09.02.2020 – Jurtenviertel

Aus verschiedensten, voneinander unabhängigen Quellen war uns nahegelegt worden, nicht in die Jurtenviertel von Ulan Bator zu gehen. Ich hatte das nichtsdestotrotz auf meiner Liste. Zum einen habe ich ein Jurtenviertel direkt vor meiner Haustür. Jeden Morgen und Abend kam ich in den Genuss der Schwaden, die von dort aufstiegen. Ich weiß nicht, ob ich das je ausgeführt habe. Wenn ich aus dem Stadtzentrum mit dem Taxi kam und dann vor meiner Haustür ausstieg, war das erste, was ich tun musste, meine Maske aufsetzen. Die Luft Abends fühlte sich an, als könne man sie nicht atmen. Sie roch schrecklich und ich hatte ein Brechreiz-ähnliches Gefühl.
Der Hauptgrund für mich war aber, dass ich so etwas noch nie gesehen hatte. Die Jurtenviertel umgeben Ulan Bator wie ein riesengroßer Schwimmreifen und es ist hier, wo der meiste Zuzug stattfindet. Ich bin mir mit der Definition unsicher, aber ich glaube die Jurtenviertel, die Ulaanbaatar umgeben, lassen sich als Slums beschreiben. Ich war noch nie an einem solchen Ort und so bald würde ich wohl auch nicht wieder hinkommen.

So machten sich also Marie (eine andere kulturweit-Freiwillige), JB (ein französsischer Expad) und ich auf ins Jurtenviertel. Wir hatten alle Wertsachen zuhause gelassen und uns ein Ziel gesteckt, dass nicht besonders weit im Jurtenviertel lag. Eine Stupa, die Marie aber auch nur auf Google-Maps gefunden hatte.

Im Jurtenviertel lernten wir dann, dass die Wege nicht von uns sondern vom Jurtenviertel entschieden wurden. Man kann sich die Geographie vorstellen wie eine aufgeschüttelte Decke, auf der man mit beiden Händen Häuschen von Monopoly verteilt hat. Diese Häuschen haben aber alle einen Zaun. Das „Jurtenviertel“ hat erstaunlich viele Hütten und wenn man doch einmal Jurten sieht, dann meist hinter einem Haus, ebenfalls eingezäunt. Jedes zweite dieser Grundstücke hat einen Wachhund, der ganz genau weiß, wenn vor seiner Tür jemand unterwegs ist, der nicht ins Jurtenviertel gehört. Meine größte Sorgen bewahrheiteten sich aber nicht. Wir wurden weder von Straßenhunden angefallen, noch von Menschen in irgendeiner Weise behelligt.
Rückblickend könnte man also sagen, unsere Vorsicht war unnötig. Aber ich glaube das nicht. Es war ein Uhr Mittags am Wochenende, das war gut. Und wenn man jemanden dabei gehabt hätte, der mongolisch spricht, dann hätte man vielleicht sogar eine Kamera mitbringen können. Aber so, in unserer Situation war es meiner Meinung nach die beste Vorgehensweise.

Anyways. Ich bin froh, dort gewesen zu sein, einmal reicht. Eine Erkenntnis ist vielleicht noch interessant zu erwähnen. Wenn man über die Jurtenviertel in die Stadt schaut, hat man das Gefühl, die Jurtenviertel spiegeln in ihrer chaotischen Planung die Betonbauten in der Stadt wieder. Die sind aber groß genug, dass man das nicht gleich merkt.

Die Fotos stammen straight aus Maries Instagram-Account: https://www.instagram.com/maariiee.mii/
Aufgenommen mit dem einzigen Handy, dass wir für den Notfall dabei hatten.

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