{"id":863,"date":"2014-11-09T20:51:00","date_gmt":"2014-11-09T12:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/kathrinhoernchen\/?p=863"},"modified":"2014-11-09T20:51:00","modified_gmt":"2014-11-09T12:51:00","slug":"schnipp-schnapp-haare-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/kathrinhoernchen\/2014\/11\/09\/schnipp-schnapp-haare-ab\/","title":{"rendered":"Schnipp- Schnapp Haare ab!"},"content":{"rendered":"<p>Nein, nein, nein!<\/p>\n<p>Keine Sorge! Meine Haare sind noch dran. Die des j\u00fcngsten Kindes meiner Gastfamilie jedoch nicht mehr.<\/p>\n<p>In der Mongolei ist es Tradition, dass die Haare im Kindesalter abgeschnitten werden. Meist im Alter von 3-5 Jahren. Dann wenn das Kind sich verst\u00e4ndlich ausdr\u00fccken kann und schon kleine Fingerfertigkeiten besitzt. Man feiert, dass das Kind die ersten anf\u00e4lligen Lebensjahre \u00fcberstanden hat und ab nun ist das Kind ein Mitglied der Gesellschaft und nicht mehr ein Wesen zwischen zwei Welten.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNach dem Volksglauben ist es b\u00f6sen Geistern und D\u00e4monen bis zu diesem Tag nicht m\u00f6glich, das Kind zu finden.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Den richtigen Zeitpunkt bestimmt ein Lama.<\/p>\n<p>So bestimmte also auch ein Lama, an welchem Tag die Haare des Kindes meiner Familie geschnitten werden sollten. Bei ihr war es ein Montagmorgen im September.<\/p>\n<p>So wunderte ich mich bereits am Wochenende, warum meine Gastfamilie Essen \u00fcber Essen ins Haus trug und die ganze Zeit am rumwuseln war.<\/p>\n<p>Am Sonntagnachmittag bekam ich dann endlich die Antwort. \u201eAch \u00fcbrigens, morgen feiern wir das Haarschneidefest, es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn du dann dabei sein k\u00f6nntest und nicht in die Schule m\u00fcsstest!\u201c<\/p>\n<p>Na, klar! Das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen- ein mongolisches Familienfest.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wurde- so vermute ich zumindest- die ganze Nacht gewichtelt: geputzt, gekocht, gebacken.<\/p>\n<p>Es klingelt. Die ganze Mannschaft der Familie kommt hinein marschiert.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wird gegessen und getrunken. Wie es eben bei einem Familienfest\u00a0so \u00fcblich ist. (Das ist in Deutschland ja auch nicht anders!)<\/p>\n<p>Gegen 11 wird dann die Haarschneideschere vorbereitet. Sie wird mit einem blauen Tuch, einem sogenannten Khadag versehen (ein buddhistisches Symbol). Dann beginnt der \u00e4lteste Mann der Familie mit dem Abschneiden der ersten Kinderlocke.<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlicherweise war das Geschrei gro\u00df. Die Kinder wissen ganz genau was mit ihnen passiert. und wer l\u00e4sst sich schon freiwillig die Haare abrasieren???<\/p>\n<p>Beim Abschneiden einer Haarstr\u00e4ne werden dem Kind kleine Geschenke und Geld \u00fcberreicht. So steckt man die Haarstr\u00e4ne in einen Beutel und das Geld\/ Geschenke in einen weiteren. Dabei werden auch Segensspr\u00fcche genannt. Diese kannte ich jedoch leider nicht.<\/p>\n<p>Nach geduldigem Warten war auch ich endlich an der Reihe. Ganz sch\u00f6n aufregend.<\/p>\n<p>Das Essen und Trinken ging dann nat\u00fcrlich weiter und am Nachmittag fuhren die Eltern mit der Kleinen zum Friseur und lie\u00dfen die Haare ganz kurz abrasieren.<\/p>\n<p>Ich muss schon sagen, es war anfangs sehr ungew\u00f6hnlich sie anzusehen, jedoch habe ich mich nun dran gew\u00f6hnt und es sieht auch irgendwie s\u00fc\u00df aus.<\/p>\n<p>Haare wachsen schlie\u00dflich nach \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, nein, nein! Keine Sorge! Meine Haare sind noch dran. Die des j\u00fcngsten Kindes meiner Gastfamilie jedoch nicht mehr. In der Mongolei ist es Tradition, dass die Haare im Kindesalter abgeschnitten werden. Meist im Alter von 3-5 Jahren. 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