{"id":70,"date":"2017-10-15T21:26:35","date_gmt":"2017-10-15T19:26:35","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/karilenke\/?p=70"},"modified":"2017-12-11T16:03:24","modified_gmt":"2017-12-11T15:03:24","slug":"mehr-mehr-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/karilenke\/2017\/10\/15\/mehr-mehr-mehr\/","title":{"rendered":"Mehr, mehr, mehr!"},"content":{"rendered":"<p>Auch f\u00fcr mich liegt der erste Monat nun hinter mir. Ein Monat in Ungarn &#8211; erst oder schon?<\/p>\n<p>Der Plan in meinem Kopf von dieser neuen Umgebung und auch Sprache hat erst begonnen, sich langsam zu ergeben. Doch ich finde mich schon gut zurecht.<\/p>\n<p>Das Chaos beginnt sich zu legen und zu ordnen und es bleiben ein paar Augenblicke um einfach zu genie\u00dfen. Und Genuss, das ist es, was diese Zeit hier am meisten verlangt. Voller Eindr\u00fccke und Erlebnisse bin ich &#8211; und es soll immer mehr werden. Und ich will, dass es immer mehr wird.<\/p>\n<p>Ich genie\u00dfe es. Jeden Tag.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_72\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karilenke\/files\/2017\/10\/IMG_3818.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-72\" class=\"size-medium wp-image-72\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karilenke\/files\/2017\/10\/IMG_3818-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/karilenke\/files\/2017\/10\/IMG_3818-300x200.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/karilenke\/files\/2017\/10\/IMG_3818-150x100.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/karilenke\/files\/2017\/10\/IMG_3818-768x512.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/karilenke\/files\/2017\/10\/IMG_3818.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-72\" class=\"wp-caption-text\">Budapest<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich durch die Stra\u00dfen meines Dorfes laufe, dann umf\u00e4ngt mich eine tiefe Ruhe. Ich rieche die Tiere, die in den Nachbarg\u00e4rten wohnen und abends die Holz\u00f6fen, die in den H\u00e4usern brennen. Ich sehe Kinder, die sich auf den Stra\u00dfen treffen und Fahrrad fahren. Ich sehe, wie irgendwo ein Garten mit der Sense gem\u00e4ht wird, wie \u00e4ltere Damen mit Kittel und Kopftuch auf den B\u00e4nken vor den schw\u00e4bischen Langh\u00e4usern kl\u00f6nen, wie mit dem Fahrrad eingekauft wird und wie Menschen von den Feldern mit ihrer Pferdekutsche kommen, wie die Vorh\u00f6fe gefegt werden. Ich rieche den Herbst und sehe die Bl\u00e4tter sich verf\u00e4rben und auf die sauberen, ordentlichen Stra\u00dfen zusammen mit Kastanien, Pflaumen und Waln\u00fcssen herunterfallen. Ich h\u00f6re leise Unterhaltungen und freundliche Begr\u00fc\u00dfungen, wenn Menschen sich begegnen, die Hunde in den G\u00e4rten bellen und die Pferdehufe klappern. Ab und zu fahren Autos oder Busse vorbei. Manchmal ist mehr los auf den Stra\u00dfen, doch es ist nie voll oder erdr\u00fcckend, es ist immer weit. Und weil das Land so flach ist, meint man, der Dorfrand w\u00e4re gleich hinterm n\u00e4chsten Haus. Auch vor der Schule h\u00f6rt und sieht man Kinder lachend auf dem gro\u00dfen Schulhof spielen. Es scheint, als lebe ich auf einer friedlichen Wolke. Der Sonnenschein und die klare Luft zaubern mir zusammen mit dieser Ruhe hier immer ein L\u00e4cheln auf die Lippen, wenn mein Fahrrad mich von Ort zu Ort bringt.<\/p>\n<p>Wenn ich in den Bus einsteige, verlasse ich diese Ruhe nicht sofort. Doch, wenn ich wieder aussteige, bin ich in Budapest. Gro\u00dfstadttrubel und Hektik umgeben mich. Aber es erwartet mich so viel, um entdeckt zu werden und ich genie\u00dfe es. An immer neuen Orten vorbeikommen und zu wissen, dass man sie wieder besuchen kann, denn ich bin erst einen Monat hier. Zwischen Touristen die bekannten Orte ansehen und feststellen, dass ich mich von der Hektik l\u00f6sen kann, denn ich habe schon einiges gesehen und bin noch lange hier. Die uralten Geb\u00e4ude und historischen St\u00e4tten und im Kontrast ein modernes Leben. Ein Spagat zwischen neu und alt &#8211; der sich wunderbar in einem ganz eigenen Charme ausdr\u00fcckt.\u00a0 Auch das gibt Ruhe. Aber auf eine andere Art und Weise.<\/p>\n<p>Ich genie\u00dfe es, zu bemerken, wie man sich ver\u00e4ndert und w\u00e4chst und jeden Tag immer mehr sieht, versteht, kann und wird.<\/p>\n<p>Da ist zum einen der Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit, der Schritt, sich um sich selbst zu k\u00fcmmern und zu sehen, wie es klappt und wie sch\u00f6n es ist.<\/p>\n<p>Da ist auch die Sprache. Immer mehr W\u00f6rter verstehe ich, aus Gespr\u00e4chen erkenne ich Satzfetzen, die ich einordnen kann und langsam erhalte ich ein anf\u00e4ngliches Gef\u00fchl daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Dort sind die Kinder, die mich immer mehr ins Herz schlie\u00dfen, mir winken und mich begr\u00fc\u00dfen &#8211; egal, wo wir uns treffen. Die Kinder, in deren Unterricht ich immer mehr \u00fcbernehmen darf und erz\u00e4hle und dadurch mehr Sicherheit und Erfahrung darin gewinne. Und die Erlebnisse, wenn sie mich umarmen und ich wei\u00df, ich bin angekommen in ihrem Schulleben.<\/p>\n<p>Dort sind das Dorf und die Stadt, in denen ich mich immer besser zurecht finde und wof\u00fcr sich ein immer detaillierteres Gef\u00fchl (und eine Orientierung) in meinem Kopf entwickelt.<\/p>\n<p>Ich genie\u00dfe diese kleinen und gro\u00dfen Unterschiede, die ich wahrnehmen kann und darf und diese Ver\u00e4nderung &#8211; zeitlich und r\u00e4umlich, bezogen auf meinen Auslandsaufenthalt im Gegensatz zu meiner Herkunft und bezogen auf meinen h\u00e4ufigen Wechsel zwischen hektischer Gro\u00dfstadt und kleinem Dorf.<\/p>\n<p>Und ich werde weiterhin auf all die kleinen und gro\u00dfen Erlebnisse zur\u00fcckblicken und sie revue-passieren lassen in meinem Kopf. Daraus werden n\u00e4chster Zeit kleinere bebilderte Posts folgen, die meine Erlebnisse zusammenfassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch f\u00fcr mich liegt der erste Monat nun hinter mir. Ein Monat in Ungarn &#8211; erst oder schon? Der Plan in meinem Kopf von dieser neuen Umgebung und auch Sprache hat erst begonnen, sich langsam zu ergeben. Doch ich finde mich schon gut zurecht. 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