{"id":4,"date":"2010-03-12T11:02:11","date_gmt":"2010-03-12T10:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/2010\/03\/12\/4\/"},"modified":"2010-03-12T11:10:41","modified_gmt":"2010-03-12T10:10:41","slug":"4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/2010\/03\/12\/4\/","title":{"rendered":"erste Eindr\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Freunde,<\/p>\n<p>es ist soweit: ich darf mich nun fast ganz  offiziell mit dem Titel Bachelor of Arts bezeichnen. Gut, ich gebe zu,  es fehlen noch die letzten Details, wie zum Beispiel das Ergebnis meiner  Abschlussarbeit oder ein Zeugnis. Doch dies, wie gesagt, Kleinigkeiten.  Nachdem ich vor fast vier Wochen meine Arbeit abgegeben habe, war die  Erleichterung gro\u00df, doch ein wenig leer f\u00fchlte ich mich doch, so ganz  ohne das, was mich die letzten Monate besch\u00e4ftigt hatte.\u00a0 Daf\u00fcr blieb  aber nicht besonders viel Zeit, denn wie immer hatte ich knapp  kalkuliert und steckte kurz darauf in den Vorbereitungen f\u00fcr mein  n\u00e4chstes \u201aProjekt\u2019: Kamerun. Ich hatte mich letztes Jahr bei Kulturweit,  dem Freiwilligendienst des Ausw\u00e4rtigen Amtes, dessen Fokus auf der  interkulturellen Zusammenarbeit liegt, beworben\u00a0 und im Dezember  erfahren, dass mein Einsatzort Kamerun sei. In den letzten Monaten  verbrachte ich dann meine Zeit neben der Bachelorarbeit mit Visum,  zahlreichen Impfungen und \u00e4hnlichen Reisevorbereitungen. Nach zehn Tagen  intensivem Vorbereitungsseminar in Werbellinsee mit verschiedensten  Workshops, der M\u00f6glichkeit, die anderen Freiwilligen n\u00e4her  kennenzulernen und einem obligatorischen Besuch im Ausw\u00e4rtigen Amt mit  Fototermin mit Westerwelle, hatte ich noch einmal drei Tage zum Packen,  bevor es endg\u00fcltig losging. Und so sitze ich nun auf meinem Balkon in  Yaound\u00e9, der Hauptstadt von Kamerun und kann es noch nicht so ganz  glauben. Eine Stadt, die nie leise ist und in der man quasi nie allein  ist. Eine Stadt, die wahnsinnig gr\u00fcn und gleichzeitig schmutzig und  eklig ist.<\/p>\n<p>Heute geht mein zweiter vollst\u00e4ndiger Tag zu Ende und  heute habe ich es endlich mal geschafft, ein bisschen allein und zu Fu\u00df  die Stadt zu erkunden. Die Leute vom Goethe-Institut, wo ich die  n\u00e4chsten sechs Monate arbeiten werde, k\u00fcmmern sich wahnsinnig lieb um  mich und besonders die Leiterin will mich am liebsten keinen Schritt  allein zu Fu\u00df vor die T\u00fcr gehen lassen. So wurde ich bisher vom Fahrer  Mister Ali \u00fcberallhin gebracht. Ali hat inzwischen den Ehrgeiz  entwickelt, mich in s\u00e4mtliche Biersorten Kameruns einzuweisen. So habe  ich mich gleich am ersten Abend dazu \u00fcberreden lassen, noch ein  \u201ekleines\u201c Bier mitzutrinken. Klein ist hier relativ, die Einheitsgr\u00f6\u00dfe  sind 1-Liter-Flaschen, drunter gibt\u2019s nichts. Aber gut, ich habe mich  angestrengt, Ali nicht zu entt\u00e4uschen.<\/p>\n<p>Heute wurde ich dann in  die Selbstst\u00e4ndigkeit entlassen und ich habe mich prompt in der Stadt  verlaufen. Schon mal versucht, eine Stadt ohne Stadtplan, ohne  Stra\u00dfennamen und ohne Sonne, nach der man sich richtungsm\u00e4\u00dfig  orientieren kann, zu erkunden? Heute Vormittag gab es n\u00e4mlich erst  einmal einen richtigen tropischen Regenschauer, der laut den  wettergeprobteren Leuten im Institut doch ungew\u00f6hnlich lang dauerte und  dementsprechend die Stra\u00dfen unter Wasser setzte. Heute Nachmittag war es  daf\u00fcr wieder trocken und ich machte mich auf den Weg. \u00dcber meine  Hautfarbe bin ich nun auch nicht mehr im Zweifel, nachdem ich ungef\u00e4hr,  und das ist nicht \u00fcbertrieben, 80 Mal als \u201ala blanche\u2019 (die Wei\u00dfe)  bezeichnet wurde. Also nie wieder ein Wort dar\u00fcber, dass ich so braun  sei! Besonders die M\u00e4nner freuen sich, wenn man ihnen zur\u00fcck Hallo sagt,  sie anl\u00e4chelt und ihr Angebot, sie nach Hause zu begleiten, dankend und  vielleicht etwas bedauernd ablehnt. Nachdem ich also vom  Goethe-Institut, das sich in einem der reichsten Viertel Yaound\u00e9s  befindet, \u00fcber einige Umwege im Stadtzentrum angekommen war, war das  L\u00e4cheln auf meinem Gesicht ein wenig eingefroren. Aber das merkte  niemand, das Highlight f\u00fcr die Leute auf der Stra\u00dfe scheint es zu sein,  \u00fcberhaupt von einer Wei\u00dfen angel\u00e4chelt zu werden. Dann h\u00e4ufen sich die  Komplimente unabh\u00e4ngig davon, ob man einen Mann oder eine Frau  angel\u00e4chelt hat. Zuerst hatte ich Angst, dass vor allem die M\u00e4nner mich  anfassen und irgendwie bedr\u00e4ngen w\u00fcrden, doch im Gegenteil: eine gewisse  Distanz wird immer gewahrt. Durch mein wenig zielgerichtetes Schlendern  durch die Stadt kam ich ungl\u00fccklicherweise in einen der weniger gut  betuchten Vororte der Stadt, ein interessantes, wenn auch unheimliches  und etwas beklemmendes Erlebnis. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich  nicht lange dort geblieben bin und mich schnell wieder auf den R\u00fcckweg  gemacht habe. Vielleicht sp\u00e4ter, wenn ich mich ein bisschen besser  auskenne. H\u00f6hepunkt des Tages war meine erste Fahrt mit den \u00f6ffentlichen  Verkehrsmitteln. Das System ist so praktisch wie einfach: es fahren  unz\u00e4hlige Taxis durch die ganze Stadt und man steht einfach am  Stra\u00dfenrand und hat einen suchenden Blick. Als Wei\u00dfe braucht man den  nicht mal, die Taxis fahren sowieso langsam an dir vorbei. Dann rufst du  ins Fenster deinen Zielort und entweder der Taxifahrer h\u00e4lt an oder  f\u00e4hrt weiter, je nachdem, wohin die anderen Fahrg\u00e4ste wollen. Meistens  sitzt man zu acht in einem F\u00fcnf-Mann-Auto. Da kann man nur hoffen, nicht  in den Berufsverkehr zu kommen. Normale Entfernungen kosten 200 CFA  (also ca. 25 Cent), je weiter und je weniger Fahrg\u00e4ste umso teurer. Aber  das ist Verhandlungssache und letztendlich pers\u00f6nliche Entscheidung des  Taxifahrers.<\/p>\n<p>Kamerun auf den ersten Blick erscheint total  verr\u00fcckt: Schweine werden lebendig aufs Dach gebunden und auf diese  Weise transportiert, es gibt tats\u00e4chlich am zentralen Kreisverkehr eine  Stra\u00dfe, die quer durch geht und mit der man die gesamte Runde vermeidet.  Diese ist jedoch f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten der Republik reserviert und man  riskiert hohe Strafen, wenn man die Stra\u00dfe trotzdem benutzt. Ein  Fr\u00fchst\u00fcck gemeinsam mit zahlreichen bunten Geckos finden hier alle  normal, f\u00fcr mich noch ein totales Abenteuer. Auto darf sich hier einfach  alles nennen, das vier R\u00e4der hat, obwohl ich mir selbst da nicht sicher  bin.<\/p>\n<p>Was Kamerun auf den zweiten Blick bedeutet, kann ich noch  nicht sagen. Das werde ich die n\u00e4chsten Wochen erforschen, erleben und  diskutieren. Gestern habe ich auf der Abschlussveranstaltung des  Frauenfilmfestivals \u201aMis me binga\u2019 den Organisator kennengelernt, der an  der Universit\u00e4t Yaound\u00e9 I Filmwissenschaften studiert und mir jetzt die  Stadt von der seiner Meinung nach richtigen Seite zeigen will. Er kommt  aus einem kleinen Dorf im Westen Kameruns und sein Stamm ist dort nach  den traditionellen Hierarchien sortiert. So gibt es einen \u201aChef de  village\u2019, der sieben so genannte \u201aNotables\u2019 hat. Er meinte das Prinzip  sei sehr \u00e4hnlich zu Jesus und seinen J\u00fcngern, nur dass die mehr waren.  Er ist einer von den Notablen und gab zu, dass das nicht so besonders  viel Sinn macht, wenn man sich selbst in der Hauptstadt befindet. Aber  das ist ein ererbtes Amt. Jedenfalls will er mich demn\u00e4chst mal mit ins  Dorf nehmen. Na, das kann spannend werden.<\/p>\n<p>Ihr seht, ich bin gut  angekommen und lebe mich so langsam ein. Noch bin ich die Abende nur  kaputt und will einfach nur schlafen. Ich meine, 40 Grad  Temperaturunterschied wollen auch erstmal gemeistert werden!! Au\u00dferdem  das \u00fcbliche organisatorische Chaos mit Bank und Wohnung und nat\u00fcrlich  kommt noch eine Portion Heimweh dazu.<\/p>\n<p>Ich freue mich deshalb  immer \u00fcber Meldungen von euch! Wie zu erwarten, dauert das in Kamerun  alles etwas l\u00e4nger und ist etwas komplizierter. Internetverbindung habe  ich meistens im Goethe-Institut, wenn da nicht mal wieder alles  zusammenbricht. Ich freue mich nat\u00fcrlich auch wahnsinnig \u00fcber Post!!<\/p>\n<p>Hier meine Kontaktdaten:<\/p>\n<p>Karin G\u00e4bel<\/p>\n<p>c\/o  Goethe-Institut Kamerun<\/p>\n<p>Bastos<\/p>\n<p>Rue Joseph Mballa Eloumden  (Rue 1.077)<\/p>\n<p>1067 Yaound\u00e9<\/p>\n<p>Kamerun<\/p>\n<p>Fotos  kommen das n\u00e4chste Mal, ich bin momentan noch etwas sch\u00fcchtern mit  Fotografieren und muss mich erstmal an die Mentalit\u00e4t hier gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Herzallerliebste Gr\u00fc\u00dfe aus dem fernen Afrika!!<\/p>\n<p>Eure  Karin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Freunde, es ist soweit: ich darf mich nun fast ganz offiziell mit dem Titel Bachelor of Arts bezeichnen. Gut, ich gebe zu, es fehlen noch die letzten Details, wie zum Beispiel das Ergebnis meiner Abschlussarbeit oder ein Zeugnis. Doch dies, wie gesagt, Kleinigkeiten. 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