Krtek a malý kůrovec

Dobry den und einen fröhlichen Karnevalsbeginn ;P

In Köln geht heute vermutlich die Sause und in Křenova rödeln die Schüler wie die Wilden für die DSD-Prüfungen in gut zwei Wochen. Wieso ich an Köln und den Karneval denke?? Ich glaube das kam, als ich heute mit einigen Schülern über ihre Präsentationen für die Mündliche Kommunikationsprüfung des DSDs sprach und die Frage, ob auch in Deutschland die Altersgrenze für Alkohol bei 18 liegen sollte. Da lag die Mainzer „Fasenacht“ für mich als erfahrbares Kontra-Argument natürlich auf der Hand, wobei man hier mit dem Begriff weniger anfangen kann, weshalb ich auf den Karneval ausweichen musste- ich hoffe man verzeiht mir diesen Hochverrat an unserer Mainzer Kultur.. Insgesamt empfinde ich diese Phase aber als überaus spannend, wird man täglich mit neuen Fragen konfrontiert, die man sich möglicherweise noch nie gestellt hat. Letzte Woche erst hatte ich das Vergnügen mich vorbereitend auf eine Pilotprüfung (sprich eine Simulation der Mündlichen Kommunikationsprüfung mit insgesamt 60 zuschauenden und zwei freiwilligen Schülern, die sich als Prüflinge zur Verfügung stellten) intensiv mit dem Thema Desinfektionsmittel zu beschäftigen.- Es ist genauso steril wie es sich anhört, aber okay, das ist nicht der Punkt..
Die Veranstaltung war auf jeden Fall etwas Besonderes, und auch eine ziemlich spannende Situation für mich, wenn ich ehrlich bin. Zwar bin ich nach vielen DSD-Stunden mittlerweile einigermaßen vertraut mit dem Verlauf des schriftlichen Prüfungsteils, jedoch waren mir die Kriterien der Kommunikationsprüfung bisher völlig unbekannt. Als ich dann letzten Mittwoch vor der versammelten Schülerschaft stand und versuchte die Bewertungskriterien der Prüfung mittels eines Leitfadens, den ich mir am Vorabend zusammen mit einem Schokopudding reingepaukt hatte räsonabel zu erklären, fühlte ich mich doch ein wenig herausgefordert. Zum Glück habe ich aber mittlerweile einige sehr liebenswerte Schüler in meinem Umfeld, auf die auch in dieser Situation Verlass war.
Zusammen beobachteten wir die Prüfungssituation und machten uns Gedanken darüber, welche Stärken die Präsentationen aus unserer Sicht hatten, welche Tipps wir geben würden, und inwiefern die Schüler sich in Bezug auf ihre eigenen Prüfungen noch etwas Input holen konnten. Meine kommenden Abende werden sich nun mit der Recherche zu allerlei interessanten Themen füllen, sodass ich dann- ganz der Prüfer- die Schüler vorbereitend aufs DSD mit vielen gemeinen Fragen löchern kann… Aktuell steht der Borkenkäfer auf dem Programm

Die Arbeit mit den jüngeren Schülern wird auch zunehemnd spannender. Mangels der tschechischen Übersetzungen werde ich hier langsam zu einem Jongleur der Synonyme, Wortabstammungen und Definitionen von Wörtern, mit denen ich mich nie so recht außereinandergesetzt habe. Ja, es scheint, als ob ich beginne ein ganz neues Bewusstsein für meine Sprache zu entwickeln, wenn ich nach Verben, die die alltäglichsten Geräusche beschreiben, gefragt werde und mir NICHTS einfällt. Also sitze ich dann mitunter auch mal still-schweigend und hochkonzentriert im Unterricht, reibe zwei Blatt Papier aneinander und hege die Hoffnung ihre Onomatopoesie möge sich mir auf diese Weise offenbaren. (Es war by the way „rascheln“ glaube ich.. Falls euch ein Wort für das Geräusch von Nägelfeilen, oder dem Abstellen einer Tasse auf einem Tisch – Moment mal, irgendwie fühle ich mich in meiner Rolle als Muttersprachler im Unterricht hier gerade garnicht mehr so ernst genommen, ;P- einfällt, schreibt mir!) Neulich erfuhr ich, dass ich- stets von meinem Hochdeutsch überzeugt so manche österreichische Mundart spreche und die indirekte Rede nicht fehlerfrei beherrsche… Aber auch in die andere Richtung kann ich natürlich etwas lernen; Zwar ist das tschechische Alphabet etwas komplizierter als unseres, aber dennoch funktioniert es für mich in einer eigenen Lautschrift diktierte Vokabeltests mit den Schülern mitzuschreiben (Ř= rsch,Č= tsch, usw..). Wenn ich die Tests dann später mit Vorlage auf Rechtschreibung korrigiere, komme ich mir wie ein Schummler vor, weil ich selbst den Durchschnitt senke…
Die Idee einer lieben „Kollegin“ (meine Rolle hier muss ich selbst noch ein bisschen für mich definieren, denn ich sage es mal so: die Hälfte der Schüler die ich begleite ist so alt wie ich und geht auch gerne feiern..:) außerdem ist das mit der Autorität auch nicht so mein Ding- wobei ich wiederum das Privileg sehr genieße, in der Mensa an den Schlangen vorbeizuschlendern und mich ganz vorne einzureihen 🙂 ) mir ab jetzt einfach die „Quizlet“- Aufgaben, die sie ihren Schülern stellt, zuzuschicken, hat mich echt zum Schmunzeln gebracht. Ich sehe mich bald mit in der letzten Reihe hocken und im Unterricht Vokabelquizzes daddeln. Die Idee gefällt mir! Vermutlich werde ich mich neben František setzen, weil er definitv immer die besten Spielernamen hat (EmmasNachbar, sladký (=süßer), und oldsitznachbar, als ich dann einmal als Vertretung vorne am Pult saß) Die Arbeit mit den Schülern macht auf jeden Fall Spaß, nur bemerke ich, dass es manchmal eine große Herausforderung ist die notwendige Bestimmtheit an den Tag zu legen, die es braucht. Kürzlich erzählte ich einer Lehrerin von einer Stunde beginnend mit den Worten: „Also fragte ich die Schüler: Hättet ihr Lust..-“ und sie unterbrach mich mit dem Ausruf: „Den Satz musst du dir abgewöhnen Emma!“ und im nächsten Moment mussten wir beide lachen. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle sagen, dass ich den Deutschunterricht hier an der Schule wirklich als sehr schülerorientiert wahrnehme. Die Lehrer bemühen sich sehr um ein aktives und abwechslungsreiches Programm und bieten den Schülern viele Möglichkeiten zu sprechen. Aber sind wir mal ehrlich- in einem bestimmten Alter spielt das einfach keine Rolle. To cool for school und so.. Oder vielleicht einfach so:

„Entweder du willst, oder du willst nicht. Alles andere ist nur Schwachsinn.“

Zu guter Letzt möchte ich noch von einem Highlight der letzten Woche berichten: Dem JDI- Training, an welchem wir teilnehmen durften, um das Programm anschließend an der eigenen Schule mit interessierten Schülern zu beginnen. Jeder von uns notierte zwei „Soll-Fragen“ (Fragen die kontroverse Themen aufgreifen und die Intention irgendeiner Veränderung in Bezug auf die Gesellschaft oder Politik (oder aber auch humorvolle Vorschläge) implizieren, und die Möglichkeit einer multiperspektivischen Auseinandersetzung mit dem Thema eröffnen, um anschließend eine Debatte über das Für und Wieder führen zu können. Ob man Pro oder Kontra ist spielt zunächst keine Rolle, es geht vielmehr darum sich umfassend mit einem Thema zu beschäftigen). Anschließend verbrachten wir die beiden Seminartage damit Kurzdebatten und Übungen am Beispiel unserer Fragen durchzuspielen. Das Programm begeistert mich nach wie vor. Es ist aus meiner Sicht die beste Art eine Sprache zu lernen, indem man beginnt sich so intensiv mit einem Thema zu befassen, dass man irgendwann garnicht mehr anders kann, als sich darüber zu ereifern. In so einem Moment ist dann auch die Sprachbarriere schneller überwunden, als man glaubt. Zumindest war das mein erster Eindruck. Ich für meinen Teil hätte niemals geglaubt, dass ich mir jemals eine ansatzweise „dominante“ Meinung zum Thema Elfmeterschießen beim DFB-Pokal bilden könnte… Und das schöne ist auch, dass die Teilnehmer die Themengebiete der Debatten auch ein ganzes Stück weit selbst beeinflussen können. Ich bin gespannt und voller Vorfreude:)

Eine gute Nacht a sladké sny!

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