{"id":28,"date":"2010-08-11T19:18:00","date_gmt":"2010-08-11T17:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/?p=28"},"modified":"2010-08-12T13:50:36","modified_gmt":"2010-08-12T11:50:36","slug":"abenteuerwahnsinn-mit-versprechen-auf-folgende-fotos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/2010\/08\/11\/abenteuerwahnsinn-mit-versprechen-auf-folgende-fotos\/","title":{"rendered":"Abenteuerwahnsinn"},"content":{"rendered":"<p>Entgegen aller Pl\u00e4ne und Vorhaben wird diese Rundmail wohl doch k\u00fcrzer ausfallen als erwartet, bin ich doch schon w<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11770.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-31\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11770-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11770-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11770-640x480.jpg 640w, https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11770.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>ieder auf dem Sprung zur n\u00e4chsten Reise. Aber trotzdem m\u00f6chte ich noch kurz von meinem letzten, vollkommen verr\u00fcckten Urlaub erz\u00e4hlen. Ich hatte mir eine Woche frei genommen \u2013 \u00dcberstunden abfeiern. Mit den beiden Wochenenden ergaben das mehr als zehn Tage. Und die wollte ich auch richtig ausnutzen. So machte ich mich Freitag in aller Fr\u00fche auf den Weg nach Douala, der anderen Gro\u00dfstadt und das industrielle Zentrum Kameruns. Von dort wollte ich gleich weiter nach Koumba, der Hauptstadt der S\u00fcdwest-Provinz und dort Freunde besuchen. Laut Reisef\u00fchrer gab es von Douala vier Mal am Tag einen Zug. Nun ja, an dieser Stelle merkte ich, dass der Reisef\u00fchrer schon sechs Jahre alt ist: der Zug f\u00e4hrt nur noch zwei Mal die Woche und war gestern Abend abgefahren. Die sich am Bahnhof befindenden Polizisten waren sehr hilfsbereit und meinten, der Zug fahre immer von Mbanga ab, ein Ort, der sich circa eine Stunde entfernt befindet. Sie erkl\u00e4rten, sie w\u00fcrden den Zug f\u00fcr mich anrufen und er w\u00fcrde f\u00fcr mich warten, bis ich dort war. Trotz aller m\u00f6glichen Beeilungen kam ich nat\u00fcrlich zu sp\u00e4t am Bahnhof an. Nichts ist p\u00fcnktlich in Kamerun, aber dieser Zug eben doch. Nun gut, der n\u00e4chste sollte in f\u00fcnf Stunden kommengut, da musste aso eine Alternativl\u00f6sung her. Und wie sah die aus? Von Mbanga nach Koumba gibt es keine direkte Stra\u00dfe, man h\u00e4tte mit dem <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11697.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11697-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11697-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11697-480x640.jpg 480w, https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11697.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Auto einen wahnsinnigen Umweg fahren m\u00fcssen. Die L\u00f6sung? Mit einem gro\u00dfen Reiserucksack ein Motorrad nehmen, das auf einem Trampelpfad immer zwischen und an den Gleisen entlang bis nach Koumba f\u00e4hrt. Die Zwischenfrage meines Motorradfahrers, ob ich mir Sorgen mache, weil doch ein Zug kommen k\u00f6nnte, konnte mir dann auch nichts mehr anhaben. So kam ich nach einem gesamten Tag Zugfahrt schlie\u00dflich ersch\u00f6pft und vor allem verstaubt in Koumba an. Nach einem Tag viel Sonne, viel Staub und viele M\u00fccken ging die Fahrt dann schlie\u00dflich weiter nach Bafoussam, der Hauptstadt der Westprovinz. Dort kannte ich mich inzwischen aus, wollte auch nur eine Nacht Zwischenstation machen, bevor es am n\u00e4chsten Morgen weiter nach Bangangt\u00e9 ging, eine Stunde s\u00fcdlich von Bafoussam. Dort wollte ich mich mit einem Freund treffen, mit dem ich zusammen in sein Dorf Bazou fahren und dort ein bisschen Abstand von jeder Gro\u00dfstadt finden wollte. Ich hatte also das Gl\u00fcck als vermeintliche Ehefrau in das Dorf einzureisen, was mir sofort jedes Tor und T\u00fcr \u00f6ffnete. Der Empfang war unendlich herzlich und ich sollte in den zwei folgenden Tagen diese Leute unheimlich sch\u00e4tzen lernen. Wir \u00fcbernachteten die Tage im Haus des Onkels \u2013 ein reiner M\u00e4nnerhaushalt. Ein reines Abenteuer. Ohne flie\u00dfend Wasser, Wasser wurde im 5km weit entfernten Fluss geholt. Nur dass M\u00e4nner offensichtlich weniger Bedarf an Wasser haben. Aber ich passte mich an. Uns wurde eins der beiden Zimmer des Hauses zur Verf\u00fcgung gestellt, die anderen f\u00fcnf Personen des Haushalts zw\u00e4ngten sich auf die andere Matratze.<\/p>\n<p>Ein anderer Onkel (Familienbeziehungen sind hier nicht so einfach herauszukriegen, da sie meistens einfach nur nach Sympathie und Bekanntheit vergeben werden) lud uns zum Fr\u00fchst\u00fcck am n\u00e4chsten Morgen ein. Als wir dort am n\u00e4chsten Morgen ankamen, trafen wir ihn jedoch, am Boden zerst\u00f6rt: er sei die gesamte Nacht jagen gewesen, h\u00e4tte aber nichts gefangen und sch\u00e4me sich jetzt ganz entsetzlich. Auch unsere Beteuerungen, dass das Ganze nicht schlimm sei, halfen nichts. Eine andere Mama schenkte mir eine gro\u00dfe T\u00fcte Koki (bring ich mit, ist sooo lecker!!!), umarmte mich und hatte zum Abschied Tr\u00e4nen in den Augen. Solche Geschichten h\u00e4ufen sich.<\/p>\n<p>Soweit die eine Seite, aber es gibt auch eine andere. Das Dorfleben ist wahnsinnig reglementiert, jeder Schritt wird \u00fcberwacht und es gibt Dinge, die man tut und andere, die man eben nicht tut. So wird abend<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11820.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-33\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11820-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11820-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11820-640x480.jpg 640w, https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11820.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>s immer in Gruppe getrunken: derjenige, der ein bisschen Geld in der Tasche findet, teilt mit allen anderen. Und von Leuten, die von au\u00dfen kommen, wird auch erwartet, dass sie etwas ausgeben. Ich habe versucht, es nicht zu \u00fcbertreiben, aber um ein bisschen dazuzugeh\u00f6ren, wurde eben doch Matango (Palmwein) erwartet. <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11789.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-34\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11789-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11789-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11789-640x480.jpg 640w, https:\/\/kulturweit.blog\/karininkamerun\/files\/2010\/08\/SDC11789.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Dorfleben (siehe Fotos) bietet \u00fcberhaupt neben Jagd und Landwirtschaft wenig Abwechslung. So wird ein Gro\u00dfteil des Tages damit zugebracht, Palmwein zu trinken und zu diskutieren. Wasser zu trinken, kennen die meisten nicht, sie bleiben lieber beim Palmwein. Nach ihrer Auffassung macht der ja auch nicht betrunken. Daf\u00fcr sind die Leute aber doch die ganze Zeit ganz sch\u00f6n beschickert. Mann und Frau leben recht getrennt ihren Alltag. Die Frauen in der K\u00fcche, die M\u00e4nner auf der Jagd und beim Palmwein. Wobei die Frauen dabei auch nicht nachstehen, sie sind der \u00dcberzeugung, dass sie dadurch so sch\u00f6ne Kinder haben.<\/p>\n<p>Alles in allem waren das zwei wahnsinnig spannende Tage, auch wenn ich mich mit vielen nicht unterhalten konnte: immer auf der Suche danach, das zu tun, was von mir erwartet wird, ohne dabei Dinge zu tun, hinter denen ich selbst nicht stehe. Die Menschen leben ihr Leben noch vollst\u00e4ndig in Abh\u00e4ngigkeit von der Natur, wenn sie gibt, geht es ihnen gut, wenn nicht, dann nicht. Wobei sie es dabei bei dem fruchtbaren Vulkanboden noch wirklich gut haben. Auch nach einer Woche kann ich meine Erfahrungen, Gef\u00fchle und Erlebnisse dort gar nicht in Worte fassen. Nach zwei Tagen machten wir uns weiter auf den Weg: Zwischenstopp in Bafoussam und Dschang und weiter nach Bamenda, der Hauptstadt der Nordwestprovinz, von wo wir loslegen wollten die Ringroad, eine \u201eStra\u00dfe\u201c, die einmal rund durch die Provinz geht, mitten durch eine wundersch\u00f6ne, weite Graslandschaft, die einem immer wieder zeigte, dass es auch noch unbewohnte Gegenden auf dieser Erde gibt. Diese Tage waren gepr\u00e4gt von viel viel Adrenalin, Buschtaxis und Motorr\u00e4der auf regenglitschigen Schlammstrecken und einmal mitten durch den Fluss, weil der Weg eben durch den Fluss geht \u2013 das l\u00e4sst das Abenteurerherz h\u00f6her schlagen. Nach noch einem halben Tag auf dem R\u00fccken der Pferde (nat\u00fcrlich ohne Sattel, ganz nach Fulani-Manier, eine wunderbare Art zu reiten!!) machten wir uns auf den langen R\u00fcckweg.<\/p>\n<p>Eine aufregende Woche liegt hinter mir und ich musste mich die ersten Tage erst einmal zwangsausruhen, weil der Regen, der uns auf dem Motorrad erwischt hatte, dann doch seine Spuren hinterlassen hatte. Und diese Woche hie\u00df es unter anderem Koffer kaufen f\u00fcr den R\u00fcckflug. Das war auch so eine Geschichte: weil ich selbst ja niemals die guten Preise erreichen k\u00f6nnte \u2013 im Normalfall gelingt mir das inzwischen, aber bei so etwas gro\u00dfem wie einem Koffer\u2026 &#8211; wurde ein Freund vorgeschickt. Der handelte wirklich gut aus und damit niemand merkt, dass ich dahinter stecke, gingen wir noch einmal in die Boutique, taten so, als ob wir uns nicht kennen, er ber\u00fchrte im Vorbeigehen zwei Koffer, ich schaute sie mir an, nickte leicht und ging. Und er kaufte dann den Koffer. Was f\u00fcr ein Versteckspiel.<\/p>\n<p>Und nun?<\/p>\n<p>Jetzt habe ich Urlaub. Ein angenehmes Gef\u00fchl, auch wenn ich ja eigentlich gerade erst aus den Ferien zur\u00fcckgekommen bin. Und heute Abend geht es auf die gro\u00dfe Reise in die Nordprovinzen. Wieder ein anderes Kamerun. Kamerun verallgemeinern? Meiner Meinung nach durch die ganzen unterschiedlichen Kulturen und V\u00f6lker nicht m\u00f6glich. So bin ich jetzt gespannt auf den voll und ganz muslimischen Norden. Heute Abend geht es mit dem alten deutschen Kolonialzug nach Ngaoundere.<\/p>\n<p>Deshalb muss ich jetzt auch mal schnell noch duschen, wer wei\u00df, wann ich das n\u00e4chste Mal an flie\u00dfend Wasser komme.<\/p>\n<p>Bis dahin alles Liebe!!!<\/p>\n<p>Karin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entgegen aller Pl\u00e4ne und Vorhaben wird diese Rundmail wohl doch k\u00fcrzer ausfallen als erwartet, bin ich doch schon wieder auf dem Sprung zur n\u00e4chsten Reise. 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