{"id":251,"date":"2010-10-19T18:35:24","date_gmt":"2010-10-19T16:35:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/juliagoeseast\/?p=251"},"modified":"2010-10-27T15:06:08","modified_gmt":"2010-10-27T13:06:08","slug":"grauen-voll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/juliagoeseast\/2010\/10\/19\/grauen-voll\/","title":{"rendered":"Grauen-voll! Die Metro um 18 Uhr"},"content":{"rendered":"<p>Der Metro zur Rush Hour widme ich einen eigenen Eintrag. Anders l\u00e4sst sich diese Sache nicht integrieren, denn sie weicht von allem ab, was ich bisher erlebt habe. Ich dachte, die Medien \u00fcbertreiben, wenn sie \u00fcber Chinas volle Z\u00fcge berichten, aber das ist alles Realit\u00e4t (jedenfalls zur Rush Hour).<\/p>\n<p>Diese Rush Hour erstreckt sich gew\u00f6hnlich von 7-8 Uhr und von 18-19 Uhr, wobei es abends schlimmer ist. Viel schlimmer.<\/p>\n<p>Wir wollten einmal mit der Metro zur besagten Zeit fahren und warteten auf die Bahn. Als sie endlich kam sah man in ihr dicht gedr\u00e4ngt Menschen stehen. Sie war komplett \u00fcberf\u00fcllt und so wollten wir die n\u00e4chste nehmen. Den Chinesen hat das nichts ausgemacht. In die ohnehin schon platzende Bahn sind noch mindestens 6 weitere Chinesen eingestiegen. Ich wei\u00df nicht, wie die das gemacht haben. Und sollte es bald herausfinden! Die n\u00e4chste Bahn sah genauso aus wie die davor, also entschieden wir uns dieses Mal einzusteigen. Wir wollten als eine der Letzten einsteigen, weil wir nach 2 Stationen schon wieder raus mussten. Also stellten wir uns hinten an. Als wir dann drin waren, kamen hinter uns noch mindestens 4 Weitere. Nichts da mit nahe-an-der-T\u00fcr-stehen&#8230; Unbeweglich zwischen allen m\u00f6glichen Menschen eingezw\u00e4ngt, fuhren wir in die n\u00e4chste Station. Dort stiegen mindestens nochmal so viele ein. Man bedenke: Als wir eingestiegen sind, war die Bahn schon voll. Aber es schafften immer noch Leute, sich rein zu zw\u00e4ngen. Wie machen die das blo\u00df?! Unsere Station wurde angesagt und wir machten uns fertig zum aussteigen. Als sich die T\u00fcren \u00f6ffneten, kamen wir gar nicht dazu, uns mit bester Manier durchzuboxen. Denn ein gewaltiger Strom an Menschen zw\u00e4ngte sich in diesen Zug! Zwar sind auch einige ausgestiegen, aber leider nicht die, die vor uns standen. Und die dachten nicht mal dran, kurz auszusteigen, um die Leute hinter ihnen rauszulassen, nein, dann k\u00e4men sie selbst ja nicht mehr rein! Hoffnungslos fuhren wir also eine Station zu weit. Dort schafften wir es endlich dank der Menschen vor uns, aus diesem Zug zu entkommen.<\/p>\n<p>Puh, nach einer kurzen Verschnaufpause ging es dann schon weiter. Wir mussten ja eine Station wieder zur\u00fcckfahren. Der Zug in die Gegenrichtung sah nicht besser aus. Also stiegen wir nun wirklich als eine der letzten ein. Vor mir dr\u00e4ngte sich noch ein Mann rein, aber ich hatte ja nur ihn vor mir und war mir sicher, die n\u00e4chste Station rauszukommen. Falsch gedacht! Kurz bevor sich die T\u00fcren \u00f6ffneten fragte ich ihn, ob er zur Seite gehen k\u00f6nne. Entweder h\u00f6rte er es nicht, oder aber er ignorierte mich, jedenfalls schien keiner au\u00dfer uns aussteigen zu wollen (oder zu k\u00f6nnen) und der Schwall an Menschen brach auf uns ein. Ich hatte wirklich nur diesen einen Typen\u00a0 vor mir und wollte mich an ihm vorbei zw\u00e4ngen, aber der Idiot dachte nicht dran Platz zu machen, kurz auszusteigen. Wir waren gefangen, kamen weder vor noch zur\u00fcck und wurden weiter ins Innere des Zuges geschubst. Ich stand im Vergleich zu Patrick noch relativ nah am Ausgang, also holte ich meine spitzesten Ellenbogen raus und w\u00fchlte, dr\u00e4ngte mich durch die reinbrechenden Massen an K\u00f6rpern, die alle nur ein Ziel kannten: das Innere des Zuges, ohne R\u00fccksicht auf Verluste. Tats\u00e4chlich schaffte ich es aus dem Zug und flog beinahe auf die Fresse, weil der Druck so urpl\u00f6tzlich nachlie\u00df. Ich muss wie ein Geschoss ausgesehen haben, das eine Mauer durchbrach, weil ich mich zur einfacheren Fortbewegung duckte. Es war wirklich grauenvoll. Es f\u00fchlte sich an, als w\u00fcrde man Gegenst\u00e4nde oder Tiere mit aller Kraft aus dem Weg schieben wollen.<\/p>\n<p>Das hatte ich selbst um 7.30 Uhr und um 13.45 Uhr am Altenbekener Damm in Hannover noch nicht erlebt, obwohl es da mit den ganzen Sch\u00fclern und ihren 4-You&#8217;s auch schon mal ganz sch\u00f6n eng werden konnte. Aber niemals <span style=\"text-decoration: underline\">so<\/span> eng. Hannover ist ein Traum dagegen.<\/p>\n<p>Erst dann ist mir aufgefallen, dass in SH und BJ &#8217;s Metrostationen vieles darauf ausgerichtet ist, gro\u00dfe Menschenmassen sicher zu lenken. So gibt es Glasfassaden auf den Bahnsteigen, die die Menschen von der einfahrenden Bahn und den Schienen trennen, an Stellen durch\u00a0 Automatikt\u00fcren zum Ein- und Aussteigen unterbrochen. Aufseher werden bezahlt, die die Menschen neben den T\u00fcren positionieren, um den aussteigenden Fahrg\u00e4sten Platz zu machen, selbst Pfeile sind in den Boden eingelassen. Es gibt gro\u00dfe, stabile Gitter, die den Strom in die richtigen Bahnen lenken und beim Umsteigen ziemich nervig sind. Selbst auf geraden Strecken verhindern die Gitter ein heilloses Durcheinander. Wahrscheinlich ist deshalb noch keine Massenpanik ausgebrochen&#8230; Die Ausschilderung ist sehr gut. In SH noch besser als in BJ, aber in SH ist auch die EXPO und es sind auch mehr Linien unterwegs, aber diese Riesenpfeile auf dem Boden sind wirklich idiotensicher. Desweiteren sind die Bahnen breiter gebaut,die T\u00fcren scheinen nicht gro\u00df auf Gegendruck zu reagieren und es gibt keine Lichtschranken. Alles nur hinderlich in der Rush Hour. In dem Bahnh\u00f6fen gibt es gro\u00dfe Wartes\u00e4\u00e4le mit Sitzgelegenheiten, damit sich nicht alle auf dem Bahnsteig tummeln. Kruz vor Abfahrt des Zuges werden die Leute dann durchgelassen. So gibt es auch kein Durcheinander auf den G\u00e4ngen zum Bahnsteig und man folgt einfach der Masse. Es werden dann bei jedem Halt die Wagont\u00fcren abgeschlossen, um einen Menschenstrom durch den gesamten Zug zu verhindern. Und auch sonst stehen \u00fcberall Leute in Uniform rum, die f\u00fcr Ordnung sorgen. Es gibt Verkehrshelfer, weil Ampeln nicht reichen, und Polizisten, weil der Fu\u00dfweg der Nanjing Lu zu schmal ist.<\/p>\n<p>Hach ja, China&#8230; \u4e2d\u56fd\u4eba\u592a\u591a\u4e86\uff01<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Metro zur Rush Hour widme ich einen eigenen Eintrag. Anders l\u00e4sst sich diese Sache nicht integrieren, denn sie weicht von allem ab, was ich bisher erlebt habe. 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