{"id":56,"date":"2024-03-18T00:29:10","date_gmt":"2024-03-17T23:29:10","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/kenzagoesplaces\/?p=56"},"modified":"2024-03-19T23:23:46","modified_gmt":"2024-03-19T22:23:46","slug":"von-pinguinen-wanderungen-und-zu-vielen-umzuegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/kenzagoesplaces\/2024\/03\/18\/von-pinguinen-wanderungen-und-zu-vielen-umzuegen\/","title":{"rendered":"Von Pinguinen, Wanderungen und zu vielen Umz\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Inzwischen ist schon mehr als die H\u00e4lfte meines Aufenthalts vorbei. Es kommt mir verr\u00fcckt vor, in etwas mehr als 4 Monaten schon wieder zur\u00fcck in Deutschland zu sein. So lang ist ein Jahr eigentlich gar nicht. Meine letzte gro\u00dfe Reise ist nun auch vorbei, f\u00fcr mich ging es mit meinem Mitfreiwilligen noch f\u00fcr 10 Tage nach Patagonien. Die Anreise war lang, wir mussten zun\u00e4chst von einer Kollegin nach Argentinien gebracht werden und dann den Bus nach Buenos Aires nehmen. Dort verbrachten wir die Nacht am Flughafen, an dem \u00fcberraschend viel los war und die paar Stunden gingen schneller rum als gedacht. Um 7:40 hob dann unser Flieger nach El Calafate ab. Die Stadt liegt in der Provinz Santa Cruz im S\u00fcden des Landes, hier liegt die Bev\u00f6lkerungsdichte bei weniger als 1 Einwohner*in pro Quadratkilometer. Dementsprechend verwirrt waren wir beim Landeanflug als wir nur eine karge w\u00fcsten\u00e4hnliche Landschaft sehen konnten und einfach keine Landebahn auftauchen wollte. Doch schlie\u00dflich kamen wir gut an dem winzigen Flughafen an und nahmen einen Shuttle in den Ort. In diesem lernten wir zuf\u00e4llig eine andere Deutsche kennen, die aktuell ein Praktikum in Buenos Aires absolviert und verabredeten uns noch mehrfach mit ihr. El Calafate ist ein sehr touristischer Ort, man merkt, dass dort alles auf die (besonders europ\u00e4ischen und US-amerikanischen) Urlauber*innen ausgelegt ist. Dementsprechend teuer und edel sind die meisten Restaurants und L\u00e4den dort. Irgendwie wirkt es nicht so, als w\u00fcrden dort wirklich Menschen leben. Wir besuchten zun\u00e4chst ein Museum, in dem unter anderem nachgebaute Dinosaurierskelette ausgestellt sind, die in der Region gefunden wurden. Besonders angetan hat es mir aber das Riesenfaultier, das hier vor zehntausenden Jahren noch gelebt hat und dessen \u00dcberreste in einer H\u00f6hle in der Gegend gefunden wurden. Abends testeten wir ein arabisch-venezolanisches Restaurant (ja, wilde Kombi!) und a\u00dfen leckere, aber \u00fcberteuerte Falafelwraps. Generell ist Patagonien wundersch\u00f6n und unbedingt eine Reise wert, jedoch nichts f\u00fcr einen schmalen Geldbeutel. Am n\u00e4chsten Tag stand eins der Highlights der Reise an, der Ausflug zum \u201ePerito Moreno-Gletscher\u201c im Nationalpark \u201eLos Glaciares\u201c, der auch auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Es war unglaublich beeindruckend, diese Eismassen zu sehen und auch zu h\u00f6ren, wie Teile des Gletschers abbrechen. Die Temperaturen in Patagonien waren im Vergleich zum unendlichen Sommer am R\u00edo Uruguay ziemlich niedrig, weswegen wir aufgrund fehlender Winterjacke den Zwiebellook voll ausreizen mussten. Meine Outfits bestanden meistens aus einer Leggings unter meiner Wanderhose, einem Langarmshirt, einem Kurzarmshirt und dann je nach Temperatur ein d\u00fcnner Pulli und schlie\u00dflich ein dicker Pulli und eine Regenjacke. Eine M\u00fctze und Handschuhe w\u00e4ren aber manchmal tats\u00e4chlich nicht schlecht gewesen\u2026 Ich m\u00f6chte mir das Wetter dort nicht im Winter vorstellen!<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Am n\u00e4chsten Tag konnten wir ein neues Land von der Weltkarte freischalten. Es ging morgens mit dem Bus weiter nach Chile, 6 Stunden Fahrt f\u00fcr eine Strecke von 200 km, von denen wir anderthalb an der Grenze verbrachten. Zun\u00e4chst wurden die P\u00e4sse auf argentinischer Seite kontrolliert und ein paar Hundert Meter weiter mussten wir erneut aussteigen (im Regen und Nebel), um uns auf chilenischer Seite auszuweisen. Sogar das Handgep\u00e4ck wurde durchleuchtet. Vorher mussten wir bereits ein Online-Formular ausf\u00fcllen, um anzugeben, was wir an Lebensmitteln einf\u00fchren. Obwohl wir es dort angegeben hatten, durften wir leider unser Obst nicht mitnehmen. Ich hoffe, die Beamt*innen haben es wenigstens gegessen, anstatt es wegzuschmei\u00dfen\u2026 Am Nachmittag kamen wir dann endlich in Puerto Natales an, einem s\u00fc\u00dfen St\u00e4dtchen, in dem man direkt gemerkt hat, dass wir jetzt n\u00e4her am Pazifik als am Atlantik sind. Das Stadtmaskottchen ist besagtes Riesenfaultier, das hier gefunden wurde. Deswegen ist es auch auf jedem Stra\u00dfenschild abgebildet und eine Statue ist an der Rambla zu finden. Hier probierten wir eine fantastische Calafate-Limonade (Calafate ist eine Beere aus der Region, die auch El Calafate seinen Namen gab) und hoben bunte chilenische Pesos ab (So langsam wird es durcheinander mit den ganzen W\u00e4hrungen\u2026 Aber die chilenischen Scheine waren die sch\u00f6nsten bisher!). Leider fiel uns auf, dass wir uns ja nun nicht mehr in der Materegion befanden, in der der Rhythmus sp\u00e4t in die Nacht verlegt ist, wodurch wir leider nach 20 Uhr nicht mehr einkaufen konnten. Und so traten wir am n\u00e4chsten Tag um 7 Uhr morgens mit leerem Magen die Fahrt zum Nationalpark Torres del Paine an, um eine 8-st\u00fcndige Wanderung zu machen. Nach der Ankunft im Park mussten wir noch einen weiteren Shuttle nehmen, um zum Besuchszentrum zu kommen, wo die Tageswanderung zu den \u201eTorres del Paine\u201c startet. Diese f\u00fchrte uns durch Wald und an einem kleinen Fluss vorbei, an dessen Zul\u00e4ufen man sich wunderbar die Wasserflasche auff\u00fcllen kann. Das Wasser kommt kalt und sauber direkt aus dem Berg. Es ging auch an einer H\u00fctte vorbei, an der Wandernde in Zelten \u00fcbernachten k\u00f6nnen, die den W- oder O-Trail laufen, die beide mehrere Tage gehen. Am Ende mussten wir ein recht langes Ger\u00f6llfeld hochklettern, bevor wir endlich am Ziel der Wanderung ankamen, einer t\u00fcrkisblauen Lagune mit den drei Bergspitzen der \u201eTorres del Paine\u201c (zu deutsch \u201eT\u00fcrme des blauen Himmels\u201c in der Sprache der indigenen Tehuelche). Hier sa\u00dfen wir etwa eine Stunde, beobachteten die anderen Menschen vor Ort, die sch\u00f6ne Landschaft und a\u00dfen unser mageres Picknick, bestehend aus trockenem Baguette mit etwas Honig, einem Apfel und ein paar Chocolinas-Keksen. Danach begaben wir uns auf den R\u00fcckweg zum Startpunkt, den wir um 18 Uhr nach ziemlich genau 8 Stunden wieder erreichten. Von hier ging es dann mit Shuttle und Bus wieder zur\u00fcck nach Puerto Natales. Ich bin mega stolz, diese Wanderung geschafft zu haben! <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Am n\u00e4chsten Morgen probierten wir ein sehr leckeres veganes Caf\u00e9 zum Brunch aus und stiegen dann in den Bus nach Punta Arenas, wo wir eine Nacht verbrachten. Von der Stadt konnten wir leider nicht so viel sehen, weil es den ganzen Tag regnete, aber wir a\u00dfen leckere chilenische Riesenempanadas und kauften unser Busticket f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag (in dem nur noch 3 Pl\u00e4tze frei waren, also Gl\u00fcck gehabt!). Denn nun ging es schon zum letzten Stopp und zwar zur\u00fcck nach Argentinien in die s\u00fcdlichste Stadt der Welt, nach Ushuaia. Die Busfahrt war lang, aber kurzweilig, da sie von einer 40-min\u00fctigen Bootsfahrt unterbrochen wurde, um die Magellanstra\u00dfe zu \u00fcberqueren und auf die Insel Feuerland zu kommen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Am kommenden Tag entschieden wir uns dazu, ein bisschen Geld zu blechen und gleich zwei Bootstouren im Beaglekanal zu unternehmen. Und so ging es f\u00fcr uns zun\u00e4chst mit einem kleinen Boot mit etwa 8 Personen zum Leuchtturm \u201eFaro Les \u00c9claireurs\u201c und wir konnten viele Tiere beobachten. Das Wetter war traumhaft und wir konnten Wale, Robben und viele Kormorane sehen, das sind V\u00f6gel, die von Weitem ein bisschen aussehen wie Pinguine. Die lie\u00dfen sich tats\u00e4chlich auch schon blicken. Eine Gruppe von Magellanpinguinen schwamm ein St\u00fcck von unserem Boot entfernt durch das Wasser. Das war alles sehr beeindruckend!<br \/>\nIrritiert haben mich im Vorbeilaufen jedoch jedes Mal die gro\u00dfen Kreuzfahrtschiffe im Hafen nach Ushuaia. Denn von hier starten mehrw\u00f6chige Kreuzfahrten in die Antarktis. Und das zum Preis von rund 10.000 Dollar pro Person! Sowas muss meiner Meinung nach wirklich nicht sein. Mir w\u00e4re es lieber, wenn die Pinguine dort einfach in Ruhe gelassen werden w\u00fcrden\u2026<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Am n\u00e4chsten Morgen besuchen wir zun\u00e4chst das \u201eMuseo Mar\u00edtimo y del Presidio de Ushuaia\u201c, ein Museum mit mehreren Ausstellungen in einem alten Gef\u00e4ngnisgeb\u00e4ude. Hier lernten wir etwas \u00fcber die Geschichte des Gef\u00e4ngnisses, aber auch \u00fcber die ersten Forschungsreisen in die Antarktis und einen Leuchtturm auf der Isla de los Estados. Danach ging es zu unserer zweiten Bootstour zur Isla Martillo, auch \u201ePinguininsel\u201c genannt. Daf\u00fcr fuhren wir zun\u00e4chst mit einem Minibus etwa eine Stunde weiter nach Osten, um dann auf ein Schlauchboot zu steigen und zur Insel zu fahren. Hier leben zwei Pinguinarten, Magellanpinguine und Eselspinguine, die wir von ganz nah beobachten konnten. Zu dem Zeitpunkt befand sich auch ein Filmteam auf der Insel, vermutlich, um eine Tierdoku aufzunehmen. Nach einem Hei\u00dfgetr\u00e4nk und ein paar Medialunas (Croissants aus Hefeteig) ging es wieder zur\u00fcck nach Ushuaia.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Tags drauf besuchten wir erneut das Museum und entschlossen uns dann trotz des schlechten Wetters eine kleine Wanderung zum \u201eGlaciar Martial\u201c, den \u00dcberresten eines Gletschers, zu unternehmen. Hier l\u00e4uft man eine ehemalige Skipiste hoch und dann, bei guter Sicht, einen fantastischen Blick auf die Stadt und den Beagle-Kanal. Dann brach auch schon unser letzter Tag an, den wir im Nationalpark Tierra del Fuego verbrachten. Hier befindet sich die s\u00fcdlichste Poststelle der Welt, die nat\u00fcrlich \u00fcberf\u00fcllt mit Touris war und in der \u00fcberteuerte Postkarten verkauft wurden. Wir unternahmen hier noch eine letzte Wanderung, ein Weg, der durch Wald an der K\u00fcste entlangf\u00fchrt und mich landschaftlich sehr an die Bretagne erinnert hat. Nach der R\u00fcckkehr in die Stadt testeten wir noch ein s\u00fc\u00dfes Caf\u00e9 aus, bevor es um 18:30 zum Flughafen ging, um zur\u00fcck nach Buenos Aires zu fliegen. Dort kamen wir gegen 23:30 an und fielen dann m\u00fcde ins Bett in einem Hotel, das wir spontan ein paar Tage zuvor gebucht hatten. Den Tag verbrachten wir dann noch in Buenos Aires mit Postkarten schreiben und ein paar Besorgungen zu machen (Kosmetikprodukte sind hier so viel g\u00fcnstiger als in Uruguay!). Wir mussten auch Geld wechseln, um unser Taxi abends bezahlen zu k\u00f6nnen, was sich zun\u00e4chst als nicht so einfach herausstellte. Gut, dass mein Mitfreiwilliger noch einen 50 \u20ac-Schein dabeihatte, den wir wechseln konnten. Abends ging es dann zur\u00fcck nach Gualeguaych\u00fa und dann mit dem Taxi nach Fray Bentos. Da wir am 1. M\u00e4rz unsere alte Unterkunft verlassen mussten, zogen wir mit unserer R\u00fcckkehr nach Uruguay auch direkt um, wir stoppten mit dem Taxi kurz am alten Haus, um unser restliches Gep\u00e4ck zu holen und fuhren dann zu unserem neuen AirBnB. Am n\u00e4chsten Tag ging es direkt zu Arbeit. Das war anstrengend\u2026 Patagonien war aber wirklich traumhaft sch\u00f6n und ich kann es allen, die die M\u00f6glichkeit dazu haben, nur ans Herz legen, dort einmal hinzureisen!<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Ein paar Tage sp\u00e4ter bekamen wir noch Besuch von einer anderen Freiwilligen, die 3 Tage bei uns blieb. Solche Momente sind immer sehr sch\u00f6n!<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Tats\u00e4chlich h\u00e4lt es uns aber nicht mehr lange in Fray Bentos. In 5 Wochen werden wir nach Montevideo ziehen, um dort den Rest unseres Aufenthalts in der UNESCO-Nationalkommission zu absolvieren. Das wird spannend! Etwas Sorge bereitet mir aktuell noch die Wohnungssuche, aber das wird schon irgendwie\u2026<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzwischen ist schon mehr als die H\u00e4lfte meines Aufenthalts vorbei. Es kommt mir verr\u00fcckt vor, in etwas mehr als 4 Monaten schon wieder zur\u00fcck in Deutschland zu sein. So lang ist ein Jahr eigentlich gar nicht. 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