in gleichem Ma\u00dfe f\u00fcr sich hegt, gesund aus der Sache herauszukommen und der ihn dazu bef\u00e4higt in gleicher Intensit\u00e4t f\u00fcr den Mitmenschen und sein Wohl solidarisch miteinzustehen. Wer in Tagen wie diesen tats\u00e4chlich noch H\u00e4me oder Hass gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen versp\u00fcren kann, f\u00e4llt doch wirklich aus der Reihe und das macht mir irgendwie doch bewusst, zu welch gro\u00dfem Mitgef\u00fchl unsere Gesellschaft in der Lage ist, wenn Privilegien und &#8222;Klassenunterschiede&#8220; bei der Formulierung unserer h\u00f6chsten Priorit\u00e4ten wegfallen. Du m\u00f6chtest Gesundheit f\u00fcr dich und deine Liebsten? Das verstehe ich gut, denn das m\u00f6chte ich auch. W\u00e4hrend wir physisch erzwungener Ma\u00dfen gerade ein wenig voneinander abr\u00fccken, kommen wir uns emotional vielleicht wieder n\u00e4her.<\/p>\n<p>Meine einzige Sorge ist auch jetzt, dass wir nicht ganz in der Lage sind die seifige Wand unserer Blase zu durchbrechen. Denn sind wir mal ehrlich. Wir alle fiebern mit Italien mit, fassungslos \u00fcber die Krise, die das Land gerade durchlebt- weil wir es nicht erwartet h\u00e4tten, weil sie uns wie ein Schlag ins eigene Gesicht trifft- es h\u00e4ttet auch ihr sein k\u00f6nnen- und weil wir ihr so nah sind. Was aber ist mit den L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens? L\u00e4ndern, die auch sonst nicht unbedingt rekordverd\u00e4chtig viel Screentime in unseren Nachrichten erhalten und von denen wir eigentlich ganz genau wissen, dass sie mit einem, wenn \u00fcberhaupt existenten, mangelhaften Gesundheitssystem und dem Missstand an Hilfsmitteln und notwendigen Einrichtungen kaum eine Chance haben sich dem Virus zur Wehr zu setzen? Was ist mit Kriegsgebieten wie Syrien? Was ist mit ganzen Landstrichen in Afrika, die nicht im geringsten auf die Pandemie vorbereitet sind? Wir h\u00f6ren fast nichts von ihnen. Wir schlucken lediglich beklommen den Klo\u00df im Hals runter, wenn doch mal einer ihrer Namen f\u00e4llt. In stiller Resignation? Was mich in dieser Situation wirklich belastet ist unser Unwissen dar\u00fcber, ja die Frage, die nie zu hundert Prozent oder nachweisbar ehrlich zu beantworten sein wird, ob wir, h\u00e4tten wir nicht mit der Situation im eigenen Land in solch hohem Ma\u00dfe zu k\u00e4mpfen gehabt, Solidarit\u00e4t gezeigt und in erforderlichem Ma\u00dfe Hilfe geleistet h\u00e4tten. Ob wir aus der Abstraktheit und Unbegreifbarkeit der Gravit\u00e4t heraus, im hypothetischen Falle einer lokalen Katastrophe, nicht doch wieder nur schweigend den Blick abgewandt und genauso weitergemacht h\u00e4tten. Solche Fragen m\u00f6gen belastend und unsch\u00f6n sein, sie sind aber wichtig, denke ich, um uns ein Herz zu fassen, uns dankbar zu sch\u00e4tzen und die Chance, die sich uns jetzt aus dem Geschehen ergibt, zu erkennen und auch daran festzuhalten, wenn die Wogen sich gl\u00e4tten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich beobachte die aktuellen Ereignisse mit sehr gemischten Gef\u00fchlen. Noch h\u00e4lt er ein wenig an der Schock dar\u00fcber, wie ein Virus die geamte Weltbev\u00f6lkerung stilllegt, auch wenn sich nach zwei Wochen absoluter Ruhe in innerlicher Unruhe in meinem eigenen kleinen Kosmos langsam wieder alltagsartige Gef\u00fchle einstellen. 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