{"id":100,"date":"2023-04-28T16:56:35","date_gmt":"2023-04-28T14:56:35","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/juliusreinemann\/?p=100"},"modified":"2024-01-12T23:00:36","modified_gmt":"2024-01-12T22:00:36","slug":"die-sache-mit-dem-visum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/juliusreinemann\/2023\/04\/28\/die-sache-mit-dem-visum\/","title":{"rendered":"Die Sache mit dem Visum"},"content":{"rendered":"<p>Das Lesen des folgenden Artikels mag f\u00fcr einige Lesende vermutlich anstrengend und erm\u00fcdend sein. Ich will es mir jedoch nicht nehmen lassen, \u00fcber meine Erfahrungen bei der Beantragung des Visums zu berichten, da dies neben meiner Arbeit an der Schule wohl die f\u00fcr die ersten sechs Wochen in Bolivien pr\u00e4gendste Herausforderung war. F\u00fcr mich, der mit dem gro\u00dfen Privileg aufgewachsen ist, im Besitz einer deutschen und europ\u00e4ischen Staatsb\u00fcrgerschaft zu sein \u2013 und dies in Zeiten des Schengener Abkommens, der Freiz\u00fcgigkeit innerhalb Europas sowie der M\u00f6glichkeit, mit dem deutschen Pass in sehr viele L\u00e4nder der Welt visumsfrei einzureisen, ist die Beantragung einer solchen Aufenthaltsgenehmigung au\u00dferdem eine vollkommen neue Erfahrung.<\/p>\n<p>Bolivien erm\u00f6glicht es aus Deutschland heraus lediglich, ein Visum f\u00fcr die ersten 30 Tage zu beantragen. Vor Ort folgt nicht etwa die unkomplizierte Verl\u00e4ngerung desselben, sondern ein vollkommen neuer, alles in Deutschland \u00fcbertreffender Prozess. Nicht nur aus diesem Grund, sondern noch vielmehr, da meine urspr\u00fcnglich f\u00fcr September 2022 mit Kulturweit geplante Ausreise nach Chile ohne jegliche Mitschuld meinerseits aufgrund der Situation hinsichtlich des Visums abgesagt werden musste, war dieses Thema f\u00fcr mich von Beginn an besonders sensibel und mit gro\u00dfem Stress behaftet.<\/p>\n<p>Somit machte ich mich schon im letzten Oktober an die Beantragung des \u201evisa de objeto determinado \u2013 trabajo\u201c f\u00fcr die ersten 30 Tage, welches bei der bolivianischen Botschaft in Berlin zu beantragen ist. Hierbei war der Prozess recht unkompliziert, vier Wochen und drei Anrufe bei der Botschaft sp\u00e4ter hielt ich mein Visum in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p>F\u00fcnf Monate sp\u00e4ter. Bereits am ersten vollen Tag in Bolivien traf ich mich mit meiner Tramitadora (kostenpflichtige Hilfe bei der Visumsbeantragung) und wir besprachen das Vorgehen in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Wochen. Am Anfang war ich sehr froh \u00fcber diese Hilfe und die Sicherheit, die M. mir gab, jedoch verkehrte sich dieses Gef\u00fchl mit allem, das im Folgenden schief gehen sollte, ins Gegenteil.<\/p>\n<p>Bevor wir zur Migraci\u00f3n \u2013 der Einwanderungsbeh\u00f6rde Boliviens \u2013 gehen konnten, mussten noch einige Dokumente organisiert werden. Der erste gro\u00dfe \u201eBeh\u00f6rdengang\u201c stand in der zweiten Woche an: Der Besuch beim Amtsarzt im Polizeikrankenhaus. Mein Respekt vor diesem Termin war bereits sehr gro\u00df, jedoch steigerte er sich noch weiter, als ich die vielen Menschen in Uniform sah, die in diesem Krankenhaus arbeiteten. Zus\u00e4tzlich merkte man an jeder Ecke, dass es dort an Geld und moderner Ausstattung fehlt. Eigentlich ist es unbegr\u00fcndet, aber die Tatsache, dass ich beim Warten zuf\u00e4llig dem Morgenapell der Belegschaft beiwohnte, vermochte es ebenfalls nicht, mir etwas meiner Nervosit\u00e4t zu nehmen. Ich empfinde es als fragw\u00fcrdig, dass im Rahmen dieses Termins nicht nur eine Urinprobe durchgef\u00fchrt, sondern dar\u00fcber hinaus auch Blut abgenommen und eine verpflichtende R\u00f6ntgenaufnahme des Thorax durchgef\u00fchrt wurde, zumal ich die Relevanz f\u00fcr das Visumsverfahren nach wie vor nicht als gegeben ansehe. Nach einer eingehenden Untersuchung und einem Anamnesegespr\u00e4ch mit einem Amtsarzt hielt ich dann einen Tag sp\u00e4ter mein notwendiges medizinisches Zertifikat in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf der Woche organisierte ich bei der Verwaltung meiner Schule die \u201ecertificaci\u00f3n de voluntariado\u201c (Zertifikat f\u00fcr den Freiwilligendienst) sowie den \u201econvenio privado de colaboraci\u00f3n\u201c (privater Vertrag zwischen Schule und mir). Aber nicht nur dies, dar\u00fcber hinaus wurde eine Kopie des Personalausweises des Schulleiters sowie sein \u201epoder\u201c (ca. 17-Seitiges notarielles Dokument, welches best\u00e4tigt, dass der Schulleiter seine Position rechtm\u00e4\u00dfig innehat) sowie eine Registrierungsurkunde der Schule ben\u00f6tigt. Dies alles ist jedoch leichter gesagt als getan, denn die Verwaltung meiner Schule wusste zumeist nicht genau, was ich von ihr wollte. Infolgedessen taten sich immer wieder neue Fehler auf, die ich beheben musste.<\/p>\n<p>Nachdem mein F\u00fchrungszeugnis aus Deutschland aufs Neue \u00fcbersetzt war (die \u00dcbersetzung aus Deutschland wurde aus mir unerfindlichen Gr\u00fcnden nicht akzeptiert; wieder einmal 75 Euro zum Fenster herausgeschmissen) musste es noch vom deutschen Honorarkonsul in Cochabamba legalisiert werden. Nun musste die \u00dcbersetzung nochmals von bolivianischer Seite legalisiert werden. Meine Tramitadora schrieb mir eine halbe Stunde vor einem unserer Treffen, dass die daf\u00fcr zust\u00e4ndige \u201eCanciller\u00eda\u201c f\u00fcr diesen Stempel nun auf einmal doch 100 Dollar statt der angek\u00fcndigten 50 Dollar verlange. Es soll jeder seine eigenen Schl\u00fcsse ziehen, aber dies Geschah zu einem Zeitpunkt, an dem Dollar in Bolivien aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden de facto nicht bei einer Bank oder in einer Wechselstube zu bekommen waren. Somit blieb mir nichts anderes \u00fcbrig, als zu einem grausamen Wechselkurs Dollar bei einem alles andere als vertrauenserweckenden Stra\u00dfenstand mit der Aufschrift \u201eDolares\u201c zu kaufen. Zus\u00e4tzlich fragw\u00fcrdig erscheint es mir, dass man lediglich f\u00fcr die Zahlung in Bolivianos eine Rechnung erh\u00e4lt, nicht aber f\u00fcr die Geb\u00fchr in Dollar.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus musste ich beim Notar eine Erkl\u00e4rung zu meinem Freiwilligendienst sowie der Quelle meiner Eink\u00fcnfte abgeben und die Migraci\u00f3n verlangt die Kontoausz\u00fcge der letzten drei Monate, was ebenfalls kein unerheblicher Eingriff in die Privatsph\u00e4re ist \u2013 immerhin kann man dar\u00fcber de facto mein gesamtes Leben der letzten drei Monate nachvollziehen. Au\u00dferdem forderte die Migraci\u00f3n eine Kopie meiner Kreditkarte sowie Kopien der Personalausweise meiner Eltern. Soweit zumindest der damalige Stand.<\/p>\n<p>Nach erneuten gravierenden Problemen mit den Dokumenten meiner Schule stand am n\u00e4chsten Tag der erste Besuch in der Migraci\u00f3n an. Dorthin zu gelangen war jedoch bereits eine gro\u00dfe Herausforderung, da ein Gro\u00dfteil des Verkehrs in Cochabamba aufgrund umfangreicher Stra\u00dfenblockaden, den \u201ebloqueos\u201c, an diesem Tag stillgelegt war. Nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit des Wartens kamen wir an die Reihe. Mit h\u00f6chster Akribie kontrollierte der Beamte jede einzelne Information der zahllosen Dokumente. Es schien fast zu gut um wahr zu sein: Der Beamte hatte nichts auszusetzen und forderte mich zur Zahlung des Visums (immerhin fast 175 Euro) auf.<\/p>\n<p>Ich dachte in diesem Moment aufgrund der so genauen Kontrolle, dass ich es wirklich geschafft h\u00e4tte. Nun stand jedoch eine zweite Kontrolle an. Nach wenigen Sekunden merkte ich hier, dass etwas nicht stimmte. Ich war in diesem abgetrennten Raum alleine und musste ohne meine Tramitadora dabei zusehen, wie mein Reisepass und mein Visum wild in privaten Whatsapp-Chats herumgeschickt wurde. Zuerst ging es generell um die Frage, ob mein Visum nicht schon bei der Einreise abgelaufen war. Als dies jedoch f\u00fcr mich positiv ausging, war die Beamtin unsicher dar\u00fcber, ob ich denn nun mein Visum verl\u00e4ngern k\u00f6nnte. Nach kurzer Zeit war es klar: Ich konnte mein Visum erst an Tag 20 in Bolivien verl\u00e4ngern. An jenem Tag war Tag 18. Ich war \u00fcber diese Aussage mehr als fassungslos, da ich noch nie von einer derartigen Regel geh\u00f6rt hatte und der Beamte in der ersten Kontrolle sowie meine Tramitadora nichts davon gesagt hatten \u00ad\u2013 bezahlt hatte ich ja immerhin auch schon. Nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit bekam ich immerhin mein Geld zur\u00fcck und begab mich frustriert auf den Weg nach Hause.<\/p>\n<p>Einige Tage sp\u00e4ter ging ich mit einem entspannten Gef\u00fchl in die Migraci\u00f3n, da meine Dokumente ja bereits \u00fcberpr\u00fcft wurden. Dieses verfl\u00fcchtigte sich bereits, als meine Tramitadora ohne Vorank\u00fcndigung nicht auftauchte und ich somit alleine mit den Beamten kommunizieren musste. Obwohl der Beamte der gleiche war, der bereits wenige Tage zuvor meine Dokumente \u00fcberpr\u00fcft hatte, war der Ausgang ebenjener \u00dcberpr\u00fcfung ein anderer. Pl\u00f6tzlich meinte er nun zu mir, dass ich mein Visum erst ab Tag 30, also ab Ablauf des alten Visums verl\u00e4ngern k\u00f6nnte, obwohl ich vier Tage zuvor mit der Begr\u00fcndung abgewiesen wurde, ich k\u00f6nne dies erst ab Tag 20. Ich entgegnete, dass ich dann ja illegal sei und Strafen zahlen m\u00fcsste. Leicht schnippisch stimmte der Beamte mir zu. Ich hatte den Versuch enttarnt, mich in die Illegalit\u00e4t und damit zum Zahlen einer Geldstrafe zu treiben. Leider ist es so, dass die Beamten in der Migraci\u00f3n von den gezahlten Geldstrafen direkt profitieren und aufgrund ihrer sehr schlechten Bezahlung auch auf diese angewiesen sind.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich fand der Beamte doch noch einen Fehler, ein Datum einer Unterschrift in einem Dokument der Schule war mehr als drei Monate alt. Dies war nichts anderes als plausibel und sehr einfach nachvollziehbar. W\u00e4hrend ich noch versuchte, dem Beamten ebendies zu verdeutlichen, packte er mit sichtlich gestiegenem Elan wieder alle meine Dokumente zusammen. Auch wenn es im R\u00fcckblick vielleicht l\u00e4cherlich wirken mag, in diesem Moment war ich bereits so nerv\u00f6s und f\u00fchlte mich so ungerecht behandelt und machtlos, dass ich mich sehr anstrengen musste, nicht in Tr\u00e4nen auszubrechen.<\/p>\n<p>Mit leichter S\u00fcffisanz meinerseits kam ich bereits etwas mehr als eine Stunde sp\u00e4ter in die Migraci\u00f3n zur\u00fcck und pr\u00e4sentierte dem Beamten das neue Dokument. Nun gab es f\u00fcr ihn nichts mehr auszusetzen, ich durfte aufs Neue bezahlen, wieder ewig warten und schlie\u00dflich meinen Antrag in einer weiteren Kontrolle endg\u00fcltig abgeben. Mein Reisepass wurde selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr die kommenden Wochen einbehalten \u2013 ein Umstand, der mich abermals sehr nerv\u00f6s machte.<\/p>\n<p>So weit so gut, nun sollte man eigentlich denken, dass mein Artikel mit der unkomplizierten Abholung des Visums endet. Ab jetzt wird es jedoch erst richtig lustig.<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter stehe ich am Flughafen und warte auf das Boarding f\u00fcr meinen Flug nach La Paz, wo ich ein verl\u00e4ngertes Wochenende verbracht habe. Auf einmal erreichte mich ein Anruf, in der Situation konnte ich jedoch nicht abnehmen und dachte mir nichts B\u00f6ses dabei. W\u00e4hrend ich ins Flugzeug einstieg, erreichte mich jedoch \u00fcber WhatsApp eine von meiner Tramitadora weitergeleitete Sprachnachricht des Beamten der Migraci\u00f3n, der bereits mehrmals meine Dokumente \u00fcberpr\u00fcft hatte. Nun wurde meine Geburtsurkunde ben\u00f6tigt, und das sofort. W\u00e4hrend das Flugzeug bereits zum Start rollte, suchte ich auf meinem Handy noch einen Scan meiner Geburtsurkunde heraus.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Woche erreichte mich dann \u00fcber meine Ansprechpartnerin in der Schule die Nachricht, dass noch weitere Dokumente fehlten. Meine Tramitadora hatte mich dar\u00fcber jedoch nicht informiert und versuchte auf eigene Faust, die Steuernummer meiner Schule sowie die Schulverfassung zu organisieren. Dies f\u00fchrte jedoch dazu, dass im ganzen Prozess fast eine Woche Stillstand herrschte und sich erst etwas bewegte, als ich die Sache selbst in die Hand nahm. Die Kommunikation mit meiner Tramitadora war hierbei \u2013 wie w\u00e4hrend des gesamten Prozesses der Visumsbeantragung \u2013 extrem schwierig, da sie sprachlich wie inhaltlich nicht bem\u00fcht war, meine Fragen verst\u00e4ndlich zu beantworten oder mir etwas meiner Angst zu nehmen. Im Gegenteil: Meistens f\u00fchrte ihre mangelhafte Kommunikation bei mir zu zus\u00e4tzlichem Stress, Unklarheit und damit Angst. Es machte mich verr\u00fcckt, dass sie mit den Migrationsbeamten \u00fcber WhatsApp \u00fcber meinen Antrag kommunizierte und mich nur auf Nachfrage meinerseits vage dar\u00fcber in Kenntnis setze. \u00a0Nachdem die Dokumente eingereicht waren, musste ich erneut in die Migraci\u00f3n, um dort eine Erkl\u00e4rung \u00fcber die \u201eObservaciones\u201c (Beobachtungen) w\u00e4hrend der Bearbeitung meines Antrags zu unterschreiben. Zuvor kam es wieder einmal zu Problemen hinsichtlich l\u00e4cherlicher Details: Die Migraci\u00f3n forderte das Deckblatt der Schulverfassung. Nach R\u00fccksprache mit der Verwaltung meiner Schule sowie einem Notar war klar, dass ein solches jedoch nicht existierte. Mit viel \u00dcberredungskunst akzeptierte die Migraci\u00f3n das dann auch. Meine Tramitadora hatte sich aus dem Prozess nun de facto herausgenommen und begleitete mich nicht mehr zu den Terminen \u2013 obwohl ich mir dies w\u00fcnschte.<\/p>\n<p>Wenn man es erstmal in den ersten Stock der Migraci\u00f3n geschafft hat, muss schon einiges schiefgegangen sein. Dies wurde mir klar, nachdem ich bei diesem Termin 2,5 Stunden in dem engen Gang dieses unangenehmen Orts verbracht hatte und mich hierbei mit meinen Mitwartenden unterhielt. Nicht nur bei den Lehrer*innen in der Schule, auch bei meinen Mitwartenden war der Frust \u00fcber die Arbeitsweise der Migraci\u00f3n riesig. Ich unterhielt mich hierbei eingehender mit einem Bolivianer, der mir ebenfalls erz\u00e4hlte, dass der Frust \u00fcber diese Beh\u00f6rde nicht nur wegen der weitverbreiteten Willk\u00fcr, sondern auch der Dem\u00fctigung aufgrund vernachl\u00e4ssigbarer Details (z.B. \u00dcberschriften von Dokumenten oder einzelne Buchstaben in Bescheinigungen) einen \u00e4u\u00dferst schlechten Ruf hat \u2013 immerhin bietet die Migraci\u00f3n nicht nur Dienstleistungen f\u00fcr Ausl\u00e4nder, sondern auch f\u00fcr Bolivianer*innen an. Dar\u00fcber hinaus \u00e4ndern sich die Anforderungen, soweit sie denn beachtet werden, st\u00e4ndig (in letzter Zeit wurden sie deutlich strenger) und der Ausgang von Verfahren h\u00e4ngt oftmals von der Tagesstimmung eines Beamten ab. Auch die Lehrer*innen meiner Schule k\u00f6nnen mit frustrierenden Geschichten \u00fcber die Migraci\u00f3n Stunden f\u00fcllen. Zumindest in der Schule meinte man auch zu mir, dass es bei mir schon wirklich schlecht gelaufen war. Normalerweise war der Prozess mit der Abgabe des Antrags abgeschlossen, was bei mir offenkundig nicht der Fall war.<\/p>\n<p>Nachdem ich endlich an der Reihe war und die Erkl\u00e4rung unterschreiben konnte, versprach der Beamte mir, dass mein Visum am n\u00e4chsten Tag fertig sein w\u00fcrde. Ich war mittlerweile mit den Nerven am Ende, da es sich so anf\u00fchlte, als w\u00fcrde das alles nie enden und die Migraci\u00f3n immer weitere Dokumente fordern. Besonders Angst hatte ich, dass dies beispielsweise auch schwer zu beschaffende Dokumente aus Deutschland h\u00e4tten sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als ich am n\u00e4chsten Tag in die Migraci\u00f3n ging, wurde ich jedoch abermals bitter entt\u00e4uscht. Entgegen der Versprechung am Tag zuvor war mein Antrag noch immer nicht fertig bearbeitet. Aufs Neue wartete ich eine ganze Weile in dem Gang, in dem ich bereits am Tag zuvor einige Stunden verbracht hatte. Es half jedoch nichts, der Verantwortliche der Migraci\u00f3n vertr\u00f6stete mich wieder auf den n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<p>Nun war ich endg\u00fcltig mit den Nerven am Ende. Ich erinnere mich, dass ich in der kommenden Nacht kaum schlief. Das Visum war f\u00fcr mich schon immer ein absolutes Stressthema und nun schien es schlimmer als je zuvor. Aus Sorge, dass sich auch am folgenden Tag nichts bewegen w\u00fcrde, begleitete mich eine Lehrerin aus der Schweiz zur Migraci\u00f3n, die bereits seit 15 Jahren in Bolivien lebt und viele eigene Erfahrungen mit dieser Beh\u00f6rde gemacht hat. Wir dachten uns bereits Argumentationsstrategien f\u00fcr das erneute Diskutieren mit dem Verantwortlichen aus. Doch das Undenkbare geschah: Mein Reisepass mit dem Visum wurde mir ausgeh\u00e4ndigt. Es war leider der sch\u00f6nste Moment bis jetzt in Bolivien.<\/p>\n<p>Doch damit war der B\u00f6rdenmarathon noch nicht beendet, denn nun galt es, einen bolivianischen Personalausweis bei SEGIP zu beantragen. Dies ging jedoch weitestgehend reibungslos. Und nachdem aufs Neue mehrmals alle meine Fingerabdr\u00fccke genommen, Fotos von mir gemacht und ich eine saftige Geb\u00fchr bezahlte, hielt ich eine Woche sp\u00e4ter meinen Personalausweis in den H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Insgesamt hat mich der Erwerb der Aufenthaltsgenehmigung(en) je nach Rechnung 600 bis 800 Euro gekostet und war alleine in Bolivien mit elf Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen (plus f\u00fcnf meiner Tramitadora) verbunden.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass ich in diesem Jahr keine bolivianische Beh\u00f6rde mehr von innen sehen werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Lesen des folgenden Artikels mag f\u00fcr einige Lesende vermutlich anstrengend und erm\u00fcdend sein. Ich will es mir jedoch nicht nehmen lassen, \u00fcber meine Erfahrungen bei der Beantragung des Visums zu berichten, da dies neben meiner Arbeit an der Schule wohl die f\u00fcr die ersten sechs Wochen in Bolivien pr\u00e4gendste Herausforderung war. 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